Sanft in Bewegung Yoga-Übungen für Einsteigerinnen: Der Sonnengruss als einfache Mini-Routine

Yoga wird oft entweder romantisiert oder unterschätzt. Tatsächlich kann regelmässige, moderate Bewegung mit bewusster Atmung Stress spürbar herunterfahren, die Beweglichkeit verbessern und das Körpergefühl stärken. Gerade der Sonnengruss eignet sich dafür gut, weil er mehrere grosse Gelenke und Muskelgruppen in einer fliessenden Abfolge anspricht: Schultern, Wirbelsäule, Hüften, Beinrückseiten und Rumpf.
Wichtig ist dabei eine realistische Erwartung: Der Sonnengruss ist kein Wundermittel und ersetzt weder Krafttraining noch medizinische Abklärung bei anhaltenden Beschwerden. Aber als kurze, verlässliche Routine kann er genau das leisten, was im Alltag oft fehlt: ein paar Minuten bewusste Bewegung zwischen To-do-Liste, Bildschirmarbeit und Erschöpfung.
Sonnengruss für Einsteigerinnen
Wenn du neu beginnst, zählt nicht Eleganz, sondern Klarheit. Die Bewegungen dürfen klein sein, die Knie dürfen gebeugt bleiben und die Hände müssen den Boden nicht berühren. Entscheidend ist, dass du ruhig atmest, nicht in Schmerzen hineingehst und die Abfolge so anpasst, dass sie zu deinem Körper passt.
Die Bewegungen Schritt für Schritt
Die klassische Form besteht aus 12 Positionen. Für Einsteigerinnen ist sie am hilfreichsten, wenn du sie als langsame Bewegungsroutine verstehst und nicht als Leistungstest.
1. Die Begrüssung

So geht’s:
Stell dich aufrecht hin, die Füsse hüftbreit oder schulterbreit auseinander. Verteile dein Gewicht gleichmässig, lass die Schultern sinken und richte den Blick nach vorne.
Lege die Handflächen vor dem Brustbein aneinander. Atme hier ruhig ein und aus. Diese Position ist dein Ausgangspunkt.
2. Die Körperstreckung in Berghaltung

So geht’s:
Mit der Einatmung führst du die Arme nach oben. Hebe das Brustbein an, ohne ins Hohlkreuz zu fallen. Bauch und Gesäss bleiben sanft aktiv.
Der Kopf muss nicht weit in den Nacken. Meist ist es angenehmer, wenn dein Blick schräg nach vorne oder zu den Händen geht.
3. Die Vorwärtsbeuge

So geht’s:
Beim Ausatmen beugst du dich mit langem Rücken nach vorne. Die Knie dürfen jederzeit gebeugt sein, besonders wenn die Beinrückseiten ziehen oder dein Rücken schnell rund wird.
Die Hände können auf Schienbeinen, Oberschenkeln, Blöcken oder dem Boden landen. Es geht nicht darum, möglichst tief zu kommen, sondern die Wirbelsäule kontrolliert zu bewegen.
4. Der Krieger

So geht’s:
Setze die Hände ab und mach mit dem rechten Bein einen grossen Schritt nach hinten. Das vordere Knie bleibt ungefähr über dem Fuss, das hintere Bein ist lang.
Mit der Einatmung richtest du den Oberkörper auf und führst die Arme nach oben. Wenn dein Gleichgewicht heute nicht mitspielt, lass die Hände auf dem vorderen Oberschenkel oder an der Hüfte.
5. Das Brett

So geht’s:
Setze beide Hände unter die Schultern und steig auch mit dem linken Bein nach hinten. Dein Körper bildet möglichst eine lange Linie.
Spann den Bauch sanft an und schieb den Boden aktiv weg. Wenn das Brett für Schultern, Rumpf oder Handgelenke zu fordernd ist, setze die Knie ab.
6. Die Welle

