Backstage mit Lala Berlin«Ich fühle mich wie eine Punkrockband»

Interview Das Label Lala Berlin macht Musik im Ohr, während die Mode längst leisere Töne anschlägt. Ein Backstage-Gespräch mit Frontfrau Leyla Piedayash über den Stil der Zürcherinnen und den Mut nicht auffallen zu müssen.

Ein Gespräch mit Leyla Piedayash über den Style der Zürcherinnen und den Mut nicht auffallen zu müssen.

Berlin – Zürich. Dazwischen liegen Luftlinie 850 Kilometer Stoff, den die Mercedes-Benz Zürich Fashion Days 2014 am Eröffnungsabend für Lala Berlin ausgerollt haben. Lala Berlin steht für ein kleines, deutsches Label, das seine Fühler mit Herz, Mut und Business-Geschick international ausgestreckt hat.

Knackige Prints, kräftige Farben und coole Silhouetten: Lala Berlin versprüht den Hauch Grossstadtstil, den die Zürich Modewelt gerne einatmet. Dabei ist im Hause Lala Berlin nicht mehr alles laut, das knallt.

Auch bei den Fashion Days Zürich ist Label-Chefin Leyla Piedayash ganz unaufgeregt. Als wir Sie eine Stunde vor der Opening-Show Backstage treffen, sitzt sie in der Maske und kriegt die Haare glatt. Neben ihr versucht die Schweizer Modebloggerin Gine ein Interview im Entensitz. Als PR-Frau etwas nervös fragt, wie lange das Interview noch geht, sagt Leyla Piedayash: «Das musst du Gine fragen.» Anschliessend prüft Leyla Piedayash noch kurz die Frisuren der Models - der Undone-Look ist ein wenig zu undone, hat Zeit für ein Fotoposing für einen Modeblog und dann nimmt sich Leyla Piedayash Zeit für alte Freunde aus Zürich und ein Interview mit Femelle.

Du bist Publikumsliebling an der Berliner Fashion Week. Was reizt dich daran deine Kollektion nochmal in Zürich zu zeigen?

Leyla Piedayesh: Das ich hier noch nicht so viele Leute kenne! Und ich mag Zürich. Ich habe Zürich auch immer als eine modische Stadt empfunden. Zürcher Frauen sind immer schön adrett und hübsch, oder?

Das Image ist eher chic...

Aber nicht spiessig-chic. Zürcherinnen haben Style und das finde ich gut.

Du hast das Image eher wild zu sein. In deiner neuen Kollektion schlägst du aber leisere Töne an. Viel Pastell, zartere Muster, schlichtere Schnitte. Wird Lala Berlin erwachsen?

Nö, glaub ich nicht. Wobei im nächsten Winter sind wir wieder leise, weil die Farben nicht mehr so poppen. Aber man kann ja auch nicht immer so knallige Farben tragen. Das ist eine Gefühlssache. Ich mochte schon immer Schwarz-Weiss. Vielleicht kommen wir mehr und mehr zu dem, was ich mag: Schwarz, Weiss, Grau und ein bisschen Farbe rechts und links.

Leyla Berlin?

Das ist ein Ding der Zeit. Ich komme immer mehr zu mir selbst und gehe mit mehr Selbstbewusstsein an Sachen ran, ohne darauf zu hören, was andere dazu sagen.

Lala Berlin Frühling/Sommer Kollektion 2015 an Fashion Days Zürich

An den Fashion Days Zürich zeigte Lala Berlin Auszüge aus der F/S-Kollektion 2015. Foto: © Mercedes-Benz Fashion

Als ich gelesen habe, dass du früher bei MTV warst, klingelte es bei mir sofort. Ich habe bei deinem Label irgendwie sofort eine Indierock-Band im Kopf.

Das ist witzig, denn ich mag genau das Gegenteil von Indierock. Ich mochte immer Soulmusik, ob es die Pasadinas waren oder Earth, Wind & Fire. Ich kenn die ganzen neuen Bands nicht. Aber Indierock als Assoziation finde ich cool. Ich würde sogar sagen, dass es eine Punkrockband sein könnte. So fühle ich mich.

Doch wild? Doch laut?

Ich bin die Punkrockband, die eigentlich auf Soulmusik steht. Mein Äusseres ist anders als mein Inneres.

Wie lebst du diesen Kontrast in der Mode?

Durch die Eklektik, ich mische gerne Materialien und Farben. Der Lala-Berlin-Look ist ja auch nicht der alltägliche Frauenlook, vielleicht eher der Look der modernen Frau.

Ein durchkombinierter Look wäre dir zu langweilig?

Kommt darauf an. Ich trage heute ja auch ein Allover-Look (Anm. d. Red.: Leyla Piedayesh trägt einen schwarzweissen Jumpsuit mit derben Boots aus ihrer eigenen Kollektion.) Aber ich mochte schon immer, wenn man sich die Bits and Bites von überall hernimmt und zusammenmischt.

Welche Bits und Bites hast du in deiner aktuellen Kollektion «Illusion-Delusion» abgemischt?

Wir kamen auf das Thema «Illusion-Delusion», weil wir uns immer wieder mit meiner Herkunft, dem Orient, und da wo wir leben, also Berlin, beschäftigen. Aus Berlin kommen die Punkelemente und aus dem Orient kommen die Wüste und die Fata Morgana. Deshalb haben wir zum Beispiel die Wüstenblume benutzt und mit 3D-Prints gearbeitet. Unsern klassischen Kufiya-Print (Anm. d. Red.: Muster des sog. Palästinenser-Tuchs, dem Lala Berlin seinen Durchbruch verdankt) zeigen wir in einer verzerrten Welt. Die kommen und verschwinden irgendwann, aber es bleibt immer ein bisschen was hängen.

Das bekannte Spiel mit Layering und Transparenz stellst du in deiner aktuellen Kollektion auch auf den Kopf, wenn du blickdichte Trägertops über transparente Shirts streifst. Kann man Trägertops wieder drüber tragen?

Ich finde das ist ein witziger, frischer Look. Für die Show haben wir bei den Shirts Organza verwendet. Damit kannst du arbeiten, das macht Spass!

Und was ist jetzt für dich definitiv durch?

Ich dachte eigentlich Neopren wäre durch. Jetzt trage ich aber wieder meine Neoprenhose und bin total glücklich, dass ich die im Winter habe. Sogar Latex, das ich verflucht habe, könnte morgen cool sein. Ich weiss gar nicht, ob es überhaupt noch etwas gibt, das durch ist, weil sich alles ständig wiederholt.

Wie entscheidest du, welche Trends du aufgreifst?

Mit dem Bauch. Erst habe ich nur eine Idee, was ich zeigen möchte und dann schaue ich nach Stoffen, lass mir verschiedene Sachen zeigen und es entwickelt sich.

Während wir gerade erst im Winter 2014 ankommen, hast du schon die Winterkollektion für 2015 im Kopf. Kannst du einen Ausblick geben?

Ich habe irgendwie total Bock auf Mäntel und lässige Kleider. Und im Winter ist es natürlich leicht mit Strick umzugehen. Wir zeigen tolle Strickhosen und Strickröcke.

Interview: Nathalie Riffard, Foto: PR/shotview.com