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Neu im Job: Dein 30-60-90-Tage-Plan für die Probezeit

Ein neuer Job ist selten nur ein Neuanfang auf dem Papier. Er bedeutet neue Erwartungen, neue Beziehungen, neue Abläufe – und oft auch die leise Frage, ob du schnell genug ankommst. Genau hier hilft ein klarer Plan. Nicht damit du dich vom ersten Tag an beweisen musst, sondern damit du dich orientieren, wirksam lernen und die Probezeit auch für dich sinnvoll prüfen kannst.

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Herzlich willkommen! © Gemini / Google

Die ersten 90 Tage sind keine Prüfung, die du einfach nur «bestehen» musst. Sie sind eine beidseitige Testphase: Das Unternehmen schaut, wie du in die Rolle findest. Du prüfst, ob Aufgaben, Kultur, Führung und Rahmenbedingungen tatsächlich zu dem passen, was besprochen wurde – und zu dem, was du langfristig tragen kannst.

Dieser Leitfaden führt dich Schritt für Schritt durch die ersten drei Monate: vom Vorbereiten vor dem ersten Arbeitstag über die ersten Wochen bis zum 90-Tage-Gespräch. Mit konkreten Fragen, realistischen Zielen und einem Fokus, der in der Arbeitsrealität oft fehlt: verstehen statt überleisten.

Vor dem ersten Arbeitstag

Ein guter Start beginnt nicht erst am Empfang oder im ersten Teams-Call. Viel Stress in den ersten Tagen liesse sich vermeiden, wenn wichtige Punkte vorher geklärt sind. Das ist kein Misstrauen, sondern professionelle Vorbereitung.

Vertrag und Rahmenbedingungen prüfen – Pensum, Arbeitsort, Ferien, Probezeit, Lohn, Spesen und vereinbarte Flexibilität

Bevor du loslegst, lohnt sich ein nüchterner Blick auf alles, was verbindlich geregelt ist. Gerade nach euphorischen Bewerbungsgesprächen verschwimmen Zusagen schnell. Entscheidend ist, was im Vertrag steht oder durch Personalreglement, Gesamtarbeitsvertrag oder interne Richtlinien geregelt ist.

  • Pensum und Arbeitstage: Entspricht der Einsatz den Absprachen?
  • Arbeitsort: Büro, Homeoffice, hybride Regelung, Reisetätigkeit
  • Probezeit und Kündigungsfrist
  • Lohn, variable Bestandteile, 13. Monatslohn, Auszahlungsmodus
  • Ferienanspruch, Überstunden- oder Überzeitregelung
  • Spesen, Arbeitsmittel, Handy, Laptop, ÖV oder Parkregelung
  • Vereinbarte Flexibilität: etwa fixe freie Tage, Betreuungsfenster oder Homeoffice-Anteil

Wenn etwas unklar ist, frag vor dem Start nach. Gerade beim Pensum oder bei stillschweigend erwarteter Verfügbarkeit lohnt sich frühe Klarheit. Was zu Beginn diffus bleibt, wird später oft als selbstverständlich behandelt.

Praktisches klären – Startzeit, Ansprechperson, Technik, Dresscode als Kontextfrage und Barrierefreiheit

Organisatorische Unsicherheit kostet unnötig Energie. Klär deshalb möglichst konkret:

  • Wann und wo genau beginnt dein erster Tag?
  • Wer empfängt dich oder ist deine erste Ansprechperson?
  • Ist die Technik vorbereitet: Laptop, Zugänge, Badge, Software, E-Mail, VPN?
  • Gibt es Erwartungen an Kleidung – eher formell, funktional oder locker?
  • Brauchst du Informationen zu Gebäudezugang, Parken, Kinderbetreuung, stillen Räumen oder Barrierefreiheit?

Dresscode ist keine Frage von Unsicherheit, sondern von Kontext. Ein kurzes Nachfragen wirkt oft professioneller, als die unausgesprochene Norm erraten zu wollen.

Eigene Erwartungen notieren – Was wurde versprochen, was ist offen, woran willst du den Job messen?

