Der ValentinstagEinmal im Jahr lieb sein

Der 14. Februar kehrt jedes Jahr verlässlich wieder und somit leider auch der Valentinstag. Da ist er also, der Tag der Liebenden – und der Blumenläden. Ohne Frage, kleine Aufmerksamkeiten und Präsente sind schön. Aber was ist mit den restlichen 364 Tagen des Jahres?

Der Valentinstag... Einmal im Jahr lieb sein!

Kaum sind die letzten Lebkuchen aus den Supermarktregalen verbannt, ist «Last Christmas» verstummt und haben wir uns vom weihnachtlichen Konsumwahnsinn erholt, werden die Gänge zwischen Wursttheke und Spirituosen von Pralinen-Schachteln gesäumt. Der Adressat wurde vom Schokoladenhersteller bereits vorsorglich auf der rot-glänzenden Bonbonniere vermerkt: «Für meinen grossen Schatz». Der Valentinstag naht. Und man kommt nicht an ihm vorbei.

Der 14. Februar ist der Tag der Liebenden – und der Blumenläden. An keinem anderen Tag im Jahr wird so viel Grünzeug verkauft. Der Tag der Liebe als Tag des Konsums. Da wird das Konterfei des Liebsten auf Schlüsselanhänger, Mousepads und Tassen gedruckt, dort noch schnell ein Gutschein fürs Romantik-Dinner im Wellness-Hotel geschrieben. Wer weder Aufwand noch Blumen-Massaker scheut, verstreut im Schlafzimmer tausend Rosenblätter und greift zur Familienpackung Teelichter von Ikea.

Prinzipiell hat ja niemand etwas gegen Geschenke. Erst recht nicht, wenn sie liebevolle Aufmerksamkeiten sind, die weniger durch materiellen Wert als Einfallsreichtum bestechen und noch dazu von Herzen kommen. Auch gegen gutes Essen in Restaurants, das für den Alltag zu luxuriös, für den Gaumen aber ein Genuss ist, ist nichts einzuwenden. 3-Gänge-Menüs mit Weinbegleitung in schmuckem Ambiente? Nur her damit!

Der 14. Februar und die restlichen 364 Tage

Aber warum muss der Zeitpunkt des Austauschs gegenseitiger Zuneigung einem Kalendereintrag folgen? Ähnlich verhält es sich mit Jahres- und Hochzeitstagen. Wieder ein Jahr geschafft? Das gehört gefeiert! Dann wird einander beschenkt und mit Herzen überschüttet. Nach der Arbeit wird noch schnell ein Strauss roter Rosen besorgt, der bereits vier Tage später die Köpfe hängen lässt. Zu viel Druck für zarte Stängel.

Dabei sind die wirklichen Liebesbeweise im Alltag zu finden. Das Post-It am Spiegel, der letzte Rest der Lieblingskonfi, der für den anderen aufgespart wird. Das neue Kleid, in das man nach Feierabend schlüpft, die Wiesenblume, die beim Spazieren am Wegrand gepflückt wird. Die Tasse Tee, die wärmen soll, der Pullover dazu. Liebesbeweise brauchen weder Termine noch Sträusse, Pralinenschachteln oder Herzballons.

Der österreichische Journalist Florian Klenk twitterte einmal: «Es kommt übrigens nicht darauf an, wie viel man zwischen Weihnachten und Neujahr isst, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten.» Das gilt auch für den Valentinstag. Beziehungsweise die restlichen 364 Tage des Jahres.

Titelbild: Creatas/Thinkstock

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