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#mentooSo dreckig ist die Male-Modelwelt

Belästigungen und sexuelle Übergriffe sind, vor allem in der glänzenden Fashionwelt, keine Seltenheit. Aus der Industrie des schönen Scheins hat man schon die schlimmsten Geschichten und Erfahrungsberichte gehört – hauptsächlich von weiblichen Models. Aber wie sieht es eigentlich bei den Male-Models aus? Ich habe mit einem Betroffenen über dieses Thema gesprochen.

Sexuelle Übergriffe männliche Models

Schon seit der Oberstufe weiss ich, dass man im Modelbusiness extrem vorsichtig sein muss, auf wen man sich genau einlässt. Als ehemaliger Mister Teenie (ja, richtig gelesen – bisschen shame on me), wurde mir das schon früh eingebläut. Ich als junger Mann dachte mir aber immer, dass ich da wohl weniger betroffen sei.

Jetzt werfen wir aber mal einen Blick hinter den Glitzer-Glamour-Vorhang: Es ist nämlich bei den Male-Models in vergangener Zeit zu vielen schweren Vorwürfen gekommen. Dutzende Männermodels erhoben letztes Jahr Belästigungsvorwürfe gegen Mario Testino und Bruce Weber. Die Starfotografen wiesen die Anschuldigungen zwar zurück, verschiedenste Arbeitgeber, unter anderem die Vogue, beendeten aber sofort die Zusammenarbeit.

Sogar gegen Popstar Katy Perry sind dieses Jahr diesbezügliche Vorwürfe an die Öffentlichkeit gekommen. Der Schauspieler Josh Kloss, welcher an Katy Perrys Seite im Musikvideo «Teenage Dream» zu sehen war, hat auf Instagram schwere Anschuldigungen gegen die Sängerin erhoben. So schrieb er in seinem Beitrag, die Sängerin habe ihm nach den Dreharbeiten des Musikvideos auf einer Party vor versammelten Gästen die Hose heruntergerissen – sodass die Gruppe seinen Penis sehen konnte.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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In unserer Gesellschaft wirkt es dennoch fast so, als blieben Männer von sexuellen Übergriffen verschont. Wie sieht es aber aus, wenn man eine Branche untersucht, in der sich zahlreiche homosexuelle Männer befinden? Oftmals auch in Machtpositionen.

In der Fashion- und Entertainment-Branche tummeln sich viele schwule Männer, von Designer bis zu Agenturleiter. Damit will ich keinesfalls das Klischee des perversen Schwulen aufzeigen, es gibt aber halt einfach Menschen, egal welcher sexuellen Orientierung zugehörig, die ihre Machtposition ausnutzen.

Dies bestätigt mir auch mein Interviewpartner und Male Model Louis: «Es gibt viele Männer, die sich in höheren Positionen in dieser Branche befinden und die Naivität der Models ausnutzen. Bei Frauen, aber auch bei Männer»

Louis selber arbeitet als Fotomodel, war beispielsweise Teil der Beauty Kampagne von Lamiya Slimani. Er wird für Shootings und Werbespots gebucht, hat einen kommerziellen Look, ist aber kein Laufstegmodel: «Bei Runway-Jobs sind die gebuchten Typen immer sehr gross und arbeiten beispielsweise nie so eng oder hinter verschlossenen Türen mit Fotografen etc. zusammen. Ich denke, Laufstegmodels sind im Vergleich zu Fotomodels deshalb auch seltener Opfer von sexuellen Übergriffen.» Diese Schlussfolgerung leuchtet mir ein. Bei einem zwei Meter grossen Model, hat man(n) wohl eher noch Berührungsängste.

Louis erzählt mir auch von einem Zwischenfall, den er selbst erlebt hat: «Ich war mit 17 das erste Mal allein in Berlin. Ich kam in die Stadt, weil ich über Instagram einen Fotografen kennengelernt hatte. Er wollte mich shooten und an verschiedene Vernissagen mitnehmen. Das hat auch alles so funktioniert und ich konnte Fuss in diesem Business fassen. Da ich sonst niemanden in Berlin kannte, habe ich auch bei ihm übernachtet. Als ich dann nachts schon fast eingeschlafen war, merkte ich, wie er mir in die Unterhose greifen wollte. Also so richtig. Ich hab dann so getan, als würde ich schlafen und gar nichts mitbekommen. Es ging noch eine Zeit so weiter, bis er dann irgendwann aufgehört hat.»

Warum er sich nicht sofort gewehrt hat? «Ich dachte mir so: Wenn du jetzt was sagst, schmeisst er dich raus. Ich wusste ja nicht wohin ich sonst gehen sollte. Geld hatte ich auch noch nicht viel mit 17. Zudem hab ich mich halt echt krass auf diese Woche in Berlin gefreut und eine grosse Chance in dem Trip gesehen. Und ich war auch einfach noch naiv. Er hat es dann auch wirklich fast jeden Abend aufs Neue probiert, glücklicherweise konnte ich aber schlimmeres vermeiden.»

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Ein weiterer Faktor, den ich ebenfalls mit Louis besprochen habe, sind die sozialen Medien. Heute kann sich jeder eine Kamera kaufen, ein Business Profil auf Instagram anlegen und schwupps – schon ist man Fotograf. Bestenfalls kauft man sich noch einige Follower damit man auch einen seriösen Eindruck macht.

So einfach war es früher noch nicht, was sich aber nach wie vor nicht geändert hat, ist der Traum, der in vielen Teenie-Herzen schlummert: Model werden. Trifft dieser grosse Traum, egal ob bei Junge oder Mädchen, auf die Boshaftigkeit von einigen Unmenschen da draussen, kann es schnell zu Geschichten kommen, wie Louis sie mir erzählt hat.

Ich habe bei meinen Recherchen gemerkt: Die Problematiken in der Male-Model-Welt wird medial viel zu wenig behandelt. Oftmals ist die Hemmschwelle zu gross, um sich als männliches Opfer sexueller Belästigung zu outen – Männer wollen ja schliesslich eh immer Sex, oder?! Ganz ehrlich: Not really! Auch die aktuelle Bewegung von Body-Positivity hat bei den Männern noch nicht wirklich viel Anklang gefunden. Wo es bei den Girls langsam in die richtige Richtung geht, stehen die Boys noch ziemlich am Anfang.

Wie man aber merkt, gibt es auch hier keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Körperliche sowie auch seelische Ausbeutung ist einfach nur grausam, illegal und ekelhaft.

Stay woke kids und lasst euch nicht auf zwielichtige Menschen ein, auch wenn die noch so viel Vorteil bringen mögen – beim Modeln nicht, und auch sonst niemals.

Bilder: Louis/Instagram

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