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AYURVEDAIndische Heilkunst für Körper und Seele

Ayurveda ist schon tausende Jahre alt und bis heute die beliebteste Heilmethode Indiens. In Europa entwickelte sie sich zu einem Trend. Aber was steckt dahinter? Mit unserem Ayurveda-Guide lernst du die Heilkunst und vielleicht auch dich selber besser kennen!

Die indische Heilkunst Ayurveda.

Wie meistern wir unser Leben in Harmonie und mit den Gesetzen der Natur? Die Antwort darauf verspricht die indische Heilkunst Ayurveda. Wörtlich übersetzt: «Das Wissen vom Leben». In tausenden von Jahren haben indische Medizinmänner Lehren entwickelt, die uns ein gesundes, glückliches Leben ermöglichen sollen. Allen gemeinsam ist die Vorstellung, dass Gesundheit ein Gleichgewicht zwischen drei Energien ist, die sich in uns befinden – so genannte «Doshas»:

  • «Vata»: Die lebendige Energie der Luft
  • «Pitta»: Die erhitzende Energie des Feuers
  • «Kapha»: Die Energie von Wasser und Erde, die alles zu einem Lehm verbindet

Diese drei Energien sind nach der ayurvedischen Lehre in jedem Körper unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Mischung bestimmt welches Temperament wir haben, welche Nahrung wir benötigen und zu welchen Krankheiten wir neigen. Wenn wir unseren Energietyp kennen, können wir mithilfe von Ayurveda so leben, essen, schlafen und Sport treiben, dass wir unsere Energien ins Gleichgewicht bringen, so die Anhänger der indischen Heilkunst.

Welcher Ayurveda-Typ bist du?

Vata, Pitta, Kapha – Ermittle, welche der drei Energien bei dir überwiegt! Der Ayurveda-Test ist natürlich nur eine grobe Bestimmung, die lediglich über deine Selbsteinschätzung verfährt. Wenn du dich ernsthaft für die indische Heilkunst interessierst, solltest du dich allerdings an einen Experten wenden. Spass macht es aber auf jeden Fall.

Wir haben zwar alle drei Energien in uns, meistens überwiegen jedoch eine oder zwei. Um die Balance im Körper wieder herzustellen, wendet Ayurveda verschiedene Verfahren wie Ernährungspläne, Massagen, Yoga oder ayurvedische Arzneimittel an.

Ayurvedische Ernährungslehre

Nach der indischen Heilkunst ist unsere Ernährung für unsere Energien besonders wichtig. Eine unausgewogene Ernährung bringen Feuer, Wasser, Erde und Luft in unserem Körper durcheinander. Das äussert sich dann in Krankheiten. Es gibt daher für jeden Ayurveda-Typ verschiedene Ernährungsempfehlungen.

Für alle drei gilt:

  • Iss nur, wenn du Hunger hast
  • Verzichte auf Snacks zwischen den Mahlzeiten
  • Nimm mittags deine Hauptmahlzeit ein
  • Iss nie im Stress oder aus Frust
  • Iss dich nicht völlig satt
  • Nimm frische Lebensmittel zu dir
  • Trinke Wasser oder Kräutertees

 

Darüber hinaus sollten in deinen Mahlzeiten alle sechs ayurvedischen Geschmacksrichtungen enthalten sein:

 

Süss: Regt die Bauchspeicheldrüse an

Sauer: Stimuliert den Speichelfluss

Salzig: Regt den Appetit an

Scharf: Regt den Stoffwechsel an 

Bitter: Belebt die Leber und reinigt

Herb: Beruhigt die Magenschleimhaut

Rezepttipp: Ayurvedische Kürbissuppe

Dieses Rezept der ayurvedischen Küche vereint gleich alle sechs Geschmacksrichtungen in einer feinen Mahlzeit: Die Ayurvedische Kürbissuppe.

Schneide dazu den süsslichen Kürbis und die Kartoffeln, den bitteren Lauch, die herbe Sellerie und einen süss-sauren Apfel in kleine Stücke. Dünste den Lauch in Butter an und geben eine Currygewürzmischung, geriebenen Ingwer und Koriander hinzu. Mische das restliche Gemüse unter, lassen es kurz andünsten und löschen alles mit Kokosmilch ab. 20 Minuten köcheln lassen. Abschliessend mit einem Mixstab pürieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig ist dein ayurvedisches Balance-Gericht!

