Verhüten ohne HormoneWarum sich immer mehr Frauen für die natürliche Familienplanung entscheiden

Wir essen, schminken und heilen bio. Nur bei der Verhütung tun wir uns mit Natürlichkeit schwer. Obwohl die natürliche Familienplanung (kurz: NFP) eine der sichersten und weiblichsten Verhütungsmethoden ist.

NFP bedeutet Verhütung ohne Chemie. Warum sich immer mehr für die natürliche Familienplanung entscheiden.

Die Pille war vor allem ein Befreiungsschlag. Frauen konnten endlich selbst bestimmen, ob und wann sie Kinder haben wollten und ihre Sexualität fast ebenso ungehemmt ausleben wie Männer. Spätere Generationen freuten sich über reinere Haut und schmerzlose Mens. Aber wie die Emanzipation und sexuelle Befreiung ein Kind der Pille sind, sind die Zweifel an der Pille auch aus unserem neuen Selbstverständnis als Frau geboren.

Ja, die Pille verdient viel Lob, doch unterm Strich ist und bleibt die Pille ein Medikament. Ein chemisches Hormon-Präparat, das wir einem gesunden Körper zuführen, das ihn in rund 150 Körperfunktionen manipuliert und die nicht frei von Nebenwirkungen ist (Lesen Sie auch: Die häufigsten Risiken und Nebenwirkungen der Anti-Baby-Pille).

Tabletten für einen gesunden Körper

Und sie ist eine hormonelle Verhütungsmethode, die mit zunehmendem Alter weniger Vorteile bietet. Frauen ab dem 35. Lebensjahr haben ein höheres Risiko durch östrogen- und gestagenhaltige Verhütungsmittel (Pille, Verhütungsring, Verhütungspflaster) Herzinfarkte, Schlaganfälle, Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien zu erleiden. Was die Risiken und Nebenwirkungen im Einzelfall bedeuten, kann jede Frau nur individuell entscheiden. Doch eine Tatsache bleibt: Die Pille verändert unseren Körper. Und zwar nicht nur, weil sie unserem Körper vorgaukelt schwanger zu sein, sondern weil sie mit geballter Hormonpower in Haut und Haare übergeht, weil sie unsere Libido und sogar unsere Partnerwahl beeinflusst.

Chemiekeule nur für Frauen

Ausserdem ist die Pille eines: Sie ist reine Frauensache. Mit Einführung der Anti-Baby-Pille bekamen Frauen zwar mehr Freiheit, aber auch oft stillschweigend die Verantwortung. Du nimmst doch die Pille, oder? Es ist ihr Körper, der mit der Verhütung und den eventuellen Nebenwirkungen konfrontiert wird.

Und was tun wir unserem weiblichen Körper da eigentlich an? Wir essen bio, benutzen Kosmetik aus Pflanzenwirkstoffen, schützen uns vor UV-Strahlen, trinken gesunde Smoothies, aber nehmen die Pille? Passt das zusammen? Und: Gibt es keine natürlichere Form der Verhütung, die im Einklang mit dem Körper ist? Ohne Chemie, aber mit absoluter Sicherheit?

Die Antwort lautet immer öfter NFP, kurz für natürliche Familienplanung. Denn das Image natürlicher Verhütung hat sich gewandelt. Während die NFP als Verhütungsmethode in den vergangenen Jahrzehnten als unsicherer Hippie-Kram galt, hat sie im Wissen vieler heute nur noch wenig mit Kaffesatzleserei gemein - und schon gar nichts mit kurz vorher raus ziehen.

NFP: Unsicherer Öko-Trend oder gesunde Eigenverantwortlichkeit?

Denn was die Zuverlässigkeit, den Komfort und die gesundheitlichen Aspekte angeht, schneidet NFP mit Glanznoten ab. Der Pearl-Index liegt unter 1 und damit gleichwertig zu dem der Pille. Dabei ist die NFP absolut frei von Nebenwirkungen. Und NFLP kostet fast nichts. Alles was man dafür braucht, ist ein Fieberthermometer, ein Stift und Datenblatt. Und letzteres kann man sich im Netz runterladen.

Dass das von Pharmakonzernen nicht gern gesehen wird, mag sein. Die, die es angeht – nämlich uns Frauen – denken anders.

Sensiplan: NFP nach der symptothermalen Methode

Das macht neugierig. Verschweigen sollte man dabei aber auch nicht, dass man sich bevor man mit der natürlichen Familienplanung beginnt, erst einmal gut einlesen und üben muss. Etwa drei Monate lang. Erst dann sagen die Experten, sit es sicher mit der NFP zu verhüten.

