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Bye Bye Pille Hormonfreie Verhütungsmethoden im Vergleich

Hormonfreie Verhütung ist gefragter denn je. Denn das Image der Pille hat ordentlich gelitten – zu gross seien die Nebenwirkungen. Gerade Personen, die rauchen oder an Übergewicht leiden, haben durch die Verhütung mit Hormonen ein erhöhtes Thromboserisiko. Je nach Lebensstil kommen unterschiedliche hormonfreie Verhütungsmethoden in Frage. Aber wie sicher sind Kupferspirale, Diaphragma, NFP & Co.? Alle Fakten über die hormonfreie Verhütung.

Eine Hand reicht einer anderen ein Kondom
Wie sicher ist die hormonfreie Verhütung? © Pexels, cottonbro

Hormonfreie Verhütung: Das Wichtigste in Kürze

  • Man unterscheidet zwischen hormoneller, mechanischer, chemischer und natürlicher Verhütung. Alle Methoden zeigen anhand des Pearl-Index, wie gut sie vor einer Schwangerschaft schützen. Mehr
  • Personen mit Vorerkrankungen wie Thrombosen oder Brustkrebs sollten auf hormonelle Verhütung verzichten. Mehr
  • Die sicherste hormonfreie Verhütungsmethode ist die Kupferkette oder die Kupferspirale. Mehr
  • Bei der natürlichen Verhütung (NFP) wird jeden Tag die Basaltemperatur gemessen und der Zervixschleim beobachtet. Bei richtiger Anwendung gilt auch diese Methode als sicher. Mehr

Die Pille galt in den 60ern als Symbol für sexuelle Selbstbestimmtheit. Doch die hormonelle Verhütungsmethode ist nicht unumstritten, denn sie beeinflusst Körper und Seele. Viele wollen deshalb auf zusätzliche Hormone zur Verhütung verzichten. Doch welche hormonfreien Verhütungsmethoden gibt es und wie sicher sind sie im Vergleich?

Inhaltsverzeichnis:

Welche Verhütungsmethoden gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen hormonellen, mechanischen und chemischen Verhütungsmethoden. Manchmal werden verschiedene Verhütungsmethoden kombiniert, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

1 Hormonelle Verhütung: Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille, der Vaginalring oder die Hormonspirale, enthalten die Hormone Östrogen und Gestagen. Die Hormone verhindern den Eisprung. Ausserdem baut sich die Gebärmutterschleimhaut weniger stark auf und Spermien gelangen erschwert in die Gebärmutter.

2 Chemische Verhütung: Bei der chemischen Verhütung werden Spermien in der Vagina abgetötet. In Kombination mit anderen Verhütungsmitteln kann eine Schwangerschaft verhindert werden.

3 Mechanische Verhütung: Mechanische Verhütungsmittel verhindern, dass Samen die Eizelle erreichen. Ein Beispiel für die mechanische Verhütung ist das Kondom.

4 Natürliche Verhütung: Die natürliche Verhütung basiert darauf, dass die Person weiss, wann sie ihre fruchtbaren Tage hat und an diesen Tagen zusätzlich verhütet oder auf Sex verzichtet. An nicht-fruchtbaren Tagen ist eine Schwangerschaft unwahrscheinlich, Spermien können aber einige Tage überleben.

Woran erkennt man, wie sicher eine Verhütungsmethode ist?

Die Zuverlässigkeit deiner Verhütungsmethode wird anhand des Pearl-Index gemessen. Der Pearl-Index zeigt an, wie viele Frauen schwanger werden, wenn sie eine bestimmte Verhütungsmethode nutzen. Nutzen 100 Frauen die gleiche Verhütungsmethode und eine davon wird schwanger, liegt der Pearl-Index bei 1. Ohne Verhütung liegt der Pearl-Index bei 85.

Welche hormonfreie Verhütung ist am besten?