Vor dem Start lohnt sich eine kleine Bestandesaufnahme für dich selbst. Schreib dir in ein paar Stichpunkten auf:

  • Welche Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten wurden im Bewerbungsprozess konkret in Aussicht gestellt?
  • Welche Fragen sind noch offen?
  • Was wäre für dich ein realistischer guter Start nach 30, 60 und 90 Tagen?
  • Woran würdest du merken, dass der Job grundsätzlich passt – fachlich, menschlich und organisatorisch?

Diese Notizen helfen dir später, die Realität fair zu prüfen. Denn in der Anfangsphase ist man schnell versucht, Warnzeichen zu relativieren oder Überforderung als persönliches Versagen zu deuten.

Tag 1 bis 30: verstehen statt beweisen

Die ersten Wochen entscheiden selten darüber, wie brillant du bist. Sie zeigen eher, wie gut du Zusammenhänge erkennst, Prioritäten klärst und Fragen stellst. Wer zu früh nur Leistung demonstrieren will, übersieht oft die eigentlichen Spielregeln.

Rolle und Erfolgskriterien klären – Was soll nach 30, 60 und 90 Tagen sichtbar sein? Prioritäten mit Führungskraft bestätigen

Eine der wichtigsten Fragen am Anfang lautet nicht «Wie kann ich sofort glänzen?», sondern: Woran wird in dieser Rolle konkret gemessen, ob ich gut starte?

Bitte deine Führungskraft früh um ein kurzes Gespräch zu Erwartungen und Prioritäten. Sinnvoll sind Fragen wie:

  • Was soll nach den ersten 30 Tagen verstanden oder aufgebaut sein?
  • Was wäre nach 60 Tagen ein gutes Zeichen, dass ich auf Kurs bin?
  • Was soll nach 90 Tagen sichtbar sein – Ergebnisse, Beziehungen, Prozesse, Verantwortung?
  • Welche Aufgaben haben im Moment klar Vorrang?
  • Wo ist Tempo wichtig – und wo ist Sorgfalt wichtiger als Schnelligkeit?

Wenn möglich, halte diese Punkte schriftlich fest. Das schafft Orientierung für dich und eine gemeinsame Referenz für spätere Check-ins.

Stakeholder-Map erstellen – Wer entscheidet, wer weiss was, wer ist von deiner Arbeit betroffen?

Fast jede Rolle hängt von Menschen ab, die nicht im Stellenbeschrieb stehen. Eine einfache Stakeholder-Map hilft dir, dein Umfeld schneller zu verstehen:

  • Wer trifft Entscheidungen?
  • Wer verfügt über wichtiges Fachwissen?
  • Wer ist direkt von deiner Arbeit betroffen?
  • Wer bremst oder beschleunigt Themen?
  • Mit wem brauchst du früh Vertrauen, auch wenn ihr selten zusammenarbeitet?

Gerade in matrixartigen Organisationen, in Agenturen, Spitälern, Verwaltungen oder grösseren Unternehmen ist diese Übersicht oft wichtiger als jede To-do-Liste.

Arbeitsweisen und Kultur beobachten – Meetings, Entscheidungswege, Feedback, informelle Regeln und Informationsflüsse

Nicht alles, was den Arbeitsalltag prägt, steht in Richtlinien. Achte in den ersten Wochen bewusst auf Muster:

  • Wie werden Entscheidungen tatsächlich getroffen?
  • Welche Meetings sind informativ, welche entscheidend?
  • Wie wird mit Fehlern, Rückfragen und Widerspruch umgegangen?
  • Wer wird früh eingebunden, wer erst spät?
  • Wie schnell wird auf Nachrichten reagiert – und über welche Kanäle?

Diese Beobachtungen sind keine Nebensache. Sie helfen dir, professionell anzudocken, ohne dich vorschnell anzupassen oder unnötig zu exponieren.