Denn die natürliche Familienplanung bedeutet die natürlichen Erscheinungen und Symptome des Menstruationszykluses genau zu beobachten, um die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage festzustellen. Dafür muss man sich mit dem Körper und dem Zyklus erst vertraut machen.

Verhütung ist eine Wohlfühlfrage

Es gibt natürliche Regelmässigkeiten, Abläufe und Veränderungen, anhand derer man den Eisprung und damit die fruchtbare Zeit erkennen und sich entsprechend mit Kondom schützen kann. Oder auch nicht. Denn vielleicht kommt der Tag, andem man gar nicht mehr verhüten möchte. Im Gegenteil.

Dabei gibt es bei der NFP wiederum unterschiedliche Verfahren. Forschungsergebnisse belegen, dass man bei der NFP am sichersten nach der symptothermalen Methode (Sensiplan) vorgeht. Dabei misst die Frau täglich ihre Körpertemperatur am Morgen messen und die Veränderungen des Zervixschleims (Gebärmutterhals-Sekret) beim sogenannten LSH-Test beobachten. Gerade die Kombination beider Beobachtungen, gilt als sehr sicher. Werden beide Verfahren regelmässig und gewissenhaft angewendet, gelten sie als absolut zuverlässig. Und: der Partner wird mitverpflichtet, denn wenn sie während der fruchtbaren Tage Sex haben wollen, ohne schwanger zu werden, müssen sie natürlich ein Kondom benutzen.

Der Vorteil der neuen Eigenverantwortlichkeit ist damit auch der grösste Haken der NFP. In Punkto Disziplin steht die NFP der täglichen Pille nichts nach. Deshalb ist die Entscheidung für eine Verhütungsmethode auch ein Wohlfühlfrage. Da ausser Kondome oder Sterilisation Verhütung Frauensache ist, sollte sie sich damit gut fühlen. Studien zeigen, dass der Pearl-Index auch deshalb so schwankt, weil die korrekte Anwendung und damit die Sicherheit einer Verhütungsmethode davon abhängt, wie positiv Frau der Methode gegenübersteht.

NFP nicht gleich NFP

NFP mausert sich derzeit vielleicht (noch) nicht zur neuen Mainstream-Verhütungsmethode, aber immerhin zu einem immer populäreren Thema. Leider nicht gänzlich ohne störende Nebengeräusche. Denn die symptothermale Verhütungsmethode von NFP, die Mediziner immer mehr begrüssen und die in Studien als sicher, natürlich und unkompliziert bewertet wurde, gleicht nicht immer den Methoden von natürlicher Verhütung, die medial oder sogar kommerziell als NFP gepriesen werden. Von NFP nach der symptothermale Methode (Messung der Basaltemperatur und LSH-Test) zu unterscheiden sind nämlich unzählige Methoden, die ebenfalls eine Verhütung ohne Chemie versprechen und als NFP tituliert werden, allerdings nicht auf den gleich sicheren Grundlagen basieren.

Experten kritisieren vor allem Verhütungscomputer, Verhütungs-Apps und Kalander. Inzwischen werden daher auch Stimmen laut, die fordern, die symptothermale Methode mit dem Begriff Sensiplan zu bezeichnen, um sich von anderen, weniger sicheren natürlichen Verhütungsmethoden abzugrenzen.

In Sachen Verhütung gibt es noch viel Aufklärungsbedarf. Doch auch viel Neugier. Und das zeigt wohl vor allem eines: Frauen sind kritischer geworden und wollen nur das Beste für ihren Körper und ihre Selbstbestimmung. Ganz gleich mit welcher Methode.

Ist die NFP nach Sensiplan die beste Verhütung für Sie?

Vorteile:

  • gut verträglich und ohne Nebenwirkungen
  • sehr verlässlich (Pearl Index 1) bei korrekter Anwendung
  • verlässliche Methode über alle Lebensphasen von der ersten Regelblutung, vor und nach einer Schwangerschaft, bis in die Wechseljahre)
  • hilft den eigen Körper besser kennenzulernen und zu verstehen
  • fast kostenlos
  • nimmt beide Partner in die Pflicht

Nachteile:

  • muss erlernt werden (ca. 3 Probe- und Lernzyklen)
  • der Fruchtbarkeitszyklus nimmt Einfluss auf das Sexleben
  • erfordert tägliche Disziplin
  • Stress, Krankheiten oder ungesunde Lebensphasen können die Zyklusbeobachtung schwerer machen
  • während der fruchtbaren Tage muss zur Verhütung ein Kondom benutzt werden

Mehr Infos finden Sie zum Beispiel auf nfp-online.com.

Foto: iStock, Thinkstock

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