Welche Verhütungsmethode für dich funktioniert musst du selber herausfinden. Die grösste Sicherheit vor einer Schwangerschaft bietet die Kupferspirale oder die Kupferkette. Vor Krankheiten schützen aber nur das Kondom und das Femidom. Auch sind die Kosten je nach Verhütungsmethode unterschiedlich. Wir zeigen, wie verschiedene Verhütungsmethoden funktionieren, wie sicher sie sind und für wen sie sich eignen. Bespreche die Möglichkeiten danach mit einem Arzt oder einer Ärztin.

Wann auf hormonelle Verhütung verzichtet werden sollte

In manchen Fällen stellt die hormonelle Verhütung ein gesundheitliches Risiko dar. Übergewicht, Rauchen und die genetischen Veranlagungen sind Risikofaktoren für eine Thrombose. Blutdruck und Migräne können ausserdem das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erhöhen. Personen mit Vorerkrankungen wie Thrombosen oder Brustkrebs sollten auf hormonelle Verhütung verzichten.

Hormonfrei Verhüten mit Kupferkette oder Kupferspirale

Symbolbild einer eingesetzten Kupferspirale.
So sitzt die Kupferspirale. © Getty Images, Lalocracio

Es handelt sich bei Kupferketten und der -spiralen um Intrauterinpessaren, die in der gynäkologischen Praxis eingesetzt werden. Die Kupferspirale ist T-förmig und wird in die Gebärmutter eingelegt. Die Kupferkette besteht aus einem Nylonfaden und mehreren kleinen Zylindern, die darauf gefädelt sind.

Wie funktioniert die Kupferkette oder die Kupferspirale?

Bei der Verhütung mit Kupferkette oder Kupferspirale werden Kupfer-Ionen abgegeben, die den Spermien schaden. Die Schleimhaut des Muttermundes verändert sich durch die Kupferkette oder -spirale und erschwert, dass Spermien in die Gebärmutter gelangen.

Für wen eignet sich die Kupferkette oder -spirale?

Wenn du nach einer langfristigen Verhütungsmethode suchst, ist die Verhütungsmethode mit Kupferkette oder Kupferspirale für dich geeignet. Wenn die Intrauterinpessaren eingesetzt sind, sorgen sie bis zu fünf Jahre für Verhütungsschutz. Alle sechs Monate sollte ein Frauenarzt oder eine Frauenärztin kontrollieren, ob die Kette oder Spirale richtig sitzt.

Nachteile der Kupferkette oder -spirale

Nach Einsetzen der Kupferkette oder der Kupferspirale kann es zu stärkeren Monatsblutungen kommen. Ausserdem ist der Schutz beeinträchtigt, wenn die Spirale nicht richtig sitzt. Das Infektionsrisiko ist bei der Verhütungsmethode erhöht. Lies hier mehr über die Kupferspirale im Test.

Kupferspirale oder Kupferkette im Check:

  • Pearl-Index: 0,4-1: sehr sicher
  • Kosten: zwischen 150 und 350 Franken
  • Dauer: bis zu 5 Jahre

Hormonfreie Verhütung mit Diaphragma und Portiokappe

Ein Diaphragma in Schutzhülle.
Ein Diaphragma in einer Hülle. © Getty Images, jenjen42

Das Diaphragma (oder auch Pessar) ist wie das Kondom eine mechanische Verhütungsmethode. Sowohl die Portiokappe als auch das Diaphragma bestehen aus Silikon. Aussen ist eine Federkappe befestigt. Ein Gynäkologe oder eine Gynäkologin muss beide Verhütungsmethoden anpassen, damit sie wirklich gut sitzen. Bei Gewichtsverlust oder -zunahme kann es sein, dass Diaphragma und Portiokappe nicht mehr sitzen und Spermien durchkommen.

Wie funktioniert das Diaphragma oder die Portiokappe?