Wenn indir die Energie Pitta, Vata, oder Kapha überwiegt, solltest du zufolge dem Gleichgewichtsgebot der ayurvedischen Ernährungslehre bestimmte Nährstoffe verstärken, andere wiederum reduzieren:

  • Vata-Typ: Bist du der zarte, luftige Vata-Typ, neigst du zu Verdauungsstörungen. Du solltest daher warme, leicht verdauliche Mahlzeiten einnehmen. Die empfohlenen Geschmacksrichtungen sind salzig, sauer und süss.
  • Pitta-Typ: Wenn in dir die Energie Pitta überwiegt, hast du ordentlich Feuer. Das gilt auch für deine Verdauung. Du kannst kalte und warme Nahrung zu dir nehmen und verträgst am besten bitter, süss und herb.
  • Kapha-Typ: Wenn du der lehmige Wasser-Erde-Typ bist, solltest du weniger warme Speisen essen. Dafür aber viel frisches Obst und Gemüse. Die besten Geschmacksrichtungen sind für dich scharf, bitter und herb.

Du kannst neben deiner Ernährung aber auch durch ayurvedische Massagebehandlungen zum inneren Gleichgewicht finden. Drei Klassiker sind die Massagen Shirodara, Mukabhyanga und Abhyanga, die mit warmen Ölen den Körper und Geist beruhigen. Beim Shirodara, wörtlich übersetzt «Stirnguss», wird reines Sesamöl langsam und gleichmässig über die Stirn gegossen. Bei der Mukabhyanga-Massage werden ayurvedische Cremes auf Gesicht, Hals und Dekolletee leicht einmassiert. Ayurveda-Massagen sollen die Energiebahnen stimulieren. Die Ganzkörper-Öl-Massage Abhyanga hingegen öffnet die Entgiftungskanäle des Körpers. Die Öle werden je nach Typ auf Pitta, Vata oder Kapha abgestimmt und sollen diese beeinflussen.

Yoga-Übungen gegen Krankheiten

Aber auch die Yoga-Übungen können wir nach der ayurvedischen Lehre unseres Körpers richten. Ob Akne, Diabetes, Asthma oder Osteoporose – die so genannten Yoga-Asanas können der indischen Lehre zufolge allerlei lindern und heilen. Welche Krankheit sich mit welcher Yogaübung beheben lässt, darüber informiert der europaweite Yoga Vidya Verein.

Ayurveda-Medizin im Internet – bedenkliche Metallspuren

Haben die ayurvedischen Medizinmänner vor tausenden Jahren noch bestimmte Kräuter, Wurzeln und Früchte zu einer «Medizin» gemischt und eingenommen, gibt es heute die wichtigen Stoffe als fertiges Arzneimittel zu kaufen. Die Präparate stehen jedoch in der Kritik, da sie Spuren von Quecksilber und anderen Metallen enthalten können. Und das ist kein Zufall: Bei den Medikamenten der Kategorie «Rasa Shastra» werden Metalle jahrelang aufgekocht und zerstossen, bis eine Asche daraus entsteht. Diese Asche sei Ayurveda-Ärzten zufolge unbedenklich, da die Metallkonzentration bei diesem Verfahren stark sinken würde. Allerdings funktioniert das Verfahren in der Praxis nicht immer. Gerade Ayurveda-Medikamente, die über das Internet verkauft werden, enthalten bedenkliche Metallspuren. Das ergab eine Analyse des amerikanischen Ärzteblattes JAMA. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich an die ayurvedische Pflanzenheilkunde der weisen Alten halten und sich selbst Ayurveda-Medizin zusammen mischen. 

Ayurveda in der Schweiz  

In Indien besuchen rund 80 Prozent der Bevölkerung einen Ayurveda-Arzt. Die Ausbildung zu einem Ayurveda-Arzt dauert fünf Jahre – fast so lange wie ein Medizinstudium. In Europa ist die Lehre noch nicht so weit ausgereift. Kritiker befürchten, dass sie durch die weltweite Verbreitung verwässert. In der Schweiz arbeitet daher der Verband Schweizer Ayurveda-Mediziner und –Therapeuten (VSAMT) daran, dass Ayurveda als Medizin- und Therapiesystem sinnvoll und professionell praktiziert wird.    

Bild: iStock

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