Alternative zum TamponWürdest du eine Menstruationstasse benutzen?

Auf den ersten Blick pfui, auf den zweiten aber hui. Durch die Menstruationstasse wird die Regelblutung aufgefangen und ausgeschüttet statt aufgesogen und weggeworfen. Mutet nicht besonders appetitlich an, soll aber gegenüber Tampons und Binden viele Vorteile haben. Unsere Redaktorin hat für uns nachgeforscht.  

Die Menstruationstasse hat tatsächlich viele Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Tampon. Erfahre hier mehr.

Eine Kollegin fragte mich neulich, ob ich eine Menstruationstasse benutzen würde. Ohne überhaupt zu wissen, was eine Menstruationstasse ist, stand meine Antwort fest: Auf gar keinen Fall! Das tönt doch echt ekelhaft. Irgendwie unhygienisch. Nach übertriebenem Ökokram. Und damit eigentlich so gar nicht nach meiner Kollegin, die neuerdings aber ein Fan der Menstasse ist.

Mit dieser Begeisterung zählt sie übrigens zur Minderheit. Höchstens ein Prozent der Schweizer Bevölkerung benutzt bislang eine Menstruationstasse.

Doch nur weil es bislang noch wenige Frauen gibt, die auf den Menstruationsbecher schwören, heisst das noch lange nicht, dass das so bleiben muss. Denn bei meiner Recherche musste ich feststellen, dass meine Meinung über Menstruationstassen fast ausschliesslich aus Vorurteilen bestand und dass viele Frauen auch bislang noch nie davon gehört haben.

Was ist eine Menstruationstasse genau?

Die Menstruationstasse – auch Menstruationsglocke, Menstruationsbecher oder Ladycup genannt – ist ein glockenförmiger Behälter, meist aus medizinischem Silikon. Er wird während der Regel in die Scheide eingeführt, um die Monatsblutung aufzufangen. Die Menstrutationstasse wird danach gereinigt und ist wiederverwendbar. 

Woher wohl diese rote Welle schwappt? Natürlich wie immer aus den USA. Zwar läuft der kleine Silikon-Becher den handelsüblichen Tampons noch lange nicht den Rang ab, wird aber von einer immer grösser werdenden Bewegung getragen, die nach natürlicheren Methoden sucht, um die weibliche Menstruation zu begleiten.

Dabei ist die Menstruationstasse keine neue Erfindung. Schon in den 1930er Jahren wurde in Amerika das erste Patent für einen Ladycup angemeldet. Verbreitet hat sich die Menstruationstasse bislang aber vor allem in Afrika, wo sich viele Frauen Monatshygieneartikel wie Tampons und Binden nicht leisten können. Mädchen gehen teilweise nicht zur Schule, wenn sie ihre Tage haben.

Menstuationstassen. Na dann, Prost dachte sich unsere Redaktorin!

Menstuationstassen? «Na dann, Prost!», dachte sich unsere Redaktorin! Bild: Instagram/Ruby Cup

Welche Menstruationstassen gibt es?

Menstruationstassen gibt es fast ausschliesslich in Apotheken oder in Onlineshops. Bekannte Hersteller und Shops sind beispielsweise Ladyplanet, Ruby Cup, MeLuna, Ladycup, Lunette, Moon Cup, Yuuki oder DivaCup. Entdeckt werden sie selten.

Doch das könnte sich ändern. Denn derweil wird die Menstruationstasse dank sozialer Netzwerke nämlich nicht nur auf der ganzen Welt immer bekannter, sondern auch immer beliebter.

Wie kann ich die Menstruationstasse einführen?

Anders als ich zunächst gedacht habe, wird die kelchartige Menstruationstasse nicht auf der Toilette zum freien Menstruieren unter die Vagina gehalten, sondern eingeführt. Dazu wird die Mentruationstasse zusammengedrückt, eingeführt und nach spätestens 12 Stunden ausgeführt, um sie dann auszuspülen und zu waschen.

Menstruationstasse: Wie muss ich die Menstruationstasse einführen?

