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TRENNUNGSVÄTER«Weil Mami es nicht will»

«Nicht ohne meine Tochter, aber bitte ohne meinen Ex». Eine Psychologin und eine Scheidungsanwältin geben Einblick in die Situation von Trennungsvätern und erklären, was sich mit dem neuen Unterhaltsgesetz ändert.

Trennungsväter sind am Ende eines Rosenkriegs häufig finanziell und emotional ausgeblutet.

Die Scheidungspapiere liegen auf dem Tisch: Es ist aus! Wenn diese Erkenntnis sackt, ist meist das Herz schon gebrochen und die Emotionen brodeln. Geht es dann auch noch um die gemeinsamen Kinder, wird es kompliziert. Überwiegend sind es die Mütter, die ihre Kinder vom Vater entfernen. Eine Studie des deutschen Justizministeriums bei der Anwälte und Mitarbeiter des Jugendamts befragt wurden, kam zum Ergebnis, dass über Vierfünftel der Mütter das gemeinsame Sorgerecht ablehnen. Mit dem Kindeswohl habe das allerdings nur sehr selten etwas zu tun.

Der wohl populärste und bis heute verfahrenste Fall, dürfte der von Woody Allen und Mia Farrow sein. Die beiden waren zwölf Jahre liiert und galten in Hollywood als Traumpaar. Sie adoptierten gemeinsam zwei Kinder und bekamen einen leiblichen Sohn. Als Farrow 1992 jedoch herausfand, dass ihr Lebensgefährte eine Affäre mit ihrer 20-jährigen Adoptivtochter Soon-Yi Previn eingegangen ist, hing nicht nur der Haussegen schief. Farrow trennte sich und beschuldigte Allan im Scheidungsprozess plötzlich die gemeinsame Adoptivtochter Dylan im Alter von sieben Jahren missbraucht zu haben. Obwohl er aus Mangel an Beweisen von jeglichen Missbrauchsvorwürfen frei gesprochen wurde und etliche Gutachten bestätigten, dass die Tochter von der Mutter manupuliert wurde, verlor er sowohl das Sorge- als auch das Besuchsrecht für seine Adoptivkinder.

Im Zweifel entscheiden Gerichte, wenn es um Kinder geht gegen den Angeklagten. Doch inwieweit trägt es zum Schutz eines Kindes bei, wenn es lernt den Vater zu hassen. Jetzt, Anfang 2014, erklärte Dylan in einem offenen Brief noch einmal, dass sie von Woody Allan als Kind missbraucht wurde. Bis heute beteuert dieser jedoch, dass Mia Farrow ihr diese Geschichte als Kind so lange eingebläut hätte, bis sie es selber glaubte.

Natürlich kann niemand ausser den Beteiligten wissen, was tatsächlich passiert ist. Fakt ist jedoch, wenn es um Scheidungen geht, wird sowohl in den Medien als auch im Bekanntenkreis oft die Frau als Opfer gesehen. Und die Gerichte folgen. Gerade wenn der Mann sich einen Fehltritt geleistet hat. Schnell stempelt man ihn viel wahrscheinlicher als Täter ab, der es ja «nicht anders verdient». In den Köpfen der Gesellschaft scheint es legitim, wenn Frau im Falle einer Scheidung mit allen Mitteln für ihre und die Rechte ihrer Sprösslinge kämpft, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Was das vermeintlich starke Geschlecht, der Vater, durchmacht, wird hingegen oft nicht ernst genommen.

«Meine Kinder fehlen mir unglaublich»

Die Berner Beziehungstherapeutin Catherine Herriger kommt jeden Tag mit verzweifelten Trennungsvätern in Kontakt und bringt das Problem in ihrem Buch «Meine Ex nagelt mich an die Wand» auf den Punkt: «Irgendwie scheint es nach wie vor nicht zum maskulinem Image zu passen, sich emotional zu offenbaren, sprich: Schmerz, Schwächen, Trauer und Niederlagen eingestehen zu können. Dadurch entsteht der vorherrschende Eindruck, dass Männer nur selten Opfer sind, und schon gar nicht wegen Trennungen und Scheidungen.»

Dass Männer bei einer Scheidung jedoch sehr oft zum Opfer werden, zeigen die Geschichten betroffener Väter, denen Catherine Herriger ihr Buch gewidmet hat. Da ist zum Beispiel Bruno, der seiner Frau seine Seitensprünge beichtete und sich damit selbst zum Abschuss frei gibt. Aus Reue gibt er während des Scheidungsprozesses bei allem klein bei und darf seine Kinder letztendlich trotzdem nicht mehr sehen. Er resümiert: «Mein aktuelles Leben sieht wie folgt aus: Ich zahle Unterhalt (und mehr) an meine Ex, Alimente für beide Kinder plus deren Sport- und Musikstunden, von den zahlreichen Therapien ganz zu schweigen. Als eigentlich gut verdienender Unternehmer werde ich finanziell allmählich ausgeblutet, emotional bin ich es schon längst. Meine Kinder fehlen mir unglaublich.»

