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GENERATION BOTOXCremen Sie noch oder spritzen Sie schon?

Botox, ein Stoff, der für erstarrte Mienen und bewegte Diskussionen sorgt. Wir haben uns gefragt, was Botox tatsächlich bewirken kann – kosmetisch, medizinisch und gesellschaftlich.

Welche Folgen hat Botox?

Botulinumtoxin A, kurz Botox, ist ein pharmazeutisches Nervengift, das ursprünglich zur Linderung von Muskelspasmen eingesetzt wurde. Im Zuge des Anti-Aging-Booms wurde das aus Bakterien gewonnene Botox jedoch zweckentfremdet: Statt Spasmen zu entkrampfen, lähmt man damit heute mimische Muskelkontraktionen an Stirn, Augen und Mundwinkeln. Diese Relaxierung unterdrückt, je nach Dosierung und Talent des Spritzers, mehr oder weniger die Mimik. Gestische Falten (Und übrigens nur diese! Der Schwerkraft geschuldete Runzeln bleiben unberührt.) entspannen sich und werden glatter. Ein Effekt, dessen Langzeitwirkung bisher nicht bekannt ist, der aber auch nur kurzfristig anhält. Nach etwa sechs Monaten lässt die Wirkung nach, die Mimik setzt wieder ein und mit ihr nicht nur die Falten, sondern auch der Cashflow.

Die Kosten für Botox: Grosse Summen für kleine Falten

Denn wer seinen Teint mit Botox dauerhaft straffen will, sollte selbiges mit seinem Geldbeutel tun. Etwa 420 Franken kostet eine Einmal-Behandlung. Hochgerechnet auf mindestens zwei Behandlungen im Jahr ist das allein schon ein stolzer Betrag, im Vergleich zum nationalen (und erst recht internationalen) Gesamtkonsum erscheint er jedoch wie Peanuts. «Mit Botox werden in der Schweiz über 100 Millionen Franken umgesetzt. Drei Prozent aller Schweizerinnen über 35 Jahren haben sich mindestens einmal behandeln lassen. Hierzulande gibt es gibt rund 1100 Kliniken und Praxen, die im Jahr 2011 rund 200 000 Behandlungen durchgeführt haben. Das entspricht einem Umsatzwachstum von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr», berichtet Dan Iselin von der Klinik Smoothline in Zürich gegenüber der NZZ.

Bo-Tax: Finanz-Spritze für die Politik?

Doch wo so viel Geld gespritzt wird, blicken nicht nur die glatten Golffreundinnen neidisch drein, sondern nicht selten auch der Staat. Vor allem in den USA wurde man, ob des stetig steigenden Botoxkonsums der Amerikaner (der übrigens längst nicht nur von Frauen ausgeht), hellhörig. Senator Harry Reid kam eine Idee: Er plädierte für eine Steuer auf kosmetische Eingriffe, deren Erlös die geplante Gesundheitsreform massiv mitfinanzieren soll. Guter Gedanke. Doch so leicht liessen sich amerikanische Botox-Jünger nicht die Butter vom Brot und erst Recht nicht die Selbstbestimmung von der Spritze nehmen. Hunderte von Frauen zogen mit unerschrocken straffen Minen auf den New Yorker Time Square und demonstrierten gegen die «Bo-Tax» und für ihr Recht auf steuerfreie Schönheits-OPs. Spätestens ab diesem Moment piekst die Schönheitsspritze nicht mehr nur in Hautfalten, sondern in tiefere, gesellschaftliche Schichten.

Glattes Image: Kein Tabu, sondern Trend!

Der Kampf um die Emanzipation äusserte sich einst mit dem Recht das Kreuzchen machen zu dürfen und spitzt sich heute buchstäblich zu. Botox wird stellvertretend für alle Schönheitsoperationen zum neuzeitlichen Symbol der Befreiung vom älter werden. Spritzte und schnibbelte man einst noch hinter vorgehaltener Hand, finden Schönheits-OPs heute als Realityshow im TV statt. Promis bekennen sich ohnehin längst zum Botox. Und auch Printmedien finden für minimalinvasive Schönheitseingriffe immer mehr hochglänzende Floskeln, die weniger nach Medizin, denn mehr nach einer modernen Form der Körperpflege klingen. Ähnlich wie der Besuch beim Coiffeur. Botox ist nicht nur gesellschaftsfähig, sondern sogar schon fast gesellschaftspflichtig geworden. «Weil wir es uns wert sind.» Oder wie heisst es so schön?