Das Diaphragma oder die Portiokappe kann bis zu zwei Stunden vor dem Sex eingesetzt werden. Vor dem Einsetzen wird es mit einem Spermizid, also ein Gel, das die Spermien abtötet, bestrichen. Die Verhütungsmittel werden über die Scheide eingeführt und auf den Muttermund gesetzt. So entsteht eine Barriere für die Spermien. Nach dem Sex muss das Pessar mindestens acht Stunden in der Vagina bleiben. Spätestens nach 24 Stunden muss es entfernt werden.

Für wen eignet sich das Diaphragma oder die Portiokappe?

Für Personen, die nur gelegentlich Sex haben, eignet sich das Pessar gut. Denn es kann nach Bedarf eingesetzt und wieder entfernt werden. Personen mit Fehlbildungen an der Gebärmutter sollten nicht mit Diaphragma oder Portiokappe verhüten, weil es nicht gut sitzt.

Nachteile des Diaphragma und der Portiokappe

Das Diaphragma erhöht die Gefahr einer Infektion. Wer immer wieder stark ab- und zunimmt, sollte auch nicht mit Diaphragma verhüten, da es sein kann, dass es nicht richtig sitzt. Wenn es falsch sitzt, ist der Verhütungsschutz nicht gewährleistet.

Diaphragma und Portiokappe im Check

  • Pearl-Index: 1 bis 20: nicht immer sicher
  • Kosten: zwischen 38 und 80 CHF, plus 20 CHF für Spermizid
  • Wirkung: 5 Jahre

Hormonfrei verhüten mit Femidom

Ein ausgepacktes Kondom für Frauen.
Das ausgepackte Femidom. © Getty Images, Lalocracio

Das Frauenkondom, oder auch Femidom, ähnelt einem gewöhnlichen Kondom mit dem Unterschied, dass es länger und deutlich weiter ist. Es ist nur zur einmaligen Anwendung geeignet. Neben dem Kondom ist es das einzige Verhütungsmittel, das auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt.

Wie funktioniert das Frauenkondom?

Das Frauenkondom fängt Spermien mechanisch auf. Der innere Ring wird in die Scheide eingeführt. Der äussere Ring bleibt auf den Venuslippen. Die Latexschicht zwischen den Ringen passt sich wie eine zweite Haut an.

Für wen eignet sich das Femidom?

Das Femidom eignet sich für Personen, die eine Alternative zum Kondom suchen und sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen wollen.

Nachteile des Femidoms

Manche Paare bemängeln, dass das Frauenkondom verrutscht und beim Sex knistert. Der Pearl-Index variiert je nach Anwender:in zwischen 5 und 25.

Das Femidom im Check

  • Pearl-Index: 5 bis 25 – nicht immer sicher
  • Kosten: zwischen 1.50 und 3.50 CHF
  • Wirkung: einmalig

Hormonfrei verhüten mit Kondom

Eine Frau hat ein Kondom über den Finger gestülpt.
Ein ausgepacktes Kondom. © Getty Images, PeopleImages

Das Kondom ist das bekannteste Verhütungsmittel der Welt. Das dünne Gummi wird über den erregten Penis gezogen und nach dem Höhepunkt wird der Samenerguss darin aufgefangen. Es schützt ausserdem vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Für wen eignet sich das Kondom?

Alle, die sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen wollen, sollten zusätzlich zu anderen Verhütungsmethoden zum Kondom oder zum Femidom greifen. Mit einem Pearl-Index von 2-12 bietet im Gegensatz zur Pille oder zur Kupferspirale einen geringeren Schutz vor einer Schwangerschaft, als beispielsweise die Kupferspirale.

Nachteile des Kondoms

Kondome können manchmal reissen oder abrutschen. Ausserdem kann die falsche Grösse die Sicherheit beeinträchtigen.

Weisst du was man über Empfängnisschutz wissen sollte? Teste dein Wissen zum Thema Verhütung.