Skizze zur Anwendung des Ladycups. Bild: Ladyplanet

Es ist also doch alles sehr viel hygienischer als ich vermutet hatte. Aber schon denke ich, Autsch! «Tut das nicht weh, wenn du so einen grossen Plastikbecher in dir drin hast?», frage ich meine Kollegin.

Sie erklärt mir, dass die Menstruationstasse aus weichem und medizinischem Silikon ist. Beim Einführen ist diese in sich zusammengefaltet und ploppt erst in der Vagina auseinander. Ich stelle mir das wie das spontane Aufklappen eines Regenschirms vor. Das macht mir aber auch Sorgen. Ich weiss zwar nicht allzu viel über Anatomie, aber ich weiss wie es sich anfühlt, wenn ein Tampon falsch sitzt. Deshalb frage ich nochmal:

Tut das nicht weh?

Durch die Bildung eines kleinen Vakuums fände die Menstruationstasse ihren perfekten und festen Sitz, erklärt mir meine Freundin. Etwas Übung bedürfe es aber am Anfang schon. Aber mir sei ja sicher auch schon das ein oder andere Tampon verrutscht. Stimmt.

Und ich gebe zu, dass mit dem Vakuuum ist mir alles ein wenig zu naturwissenschaftlich, um meinen Daumen schon zu heben. Aber dass meine Kollegin die Menstruationstasse nicht als unangenehm empfindet – sie findet sie sogar bequemer als Tampons – beruhigt mich. Grund hierfür sei der Umstand, dass die Menstruationstass im Gegensatz zum Tampon die Schleimhaut der Vagina nicht berührt.

Wie muss ich die Menstruationstasse reinigen?

Da anders als bei Tampons und Binden das Menstruationsblut nicht aufgesogen, sondern nur aufgefangen wird, muss die Tasse allerdings regelmässig entleert und ausgewaschen werden. Am Ende der Periode sollte der Mensbecher ausgekocht und desinfiziert werden, dass keine Keime überleben können. Etwas mehr Pflege braucht es also schon.

Gibt es verschiedene Menstruationstassen Grössen?

Und ich frage mich, ob vor allem junge Mädchen sich mit einer Menstruationstasse anfreunden können. Tampons gibt es beispielweise mit Applikator und in verschiedenen Grössen, je nach dem wie stark die Blutung ausfällt.

Menstruationstassen gibt es dagegen in der Regeln in zwei Grössen. Die kleinere Tasse richtet sich vor allem an Frauen, die noch nicht entbunden haben. Die grössere an Frauen, die schon einmal eine natürliche Geburt erlebt und deshalb einen eher schwächere Beckenbodenmuskulatur haben.

Das Herausnehmen der Menstruationstasse wird durch kleine Löcher am oberen Rand vereinfacht. Durch die Löcher gelangt Luft in die fest sitzende Tasse, das Vakuum wird aufgelöst und die Tasse lässt sich leicht herausnehmen.

Aber schaut selbst: Im oben eingeblendeten Video erklärt der Hersteller Ruby Cup sein Produkt, das mit jedem hierzulande verkauften Ladycup eine Menstruationstasse an ein Mädchen in Afrika spendet.

Die vielen Vorteile der Menstruationstasse

1 Neben eingeschworenen Tassen-Fans sind sich übrigens auch die meisten Mediziner einig: Bei richtiger Handhabung gibt es keinerlei hygienischen Nachteil. Tatsächlich ist der Menstruationsbecher bei korrekter Handhabung sogar hygienischer als Tampons oder Binden.

Und weil der Mensbecher nicht in Kontakt mit den Schleimhäuten in der Vagina kommt, bietet er auch einen höheren Schutz gegen Infektionen. Das medizinische Silikon ist in seiner Oberfläche auch so beschaffen, dass Bakterien ohnehin nur schwer daran haften bleiben.

2 Im Gegensatz zu Tampons trocknet die Mentruationstasse die Schleimhäute der Vagina nicht aus. Sie kann daher schon gut vor dem Einsetzten der Periode getragen werden und ist für Frauen, die zu Pilzinfektionen neigen, besser geeignet.

