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Like, share, comment!Instagram – so asozial ist das Medium

Laut Wikipedia ist Instagram «ein werbefinanzierter Onlinedienst zum Teilen von Fotos und Videos.» Es ist ein sogenanntes soziales Medium. Aber wie sozial ist Instagram wirklich? Was ist das Ziel und was das Resultat? Und wie geht man als junger Mensch damit um?

Sina - Instagram

Das Ziel von Instagram ist simpel: Es ist eine Plattform, die für das Teilen von Bildern und Videos gedacht ist. Ob das jetzt Fotografien von anderen sind oder Selfies oder doch von seinem Essen, ist egal - Hauptsache es sieht gut aus. Und das ist eigentlich auch das Problem: Alles sieht gut aus, fast schon perfekt, keinesfalls real. Ob mit Photoshop oder Filtern, alles wird bearbeitet. Und auch wer natürliches Licht verwendet, rückt sich alles so zurecht, dass es eben doch nicht mehr natürlich ist. Perfekte Gesichter, perfekte Körper, perfekte Leben und eben eine nicht reale Welt. Das Resultat beziehungsweise die Wirkung, welche Instagram auf unsere Gesellschaft hat, ist enorm.

Die meisten jungen Menschen nutzen Instagram. Wenn man jemanden kennenlernt oder kennenlernen will, sucht man auf dem Medium direkt mal nach der neuen Bekanntschaft. Man will sehen welche Interessen eine Person hat, was sie für ein Mensch ist oder eben; zu sein scheint. Statt sich selbst ein Bild zu machen, schaut man sich einfach Bilder auf Instagram an. Und das Abstruse an dem Ganzen ist, dass manche Menschen wirklich denken, sie kennen eine Person anhand von deren Instagram Account.

Instagram ist fake. Die Personen sind zwar echt, aber das Bild, das vermittelt wird meistens nicht. Wir werden immer visueller, erhalten mehr Eindrücke durch Bilder und Videos als je zuvor. Der Informationsfluss ist riesig und wir kommen nicht mehr nach. Wer hat was gepostet? Wer war wo unterwegs? Wer wurde nicht eingeladen? Der Hang zu Missverständnissen ist riesig, da die Erklärungen zu den Bildern fehlen. Der soziale Druck enorm, da man sich «richtig» präsentieren will, obwohl eben die Aufrichtigkeit oft fehlt.

Der Wunsch auch so dünn, schön und perfekt zu sein wie sogenannte Influencer wird verstärkt, wenn man diese konstant sieht und merkt wie diese angehimmelt werden. Sie reisen überall hin, tragen coole Kleider und leben ein vermeintlich tolles Leben. Doch die Realität sieht oft anders aus, viele Influencer leiden unter der konstanten Beobachtung oder dem Stress immer neuen Content posten zu müssen. Das Instagram Business boomt, nie zuvor war es einfacher, mit seinem Gesicht oder Hobby bekannt zu werden. Aber was auch boomt sind die Selbstzweifel und das verzerrte Bild des echten Lebens.

Instagram – es geht auch ohne dich!

Ich habe seit ich 12 Jahre alt bin einen Instagram Account. Diesen habe ich zwischenzeitlich auch gelöscht aber in den letzten 4 Jahren bin ich regelmässig aktiv auf «Insta». Im Frühling 2019 habe ich mich dafür entschieden während der Fastenzeit auf Instagram zu verzichten. Ich habe selbst festgestellt, wie viel Zeit ich auf der Plattform verschwende, wie es mein Leben oft negativ beeinflusst hat und wie abhängig ich von der App wurde.

Wenn ich mit Freunden unterwegs war, sahen dies alle meine Follower. Mein Account ist zwar privat, aber dennoch folgen mir über 1000 Menschen. Wenn ich mich fotogen fühlte postete ich dies gleich auf Instagram. Ein schönes Bild war nicht mehr nur ein schönes Bild, sondern ein neuer Post. Die Lust etwas mit Menschen zu teilen und eine Reaktion dafür zu erhalten, war gross.

Ich habe auch gemerkt, dass ich oft deprimiert war, wenn ich sah, was andere machten, wenn ich nicht dabei sein konnte. Diese FOMO, oder «fear of missing out», wurde somit nur verstärkt. Auch der ständige Vergleich mit anderen hat mich nicht weitergebracht. Ich spürte, wie die Unzufriedenheit mit meinem Körper stetig stieg oder wie wichtig mir ein positives Feedback von Fremden war. Das sind alles ganz schön negative Aspekte eines vermeintlich sozialen Mediums, denn eigentlich ist es ganz schön asozial.

Die Plattform sollte Inspiration liefern. Sie sollte eine Möglichkeit sein, um zu zeigen, wer man ist, auf eine virtuelle und trotzdem natürliche Art und Weise. Klar werden viele sagen, dass es auch eine Möglichkeit ist, das auszuleben, was man im echten Leben nicht kann und trotzdem ist auch das nicht echt. Der konstante Vergleich macht einen nicht glücklicher oder zu einem besseren Menschen, es übt noch mehr Druck auf eine Leistungsgesellschaft aus und das brauchen wir jetzt wirklich nicht.

Zusätzlich ist mir aufgefallen wie oft ich reflexartig die App öffnete. Wenn ich mal einen kurzen Moment warten musste, tippten meine Finger fast schon von Geisterhand direkt auf das violette Logo auf meinem Handyscreen. Instagram ist auch eine Art Ablenkung. Es ist eine Möglichkeit sich nicht mit der echten Welt und dessen Problemen auseinanderzusetzen und das ist gefährlich.

Es ist wichtig zu realisieren, dass Instagram und die meisten User nicht das echte Leben präsentieren. Probleme, Cellulitis, Bauchröllchen, Pickel oder schlechte Winkel werden selten gezeigt. Instagram ist cool, wenn man einen gesunden Umgang damit hat, ein gesundes Mass. Ich musste für mich feststellen, dass ich dies nicht hatte. Nach der Fastenzeit hatte ich mir vorgenommen, unter der Woche die App zu löschen und nur am Wochenende aktiv zu sein. Instagram ist auch eine Quelle für Inspiration und diese möchte ich auch nutzen, aber eben nur beschränkt.

Diesen Monat habe ich mir vorgenommen ganz auf die App zu verzichten. Meinen Account habe ich zwar noch, aber die App ist gelöscht. Und ich muss sagen, es ist sehr befreiend. Die gewonnene Zeit verbringe ich vermehrt mit Büchern oder meinen eigenen Gedanken. Ich hatte in den letzten zwei Wochen mehr Zeit um mich selbst zu reflektieren, um mir ins Bewusstsein zu rufen, was mein Plan ist für die nächste Zeit, wie mein Leben momentan aussieht und was ich gerne verbessern möchte, ohne die endlosen Einflüsse von Instagram.

Und ja, Instagram hat auch tolle Seiten, kann inspirierend sein, witzig oder halt einfach nur eine App, aber leider steckt oft mehr dahinter. Jetzt muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er seine Zeit verschwenden möchte, aber ich lebe mal analog.

Titelbild: The7Dew/iStock, Instagram: @sinaschmidic

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