Pille, Kupferkette oder Kondom?Welches Verhütungsmittel jetzt am besten zu dir passt

In der Schweiz haben wir mehr als ein Dutzend verschiedene Verhütungsmethoden zur Auswahl. Welches Verhütungsmittel dabei am besten zu dir passt, hängt vor allem von deinem Körper, aber auch von deiner momentanen Lebenssituation ab. Wir stellen die besten Verhütungsmethoden für jede Lebenslage vor.

Welches Verhütungsmittel am besten zu dir passt, sollte man am besten immer wieder neu nach Lebenssituation beantworten.

Von der Pubertät bis zur Menopause gibt es eine Frage, die alle Frauen bewegt: Verhütung. Und sie wird zurecht ganz unterschiedlich beantwortet. Denn obwohl die Pille offenbar die beliebteste Verhütungsmethode ist, ist sie nicht für alle Frauen die richtige - und übrigens auch nicht die sicherste. (-> Die 10 sichersten Verhütungsmittel nach dem Pearl Index)

Wie verlässlich ist die Verhütungsmethode? Wie praktisch ist die Anwendung? Wie reagiert der Körper darauf? Wozu rät der Frauenarzt? Gibt es starke Nebenwirkungen? All das sind wichtige Faktoren, die uns bei der Wahl  für eine Verhütungsmethode beeinflussen und die aufzeigen wie kompliziert und vor allem persönlich die Entscheidung für ein Verhütungsmittel ist.

Vielleicht ist das Verhütungsmittel, das in deinen Zwanzigern perfekt war, jetzt wo du eine Zukunft und Kinder mit deinem Partner planst nicht mehr das richtige? Oder du willst die Pille absetzen und bist auf der Suche nach einer zuverlässigen Verhütung ohne Hormone. Wer dagegen schon drei Kinder und mit der Familienplanung abgeschlossen hat, sucht vielleicht nach einer Methode, die das Thema beendet.

Verschiedene Verhütungsmethoden für verschiedene Lebenssituationen

1 Du geniesst deine Freiheit

Schön! Aber better safe than sorry. Denn wenn du dein Singleleben in vollen Zügen geniesst, ist die sicherste Methode immer noch ein Kondom zu benutzen. Denn trotz technischem Fortschritt, sind Kondome immer noch das einzige Verhütungsmittel, das gegen Geschlechtskrankheiten schützt.

Wenn dich der Pearl Index von Kondomen abschreckt (2 bis 12 % aller Frauen werden trotz Kondom schwanger), empfiehlt es sich ein zusätzliches Verhütungsmittel zu verwenden.

2 Du lebst in einer festen Partnerschaft,  denkst aber noch nicht an Kinder

Daher ist jetzt oft ein verlässliches und bequemes Verhütungsmittel angesagt. Und mit grossem Abstand ist das für viele Anwenderinnen noch immer die Anti-Baby-Pille. Vorausgesetzt, sie hat für dich keine unangenehmen Nebenwirkungen. ( -> mehr über die Nebenwirkungen der Antibabypille)

Wichtig bei Pille ist, dass du sie jeden Tag etwa zur gleichen Uhrzeit nimmt. Deshalb muss man hier schon Disziplin beweisen. Wenn dir das Problem bereitet, kannst du dich vielleicht besser mit mechanischen oder implantierten Verhütungsmitteln anfreunden. Dabei hast du die beispielsweise  Wahl zwischen Vaginalring, Hormonpflaster, Hormonstäbchen, Hormonspirale oder Kupferkette.

Der Vaginalring wird jeden Menstruationszyklus während drei Wochen von dir selbst neu eingesetzt und in der Regel kaum gespürt. Er wirkt ähnlich wie Hormonpflaster und gibt einen Mix aus Östrogenen und Gestagenen ab, die eine Schwangerschaft verhindern.

Das Hormonpflaster wird dreimal jeweils eine Woche lang auf die Haut aufgeklebt. Beide Verhütungsmittel gelten als ähnlich sicher wie die oral eingenommene Pille.

3 Du suchst für die nächsten Jahre ein sicheres Verhütungsmittel mit dem du dich möglichst wenig befassen musst

Wenn eine kleine Investition von rund 500 Franken und ein kleiner Eingriff kein Problem sind und du dir sicher bist, dass Kinder in den nächsten drei bis fünf Jahren keine Thema sind, solltest du dir zunächst eine Frage stellen: Hormone oder keine Hormone? Und kannst du mit bestimmten Nebenwirkungen klar kommen?

Implantierte Hormonstäbchen oder Hormonspiralen tönen fantastisch, schliesslich hat man je nach Präparat bis zu 5 Jahre Ruhe von der täglichen Pillenschluckerei. Sind sie auch, für die Mehrzahl der Frauen. Allerdings reagiert jede fünfte Patientin mit unangenehmen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Zwischenblutungen oder Akne. Lass dich deshalb am von verschiedenen Frauenärzten dazu beraten.

