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«Hobby: Pole-Dancing»Was wirklich in die Bewerbung gehört

Mein Papa ist Zahntechniker, mein Hobby Pole-Dancing und meine Kompetenzen ersehen Sie im Primarschulzeugnis. Manche Infos sind für Personaler nicht nur überflüssig, sie machen auch einen schlechten Eindruck. Wie du deinen Lebenslauf gründlich entrümpelst  und deine Bewerbung mit Persönlichkeit aufpolierst, weiss Jobcoach Crista Henggeler.

HR-Expertin Henggeler verrät was personaler in einer Bewerbung erwarten.

Wie soll man ein Leben auf drei Blatt Papier bringen? Lebenslauf und Bewerbungsanschreiben zu verfassen, macht selten Freude. Die gute Nachricht dabei ist, wenn du dich einmal gedanklich so gut strukturiert hast, dass du mit wenigen Worten begründen kannst, warum du die richtige Wahl für genau diese freie Stelle bist, hast du schon mehr als die halbe Miete. Denn viele Bewerbungen scheitern daran, dass sie nicht auf die freie Stelle zugeschnitten und viel zu lange und inkonsistent sind. Was wirklich in eine gute Bewerbung gehört und was du dir getrost sparen kannst, verrät unser Jobcoach und die ehemalige Personalerin Crista Henggeler.

Crista Henggeler, Professional Coaching

Über Crista Henggeler

Die auf Personalentwicklung und Rekrutierungsfragen spezialisierte Arbeits- und Organisationspsychologin Crista Henggeler kennt die Tücken bei der Jobsuche. Als Professional Coach in Zürich berät Sie Unternehmen und Privatpersonen. Auf Femelle steht sie jeden Rede und Antwort rund um die berufliche Karriere. www.henggelercoaching.ch

In vielen Bewerbungsratgebern steht, man solle immer telefonischen Kontakt mit den Personalern suchen, bevor man eine Bewerbung abschickt. Wahrheit oder Mythos?

Das ist eine zwiespältige Frage. Auf der einen Seite solltest du bei deiner Bewerbung immer bedenken, egal was du tust, Personaler stehen meist unter Zeitdruck. Versuche ihnen deshalb möglichst Zeit zu sparen! Es macht garantiert bei keinem Personaler Eindruck, wenn er jedem Bewerber nochmal einzeln erklären muss, was bereits auf der Website steht. Auf der anderen Seite kann ein Anruf sicherlich von Vorteil sein, weil man sich dadurch besser in Erinnerung ruft. Ich rate Folgendes: Wenn alles auf der Website klar ist und du keine wesentlichen Fragen zur Bewerbung hast, dann ruf nicht an. Wenn du aber unsicher bist, ob du auf die ausgeschriebene Stelle wirklich passen oder welche Unterlagen verlangt werden, würde ich in jedem Fall zum Hörer greifen und nachfragen. Aber bitte nicht zu spontan, auch der Anruf zählt zum so wichtigen ersten Eindruck. Überleg dir deshalb vorher genau, was du fragen möchtest.

«Mit grossem Interesse habe ich Ihre Annonce gelesen...». «Hiermit bewerbe ich mich um ...». «Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen». Die meisten Bewerbungsanschreiben recyceln immer wieder dieselben Mustersätze. Was hast du als ehemalige Personalerin gedacht, wenn du solche Sätze lesen musstest?

Vermeide Standardfloskeln unbedingt, denn der Rekruter merkt sofort, wenn du ein Anschreiben bereits für viele andere Stellen als Muster genutzt hast. Es lohnt sich kreativ zu sein. Neue, persönliche Formulierungen hinterlassen meist einen nachhaltigeren Eindruck – und dennoch darf es nicht zu unkonventionell sein. Zu den wichtigsten Elementen, die in keinem Bewerbungsanschreiben fehlen sollten, gehören definitiv eine kurze Beschreibung deines Werdegangs und deiner für die Stelle relevanten Qualifikationen. Untermauere die Standardinformationen möglichst mit einer persönlichen Geschichte. Zeig, dass du dich mit der freien Stelle und der Firma auseinander gesetzt hat, zeig die Schnittstellen zwischen deiner Person, dem Job und dem Unternehmen auf, und vergiss nicht auch etwas zu liefern, was dich von deinen Mitbewerbern unterscheidet.

«Ich suche eine neue Herausforderung» ist inzwischen auch zu einer allseits bekannten Bewerbungsfloskel verkommen. Macht es überhaupt Sinn, sich auf einen Job zu bewerben, bei dem ich nicht alle in der Stellenanzeige geforderten Kenntnisse mitbringe?

