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Beziehung 2.0Warum heute niemand mehr seine Beziehung definieren muss

Wann ist man eigentlich zusammen? Nach dem dritten Date? Nach dem ersten Sex? Oder ist es am Ende vielleicht völlig egal, ob die Beziehung definiert ist, und wie der Beziehungsstaus lautet? Der Versuch einer Antwort.

Beziehung definieren

Clara und Thomas kennen sich über Tinder. Sie treffen sich seit fast zwei Monaten regelmässig. Telefonieren täglich und haben Sex miteinander. Und jetzt fragt mich Clara: «Was meinst Du, kann ich ihn fragen, ob wir zusammen in den Urlaub fahren? Ich weiss doch noch nicht mal, ob wir wirklich zusammen sind?“»

Gretchenfrage: Ab wann ist man zusammen?

Wem geht es wie Clara? Hand auf’s Herz: Wem hat die Frage nach dem berühmten Beziehungsstatus auch schon Kopfzerbrechen bereitet. Mir jedenfalls gefühlte hundert Mal. Es ist immer das Gleiche. Man lernt jemanden kennen, schwebt auf Wolke sieben, der Kontakt wird intensiver, alles ist schön. Und dann kommt der Punkt, an dem es irgendwie komisch wird.

Beziehungsstatus Gespräch: Die Angst vor der Antwort

Clara ist ebenfalls an diesem Punkt. Sie will Klarheit. Sie will wissen, ob sie mit nun mit Thomas zusammen ist. Oder nicht. Sie will ein Gespräch über ihren Beziehungsstatus, traut sich aber nicht, das Thema anzusprechen.

Wovor sie Angst hat? Ganz einfach: Vor einer Abfuhr. Oder noch schlimmer: Vor einer undefinierten Aussage. Sätze wie «Ich kann mich im Moment noch nicht festlegen» oder «Lass es uns ruhig angehen und das Ganze doch laufen lassen» treiben sie in den Wahnsinn. «Wenn mich jemand wirklich liebt, kann er doch auch einen Beziehungsstatus definieren», sagt Clara. Aber hat sie damit Recht?

Braucht Liebe eine Antwort?

Ist Liebe wirklich etwas, das man beschliesst? Oder vielmehr etwas, das wächst? Braucht Liebe ein festes Datum? Oder einfach nur Zeit? Und was bringen uns solch theoretische Fragen, wenn wir in der Praxis nahe dem Nervenzusammenbruch sind? Mag ja sein, dass wir es in der Theorie gelassen sehen; was spricht schon gegen einen undefinierten Beziehungsstatus?

Soll doch die Zeit zeigen, in welche Richtung es mit Claras vermeintlichem Romeo geht. Vielleicht findet sie Romeo aka. Thomas ja in wenigen Wochen doch nicht mehr so toll, wie in der ersten Rosa-rot-Phase. Doch das ist Zukunftsmusik, und ändert nichts daran, dass Clara kaum schlafen kann. Clara will eine Antwort. Und zwar von mir. Dabei bin ich weder Thomas, noch ein Experte. Aber vielleicht ist ja gerade das das Gute. Ich bin aussenstehend. Und wenn man selbst nicht betroffen ist, kann man schliesslich schlau reden.

Undefinierte Beziehung: Warum eigentlich nicht?

Und daher sage ich: Eine undefinierte Beziehung ist völlig ok. Mehr noch. Sie ist sogar ein Zeichen von Respekt und Wertschätzung. Denn wer sich Zeit lässt, den Beziehungsstatus zu definieren, trifft wenigstens keine halbgaren Zusagen, die er oder sie vielleicht gar nicht ernst meint. Eine undefinierte Beziehung ist weder gut noch schlecht. Sie bedeutet weder eine Zu- noch eine Absage. Sie bedeutet lediglich, dass etwas in Bewegung ist. Es entsteht etwas zwischen den Beteiligten – in welcher Form und Richtung auch immer.

Beziehung definieren: Wenn die Gefühle Klarheit verlangen

Doch mit dieser Wahrheit allein ist es nicht getan. Es gibt da nämlich auch noch eine andere Sicht der Dinge. Nämlich die, dass eine undefinierte Beziehung nicht für jede und jeden ok ist. Objektiv mag so viel Liberalismus in Liebesdingen vielleicht kein Problem sein. Subjektiv sprechen Herzen aber ihre eigene Sprache. Und deshalb sage ich noch etwas zu Clara. Nämlich, dass es ebenfalls ok, ist wenn sie den dringenden Wunsch nach einem fest definierten Beziehungsstatus hat.

Am Ende geht es nämlich nicht um Wahrheiten, Weisheiten oder irgendwelche Regeln, sondern um Gefühle. Und die müssen gut sein, damit Liebe wachsen kann. Fühlt sich Clara also mit dem undefinierten Beziehungskonstrukt nicht gut, dann ist es auch nicht gut. Was dagegen hilft? Mut! Und Sprechen! Am Ende habe ich daher leider doch keine eindeutige Antwort für meine Freundin. Sondern nur einen Rat: Hör auf Deine Gefühle. Und sprich sie aus. Denn Gefühle sind immer die Wahrheit!

Titelbild: Emma Frances/Unsplash

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