So geht’s:
Beuge die Arme kontrolliert und senke den Körper langsam ab. Für viele Einsteigerinnen ist es sinnvoll, zuerst die Knie, dann Brustkorb und Kinn oder direkt den ganzen Körper kontrolliert zum Boden zu bringen.
Diese Zwischenbewegung muss nicht tief und perfekt aussehen. Sie soll den Übergang zur Rückbeuge ermöglichen, ohne dich zu überfordern.
7. Kobra

So geht’s:
Die Beine liegen lang am Boden. Mit der Einatmung hebst du den Brustkorb an. Dabei müssen die Arme nicht ganz gestreckt sein.
Heb lieber nur so weit an, dass der untere Rücken ruhig bleibt und der Nacken lang. Weniger Höhe ist oft die bessere Kobra.
8. Der hinabschauende Hund

So geht’s:
Beim Ausatmen schiebst du dich über Hände und Füsse nach hinten oben. Stell dir vor, du ziehst die Hüften vom Boden weg.
Die Fersen müssen den Boden nicht berühren. Noch wichtiger ist ein langer Rücken. Beuge die Knie ruhig, wenn so mehr Länge in der Wirbelsäule möglich wird.
9. Der Krieger
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So geht’s:
Steig aus dem Hund nach vorne und komm wieder in den Ausfallschritt. In dieser Runde wechselt die Seite.
Richte den Oberkörper mit der Einatmung auf und heb die Arme nur dann, wenn dein unterer Rücken und dein Gleichgewicht sich dabei gut anfühlen.
10. Die Vorwärtsbeuge
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So geht’s:
Mit der Ausatmung steigst du nach vorne und kommst zurück in die Vorwärtsbeuge. Lass die Knie weich, wenn die Rückseite der Beine stark zieht.
Ein langer Rücken ist auch hier wichtiger als gerade Beine.
11. Die Körperstreckung in Berghaltung
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So geht’s:
Richte dich mit der Einatmung über einen langen Rücken wieder auf und nimm die Arme mit nach oben. Halte Bauch und Gesäss sanft aktiv.
Wenn dir schwindlig wird, komm langsamer hoch oder richte dich zuerst nur halb auf.
12. Die Begrüssung
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So geht’s:
Senke die Hände vor das Brustbein und finde zurück in die Ausgangsposition. Spür kurz nach, bevor du die nächste Runde beginnst.
Für den Einstieg reichen zwei langsame Durchgänge völlig. Qualität schlägt Tempo.
Varianten bei wenig Beweglichkeit
Nicht jeder Körper fühlt sich in klassischen Yogabildern sofort zuhause. Das ist normal. Gerade bei viel Bildschirmarbeit, wenig Schlaf oder einem verspannten Rücken wirkt die Standardversion oft unnötig streng. Diese Anpassungen machen den Sonnengruss zugänglicher:
- Bei empfindlichen Handgelenken: Hände etwas weiter nach vorne setzen, die Finger aktiv auffächern, Druck gleichmässig verteilen. Wenn nötig, das Brett auf den Knien ausführen oder die Hände auf erhöhten Unterlagen platzieren.
- Bei Rückenempfindlichkeit: In der Vorwärtsbeuge die Knie beugen und die Rückbeuge klein halten. In der Kobra nur leicht anheben, statt dich hochzudrücken.
- Bei wenig Beweglichkeit in den Beinrückseiten: Im herabschauenden Hund die Knie beugen und die Fersen heben. So bekommt die Wirbelsäule mehr Länge.
- Bei wenig Energie: Langsamer üben, kürzere Bewegungen wählen und zwischen den Positionen einen Atemzug Pause machen.
Wenn du aktuell akute Schmerzen, frische Verletzungen, starken Schwindel oder bekannte Erkrankungen an Handgelenken, Schultern oder Wirbelsäule hast, ist Zurückhaltung sinnvoll. Dann kann eine angepasste Übungsform mit einer qualifizierten Yoga-Lehrperson oder Physiofachperson hilfreicher sein als die Standardabfolge.