Auf jeden Fall «Ja», wenn du dich anschliessend auch mit einem «Nein» abfinden kannst. Für mich ist das eine Frage der Positionierung. Wenn du deine Bewerbung gut begründen kannst, beispielsweise bringst du alle Grundvoraussetzungen mit, die mangelnde Erfahrung machst du damit wett, dass du dadurch noch formbar bist, dann spricht nichts dagegen etwas zu wagen. Wenn du diesen Job wirklich willst und auch realistische Argumente dafür hast, lohnt sich das Risiko immer.

Meist ist es schwieriger sich kurz zu fassen, als alles umfassend darzustellen. Besonders wenn es um das eigene Leben geht. Welche Infos gehören nicht in den CV?

Sei mutig und mach den Schnitt da, wo es aufhört für die Stelle relevant zu sein. Der Beruf der Eltern ist beispielsweise absolut überflüssig. Aber vergiss nicht die persönliche Note. Denn wenn gar nichts Persönliches drinsteht, ist die Person für mich nicht greifbar. Auf jeden Fall gehören in einen Lebenslauf die Personalien, die Kontaktdaten und ein professionelles Foto. Dann die Arbeitserfahrungen, die Aus- und Weiterbildung sowie, ganz wichtig, deine extra-curriculären Aktivitäten. Hattest du zum Beispiel eine leitende Funktion in einem Verein oder warst du an einem interessanten Projekt beteiligt? Das gibt der Bewerbung einfach etwas mehr Fleisch und Brot. Wichtig sind auch Sprach- und IT-Kenntnisse. Und vergiss auch nicht deine Hobbies! Erst darüber lerne ich eine Person richtig kennen. Ich habe in der Vergangenheit so viele Bewerbungen von Finanzleuten bekommen, die fast alle denselben Werdegang hatten. Nur über ihre Freizeitaktivitäten konnten sie sich ein bisschen voneinander unterscheiden.

Auch wenn mein Hobby gefährliche Extremsportarten sind, ich beruflich aber für Sicherheit sorgen soll?

Absolut! Ich finde, das schliesst sich überhaupt nicht aus, vielmehr hast du dadurch wahrscheinlich eine realistischere Risikoeinschätzung als ein passionierter Boule-Spieler. Ich habe die verrücktesten Typen kennengelernt, die aber im Arbeitsleben die aller Zuverlässigsten sind. Verzichte nicht auf diese persönliche Note, denn was bleibt, sind die Bilder die ich mir anhand einer Bewerbung mache, nicht das Geschriebene per se. Aber natürlich gibt es bestimmte Berufe, wo bestimmte private Vorlieben vielleicht im Widerspruch stehen könnten, z.B. wenn ich im Privatleben eine absolute Couchpotatoe bin und mich als Personal-Fitnesstrainer bewerbe. Aber da liegt der Fehler schon bei der falschen Berufswahl.

Manchmal kann zu viel Ehrlichkeit auch schaden. Wer in seinem Lebenslauf vom kürzlichen Burnout berichtet, wird eher nicht zum Interview bestellt. Wie sollte ich mit Lücken im Lebenslauf umgehen?

Das ist eine heikle Frage. Diese Frage habe ich auch kürzlich mit einem Klienten besprochen. Allgemein fallen Lücken im Lebenslauf negativ auf, das ist klar. Deshalb gilt es diese zu füllen, jedoch nur mit Dingen, die man wirklich gemacht hat. Zum Beispiel wenn ich arbeitsuchend war und ich mich während dessen ehrenamtlich beschäftige, sollte das absolut in den CV hinein. Oder wenn ich im Ausland war, egal ob aus rein privaten Motiven, ist das ein absoluter Pluspunkt. Das zeigt, dass du trotz einer Neuorientierungsphase aktiv warst. Übertreibe es aber nicht mit der Offenheit, ein Burnout gehört nicht in den Lebenslauf, das ist zu persönlich. Solltest du aber im Vorstellungsgespräch darauf angesprochen werden, solltest du es nicht mehr verschweigen. Wenn du vor einem solchen Problem stehst, dann versuch es mit in einer Überleitung wie «arbeitssuchend».

Allgemein gehen die Bewerbungstrends immer mehr zur Visualisierung. Auf der Karriere-Plattform LinkedIn gibt es jetzt das Tool VizualizeMe, das einem ermöglicht den eigenen Lebenslauf als Grafik darzustellen. Manche Bewerber haben auch eine eigene Website oder schicken gleich ein Bewerbungsvideo. Gute Idee?