Lernsystem aufbauen – Fragenliste, Glossar, Notizen, Dokumentation und feste Lernzeit

Neu im Job zu sein, heisst oft: viele Abkürzungen, Prozesse, Systeme und stille Erwartungen auf einmal. Statt alles im Kopf behalten zu wollen, richte dir ein eigenes Lernsystem ein:

  • eine laufende Fragenliste
  • ein Glossar für interne Begriffe und Tools
  • Notizen zu Prozessen und wiederkehrenden Abläufen
  • eine Liste mit offenen Punkten und Zuständigkeiten
  • feste Zeitfenster zum Nacharbeiten statt nur reaktivem Lernen

Das entlastet nicht nur dich. Es zeigt auch, dass du strukturiert arbeitest. Wer Fragen bündelt und sauber dokumentiert, wirkt oft souveräner als jemand, der still improvisiert.

Tag 31 bis 60: beitragen und ausrichten

In der zweiten Phase geht es darum, vom Verstehen ins Mitgestalten zu kommen. Nicht mit grossen Gesten, sondern mit gezielten Beiträgen, guter Abstimmung und klarem Erwartungsmanagement.

Erstes überschaubares Ergebnis liefern – Relevante Quick Win wählen, ohne systemische Probleme vorschnell zu «lösen»

Ein früher Erfolg kann Vertrauen schaffen. Entscheidend ist, dass er sinnvoll gewählt ist. Gut geeignet sind Aufgaben, die sichtbar nützen, aber den Kontext nicht verkürzen:

  • eine sauber strukturierte Auswertung
  • eine verbesserte Vorlage oder Dokumentation
  • ein entlastender Prozessschritt
  • ein klar vorbereiteter Vorschlag für ein wiederkehrendes Problem

Weniger sinnvoll sind vorschnelle «Lösungen» für Themen, deren Geschichte du noch nicht kennst. Was auf den ersten Blick ineffizient wirkt, kann gute Gründe haben – rechtliche, politische, technische oder zwischenmenschliche.

Feedback aktiv einholen – Konkrete Fragen statt «Ist alles gut?»; Prioritäten neu ausrichten

Feedback ist am hilfreichsten, wenn du es präzise einforderst. Statt offen nach allgemeiner Zufriedenheit zu fragen, helfen konkrete Formulierungen:

  • «Wo bin ich im Moment auf dem richtigen Weg?»
  • «Was sollte ich in den nächsten zwei Wochen anders priorisieren?»
  • «Wo erwartest du mehr Eigenständigkeit – und wo lieber mehr Rücksprache?»
  • «Gibt es etwas, das ich bisher unterschätze?»

So bekommst du eher verwertbare Rückmeldungen und reduzierst das Risiko, in eine diffuse Unsicherheit hineinzulesen.

Zusammenarbeit vertiefen – Absprachen, Reaktionszeiten und Verantwortlichkeiten klären

Viele Reibungen in neuen Jobs entstehen nicht aus Inkompetenz, sondern aus unklarer Zusammenarbeit. Spätestens ab dem zweiten Monat lohnt sich, mit Schlüsselpersonen zu klären:

  • Wer entscheidet was?
  • Wo brauchst du Freigaben?
  • Was gilt als dringlich?
  • Wie werden Übergaben gemacht?
  • Welche Reaktionszeiten sind realistisch?

Das ist besonders wichtig, wenn du hybrid oder remote arbeitest. Schriftliche Klarheit ersetzt dort oft die informellen Korrekturen, die im Büro nebenbei passieren.

Grenzen und Kapazität kommunizieren – Arbeitslast früh sichtbar machen; Übererfüllung nicht zur Norm werden lassen

Gerade engagierte neue Mitarbeitende geraten leicht in die Falle, ihre Belastungsgrenze zu spät zu zeigen. Wer anfangs alles auffängt, setzt unbeabsichtigt einen Standard, der später schwer korrigierbar ist.

Hilfreich ist eine sachliche Kommunikation über Kapazität, zum Beispiel:

«Ich kann A bis Freitag sauber abschliessen. Wenn B ebenfalls diese Woche Priorität hat, brauche ich Unterstützung oder wir verschieben C.»

Das ist weder unkooperativ noch defensiv. Es ist professionelle Steuerung. Besonders Frauen übernehmen in neuen Teams häufig still zusätzliche Koordinations-, Beziehungs- oder Organisationsarbeit. Sichtbar wird das selten von selbst.