Zum Buch: Catherine Herriger - Meine Ex nagelt mich an die Wand

Was geschieht, wenn der Ex alles recht ist, um ihrem ehemaligen Partner zu schaden? Wenn sie ihn nach der Trennung nicht nur finanziell bluten lässt, sondern auch das gemeinsame Kind gegen ihn aufhetzt? Wenn frau zur Täterin wird? Die Beziehungstherapeutin Catherine Herriger rührt an einem Tabuthema und lässt dabei abgestrafte Trennungsväter zu Wort kommen.

 

Lesen Sie auf der nächsten Seite das Interview mit der Schweizer Scheidungsanwältin Angelika Huser. Sie erklärt, wie sich die Situation für Trennungsväter durch das neue Unterhaltsgesetz verbessert und welche Tricks Ex-Partner im Rosenkrieg einsetzen.

Seit kurzem ist es für Ehefrauen in der Schweiz jedoch nicht mehr so einfach, ihrem Mann die Kinder streitig zu machen. Denn seit dem 01. Juli 2014 tritt im Falle einer Trennung die «gemeinsame elterliche Sorge» (geS) als Regelfall in Kraft – auch wenn die Mutter sich dagegen ausspricht. Welche Änderungen das neue Gesetz mit sich bringt und wie es davor im Rosenkrieg zuging, hat uns die Zürcher Scheidungsanwältin Angelika Huser im Interview erzählt.

Was ändert sich mit dem Gesetz für die «gemeinsame elterliche Sorge»?

Seit dem 01. Juli 2014 geht das Sorgerecht bei Trennungen nun grundsätzlich an beide Elternteile. Ziel ist es, sowohl Mutter als auch Vater in der elterlichen Verantwortung zu belassen und dem Kind damit eine vertiefte Beziehung zu beiden zu erleichtern. Vorher konnten Mütter ihre Ex-Partner ausschliessen, indem sie ihren Wunsch nach dem gemeinsamen Sorgerecht einfach ablehnten und es für sich allein beanspruchten. Es wird Trennungsvätern mit Sicherheit ein besseres Gefühl geben, wenn sie ab sofort nicht nur Unterhalt bezahlen müssen, sondern auch weiterhin bei kindesbezogenen Themen mitentscheiden dürfen.

Haben Frauen das gemeinsame Sorgerecht denn oft abgelehnt?

Ich habe das sehr oft erlebt, ja. Oft auch verbunden mit Beschuldigungen, der Vater sei ja schon während der Ehe kaum zuhause gewesen und hätte gar keinen Bezug zu den Kindern. Obwohl dieser einfach normal zur Arbeit gegangen ist, um seinen Verpflichtungen als Ernährer nachzukommen. Sie versuchen also, die nach wie vor gelebte, klassische Rollenverteilung gegen ihn auszuspielen.

Sie sind Scheidungsanwältin, keine Beziehungstherapeutin. Wie gehen Sie mit solchen Fällen um?

Ich versuche dem Paar klar zu machen, dass sie wegen der Kinder für immer verbunden sein werden und sie sich deshalb trotz allem zusammenraufen sollten, da alles andere den Kindern gegenüber unfair ist. Leider ist es oft so, dass Mütter die Kinder vorschieben und behaupten diese wollen gar nicht mehr zum Vater. Auch hier versuche ich zu vermitteln und ihnen zu erklären, dass die gemeinsamen Kinder zwischen den Stühlen sitzen und man sie nicht negativ beeinflussen darf. Denn selbst wenn es unbewusst passiert, merken Kinder, wenn die Mutter eigentlich nicht möchte, dass sie für ein paar Tage zum Vater gehen. Sätze wie: «Oh, jetzt kommt schon wieder das Wochenende, an dem du zum Papa musst» sind schnell gesagt. Doch schon die Verwendung des Wortes «müssen» beeinflusst die Kinder. Diesen Mandantinnen sage ich dann immer, dass es für die Entwicklung des Kindes wichtig ist, Mama und Papa regelmässig zu sehen.

Für Trennungsväter kann eine Scheidung in einem Teufelskreis enden....

