AERIAL YOGAWas bringt der neue Fitness-Hype?

SELBSTVERSUCH Aerial Yoga bringt neuen Schwung ins Training. In Schlingen über dem Boden schwebend soll die Beweglichkeit gesteigert, Verspannungen gelöst und das Herz-Kreislauf-System angekurbelt werden. Mal sehen: Wir haben unsere Redakteurin für ein Testtraining an die Luft gesetzt.

Unsere Redakteurin hat den Fitness-Trend Aerial Yoga getestet.

Der Schwerkraft trotzen und in der Luft trainieren? Als begeisterte Kitesurferin liebe ich verrückte Sportarten und so war sofort klar: Aerial Yoga - das muss ich ausprobieren! Aerial Yoga - häufig auch AntiGravity Yoga oder AntiGravity Fitness genannt, ist ein wahres Multitalent. Das ging mir zumindest durch den Kopf, als ich mich genauer über den neuen Workout-Hype aus den USA informierte. Aerial Yoga soll die Beweglichkeit fördern, Bauch- und Rückenmuskulatur aufbauen, das Herzkreislauf-System anregen und Muskelverspannungen lösen. Und da in der Luft geturnt wird, soll das Ganze auch besonders schonend für Gelenke, Wirbelsäule und Rücken sein. Klingt gut. Vielleicht zu gut, um wahr zu sein?

Für diese Antwort lass ich mich auch mal hängen. Der Holmes Place Lifestyle Fitness Club in Zürich hat mich zum Probetraining eingeladen.

Zur Vorbereitung auf das Workout stimme ich mich mit einer Fotorecherche ein. Und als ich die kopfüberhängenden Menschen betrachte, wird mir dann doch ein bisschen mulmig. Kann ich das überhaupt? Und mache ich mich gleich komplett zum Affen? Aber ein Rückzieher kommt nicht in Frage. Und so packe ich zuhause meine Leggins und ein langärmliges Shirt ohne Reissverschluss ein. Dieser Dresscode ist empfohlen, um sich im Tuch gut bewegen zu können. Im Holmes Place Zürich werde ich dann auch schon erwartet. Hier wird AntiGravity® Yoga seit Februar 2015 angeboten. Zur Freude vieler mit Abhängerinnen. Die Kurse sind werktags bis auf die letzte Hängematte gefüllt.

Aerial-Yoga: Willst du mit mir abhängen?

Auch ich bekomme meine eigene Hängematte und einige Fun Facts über. Die Hängemmatte heisst unter den Luftyogis «Harrison AntiGravity Hammock», benannt nach dem Anti Gravity Yoga Erfinder Christopher Harrison. Trainerin Erica hilft mir beim Einstellen der Höhe. Die Hängematte sollte bei meinen Hüftknochen enden, damit ich mich bequem darüber beugen kann. Währenddessen folgt mein Blick dem lila Tuch bis zu Decke. Hält das wirklich mein ganzes Körpergewicht?

Muss schon. Da Erica nicht lange fackelt und gleich mit der «Womb-Stellung» (dt. Gebärmutterstellung) beginnt. Dabei setzen wir uns in die Mitte des Tuches und schwingen ein Bein auf die andere Seite. Danach winkeln wir die Beine an bis sich unsere Fusssohlen berühren. Durch diese Pose formt sich die Hängematte um uns wie eine lila Blase. Für diesen Moment schaukelt jeder in seiner eigenen, kleinen Welt. Erica erklärt, dass dies die Anfangspose sei. Nochmal zurück in den Mutterleib. Mir gefällt es auf jeden Fall ganz gut in meiner Blase. Jetzt noch ein gutes Buch und ich würde den Nachmittag gemütlich in der Luft verbringen.

Wer kann Aerial Yoga machen?

Während wir entspannt in der Hängematte schaukeln, erklärt Trainierin Erica die wichtigsten Voraussetzungen für das Anti Gravity Yoga. Schwangere, frisch Gebotoxte und Menschen, die innerhalb der letzten sechs Monate eine Operation hinter sich haben, sollten nicht teilnehmen, da viele Übungen kopfüberhängend stattfinden. «Es kann auch sein, dass euch während oder auch nach dem Training plötzlich übel wird», sagt Erica - und ich schlucke. Aber dies sei zu Beginn ganz normal, da man sich nicht gewohnt sei, auf dem Kopf zu stehen.

aerial yoga

Ob es einem dabei schlecht wird oder nicht, auf jeden Fall ist hier viel für mein Mädchenherz geboten. Denn es geht weiter mit der «Spiderman-Pose». Erica macht es vor. Sie hält sich am Tuch fest, lehnt sich weit nach hinten, nimmt ihre Beine nach oben, wickelt sie einmal ums Tuch und steht schon Kopf. Sieht einfach aus, aber ist es auch so? Ich war nämlich in der Schule mehr für Teamsport als Akrobatik. Vorsichtig mache ich Ericas Bewegungen nach und siehe da: Ich hänge kopfüber und all meine Mitturnerinnen auch. War ja wirklich ganz leicht! Und jetzt hängen wir alle da, wie Fledermäuse in der Höhle. Ich spüre wie mir das Blut in den Kopf läuft. Wie unglaublich schwer er wird und mich richtig Richtung Boden zieht.

Aber angeblich ist das gesund! Es strecke die Wirbelsäule und fördere die Durchblutung. Wer mag, kann so noch einige Sit-ups machen, um die Bauchmuskulatur zu stärken. Ganze zwei Minuten baumle ich so über dem Boden, bis ich mich wieder aufrichte. «Fortgeschrittene hängen bis zu fünf Minuten am Stück kopfüber. Aber das kommt mit der Zeit», erzählt Erica.

Weitere namhafte Positionen folgen und die 55 Minuten Training vergehen wie im Flug. Schon legen wir uns bequem in die Hängematte, lauschen beruhigender Musik und konzentrieren uns auf unseren Atem. Ich könnte auf der Stelle einschlafen. 

Aerial-Yoga: Lohnt sich das?

Überhaupt nicht verschwitz, aber gut gelaunt, verlasse ich das Holmes Place. Aerial-Yoga macht zweifelsohne viel Spass und entspannt. Meine Muskeln sind merklich gedehnt und die Wirbelsäule wurde gestreckt.  Inwiefern das Training aber dem Muskelaufbau dient, kann ich, bis auf eine handvoll Sit-ups kopfüber, nicht beurteilen. Muskelkater hatte ich auf jeden Fall keinen und zum Glück wurde mir nach dem Training auch nicht schlecht. Wer bereits gerne Yoga, Pilates oder Gymnastik macht, sollte sich auf jeden Fall mal mit abhängen.

Bilder: Collage Femelle, Holmes Place

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