Tag 61 bis 90: Verantwortung und Perspektive

Im letzten Drittel der Probezeit geht es nicht mehr nur um Ankommen, sondern um Einordnung. Was funktioniert? Wo entsteht Wirkung? Und was zeigt sich jetzt klarer als in den ersten Wochen?

Wirkung bilanzieren – Ergebnisse, Lernen, offene Risiken und Unterstützung dokumentieren

Mach vor dem 90-Tage-Gespräch eine ehrliche Bilanz. Notiere dir:

  • Welche Aufgaben oder Ergebnisse du übernommen und geliefert hast
  • Was du gelernt hast – fachlich, systemisch, kulturell
  • Wo du selbständiger geworden bist
  • Welche Hindernisse oder Risiken weiterhin bestehen
  • Welche Unterstützung hilfreich wäre

Diese Bilanz hilft dir, deinen Beitrag sichtbar zu machen, ohne dich aufzublasen. Sie schützt auch davor, dass nur der letzte Eindruck zählt.

90-Tage-Gespräch vorbereiten – Selbsteinschätzung, Feedback, nächste Ziele und Entwicklungsbedarf

Falls kein offizielles Gespräch angesetzt ist, darfst du eines aktiv anregen. Gerade in kleineren Betrieben läuft Probezeitbeurteilung sonst manchmal erstaunlich informell.

Für das Gespräch sind vier Punkte zentral:

  • Wie schätzt du deinen Start selbst ein?
  • Wie sieht deine Führungskraft deinen Stand?
  • Was sind die nächsten realistischen Ziele?
  • Welche Entwicklung, Ressourcen oder Klärungen brauchst du?

Hilfreich ist auch die Frage, woran du in den nächsten sechs Monaten konkret messen kannst, ob du auf Kurs bist.

Rolle mit Realität vergleichen – Aufgaben, Kultur, Führung, Pensum und Entwicklung gegen Zusagen prüfen

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den Job nicht nur nach Gefühl, sondern entlang konkreter Kriterien zu prüfen:

  • Entsprechen die Aufgaben im Kern dem, was besprochen wurde?
  • Ist die Kultur tragfähig oder dauerhaft erschöpfend?
  • Ist die Führung klar, respektvoll und verlässlich?
  • Passt das Pensum realistisch zu den Erwartungen?
  • Gibt es Entwicklung – oder nur schöne Worte?

Wenn Zusagen aus dem Bewerbungsprozess systematisch nicht eingehalten werden, ist das kein Detail. Es ist ein relevantes Signal.

Nächste sechs Monate planen – Fokus, Kompetenzen, Beziehungen und messbare Ziele

Wenn der Job grundsätzlich passt, sollte nach der Probezeit klarer sein, worauf du dich als Nächstes konzentrierst. Ein sinnvoller Plan enthält:

  • ein bis drei fachliche Schwerpunkte
  • wichtige Kompetenzen, die du gezielt aufbauen willst
  • relevante Beziehungen oder Schnittstellen
  • messbare Ziele oder konkrete Beiträge

Karriere entwickelt sich selten in grossen Sprüngen. Oft entsteht sie aus sauber gesetzten nächsten Schritten.

So kommst du gut ins Team – ohne dich zu verlieren

Neue Teams wollen eingeschätzt werden, bevor sie vertrauen. Das ist normal. Problematisch wird es erst, wenn Anpassung mit Selbstaufgabe verwechselt wird.

Neugier statt Selbstdarstellung – Gute Fragen und echtes Zuhören

Du musst dich am Anfang nicht gross inszenieren. Oft wirkt es stärker, wenn du klug zuhörst und gezielt fragst:

  • «Was läuft hier erfahrungsgemäss gut – und was eher nicht?»
  • «Wo gehen Informationen schnell verloren?»
  • «Was sollte jemand in meiner Rolle früh verstehen?»
  • «Wie arbeitest du am liebsten zusammen?»

Neugier signalisiert Interesse und Professionalität. Sie ist oft wirksamer als vorschnelles Profilieren.