So atmest du im Sonnengruss
Die Atmung gibt der Bewegung ihren Rhythmus. Du musst nicht «perfekt» atmen, aber eine einfache Grundregel hilft:
- Bei hebenden, öffnenden Bewegungen eher einatmen.
- Bei beugenden oder absenkenden Bewegungen eher ausatmen.
- In anstrengenden Positionen nicht die Luft anhalten.
Wenn dir die Koordination am Anfang zu viel ist, vereinfache: eine Bewegung, ein Atemzug. So wird aus einer komplizierten Abfolge eine gut machbare Praxis.
Der Sonnengruss soll dich beleben, nicht erschöpfen.
10-Minuten-Routine für Morgen oder Bildschirm-Pause
Gerade wenn der Tag eng getaktet ist, hilft ein realistisches Format mehr als grosse Vorsätze. Diese kurze Routine passt vor dem Duschen, in der Homeoffice-Pause oder als Übergang nach einem langen Arbeitstag:
- 1 Minute ankommen: aufrecht stehen, Schultern lockern, ruhig atmen.
- 2 Minuten mobilisieren: Nacken sanft lösen, Schultern kreisen, Wirbelsäule lang werden lassen.
- 4 Minuten Sonnengruss: zwei bis vier langsame Durchgänge, angepasst an dein Tempo.
- 2 Minuten nachspüren: in der Vorbeuge hängen lassen oder im Stand tief atmen.
- 1 Minute Abschluss: ruhig stehen, Blick weich, Atem normalisieren.
Für viele Frauen funktioniert diese Kür besser als das Warten auf das «richtige» Zeitfenster. Wer mag, kann die Routine mit anderen sanften Bewegungsformen kombinieren, etwa mit einer kurzen Yoga-Ferien-Inspiration für später oder mit einfachen Übungen aus den Bereichen Mobility, Rückenentlastung oder Low-Energy-Training im eigenen Wochenrhythmus.
Wann der Sonnengruss in den Alltag passt
Morgen, Pause, Cool-down
Am Morgen kann der Sonnengruss helfen, den Kreislauf sanft hochzufahren und nach dem Schlaf wieder Beweglichkeit in Schultern, Wirbelsäule und Hüften zu bringen. In der Bildschirm-Pause wirkt er wie ein Gegenimpuls zum langen Sitzen: aufrichten, strecken, atmen, Blick lösen. Abends kann eine langsame, weniger intensive Version als Übergang aus dem Arbeitsmodus dienen, solange du die Abfolge nicht zu dynamisch machst.
Entscheidend ist weniger die Uhrzeit als die Dosierung. Morgens darf die Bewegung etwas aktiver sein, in einer Pause eher lösend, am Abend ruhiger und kleiner.
Was er kann – und was nicht
Der Sonnengruss kann Beweglichkeit fördern, den Körper wahrnehmbarer machen und dabei helfen, nach stressigen Phasen wieder bei dir anzukommen. Viele spüren danach mehr Weite im Brustkorb, weniger Steifheit im Rücken und etwas mehr Wachheit.
Was er nicht kann: chronische Beschwerden allein lösen, fehlende Regeneration ersetzen oder strukturelle Rückenprobleme «wegdehnen». Wenn Schmerzen regelmässig auftreten, ausstrahlen, nachts wecken oder dich im Alltag einschränken, braucht es mehr als eine Übungsroutine.
Darauf solltest du beim Üben achten
- Übe langsam genug, damit du die Positionen kontrollieren kannst.
- Bleib im schmerzfreien Bereich. Dehnung darf spürbar sein, Schmerz nicht.
- Beuge lieber die Knie, statt den Rücken zu überlasten.
- Mach Pausen, wenn dir warm, schwindlig oder eng im Atem wird.
- Eine Yogamatte ist praktisch, aber nicht zwingend. Ein rutschfester Untergrund reicht für den Anfang.
Gerade als Einsteigerin ist nicht die perfekte Form entscheidend, sondern Regelmässigkeit. Drei kurze Einheiten pro Woche bringen oft mehr als eine einzige ambitionierte Session.
Bild: iStock, Bilder mit Übungen: Lena Bauer











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