Das Kondom im Check

  • Pearl-Index: 2 bis 12 – nicht immer sicher
  • Kosten: zwischen 0.90 und 2 CHF
  • Wirkung: einmalig

Natürlich Verhüten

Eine Frau misst ihre Temperatur und vergleicht sie in einer Zyklusapp.
Bei der NFP werden Basaltemperatur und Zervixschleim beobachtet. © Getty Images, Jose Martinez Calderon

Wer natürlich verhütet, bestimmt durch Selbstbeobachtung und Messung der Körpertemperatur seine fruchtbaren Tage. So kann während der fruchtbaren Phase zu einem zusätzlichen Verhütungsmittel gegriffen werden. Manche erkennen ihre fruchtbaren Tage an der Veränderung des Zervixschleims, andere messen regelmässig ihre Körpertemperatur. Der Zervixschleim ist in der fruchtbaren Phase flüssig und klar, die Körpertemperatur ist etwas höher. Bei der symptothermalen Methode (NFP) achten Personen auf beide Faktoren, also ihre Basaltemperatur am Morgen sowie auf die Konsistenz des Zervixschleims. Zyklus-Apps helfen dabei, den Überblick zu behalten.

Für wen eignet sich die natürliche Verhütungsmethode?

Um natürlich verhüten zu können, muss man diszipliniert bleiben und seinen Körper sehr genau beobachten. NFP gilt dann als sicher, wenn sowohl die Basaltemperatur, als auch der Zervixschleim beobachtet werden. Die Verhütungsmethode eignet sich auch nur, wenn du einen regelmässigen Zyklus hast. Wenn keine Fehler gemacht werden, hat die natürliche Verhütungsmethode einen Pearl-Index von 0,4.

Nachteile der natürlichen Verhütung

Wer seinen Körper nicht genauestens beobachtet, hat keinen hohen Schutz vor einer Schwangerschaft. Ausserdem muss während der fruchtbaren Phase auf eine alternative Verhütungsmethode zurückgegriffen oder auf Sex verzichtet werden.

Natürliche Verhütung (NFP) im Check

  • Pearl-Index: 0,4
  • Kosten: Basalthermometer kosten einmalig zwischen 40 und 70 CHF
  • Wirkung: immer

Verhüten durch Sterilisation

Symbolbild einer Vasektomie und einer Sterilisation.
Grafische Darstellung einer Sterilisation © Getty Images, Inna Miller

Wenn Paare definitiv keine Kinder wollen oder die Familienplanung bereits abgeschlossen ist, gibt es die Möglichkeit, sich sterilisieren zu lassen. So wird langfristig und ohne Hormone verhütet. Bei weiblichen Personen werden die beiden Eileiter durchtrennt, bei männlichen Personen wird der Samenleiter entweder ebenfalls durchtrennt oder verschlossen. Bei der Sterilisation Pearl-Index 0,1. Bei der Vasektomie liegt der Pearl-Index zwischen 0,2 bis 0,3.

Für wen eignet sich die Sterilisation?

Die Sterilisation sollte gut überlegt sein. Es ist zwar nicht unmöglich, diese wieder rückgängig zu machen, kann aber die Erfüllung des Kinderwunsches erschweren. Somit eignet sich die Sterilisation für Personen, die keine Kinder wollen.

Nachteile der Sterilisation

Die Entscheidung sollte gut überlegt sein, da sie die Zukunftsplanung massiv beeinflusst. Sie gilt aber als sehr sichere Verhütungsmethode. Gerade für junge Frauen kann es leider psychisch belastend sein, Ärzt:innen zu finden, die bereit sind, eine Sterilisation durchzuführen.

Die Sterilisation im Check

  • Pearl-Index: 0,4
  • Kosten: Tubenligatur: zwischen 1000 und 2500 CHF Vasektomie: 900 CHF
  • Wirkung: immer
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