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Dinge, die ich nicht versteheLiebesbekundungen auf Instagram

In der Reihe «Dinge, die ich nicht verstehe» teilt Redakteurin Luise mit euch alles, was bei ihr ein Stirnrunzeln verursacht. Heute: Das Social Media Phänomen öffentlicher Liebesbekundungen.

Liebesbekundungen auf Insta: Alte Fotos von einem Paar auf dem Boot

Habt ihr schon mal einen Film oder eine Serie gesehen, in der das darin vorkommende Paar ein eingerahmtes Foto des jeweils anderen neben sich auf dem Nachttisch stehen hatte? Fand ich schon als kleines Mädchen seltsam: «Die Person liegt doch neben dir im Bett, wieso das Foto auf dem Nachttisch? Guck sie doch in echt an!». Ähnlich geht es mir nun mit den Liebesbekundungen auf Instagram. 

Wir haben Ende Jahres wieder viele schöne Rückblicke auf den sozialen Medien bestaunen dürfen. Und damit viele öffentliche Liebesbekundungen: «I don't know what this year would have been without you. Du bist mein Seelenverwandter. Mein Fänger im Roggen. Mein Sahnehäubchen in der Brandung. Oder wie sagt man noch?!».

Wieso das Teilen solch wichtiger Zeilen mit der ganzen Welt, wenn sie sich nur an eine einzelne Person richten?

Was ich nicht verstehe: Wieso sagen die Lovebirds sich das nicht einfach live über den abendlichen Pastateller hinweg? Wieso das Teilen solch wichtiger, persönlicher und kostbarer Zeilen mit der ganzen Welt, wenn sie sich gar nicht an die Welt richten – sondern nur an eine einzelne Person? Die womöglich grad neben einem sitzt und nichtsahnend in den Kaffee blickt?

Und wie läuft das eigentlich ab? Liegen diese Instagram-Paare nebeneinander im Bett (neben ihren Nachttischen mit den eingerahmten Fotos) und tippen Liebeszeilen, die sie dann unter ein super schönes super lang mit Facetune bearbeitetes Bild setzen und dann schmunzeln sie geheimnisvoll in sich hinein, bis der andere es beim alle-drei-Sekunden-Insta-Checken endlich erblickt? Oder sagen sie mit einem verführerischen Lächeln: «Schau mal auf Instagram, Schatz.», warten ab, bis der oder die Liebste die Zeilen zuende gelesen hat und lassen sich dann mit einem Kuss für die Worte und vor allem die Likes belohnen? 

Und ist vielleicht eben genau das die Antwort auf mein Unverständnis? Alles für die Likes? Bei Influencern, die so ihr Geld verdienen «müssen», mag das noch Sinn ergeben. Die nächste Couple-Collection von Ralph Lauren lässt sich natürlich besser promoten, wenn die ganze Welt bereits weiss, was man für ein tolles Couple ist. Aber wieso tun jene, die keine Ralph Lauren Kollektion promoten müssen, es auch? 

Dinge, die ich nicht verstehe. 

Titelbild: Getty Images

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