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DER BESTE BANKER IST EINE FRAUWarum Frauen in Finanzfragen den besseren Riecher haben

Frauen haben bei Investments ein gutes Gespür. Wenn sie sich erst einmal in Finanzthemen schlau gemacht haben, toppen sie sogar die Männer. Was Frauen besser machen und was sie als Einsteigerinnen bedenken sollten.

Frauen denken länger über Investitionen nach als Männer.

Ben und Anna gehen einkaufen. Beide brauchen neue Schuhe. Da sie nicht viel Zeit haben, vereinbaren sie einen Treffpunkt und gehen getrennte Shoppingwege. Nach einer Stunde hat Ben ein Paar Lederschuhe im Laden um die Ecke gekauft. Der Verkäufer stellte ihm zwei zur Auswahl, Ben kaufte das teurere Paar aus Echtleder. Anna hat die letzte Stunde in vier verschiedenen Schuhläden verbracht und in jedem fünf bis sechs Paar Schuhe anprobiert. Von ihren fünf Favoriten hat sie zwei gekauft: die einen, weil sie so hübsch sind und auf verschiedene Kleider passen. Die anderen, weil sie ein echtes Schnäppchen waren.

Frauen überlegen bei Investitionen länger

Das Beispiel zeigt: Frauen machen sich sehr wohl Gedanken über ihre Investitionen. Allerdings gehen sie damit anders um als Männer. Einem Artikel der NZZ zufolge, sollen Frauen rund 40 Prozent mehr Zeit für die Recherche über Investitionen brauchen. Männern hingegen fiele es leichter, sich trotz unvollständiger Informationen schnell für eine Anlage zu entscheiden. Eine Publikation der Credit Suisse zeigt, dass Männer bei Anlagen risikofreudiger sind als Frauen. Eine Erklärung dafür sei das durchschnittlich geringere Gehalt und damit kleinere Budget der Anlegerinnen. Laut des Bundesamtes für Statistik verdienen Schweizerinnen im Durchschnitt 18,4 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Dass Frauen bei ihren Investmentplänen vorsichtiger sind, ist aber kein Nachteil: Eine Untersuchung der DAB Bank zeigt, dass im Jahr 2007 Frauen 4 Prozent mehr Rendite erwirtschafteten als Männer. Auch im Börsencrashjahr 2001 schnitten die von Frauen gemanagten Depots besser ab.

Die vier Finanztypen der Frau

Zwar sind sich viele Studien einig - die Studie des Instituts für Finanzmanagement der Universität Bern widerlegt jedoch, dass Anlegerinnen bei ihren Finanzplanungen schüchtern sind. Frauen, die sich intensiv mit finanziellen Themen auseinandersetzen, würden ebenfalls in risikoreiche Anlagen investieren. Frauen lassen sich eben nicht alle über einen Kamm scheren. Das Marktforschungsinstitut Sinus Sociovision unterteilt sie daher in vier verschiedene Finanztypen:

  • Die «Traditionelle», die bei ihrer Familie finanzielle Geborgenheit sucht (31 Prozent).
  • Die «Konventionelle», die zwar nach Sicherheit strebt, aber sich kaum für Finanzthemen interessiert (28 Prozent).
  • Die «Erlebnisorientierte», die ihr Geld lieber ausgibt, als für die Zukunft zu sparen (14 Prozent).
  • Die «Selbstbewusste», die sich erfolgreich um ihre Finanzen kümmert (25 Prozent).

Das geringe Interesse von Frauen für finanzielle Themen kann fatale Folgen haben. Gerade die private Altersvorsorge ist ein wichtiges Thema, mit dem sich Frauen schon frühzeitig befassen sollten. Denn es gibt verschiedene Faktoren, die die Rente der Frau stark senken können: ein niedrigeres Gehalt, Kinderauszeiten, Scheidung oder eine höhere Lebenserwartung. Um frühzeitig vorzusorgen, bieten Schweizer Banken bereits speziell für Frauen ausgerichtete Finanzberatungen an. So hat die Bank Coop das Programm «Eva» ins Leben gerufen, das Finanzberatungen, Veranstaltungen und Ratgeber für Frauen anbietet.

Buchtipp:

Vermögensplanung und Altersvorsorge ist langweilig? Nicht bei Finanzexpertin Helma Sick: In ihrem Geld-Ratgeber «Wenn ich einmal reich wär: Träumen ist gut, planen ist besser» zeigt sie, dass es Spass macht, Geldangelegenheiten in die Hand zu nehmen, und erklärt, was Frauen für ihre sichere Zukunft wissen sollten.

Finanzprodukte mit Lady-Image

Aber Achtung: Wenn Sie sich das erste Mal über Finanzprodukte informieren, können Sie schnell in die Lady-Falle tappen: Ausgefuchste Anbieter geben ihrem Produkt ein Lady-Image, ohne dass es tatsächlich auf Frauenbedürfnisse eingeht. So entpuppen sich viele «Frauenfinanzprodukte» bei näherem Hinsehen als Normalprodukt. Laut eines Berichts des Online-Magazins finews.ch ist «PrimaDonna» derzeit die erste und einzige Vorsorgeversicherung der Schweiz, die zum Beispiel denfamilienbedingten Erwerbsunterbruch von Frauen mitberücksichtigt.

Frauen mit «Zockermentalität»

Finanzberaterinnen wie Christine Bortenlänger, Vorstand der Bayerische Börse AG bedauern, dass nur wenige Frauen sich mit Finanzen beschäftigen. Denn sie können die Finanzwelt genauso gut meistern wie Männer. Ein Beweis dafür sind die einflussreichsten Finanz-Frauen der Schweiz. Auch der Ehrgeiz nach Profit kann Frauen wie Männer packen. Laut eines Berichts des Online Magazins Cash.Online erlebe Honorarberaterin Stefanie Kühn neben sorgfältigen Anlegerinnen durchaus auch Mandantinnen mit einer gewissen «Zockermentalität».

Der Finanztrend unter Frauen wird jedenfalls steigen: Mit zunehmendem Wunsch nach Sicherheit und Autonomie werden sich Frauen früher oder später mit Finanzthemen auseinandersetzen müssen. Groteske Büchertitel wie «Sheconomics - Add power to your purse with the ultimate money makeover» werden dann der Vergangenheit angehören. Und vielleicht wird sogar die Vision wahr, die Journalist Ralph Pöhner im Tagesanzeiger hatte. Demzufolge könnten Männer-Ratgeber bald Titel wie «Investieren mit Verstand: Zehn Unterschiede zwischen einem Konto und einem Casino» tragen.

Foto: iStock

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