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Vorhang auf«Auf der Bühne vergesse ich mich»

Das Rampenlicht hat seine Schattenseiten. Sheila Nicolodis Traum vom Auftritt im Pariser Cabaret Moulin Rouge platzte früh. Die Artistin aus Eschenbach hat nicht die richtigen Masse – sie ist zu klein. Den Sprung auf die grossen Bühnen hat sie trotzdem geschafft. Heute zeigt die 33-Jährige in ihren Akrobatikshows Stunts an der Stange. Das sei pure Magie, sagt sie. Wir haben nachgehakt.

Poledancerin Sheila Nicolodi

Athletische Körper, figurbetonte Kostümierung, maximale Beweglichkeit – das ist die Welt, in der sich Sheila Nicolodi am wohlsten fühlt. Sie stammt aus einer Zirkusfamilie und ist mitten im Showbiz aufgewachsen. Den persönlichen Durchbruch erlebte die Artistin 2013 nach einem Auftritt im Deutschen Fernsehen: Beim «Supertalent» überzeugte sie die Jury mit Stangenakrobatik. Unterdessen ist die 33-Jährige ein fixer Programmpunkt in Gregory Knies Liebeszirkus Ohlala. Ihr Ticket zum Erfolg ist die Kraft  – und zwar in erster Linie die mentale und nicht die im Bizeps.

Sheila Nicolodi, Du musst stets in Bestform bleiben. Wie motivierst Du Dich?

Ich bin streng mit mir und lege ungern Pausen ein. Disziplin und Ausdauer sind Teil meines Charakters. Sich zu amüsieren, ist wichtig und schön, aber man muss auch fleissig sein, um etwas vom Leben zu haben.

Wie stehst Du zu Deiner Figur?

Der Körper bleibt das Leben lang eine Baustelle. Ich bin zufrieden, solange ich mich steigern und verbessern kann.

Deine Shows an der Stange sind aufreizend. Manchmal stehst Du oben ohne auf der Bühne. Was passiert da mit der Scham?

Wenn ich im Rampenlicht stehe, bin ich ein anderer Mensch. Dann schlüpfe ich in eine Rolle und habe eine ganz andere Energie in mir. Das ist ein Spiel, das ich stark von meinem Privatleben trenne. Da macht mir die Blösse nichts aus. Das Licht geht an, Adrenalin schiesst durch den Körper, du vergisst dich. Das ist jedes Mal pure Magie.

Sheila Nicolodi

Disziplin und Ausdauer sind Teil von Sheilas Charakter

Was sind Deine Tipps für ein gesteigertes Selbstbewusstsein?

Sei dir bewusst, dass der Blick auf dich selber Situationsabhängig sein darf. Man muss nicht immer selbstsicher rüberkommen. Das innere Gefühl und die Ausstrahlung machen den Unterschied aus. Ein gesundes Selbstbewusstsein hängt mit der eigenen Zufriedenheit zusammen. Dafür muss man aber auch etwas tun: Wenn du an dich glaubst, entdecken willst, was dich besonders macht und hohe Ansprüche stellst, dann bist du bereit, hart zu arbeiten. Und zwar für dich selbst. Mir ist mein Aussehen wichtig, deshalb investiere ich viel Zeit ins Training und in die Ernährung. Nur so verbessere ich mich und bin zufrieden. Auf lange Sicht steigert das mein Selbstvertrauen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Was siehst Du trotz konsequentem Trainingsplan immer locker?

Das Biertrinken. Ich liebe Bier! Nach dem Sport, oder nach Auftritten ist das immer das Beste.

Du hast früher Shows ohne Geräte getanzt. Was ist so faszinierend an der Stange?

Poleakrobatik ist stark und sehr feminin. Eine schöne Mischung. Es ist mir wichtig, bei meinen Auftritten nicht das Klischee zu bedienen. In der Gesellschaft fehlt es noch an Verständnis für den Sport. Mit meinen Shows möchte ich Vorurteile abbauen, sexy und elegant zugleich sein.

Wie tust Du das?

Mit der Körpersprache kann man alles ausdrücken. Teil davon sind die Kostümierung und die Art der Bewegungen. Ich zeige gern anspruchsvolle Figuren, die weniger mit Tanz oder Striptease, dafür mehr mit Gymnastik, oder Kunstturnen zu tun haben.

Sheila Nicolodi

Du bist in der Manege gross geworden. Was heisst es, eine Artistin zu sein?

Es bedeutet Vielfalt. Du bist kreativ und nonstop unterwegs. Das bedeutet aber auch Einsamkeit. Das ist die harte Seite des Showbiz: Man muss manchmal an Orten bleiben, wo man sich unwohl fühlt, sich auf ein bescheidenes Leben einlassen und bei Schmerzen auf die Zähne beissen und das Programm durchziehen.

Bist Du damit durch?

Ich liebe das, was ich tue. Mit 33 Jahren bin ich nun aber auch bereit für einen Wechsel. Ich möchte mein erstes eigenes Zuhause haben und vermehrt Polefitness unterrichten. In Zukunft sehe ich mich als Personal Trainerin. Das alles mit dem Ziel, sesshaft zu werden – denn das war ich noch nie.

Über Sheila Nicolodi

Aufgewachsen ist Sheila Nicolodi in Eschenbach (SG) und in Frankreich, wo sie zusammen mit ihrem Vater erste Handstand-Shows und Tanzeinlagen einstudierte. Zur Stangenakrobatik kam die Artistin durch Gregory Knie, der sie 2012 mit einer Poledance-Nummer im Zürcher Liebeszirkus Ohlala engagieren wollte. Daraufhin hat sie sich ihr Können innert 8 Monaten selber beigebracht. Dazu baute sich Nicolodi eine Stange in ihrem kleinen Waschräumchen auf und übte mithilfe von YouTube. Aktuell ist sie bei der Dinner Show Pink Rabbit im Zürcher Eventlokal Aura zu sehen.

Über Polefitness

Polefitness gehört zu den vielseitigen Formen des Stangentanzes. Die Stilrichtungen reichen von Kulturtanz über Striptease bis hin zur Akrobatik. Beim Trendsport werden neben tänzerischen Elementen, auch Kraft- und Beweglichkeitsübungen wenige Meter über dem Boden ausgeführt. Die Disziplin erfordert Hautkontakt mit dem Gerät, damit die Athlet*Innen nicht abrutschen. Ursprünglich stammt der Stangensport aus Indien, wo er traditionellerweise von Männern ausgeführt wird.

Titelbild: zvg Sheila Nicolodi 

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