Die Form der Bewerbung ist sehr branchenabhängig. Beim Art Director einer Werbeagentur kommt ein Video, das natürlich gut gemacht sein muss, vielleicht super an, während der Controller im Nachbarsbüro schon die Nase rümpft. Da gibt es kein Patentrezept, warum ich im Zweifel immer zu klassischen Bewerbungsform rate. Wenn die stimmt, brauchst du gar kein Video um aufzufallen. Auch die eigenen Websites sind absolut Geschmackssache und deshalb ein schlecht zu kalkulierbares Risiko.

Stichwort soziale Netzwerke: Als ehemalige Personalerin kannst du uns verraten, checken sie die Profile auf Facebook & Co.?

Ein Standardprozedere ist es noch nicht, aber es wird immer mehr genutzt und fliesst auch in die Beurteilung ein. Ich persönlich habe auch schon Leute abgelehnt, die anhand des CVs inhaltlich gut gepasst haben, aber dann auf ihrem Facebook so leger mit ihren Informationen umgegangen sind, dass ich meine Meinung ändern musste. Ich empfehle die Privatsphäreeinstellung so zu wählen, dass alles was privat ist auch privat bleibt.

Gibt es auch Fälle in denen sich die Präsenz in sozialen Netzwerke positiv auf eine Bewerbung auswirkt?

Ja, die gibt es. Wenn man auf LinkedIn z.B. ein gepflegtes, aktualisiertes Profil hat, an denen die Berufsstationen gut nachzuvollziehen sind. Generell bin ich bei diesem Thema aber eher kritisch eingestellt, denn wenn ich gleichzeitig alle Partyfotos von den Ibiza-Ferien anschauen kann, hilft das nicht.

Take away: Die wichtigsten Inhalte für eine gelungene Bewerbung

Beim Verfassen einer Bewerbung gilt die Obermaxime, spar dem Personaler Zeit. Das heisst halte dich so kurz wie möglich und werde nur so ausführlich wie nötig. Musterbewerbungen bei denen man spürt, dass du diese an mehrere Unternehmen genauso verschickt hast und die schlecht strukturiert sind, werden in der Regel zuerst aussortiert. Deine Bewerbung sollte immer zielorientiert sein. Und vergiss nicht eine persönliche Note zu hinterlassen, unter Umständen unterscheidet dich nur das in der Masse vieler guter Bewerbungen.

Was in Ihrem Bewerbungsanschreiben stehen sollte:

Beschränke dich auf maximal 1 Seite.

  • Für welche Stelle bewirbst du dich?
  • Warum bewirbst du dich genau bei dieser Firma?
  • Kurzüberblick über Ihren Werdegang
  • Deine Qualifikationen, die für die Stelle besonders relevant sind
  • Ab wann bist du für das Unternehmen verfügbar?
  • Wie bist du zu erreichen?

Was in einen professionellen Lebenslauf gehört:

Solltest du bereits über Arbeitserfahrung und eine Ausbildung verfügen, empfiehlt sich der tabellarische Lebenslauf nach amerikanischer Chronologie, d.h. nenne die letzte Station zuerst. Füge deinem jeweiligen Berufs- und Ausbildungsstationen eine Kurzbeschreibung hinzu, die u.a. eine besondere Leistung hervorhebt. Beschränke dich jedoch auf maximal 1-2 Seiten und wähle ein professionelles Layout, das dich von den anderen differenziert.

  • Personaldaten, Kontaktdaten, professionelles Foto
  • Arbeitserfahrung
  • Ausbildung
  • Extra-Curriuläre Erfahrungen (alles was relevant ist – weniger ist dabei allenfalls mehr)
  • Besondere Kenntnisse (IT-Programme, Sprachen)
  • Freizeitaktivitäten
  • Referenzen auf Anfrage

Tipp: Denk daran deine virtuellen Profile auf Xing oder LinkedIn rechtzeitig vor deiner Bewerbung zu aktualisieren und mit deinem Lebenslauf zu synchronisieren. Stelle sicher, dass dein Facebook-Profil nicht öffentlich zugänglich ist oder keine Infos enthält, die Arbeitgeber abschrecken könnten.

Welche Zeugnisse du mitschicken solltest:

Fasse alle relevanten Zeugnisse mit einem einheitlichen Briefkopf und in der gleichen chronologischen Reihenfolge wie in deinem Lebenslaufs in ein einziges PDF-Dokument zusammen. Bei Unklarheiten informiere dich beim Arbeitgeber, welche Dokumente wesentlich sind.

  • Arbeitszeugnisse
  • Zeugnisse Ihrer Aus- und Weiterbildungen
  • Sprach- und sonstige Zertifikate

Interview: Nathalie Riffard, 24.07.2013

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