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Luzides TräumenNachtschicht in der Traumfabrik

Alles nur geträumt? Manche Träume fühlen sich so echt an, dass sie uns wirklich scheinen. Schlafforscher hoffen durch das sogenannte Klarträumen Menschen mit Albträumen helfen zu können: Denn wer weiss, dass er träumt, kann die Regeln bestimmen.

Lucides Träumen eröffnet uns eine neue Form des Ich-Bewusstseins

Fliegen lernen. George Clooney daten. Auf einem Einhorn über Regenbögen reiten. Japanisch sprechen. Oder die heimlichste unserer Sexfantasien ausleben. Im Traum ist alles möglich. Aber wer kann schon bestimmen, was er träumt und im Traum erlebt?

«Üblicherweise entführen uns Träume in eine Parallelwelt, die stark emotional geprägt ist», schreibt Schlafforscherin Ursula Voss. Manchmal wird diese Welt im Schlaf durch angenehme Gefühle und Bilder geprägt, manchmal erscheint sie uns schrecklich und wir wachen schweissgebadet auf.

Und ganz oft ist die Welt einfach wirr und konfus. Was wann passiert, entzieht sich in der Regel unserer Macht, dachten wir zumindest. Die Forscherin Voss untersucht deshalb die Ausnahme: Das luzide Träumen beziehungsweise Klarträumen, dass uns spätestens seit Nolans Meisterwerk «Inception» fasziniert.

Klarträume sind Träume, in denen wir uns bewusst sind, dass wir träumen. Weil sich hier also eine Form des Ich-Bewusstsein im Traum zeigt, können wir das Traumgeschehen beeinflussen. Eine Probandin aus Voss Studie über «Bedingungen des Klartraums» erzählt, wie sie sich bewusst wurde, dass sie träumte und plötzlich die gesamte Szenerie zu ändern vermochte.

«Als ich die schöne Landschaft verschwimmen sah, dachte ich: Das ist mein Traumbild, das soll bleiben!» Es blieb und sie holte sich sogar ein Pferd dazu, weil sie sich wünscht durch die Landschaft zu galoppieren. Zwar hätte das Pferd «ziemlich unecht» ausgesehen, aber sie habe gespürt, wie sie auf dem Pferd ritt und gleichzeitig auf dem Bett lag.

Durch Luzides Träumen Albträume besiegen

Klingt esoterisch. Aber luzides Träumen gibt es wohl wirklich. Schlafforscherin Voss ist überzeugt: Luzides Träumen öffnet die Pforte zu einer Zwischenwelt, in der wir im Schlaf theoretisch grenzenlose Möglichkeiten haben. Praktisch, passiert es allerdings selten, weshalb sie untersucht, wie sich luzide Träume künstlich herbeiführen lassen und durch Übung häufiger einstellen. Dabei gilt es streng von intensiven Tagträumen oder Halluzinationen währen der Einschlafen und Aufwachen zu unterscheiden.

Luzides Träumen ist für die Wissenschaft sogar ein wahrer Hoffnungsträger. Dadurch, dass man beim Klarträumen selbstbestimmt Einfluss auf das Traumgeschehen nehmen kann, wird das luzide Träumen bereits zur Therapie chronischer Alpträume eingesetzt. Des Weiteren wird erforscht, ob luzides Träumen auch zur Behandlung von Schizophrenie eingesetzte werden kann.

Schizophrene Patienten befinden sich nach heutiger Kenntnis in einem pathologischen Zustand, der dem Träumen gleicht. Ihr Bewusstsein und ihr willentliches Handeln sind – ähnlich wie im normalen Traum - eingeschränkt. Würde man herausfinden, wie der Mensch beim luziden Träumen die Bewusstheit und Einfluss auf das Geschehen erlangt, könnte man diese Fähigkeit vielleicht auch bei der Schizophrenie-Therapie einsetzen und den Betroffenen so wieder Macht über ihr Denken und Tun schenken.

Forscher vermuten überdies, dass man luzides Träumen auch gezielt zum Lernen neuer Fähigkeiten, z.B. Erlernen einer Sprache oder Sportart, nutzen kann. Die Möglichkeiten, die luzides Träumen auftun, sind enorm.