3 In puncto Hygiene schreibt sich die Menstruationstasse sogar den besonderen Bonus zu, dass durch das Vakuum kein Sauerstoff an austretendes Blut kommen kann und damit auch eine unangenehme Geruchsbildung ausbleibt.

Menstruationstasse und Tampon im Vergleich: Die wichtigsten Vor- und Nachteile

Im Vergleich mit einem herkömmlichen Tampon kann sich die Menstruationstasse ruhig sehen lassen. Bild: iStock

4 Mit einem Auslaufschutz von bis zu 12 Stunden ist die Menstruationstasse sicherer als herkömmliche Tampons oder Binden. Mit bis zu 30 ml Fassungsvermögen soll die Menstruationstasse obendrein auch noch mehr Blut auffangen können, als ihre gewöhnlichen Kollegen.

5 Weil die Menstruationstasse nach dem Auswaschen immer wieder benutzt werden kann, handelt es sich um eine sehr viel umweltschonendere Variante als Tampons und Binden.

6 Die Menstruationstasse spart Geld. Eine Menstruationstasse kostet zwar einmalig um 50 Franken, das rechnet sich aber über die nächsten 10 Jahre. So lange soll der Mensbecher etwa halten und uns die Kosten von rund 120 Packungen Tampons sparen.

Tönt also alles recht überzeugend, fast so als gäbe es gar keine Nachteile der Menstruationstasse. Aber das stimmt nur bedingt.

Die Nachteile der Menstruationstasse

1 Die Menstruationstasse ist nur dann hygienischer und zuverlässiger, wenn sie auch richtig angewendet wird. Das will allerdings erst mal gelernt sein. Manche Verwenderinnen beklagen, dass das Ein- und Ausführen der Menstruationstasse nicht immer reibungslos funktioniert.

2 Das  Entleeren, Auswaschen und Desinfizieren bedeutet zusätzlich Arbeit. Der Zeitaufwand ist zwar relativ gering, allerdings in der Öffentlichkeit vielleicht für viele Frauen doch ein Problem.

Hersteller empfehlen eine Wasserflasche mit in die Toilette zu nehmen und die Tasse dort auszuwaschen oder den Cup mit Toilettenpapier auszuwischen.

Naja. Ich kann mir jedenfalls schwer vorstellen, meine Menstruationstasse auf der Bürotoilette zu waschen oder in der WG-Küche zu desinfizieren und ich möchte auch nicht immer eine Flasche Wasser mit mir herumtragen. 

3 Gynäkologen sind zwar fast einstimmig der Meinung, dass die Menstruationstasse eine sichere Alternative zu Tampons und Binden ist, raten bei starker Menstruationsblutung aber davon ab.

Wir die Menstruationstasse im Bad bald so selbstverständlich sein wie ein Tampon?

Wird die Menstruationstasse im Bad bald so selbstverständlich sein wie ein Tampon? Bild: iStock

4 Auch ist es für manche Frauen einfach kein schönes Gefühl, das eigene Blut zu sehen und die volle Tasse auch noch regelmässig entleeren zu müssen.

5 Manche Modelle sind statt aus Silikon aus Latex gefertigt. Darauf können einige Frauen allergisch reagieren.

6 Wer Hemmungen hat sich Intimbereich zu berühren, wir mit der Menstruationstasse seine Schwierigkeiten haben. Um den Sitz der Menstasse zu überprüfen, müssen nämlich die Finger eingeführt werden.

7 Wer bereits eine Spirale oder eine Kupferkette hat, empfindet die zusätzlich eingeführte Menstruationstasse unter Umständen als unangenehm.

Nur in einem Punk sind sich dennoch alle einig: Die Menstruationstasse produziert deutlich weniger Müll als all die herkömmlichen Alternativen. Und das ist ein unbestreitbarer Bonuspunkt.

Ob ich aber allein deshalb die Menstruationstasse ausprobiere, weiss ich noch nicht. Aber vielleicht tut ihr es ja und spornt mich mit euren Erfahrungen an.

Hast du bereits Erfahrungen mit einer Menstruationstasse gemacht? Hinterlasse einen Kommentar und erzähle uns davon.

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