Test: Wie eitel bin ich?

Nicht selten verbringen wir Stunden im Badezimmer und geraten bei der Auswahl des richtigen Abendoutfits geradezu in Panik. Viele Frauen fragen sich in diesen Momenten: Bin ich zu eitel? ...» Hier geht's zum Test.

Jung, jünger, Botox

Fakt ist: Botox boomt. Aber nicht nur, weil wir es uns wert sind, sondern auch weil wir (noch) jung genug dafür sind. Mediziner und Medienberichte sind sich daher einig: Wer lange jung aussehen will, muss früh damit anfangen. Sanft vorbeugen, statt aufwendig reparieren ist die schonendste Art der Schönheitsmedizin. Ein Appell, der fruchtet. Dass eine Mutter aus San Francisco ihrer acht-jährigen Tochter bereits die kindlichen Fältchen wegspritzt, bleibt dabei zwar hoffentlich eine Ausnahme. Doch dass Botox-Patienten immer jünger werden, ist bereits jetzt eine Tatsache. Das Einstiegsalter beginnt heute schon ab  20 Jahren.

Entspannte Stirn: Ohne Stress, keine Spritze

Geht ohne Botox wirklich gar nichts mehr? Wir können das nicht glauben und spulen daher kurz auf den Anfang zurück. Denn da ist erklärt, worum es beim Botox spritzen eigentlich geht. Nämlich um eine entspannte Mimik, ohne Stressfalten. Ein nachvollziehbarer Wunsch. Aber lässt sich dieser wirklich nur via Giftspritze erfüllen?

Wir kennen einen simpleren Weg: Lassen Sie sich einfach nicht stressen. Dann entstehen auch keine Falten. Und keine Kosten. Und erst Recht keine Risiken. So einfach kann es sein. Oder gibt es die Schönheitsspritze am Ende vielleicht nur deshalb, um das zu bekämpfen, was man ohne sie erst gar nicht hätte; nämlich Sorgenfalten und Spuren der Panik vor dem älter werden? Ein kosmetischer Teufelskreis! Höchste Zeit ihn zu unterbrechen.

Studien zur Spritze: Die kuriosesten Botox-Begleiterscheinungen

Botox verringert Empathie: Botox verändert nicht nur die Mimik, sondern angeblich auch die Emotionen und mit ihnen gleich die Weltanschauung einer ganzen Generation. Botox-Behandelte sollen laut einer Studie um etwa sieben Prozent die Fähigkeit, Emotionen ihres Gegenübers rasch und richtig deuten zu können, einbüssen.

Botox macht happy: Wer nicht gut Lachen hat, kann sich aber nicht ärgern. Die Uni Basel fand in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Uni Hannover heraus, dass Botox-Injektionen Depressionen lindern können. Der Grund: Dadurch, dass Botox negative Mimiken (z.B. Sorgenstirn, Zornesfalte) unterdrückt, werden auch die mit dieser Mimik verbundenen negativen Informationen nicht zum Gehirn geleitet. Und das macht happy!

Botox macht unsexy: Zu glatt ist auch nicht gut. Makellose Menschen mit maskenhaften Botox-Mienen werden als kalt, emotionslos und damit als weniger attraktiv wahrgenommen und das, obwohl man sie nicht mal gesehen hat, sagt eine Studie

Botox gegen Migräne: Zwar setzt die Medizin Botox bereits als Migränemittel ein. Neuste Forschungen stehen dieser Wunderlösung jedoch skeptisch gegenüber. Danach wirke Botox nämlich nur in besondern Einzelfällen gegen den ständigen Kopfschmerz. Eine allgemeine Hoffnung für Migränepatienten liesse sich daraus nicht ableiten.

Bild: Wavebreak Media

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