No means No!Im Club bin ich Single

«Sorry, ich habe einen Freund» ist die Wunderwaffe gegen ungewollte Anmachen. Warum diese Aussage äusserst problematisch ist, und wir damit aufhören sollten – auch wenn wir tatsächlich einen Freund haben. Denn ein «Nein» sollte immer als genau das akzeptiert werden.

Single im Ausgang

Ich gehe gerne in den Ausgang. Meistens, um mit meinen Freund*innen Spass zu haben, etwas zu trinken und vor allem viel zu tanzen. Dass Bars und Clubs generell Flirtingplätze sind, weiss ich. Von Typen angesprochen zu werden, stört mich also nicht – im Gegenteil. Denn egal, ob ich auf der Suche nach einem Flirt bin oder nicht, können sich lustige Konversationen ergeben.

Doch während gewisse Typen sich respektvoll verhalten und einfach mal ein Gespräch suchen, sind andere etwas aggressiver unterwegs. Sie sind in Flirtlaune, suchen Körperkontakt und möchten wahrscheinlich den Abend mit einem One-Night-Stand krönen.

Die meisten Frauen werden also folgendes Szenario wiedererkennen: Du tanzt mit deinen Freund*innen auf der Tanzfläche und ein Typ nähert sich dir. Entweder er spricht dich etwas plump an oder – noch besser – tanzt dich wortlos von hinten an. Du hast kein Interesse und möchtest den Annäherungsversuch stoppen. Wird er dies begreifen, akzeptieren und sagen «Ah, okay» und gehen? Eher selten bis gar nicht.

Stattdessen kommen dann Sätze wie «Ach, komm schon» oder «Das stört doch deine Freund*innen nicht, wenn du ein bisschen mit mir tanzt.» Weil du merkst, dass dein Nein nicht gereicht hat und du keine Lust auf ein Hin-und-Her hast, bringst du die Wunderwaffe: «Sorry, ich habe einen Freund.» Und zack ist der Typ weg. Dieser Satz scheint die einzige schnelle, höfliche und unkomplizierte Abfuhr zu sein, die wirklich alle Typen verstehen und respektieren. Und das ist sehr problematisch.

Gewisse Typen brauchen scheinbar eine Erklärung, wieso ich nicht interessiert bin, und die einzige Erklärung, die sie widerspruchslos akzeptieren, ist, dass ich schon vergeben bin. Sie respektieren nämlich den anderen Mann, der mich schon für sich beansprucht hat, mehr als mich. Ich bin kein sexuelles Freiwild mehr, sondern «gehöre» einem anderen Mann. Darum bin ich off-limits. Was ist das für ein patriarchaler Bullshit?!

Ausserdem impliziert der Satz, dass ich ja eigentlich Interesse hätte, wenn da nur nicht mein Freund wäre. Spoiler: Hätte ich nicht. Das zeigt sich auch daran, dass viele einen Freund erfinden, um aufdringliche Typen loszuwerden. Doch wieso sollen wir unsere Bedürfnisse über einen Mann definieren, der noch nicht mal existiert?

Unsere Datingkultur ist kompliziert und ziemlich unausgeglichen. Es wird stillschweigend vorausgesetzt, dass Männer den ersten Schritt machen und die Frauen ansprechen. Das kann schwierig sein, vor allem wenn man eher introvertiert ist. Doch ebenso schwierig ist es, jemandem eine Abfuhr zu erteilen, ohne dessen Gefühle zu verletzen. Zudem wird uns Frauen von klein auf beigebracht, nett und höflich zu sein. Wir möchten ungern jemanden vor den Kopf stossen, also erklären wir unser Nicht-Interesse gerne mit einem (non-existenten) Partner.

Doch das geht auch anders. Ein «Nein danke, ich habe kein Interesse» ist anständig, ehrlich und deutlich. Auch im Club müssen wir so miteinander kommunizieren können, ohne dass gleich Egos und Herzen verletzt werden. Flirten macht sowieso nur Spass, wenn beide Parteien gleich viel Interesse zeigen. Und wenn das Interesse bei mir nicht vorhanden ist, sage ich das. Ich verlange, dass das respektiert wird. Darum werde ich meinen sehr realen Freund in solchen Situationen nicht mehr erwähnen. Denn es geht nicht darum, dass ich in einer Beziehung bin. Sondern darum, dass ich kein Interesse an dem Typen oder einem Gespräch mit ihm habe.

Mein Nein muss reichen. Und zwar ohne Erklärung.

Titelbild: shannonnicolevandy/Unsplash

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