Der Trend geht weg von Hormonen. Auch deshalb entscheiden sich jetzt immer mehr Frauen für die Kupferkette. Die Kupferkette ist eine neuere Form der altbekannten Kupferspirale, die wegen ihrer geringeren Grösse auch für junge Frauen in Frage kommt und bis zu 5 Jahre einen ebenso sicheren Empfängnisschutz wie die Anti-Baby-Pille oder Hormonimplantate bietet. Allerdings hat die Kupferkette einen Haken. Das Einsetzen und die ersten Tage danach können sehr schmerzhaft sein. Oft wird die Menstruationsblutung auch stärker und länger.

Mehr Info zur Kupferkette als antihormonelle Verhütungsalternative zur Pille findest du hier.

Verhütungsmethoden im Überblick

Verschiedene Verhütungsmethoden im Überblick - Tabelle

4 Verhütung ja, aber bitte natürlich!

Die Pille verdient für alles, was sie für die Frauen getan hat viel Lob. Aber sie bleibt faktisch ein heftiger Hormoncocktail, den du deinem gesunden Körper nicht zuführen willst, weil er ihn in rund 150 Körperfunktionen manipuliert und nicht frei von Nebenwirkungen ist.

Deshalb kommt für dich nur eine natürliche Verhütungsmethode in Frage. Coitus interruptus, Verhütungscomputer, Zykluskalender (http://www.femelle.ch/wellness/gesundheit/warum-ein-zykluskalender-fuer-jede-frau-sinnvoll-ist-2084 )), Temperaturmessmethode scheiden aus. Zu unsicher. Aber mit der symptothermalen Verhütungsmethode der Natürlichen Familienplanung (NFP) gibt es bei korrekter Anwendung eine sehr sichere Methode (Pearl Index unter 1), die dir zudem erlaubt deinen Menstruationszyklus und deinen Körper besser kennen zu lernen. Dabei misst du täglich deine Körpertemperatur und beobachtest die Veränderungen des Zervixschleims (Gebärmutterhals-Sekret). Gerade die Kombination beider Beobachtungen, gilt als sehr sicher.

Verschweigen sollte man dabei aber auch nicht, dass man sich bevor man mit der natürlichen Familienplanung beginnt, erst einmal gut einlesen und üben muss. Etwa drei Monate lang. Erst dann sagen die Experten, ist es sicher mit der NFP zu verhüten.

Weiterlesen: Warum immer mehr Frauen die Pille absetzen und sich für die NFP entscheiden

5 Verhütung kurz nach der Geburt

Während du stillst, wird dir die normale Pille nicht verschrieben. Sie enthält zu viele Östrogene für das Baby. Alternativ verschreibt dein Frauenarzt in der Regel die Minipille, die nur mit Gestagenen arbeitet. Aber sie können auch alle anderen antihormonellen Verhütungsmethoden nutzen. Ohnehin raten viele Frauenärzte ab 35 von der Anti-Baby-Pille ab.

6 Ups, du hattest einen One-Night-Stand (und das Kondom ist geplatzt)?

Scheisse passiert. Zum Glück gibt es ein wirksames Notfallverhütungsmittel, das dich auch nach dem Sex vor einer Schwangerschaft schützt. Und du kannst sie nach einer Beratung direkt in der Apotheke beziehen. Wichtig dabei: Die in der Schweiz rezeptfreien Pille danach ist bis zu drei Tagen nach dem Geschlechtsverkehr wirksam, auf Rezept gibt es eine Pille danach, die bis fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr noch angewendet werden kann.

Weiterlesen: 12 Dinge, die Frauen über die Pille danach wissen müssen

7 Familienplanung abgeschlossen

Natürlich hast du dich auch vorher gut beraten lassen, weil du weisst, dass eine Sterilisation in der Regel irreversibel ist. Du bist dir absolut sicher, sowie es jetzt ist, ist es perfekt oder eine Schwangerschaft ist ein hohes Gesundheitsrisiko für dich.

Deshalb hast du dich entschlossen, dich einer Operation zu unterziehen, die es dir unmöglich macht nochmal schwanger zu werden. Dabei wird in der Regel eine Tubenligatur vorgenommen, bei der die Eileiter blockiert werden. Deine Menstruationszyklus wird dabei nicht beeinflusst, es ist lediglich unmöglich, dass Spermien den Weg zu den Eierstöcken finden.

Eine Tubenligatur kostet in der Schweiz bis zu 2500 Franken und ist damit deutlich teurer als eine Vasektomie (männliche Sterilisation) und wird nur bei gesundheitlichen Gründen von der Krankenkasse bezahlt.

Die 10 sichersten Verhütungsmittel laut Pearl Index

Verhuetungsmittel nach Pearl Index im Vergleich - Tabelle

Der Pearl Index gibt an, wie viele von 100 Frauen bei der Anwendung des Verhütungsmittels über ein Jahr schwanger werden.

Titelbild: istock/Collage Redaktion Femelle.ch

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