Nicht-promotable tasks erkennen – Hilfsbereitschaft ja, dauerhafte unsichtbare Zusatzarbeit nein

In vielen Teams gibt es Aufgaben, die wichtig sind, aber wenig Anerkennung oder Entwicklung bringen: Sitzungen organisieren, Protokolle immer übernehmen, Geburtstage koordinieren, Lücken stopfen, emotionale Spannungen abfedern. Solche Tätigkeiten werden überdurchschnittlich oft an Frauen delegiert oder still von ihnen aufgefangen.

Hilfsbereitschaft gehört zur Teamarbeit. Kritisch wird es, wenn daraus eine dauerhafte Rolle wird, die deine eigentliche Arbeit verdrängt. Achte darauf, ob du regelmässig Aufgaben übernimmst, die wenig Sichtbarkeit, aber viel Aufwand erzeugen. Wenn ja, sprich Zuständigkeiten früh an.

Konflikte und Missverständnisse früh klären – Beobachtung, Wirkung, Bedarf und Vereinbarung

Je früher Unklarheiten angesprochen werden, desto kleiner bleiben sie meist. Hilfreich ist eine sachliche Struktur:

  • Beobachtung: Was ist konkret passiert?
  • Wirkung: Was hat das für deine Arbeit ausgelöst?
  • Bedarf: Was brauchst du für gutes Arbeiten?
  • Vereinbarung: Was soll künftig klarer laufen?

Zum Beispiel: «Ich habe die Änderung erst kurz vor dem Termin gesehen. Dadurch konnte ich die Unterlagen nicht mehr sauber anpassen. Für die nächsten Male brauche ich solche Änderungen spätestens am Vortag oder einen kurzen Hinweis per Chat.»

Introvertiert oder remote starten – Gezielte Einzelgespräche, schriftliche Vorbereitung und verlässliche Präsenz

Nicht jede Person knüpft in grossen Runden schnell Kontakte. Wenn du eher introvertiert bist oder remote startest, hilft ein bewussterer Ansatz:

  • kurze Einzelgespräche mit Schlüsselpersonen statt viel Small Talk auf einmal
  • Fragen und Updates schriftlich vorbereiten
  • regelmässige, verlässliche Präsenz in Meetings
  • aktive Sichtbarkeit über gute Zusammenfassungen und saubere Nachverfolgung

Du musst nicht laut sein, um wahrgenommen zu werden. Verlässlichkeit, Klarheit und gute Zusammenarbeit fallen oft stärker ins Gewicht.

Probezeit in der Schweiz: Das solltest du wissen

Die Probezeit ist in der Schweiz rechtlich klarer geregelt, als viele denken. Gleichzeitig gibt es vertragliche und branchenspezifische Unterschiede. Für den Einzelfall zählen immer Vertrag, allfälliger Gesamtarbeitsvertrag und gegebenenfalls öffentlich-rechtliche Regelungen.

Dauer und Kündigungsfrist – Gesetzlichen Regelfall nennen, Vertrag/GAV und öffentlichen Dienst gesondert prüfen

Nach Obligationenrecht gilt der erste Monat eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses grundsätzlich als Probezeit, sofern nichts anderes schriftlich vereinbart wurde. Schriftlich können auch längere Probezeiten vereinbart werden, in der Regel bis zu drei Monaten. Während der Probezeit gilt normalerweise eine Kündigungsfrist von sieben Tagen.

Wichtig: In einzelnen Branchen oder Betrieben können Gesamtarbeitsverträge abweichende Regelungen enthalten. Im öffentlichen Dienst gelten oft eigene personalrechtliche Bestimmungen. Verlass dich deshalb nicht auf Hörensagen, sondern prüfe die Primärgrundlage deines Arbeitsverhältnisses.

Abwesenheiten und Verlängerung – Nur auf aktueller Primärquelle erklären

Fällt während der Probezeit eine effektive Arbeitsleistung wegen Krankheit, Unfall oder Erfüllung einer nicht freiwillig übernommenen gesetzlichen Pflicht aus, verlängert sich die Probezeit im Schweizer Recht grundsätzlich um die entsprechende Dauer der Verhinderung. Auch hier lohnt sich ein Blick in Vertrag und anwendbare Regelwerke, weil die konkrete Einordnung im Einzelfall relevant sein kann.