Traumfahrer: Im Klartraum durch die eigene Fantasie reisen

Klatrtraeume lassen Gefühe und Gedanken steuerbar machen

Der hobby-mässige Klarträumer weiss ebenfalls, um diese Vielfalt, hat aber wohl vor allem aus einem Grund Gefallen am luziden Träumen gefunden: Wo sonst kann man schon Einhörner reiten, fliegen lernen oder sonst tun, was man sich nie zu träumen gewagt hätte. Klärträumer berichten von einem berauschenden Zustand, der einer  Bewusstseinserweiterung – allerdings der legalen Art – gleichkommt.

Forscher und Mediziner kennen diesen Fun-Faktor des Klartraums ebenfalls und bestätigen, dass luzides Träumen vollkommen nebenwirkungsfrei ist. Abgesehen von der anhaltenden Euphorie, von der die meisten Menschen berichten.

Worauf warten wir also noch? Satteln wir die Einhörner und fliegen los. Tatsächlich soll man luzides Träumen lernen und trainieren können.

Allerdings machen die Forscher nicht all zu grosse Hoffnung, dass daraus ein alltägliches Vergnügen wird. Luzides Träumen ist auch bei geübten Klarträumern ein seltenes Phänomen. Voss sagt, geübte Klarträumer erleben einen bewussten Traumzustand etwa einmal in der Woche.

Die meisten von uns haben nicht mal so oft Sex! Also lieber ein seltenes, gutes, als gar kein Vergnügen. In Foren und Berichten gibt es zwar allerlei Anleitungen, wie man sich in den Zustand des Klarträumens befördern kann, die Wissenschaft unterstützt jedoch nicht all diese Methoden.

Das Gebiet des luziden Träumens sei einfach noch zu unerforscht, um konkrete Tipps für das Erlernen geben können. Insofern spricht aber eben auch nichts dagegen, die verschiedenen, absolut harmlosen Methoden auszuprobieren, um sich ins Reich eines Klartraums zu katapultieren und einen luziden Traum zu erleben. Los geht’s:

Reiseguide: Luzides Träumen lernen

+ Traumtagebuch führen: Um luzides Träumen zu erlernen, soll es helfen sich seiner Träume durch das Führen eines Traumtagebuchs bewusster zu werden. Dafür nimmst du dir unmittelbar nach dem Aufwachen für einen Augenblick Zeit. Erinnere dich aktiv an das Geträumte und notieren es sofort in einem Tagebuch. Tipp: Die Erinnerung an einen Traum verschwindt oft schnell. Wem Notizen zu lange dauern, der legt ein Diktiergerät neben das Bett und spricht die Träume drauf. Wichtig ist es dies gleich nach dem Aufwachen zu tun, denn dann ist der Traum am präsentesten.

+ Nachfragen: Träume ich? Oder bin ich wach? Stelle dir diese Frage immer wieder. Am besten mehrmals am Tag. Auch wenn du dir sicher bist, nicht zu träumen. Ziel der Übung ist es, diese Frage zu ritualisieren, so dass diese Frage auch eines Tages in deinen Träumen auftaucht. Stellst dann fest, dass du träumst, befindest du dich in einem luziden Traum.

+ Realitäts-Check: Erlebst du dich in einer Situation, von der du nicht sicher bist, ob sie real oder geträumt ist – mach den Realitätscheck. Du kannst dir beispielsweise die Nase zuhalten. Sofern du dann noch immer Luft bekommst, befindest du dich in einem luziden Traum. Diese Realitätskontrolle kann man auch als Ritualisierung nutzen. Mach also auch am Tage, bei vollem Bewusstseinszustand, den Realitätscheck.

+ Luzides träumen vorbereiten: Um klar zu träumen soll es helfen, sich vor dem Einschlafen eine konkrete Traumkulisse auszumalen. Du kannst dir beispielsweise vorstellen, dass du im Garten deiner Grosseltern bist. Visualisiere diese Kulisse und stell dir dabei immer wieder die Frage, ob du träumst oder wach bist.

+ Zeichen erkennen: Sofern es Gegenstände, Personen oder Situationen gibt, die immer wieder in deinen Träumen auftauchen, solltest du dir diese auch am Tage bewusst vergegenwärtigen. Oft handelt es sich um irreale Dinge, wie z.B. das schmelzende Zifferblatt einer Uhr oder etwa ein Baum mit blauen Blättern. Tauchen diese Gegenstände in deinem Kopf auf, könntest du dich in einem Klartraum befinden. Der Realitätscheck hilft jetzt weiter.

Titelbild: Sky_melody/iStock

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