Das ist richtig. Gerade, wenn die finanziellen Verhältnisse vorher schon knapp oder nur gerade ausreichend waren. Sagen wir, der Vater hat immer 100 Prozent gearbeitet und dafür 6.000 Franken im Monat verdient. Die Frau kümmerte sich um Haushalt und die beiden Kinder. Der Lohn hat schon während der Ehe gerade mal so für den gemeinsamen Haushalt und eventuell einen Familienurlaub im Jahr gereicht. Doch nach der Trennung braucht es eine zweite Wohnung, es müssen plötzlich zwei Mieten plus Unterhalt bezahlt werden. Dann wird es schwierig. In solchen Fällen kann es vorkommen, dass der Verdienende vom Gericht auf das Existenzminimum gesetzt wird. Das bedeutet, er erhält lediglich einen fixen Grundbetrag für Nahrung, Kleider, Körper- und Gesundheitspflege sowie die Kosten für die Wohnung, die Krankenkasse, das Telefon und für die unumgänglichen Berufsausgaben zugesprochen. Noch schwieriger wird es, wenn er sich zum Beispiel schon vor der Scheidung eine kleine Wohnung als Übergangslösung gesucht hatte. Denn das Gericht geht dann unter Umständen davon aus, dass diese Wohnung für ihn ausreichend ist und rechnet ihm nur diesen niedrigen Mietzins an. Und hier geht der Teufelskreis los: Es bleibt ihm nicht genug Geld für eine grössere Wohnung, weshalb er vielleicht kein extra Zimmer für die Kinder zur Verfügung hat. Und wenn die Kinder keinen Rückzugsort haben, wollen sie natürlich auch nicht so gern zum Papa. Ich als Anwältin versuche deshalb immer für einen angemessenen Mietzins zu kämpfen.

Ist es Müttern nicht zumutbar, wieder arbeiten zu gehen und sich am Unterhalt zu beteiligen?

Lehre und Rechtssprechung gehen davon aus, dass die Mutter wieder 50 Prozent arbeiten gehen kann, wenn das jüngste Kind zehn Jahre alt ist. Zu diesem Zeitpunkt wird der Unterhalt also neu berechnet und der Vater entlastet. Wenn das jüngste Kind 16 wird, kann die Mutter wieder voll arbeiten und der Unterhalt für den Vater geht noch einmal runter.

Kommt es vor, dass die Frau während der Ehe gearbeitet hat und dann beschliesst nicht mehr arbeiten zu gehen, damit er mehr bezahlen muss?

Das überlegen sich einige, allerdings wird das Gericht über die Tätigkeit in Kenntnis gesetzt. Es geht dann normalerweise davon aus, dass die Frau weiterhin so viel Prozent arbeiten kann, wie sie es vor der Scheidung getan hat. Frauen sollten es sich deshalb zweimal überlegen, ob sie sich kurz vor der Trennung noch einen Job suchen oder ihre Stellenprozente erhöhen, da sie dann mit weniger Unterhalt rechnen müssen.

Wie wird der Unterhalt bei wohlhabenden Familien geregelt?

Bei Gutbetuchten wird der Bedarf anhand des tatsächlich gelebten Standards während der Ehe berechnet, weil dieser für Frau und Kinder auch nach der Scheidung gesichert sein soll. Die einzelnen Ausgabenpositionen werden zusammengerechnet. Das ist sehr zeitintensiv, da die Frau ihre Ausgaben zum Beispiel für Coiffeurbesuche, Shopping und Urlaub angeben und Quittungen dazu einreichen muss.

Haben Sie männliche Mandanten, die sich durch Tricks aus der finanziellen Verantwortung ziehen wollen?

Ja, das gibt es auch oft. Vor allem weil Väter plötzlich merken, dass es nur noch darum geht, wieviel sie letztendlich zahlen müssen und die Höhe des Unterhalts einfach so tief wie möglich halten wollen. Gerade Männer mit einem eigenen Geschäft versuchen die Unterhaltsberechnung zu manipulieren, indem sie private Ausgaben über die Firma abrechnen. Denn wenn der Gewinn geringer ist, können sie sich selbst weniger Einkommen auszahlen. Ein Beispiel: Er hat das Büro in seinen Privaträumen, rechnet aber den kompletten Stromverbrauch über das Geschäft ab. Das ist ein sehr wirksamer Trick, da der Unterhalt ja letztendlich anhand des vorhandenen Lohns berechnet wird. Doch den Gegenanwälten sowie dem Gericht ist ein solches Vorgehen natürlich bekannt.

Warum enden Scheidungen so oft in einem Rosenkrieg?

Weil es eine sehr emotionale Situation ist. Meistens ist mindestens einer wirklich verletzt. Noch schlimmer wird es, wenn der andere schon einen neuen Partner oder eine neue Partnerin hat. Auch wenn man es sich nie vorstellen konnte und sich in guten Zeiten geschworen hat, dass man sich sicher nicht über jeden Kaffeelöffel streiten wird – wenn so viele Emotionen im Spiel sind, erkennt man sich selbst und den anderen oft nicht wieder.

Über Angelika Huser, MLaw

Angelika Huser arbeitet als Rechtsanwältin für die Pachmann Rechtsanwälte AG in Zürich. Dort berät und vertritt sie Mandanten hauptsächlich bei Scheidungen und Eheschutzangelegenheiten. Ausserdem bietet sie erb-, arbeits- sowie gesellschaftsrechtliche Beratung und Vertretung an. Kontakt: angelika.huser@pachmannlaw.ch

Foto: iStock

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