Wenn du betroffen bist, dokumentiere Abwesenheiten sauber und lass dir bei Unklarheiten bestätigen, wie das Unternehmen die Probezeit berechnet.

Dokumentation und Zeugnis – Bei Unsicherheit Vereinbarungen, Feedback und Leistungen notieren

Wenn der Start holprig ist oder du unterschiedliche Signale bekommst, führe eine knappe, sachliche Dokumentation. Notiere Gesprächsdaten, Erwartungen, erhaltenes Feedback, vereinbarte Prioritäten und wichtige Beiträge. Das hilft nicht nur bei der Einordnung, sondern kann im Konfliktfall sehr wertvoll sein.

Auch in kurzer Anstellung kann ein Anspruch auf ein Arbeitszeugnis oder zumindest auf eine Arbeitsbestätigung relevant sein. Falls sich früh abzeichnet, dass das Arbeitsverhältnis endet, solltest du diesen Punkt nicht aufschieben.

Wann Fachberatung nötig ist – Konflikt, Krankheit, Diskriminierung oder Kündigung als Einzelfall prüfen

Rechtliche Fragen werden in der Probezeit schnell persönlich, besonders bei Krankheit, Schwangerschaft, Diskriminierung, Mobbing, sexueller Belästigung oder strittiger Kündigung. In solchen Situationen ist eine individuelle Einordnung sinnvoll – etwa über eine Gewerkschaft, eine Rechtsberatung, eine kantonale Schlichtungsstelle oder eine spezialisierte Fachstelle. Auch die offiziellen Informationen des Bundes zum Arbeitsvertrag und zur Probezeit sind eine wichtige Primärquelle.

Unsicherheit oder echter Fehlstart?

Nicht jeder schwierige Start ist ein Zeichen, dass du am falschen Ort bist. Neue Rollen fordern. Gleichzeitig ist es klug, normale Anstrengung von echten Warnsignalen zu unterscheiden.

Normale Lernkurve – Viele Fragen, temporäre Erschöpfung und langsame Orientierung

Es ist normal, in den ersten Wochen viele Fragen zu haben, abends müde zu sein und dich noch nicht zugehörig zu fühlen. Auch dass du Prozesse nicht sofort verstehst oder in Meetings noch wenig sagst, ist kein Defizit. Orientierung braucht Zeit – besonders in komplexen Rollen oder nach einem Branchenwechsel.

Wenn du grundsätzlich Respekt, Lernzugang und eine gewisse Klarheit bekommst, spricht vieles für eine normale Anfangsphase.

Red Flags – Täuschung über Rolle, Abwertung, fehlende Sicherheit, dauerhafte Grenzverletzung

Anders sieht es aus, wenn sich problematische Muster früh und deutlich zeigen. Warnsignale können sein:

  • Die Rolle ist substanziell anders als im Bewerbungsprozess dargestellt.
  • Es gibt abwertende Kommunikation, Demütigung oder Ausschluss.
  • Du erhältst keine notwendige Einführung, aber wirst für Fehler verantwortlich gemacht.
  • Sicherheitsrelevante, rechtliche oder ethische Standards werden ignoriert.
  • Grenzen werden dauerhaft missachtet, etwa bei Arbeitszeiten, Erreichbarkeit oder respektvollem Umgang.
  • Die Führungskraft entzieht sich konsequent der Klärung von Erwartungen.

Solche Punkte solltest du nicht vorschnell als «Startschwierigkeiten» kleinreden.

Gespräch vor Entscheidung – Konkrete Differenzen und gewünschte Veränderung ansprechen

Bevor du innerlich kündigst, ist – sofern die Situation sicher genug ist – ein klärendes Gespräch oft sinnvoll. Nicht vage, sondern konkret: Was weicht von den Absprachen ab? Was fehlt dir, um gut arbeiten zu können? Welche Veränderung erwartest du? Setze dafür einen überschaubaren Zeitraum.

