ScheidungWas fühlen die Kinder?

Mama und Papa trennen sich. Dieser Satz fällt schwer, denn für Kinder bricht mit der Scheidung der Eltern oft eine heile Welt zusammen. Eltern sollten deshalb besondere Rücksicht auf die Gefühlswelt ihrer Kinder nehmen.

Wie Sie mit Ihren Kindern nach der Scheidung umgehen

Die Scheidung ist für Erwachsene eine harte Tatsache. Für die Kinder ist sie dagegen eine schwer greifbare Veränderung. Während des Scheidungsprozesses gehen Kindern viele Fragen durch den Kopf, die sie alleine schwer beantworten können. Bin ich Schuld, dass sich Mama und Papa nicht mehr lieb haben? Kommt alles wieder in Ordnung, wenn ich nur brav bin? Dabei reagieren Kinder ganz unterschiedlich. Manche Kinder werden aggressiv und verlangen nach besonderer Aufmerksamkeit.

Andere teilen ihre Sorgen und Ängste überhaupt nicht mit. Und wenn Eltern in der Trennungsphase mit ihren eigenen Emotionen beschäftigt sind, können sich Kinder überfordert und vernachlässigt fühlen. Daher ist es besonders wichtig, dass Eltern trotz Scheidungsstress einen kühlen Kopf bewahren und sensibel auf die Gefühle Ihrer Kinder eingehen. Hier erfahren Sie, was Sie tun können, damit ihre Kinder die Scheidung möglichst gut verarbeiten können.

Mama und Papa trennen sich: Was geht in den Kindern vor?

Wenn die Ehe der Eltern zerbricht, knackst auch die Welt des Kindes an. Je nach Alter erleben Kinder eine Scheidung dabei verschieden. Familientherapeuten unterscheiden grob vier Altersgruppen: Kleinkinder, Kindergartenkinder, Grundschulkinder und Teenager. So sehen die Welten der vier Altersgruppen aus und so sollten Sie im Falle einer Scheidung damit umgehen:

Scheidung mit Kindern bis 3 Jahren: Zerrüttete Gefühlswelt

Wenn die Eltern sich trennen, fühlen sie sich Kleinkinder meist weniger geborgen. Kleinkinder können sich sprachlich noch nicht differenziert ausdrücken. Sie nehmen eine Veränderung war, können sie aber noch nicht verstehen. Ihre undefinierten Ängste drücken Sie daher oft körperlich aus. Kleinkinder, die sehr sensibel auf die Trennung Ihrer Eltern reagieren, weinen plötzlich sehr viel und werden anhänglicher. Manche fallen in ihrer Entwicklung sogar zurück.

So gehen Sie damit um: In dieser Zeit sollten Sie Ihrem Kind viel Zeit widmen und all die Nähe geben, die es benötigt. Kuscheln Sie häufiger mit ihm und nehmen es öfter in den Arm. Damit geben Sie Ihrem Kleinen das Gefühl von Geborgenheit und Ruhe. Und das hat einen doppelt positiven Effekt: Wenn Sie Ihr Kind knuddeln und ihm so signalisieren «Alles wird gut!», dann fühlen Sie sich auch selbst besser.        

Trennung bei Kindern zwischen 3 und 6 Jahren: Die heile Welt zerbricht

Kindergartenkinder leben ähnlich wie Kleinkinder in einer stark emotional gefärbten Gefühlswelt. Jedoch ist ihr Leben zudem von Phantasien, Vorstellungen und Märchen geprägt, in dessen Zentrum sie stehen. Wenn sie beispielsweise erfahren, dass es den Osterhasen nicht gibt, zerstört das eine magische Illusion und sie fühlen sich von der Welt betrogen. Wenn die Eltern ihnen erklären, dass sie sich nun trennen, wird das Kind sich noch stärker vor den Kopf gestossen fühlen. Kinder fühlen sich oft sich selbst überlassen - manchmal sogar schuldig.  

So gehen Sie damit um: Achten Sie darauf, dass Sie dem Kind jetzt genügend Zuneigung geben. Versuchen Sie ihrem Kind klar machen, dass die Trennung nichts mit seinem Verhalten zu tun hat. Wichtig wäre auch, dass es nach wie vor regelmässig und verlässlich Kontakt zu beiden Eltern hat. Die Vorliebe für Geschichten können Sie übrigens gezielt nutzen, indem Sie das Thema Trennung mit Bilderbüchern erklären. Zum Beispiel mit dem Bilderbuch «Fips versteht die Welt nicht mehr» von Jeanette Randerath und Imke Sönnichsen. In diesem Buch bewältigt der kleine Dackelterrier Fips die Trennung seiner Eltern. 

Grundschulkinder im Scheidungschaos: Klare Strukturen geben Sicherheit

Ab 6 Jahren nehmen Kinder die Trennung der Eltern auch intellektuell wahr. Trauer, Hilflosigkeit und Wut sind typische Reaktionen. Kinder in diesem Alter schämen sich auch häufig über die Trennung ihrer Eltern und versuchen diese möglichst vor allen anderen zu verheimlichen.

So gehen Sie damit um: Sie können das Gefühlschaos Ihres Kindes regeln, indem Sie Ihrem Kind einen klar strukturierten Alltag bieten. Teilen Sie ihm mit, was wann wie passieren wird. Grundschulkinder wollen alles genau wissen. Wann zieht der andere Partner aus? Wie geht es dann weiter? Wann sieht das Kind wen? Wenn Sie Ihrem Kind klare Antworten über die Zukunft geben, gibt ihm das ein sicheres Gefühl und seine Gefühlslage stabilisiert sich wieder. 

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