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SCHLAGFERTIGER WERDENDie Kunst des verbalen Schnellkampfes

Schlagfertigkeit ist, was einem immer erst am nächsten Tag einfällt. So behauptet es jedenfalls ein Sprichwort. Wir hingegen haben eine bessere – und vor allem schlagfertigere – Ansage für dich: Ein Trainingsplan für blitzschnelle Wort-Akrobatik im richtigen Moment.

Schlagfertiger werden: Ein Crash-Kurs im Kontern

Gut gekontert ist halb gewonnen – im Privatleben und im Job. Denn Schlagfertigkeit steht für Charme, Intelligenz, Stärke, Selbstbewusstsein und ist sexy. Alles Eigenschaften mit denen man sich gerne schmückt. Dir fehlen die Worte? Von wegen! Schlagfertigkeit hat nicht nur mit Eloquenz, sondern auch mit Mut und Übung zu tun. Du wirst dich wundern, wie viele Worte dir zum Feuern zur Verfügung stehen.

Mund auf: Plapper drauf los

Schlagfertiger werden kann nur, wer spricht. Klingt einfach? Ist es auch. Schlagfertig ist, wer kommunikativ ist und immer eine Antwort hat. Niemand sagt, dass diese immer genial, eloquent oder in sonst einer Weise besonders sein muss. Schlagfertige Worte müssen nicht geflügelt, sondern – ganz im Gegenteil – einfach nur freundlich und authentisch sein. Gehe mit den Menschen in deinem Umfeld ins Gespräch – damit bist du vielen bereits einen Schritt voraus. Um schlagfertiger werden zu können, ist offene Kommunikation ein guter Anfang.

Schlagfertiger werden = mutiger werden

Schlagfertigkeit spricht für Standhaftigkeit und Stärke. Wer schlagfertig reagiert, traut sich forsch zu antworten und steht zu dem, was er sagt. Schlagfertigkeit ist also nicht unbedingt nur eine Frage dessen, was gesagt wird, sondern vor allem wie es gesagt wird. Wer schlagfertiger werden will, muss daher vor allem eines: Mutiger werden! Oder kennst du eine schlagfertige Person, die schüchtern ist? Eben! Das Gegenteil ist sogar der Fall: Schlagfertige Menschen trauen sich mehr zu. Sie bringen den Mut zu schnellen, forschen und manchmal sogar unüberlegten Antworten auf und rauben damit Ihrem Umfeld den Atem. Wie wird sich das anfühlen? Mut wird eben belohnt.

Schlagfertigkeit bedeutet Authentizität

Keine Sorge, Schlagfertigkeit ist keine Gabe der Natur, sondern Fleissarbeit. Doch Vorsicht: Du wirst nicht schlagfertiger, indem du Parolen auswendig lernst. Wer andere kopiert oder sich Texte zurechtlegt, die er auf Kommando abspult, wirkt alles andere als authentisch und damit auch nicht schlagfertig. Schlagfertigkeit ist schliesslich etwas, das aus dem Geist hervorschnellt und nach dem nicht erst mühsam im Gedächtnis gekramt werden muss. Lange Überlegungen, Sätze, die zu akkurat formuliert sind, und ein Wortschatz, der sonst nicht deinem üblichen Sprachgebrauch entspricht, deuten allenfalls auf einen Spickzettel, nicht aber blitzschnellen Sprachschatz hin. Improvisation ist also das Wort der Stunde. Die gute Nachricht: Das kann man üben.

Übung macht die MeisterIn

Stell dir Situationen vor, auf die du in drei Weisen reagieren musst: Einmal ernsthaft, einmal mit Humor und einmal mit einer Gegenfrage.

  • Die Sätze oder Situationen können alltägliche Gegebenheiten sein, wie die einfache Frage «Wie geht es dir?» oder «Das Wetter ist ja mal wieder schlecht».
  • Oder abends beim Ausgehen: Wie erteilst du einem Date eine Absage?

Spiele diese Situationen durch und spreche die Antworten laut aus. Schlagfertigkeit erlangt man nämlich nicht nur über die Wortwahl, sondern auch über Stimme und Haltung. Wiederhole diese Übung täglich, wenn du gerade alleine bist: morgens im Bad, beim Duschen oder abends beim Kochen.

Dir feheln trotz Übung einfach mal die Worte? Ja, das ist ärgerlich. Vor allem dann, wenn dir nach ein paar Stunden doch noch ein ganzer Schwall verbaler Rückschlage einfällt. Das ist schade. Aber nicht schlimm. Im Gegenteil: sieh die Gelegenheit als Übung. Vermutich passiert das nicht erneut, nächstes Mal weisst du es besser.

Zögerst du noch oder fragst du schon?

Immer eine Reaktion parat zu haben, bedeutet nicht, dass man auch immer das Richtige sagen oder alles wissen muss. Um gut zu kontern, muss man nicht immer eine Antwort geben. Auch Fragen sind erlaubt und zudem ein gutes Instrument, um Schlagfertigkeit zu lernen. Informiere dich über Details des Gesagten, zeig dich interessiert.

Fragen haben gleich mehrere Vorteile: Sie kommen leicht über die Lippen, zeigen dem Gegenüber, dass du dich für seine Worte interessierst und verschaffen dir Zeit. Denn während dein Gesprächspartner auf deine Fragen antwortet, hast du ausreichend Gelegenheit, um dir eine neue Antwort, ein anderes Thema oder schlagfertiges Argument auszudenken. Schlagfertigkeit ist letztlich eben einfach nur eine Frage der Taktik.

Schlagfertigkeit ohne Schläge

Schlagfertige Antworten sind schnell, treffen den verbalen Nagel auf den Kopf und rauben deinem Gegenüber (im Idealfall) den Atem. Doch das bedeutet nicht, dass du deshalb unter die Gürtellinie treffen musst. Schlagfertigkeit hat nämlich nichts mit verbalen Schlägen, sondern lediglich mit einer schnellen Reaktionsfähigkeit zu tun. Leider wird das oft verwechselt. Schliesslich geht es nicht darum, den anderen zu übertrumpfen und ihn unterzubuttern. Schlagfertigkeit kommt nur dann gut an, wenn man selbst auch ein paar Schläge einstecken und galant abfedern kann. Eine Prise Humor und Selbstironie sind daher die wichtigsten Zutaten, um gut Kontern zu können. Ein Witz über dich selbst – oder sogar deine mangelnde Schlagfertigkeit – kann schon schlagfertig genug sein.

Bild: iStock

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