Wenn du Unterstützung brauchst, können dir auch diese Themen weiterhelfen: Rückfragen an den Arbeitgeber, Job-Fit prüfen oder toxisches Arbeitsumfeld erkennen.

Plan B – Diskrete Suche, Unterlagen, Referenzen und finanzielle Folgen prüfen

Wenn sich abzeichnet, dass der Job nicht tragfähig ist, darfst du parallel nüchtern einen Plan B aufsetzen. Dazu gehört:

  • CV und Unterlagen aktualisieren
  • mögliche Referenzen prüfen
  • finanzielle Folgen einer Kündigung einschätzen
  • offene Spesen, Ferientage und administrative Punkte klären
  • bei Bedarf früh an ein Arbeitszeugnis denken

Mehr Orientierung dazu findest du auch beim Thema Arbeitszeugnis. Ein früher Wechsel ist nicht automatisch ein Scheitern. Manchmal ist er eine saubere Korrektur.

Vorlage: dein persönlicher 30-60-90-Tage-Plan

Ein eigener Plan hilft, diffuse Unsicherheit in konkrete Schritte zu übersetzen. Er muss nicht perfekt sein. Wichtig ist, dass er dich durch die ersten drei Monate führt und regelmässig mit der Realität abgeglichen wird.

Ziele – Je Phase maximal drei

Formuliere pro Phase höchstens drei Ziele. Das zwingt zur Priorisierung.

  • 30 Tage: Rolle verstehen, Schlüsselprozesse lernen, Erwartungen mit Führungskraft klären
  • 60 Tage: erstes relevantes Ergebnis liefern, Zusammenarbeit ausrichten, Feedback integrieren
  • 90 Tage: Wirkung bilanzieren, Job-Fit prüfen, nächste Ziele definieren

Beziehungen – Schlüsselpersonen und Gesprächszweck

Notiere dir, mit wem du bis wann sprechen willst und warum:

  • Führungskraft – Prioritäten, Erfolgskriterien, Check-ins
  • direkte Teamkolleg:innen – Zusammenarbeit, Übergaben, Kommunikationsstil
  • wichtige Schnittstellen – Erwartungen, Abhängigkeiten, Informationsfluss
  • informelle Wissensträger:innen – gelebte Prozesse, Stolpersteine, Kontext

Lernen – Fachwissen, Systeme und Kultur

Halte fest, was du in jeder Phase verstehen musst:

  • Fachthemen und Verantwortungsbereich
  • Tools, Systeme, Freigabewege
  • relevante Richtlinien oder regulatorische Anforderungen
  • kulturelle Muster: Wie wird entschieden, wie wird kommuniziert, wie wird mit Fehlern umgegangen?

Belege und Check-ins – Woran du Fortschritt erkennst und wann du nachsteuerst

Definiere, woran du merkst, dass du vorankommst:

  • klare Prioritäten schriftlich bestätigt
  • wichtige Beziehungen aufgebaut
  • ein erstes Ergebnis sichtbar gemacht
  • wiederkehrende Aufgaben selbständig übernommen
  • konkretes Feedback erhalten und umgesetzt

Plane ausserdem feste Check-ins ein, zum Beispiel nach zwei Wochen, nach einem Monat, nach zwei Monaten und vor Ende der Probezeit. So wartest du nicht passiv darauf, beurteilt zu werden.

Was am Ende der Probezeit wirklich zählt

Ein guter Start heisst nicht, dass du in Rekordzeit unersetzlich geworden bist. Er heisst, dass du die Rolle verstehst, tragfähige Beziehungen aufbaust, realistisch wirksam wirst und dabei nicht aus den Augen verlierst, was du selbst von diesem Job brauchst.

Die Probezeit ist nicht dafür da, dich zu verbiegen. Sie ist dafür da, klarer zu sehen. Wenn du die ersten 90 Tage bewusst strukturierst, gewinnst du genau das: weniger Rätsel, bessere Gespräche und eine fundiertere Entscheidung darüber, ob dieser Job nur neu ist – oder wirklich richtig.

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