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Ta’ShanTea-Talk mit Musikerin Ta’Shan

Sie ist jung, talentiert und voller Leben – die Berner Sängerin Ta’Shan solltet ihr euch unbedingt merken! Eine Frau voller Power und viel viel Charme ist der weibliche Stern am Schweizer R'n'B und Hip Hop-Himmel. Wir wollten von Ta’Shan alles zu ihrer neuen Single, Karriere und zum Thema Selflove wissen! 

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Wir trafen Sängerin Ta’Shan an einem regnerischen Nachmittag in Zürich. In der Wohnung ihres Vaters fanden wir einen ruhigen Platz mitten im Trubel der Zürcher Innenstadt, um über ihr Leben und ihre Musik zu plaudern. Bei einem Tässli Tulsi Tee, sprachen wir über ihre neue Single und alles, was die grossartige Künstlerin im Moment bewegt.

Erzähl uns doch die Story vom Start deiner Karriere. Wie hat bei dir alles angefangen? Ich stell es mir schwierig vor, sich als Frau in der männerdominierten Hip Hop und R’n’B Szene durchzusetzen, leider.

Mit 14 Jahren war ich das erste Mal in einem Studio und habe zum Beispiel Hooks für Rapper aufgenommen. Von da an bin ich regelmässig in Studios gewesen, habe seit früh Gesangsunterricht genommen und war auch in der Schule schon in Bands. Doch all das tat ich damals nicht mit dem Gedanken, dass Musik eines Tages mein Leben sein wird und ich damit Geld verdienen werde. In der Schweiz ist es zudem auch kein Werdegang, den man sich als Lebensziel aussucht, auch wenn man vielleicht davon träumt.

Mit 21 Jahren war ich dann das erste Mal in L.A und wollte ursprünglich auch nur 1 Woche bleiben, doch daraus wurden dann 3 Monate. Diese Zeit war dann auch der Turning Point für mich und hat mir die Augen zu einer neue Welt geöffnet.

Was hast du denn in diesen 3 Monaten alles gemacht und gelernt?

In einem Studios habe ich ein Songwriter-Duo kennengelernt, und durfte dann bei ihnen einziehen. Sie wohnten in einer riesigen Villa und haben einige der Zimmer vermietet. Ich wusste am Anfang nicht was mich erwartet, doch die Villa war voller Musiker, einem hauseigenen Studio und einem grossen Pool. Man konnte es schon fast einen «California Dream» nennen.

Die beiden Songwriter haben mich an jede Award-Show und an alle Parties mitgeschleppt – da war wirklich jeden Tag was los. In diesen drei Monaten hatte ich einen intensiven Crash-Kurs der mir auch einen Einblick in die Musikindustrie und die Rollenverteilung gewährte. Man ist viel näher an der ganzen Szene und ist schnell mal mit dem Produzent von Drake involviert oder plötzlich auf einer Party bei Jason Derulo.

Es ist für einen Künstler schon sehr aufregend in L.A. Man taucht in eine andere Welt ab und ist wirklich motiviert etwas Cooles auf die Beine zu stellen. Ich habe in einem Monat fast 35 Lieder geschrieben, als ich in L.A war. Also sehr crazy.

Als ich dann zurück in die Schweiz gekommen bin, war ich felsenfest davon überzeugt, dass ich meiner Karriere der Musik widme.

What a Story! Und woher holst du die Inspiration für so viele Lieder?

Manchmal ist es meine eigene Erfahrung, manchmal eine Story von jemand anderem, manchmal auch eine Wunschvorstellung. Ich würde mich mega gerne mal wieder so richtig verlieben. Das ist zum Beispiel eine Wunschvorstellung von mir. Gestern haben wir sogar ein Lied darüber gemacht.

Manchmal ist es auch einfach ein Wort, eine Situation oder ein Gefühl. Es ist wirklich sehr verschieden. Das liebe ich an der Musik. Du startest mit etwas und hast keine Ahnung wie es wird. Es kann mega cool werden oder voll in die Hosen gehen. Manche Stücke werden auch mit der Zeit erst gut. Wie ein guter Wein.

Ich arbeite viel mit verschiedene Songwritern zusammen. Das wertet die Qualität des Liedes gleich auf. Das Ego muss man einfach ablegen, das habe ich gelernt. Denn zusammen entstehen die besten Ideen, man muss es nur zulassen und andere Meinungen akzeptieren. Gerade auch der englischen Sprache wegen ist es sinnvoll ab und zu mit Songwritern zusammenzuarbeiten.

Hast du dich in der Schweizer Musikbranche schnell zurechtgefunden?

Anfangs trat ich sehr oft in Clubs auf, um mir einen Namen zu mache. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass es für mich in der Schweiz nicht vorwärts geht. Dass ich mich als Künstlerin nicht so entwickeln kann, wie ich möchte. Mein Gefühlt sagte mir, dass ich etwas anderes erleben und sehen muss. Das resultierte dann darin, dass ich nach London zog. Meine zwei Optionen waren L.A und London. Ich war wirklich hin und hergerissen, aber London hat sich auf alle Fälle gelohnt.

Was gefällt dir besonders an London?

Ich kam in London an und schon von Beginn an gab es so viele verschiedene Möglichkeiten für mich. Ich habe dann natürlich auch jede Möglichkeit ergriffen und bin jede Woche sicher 2-3 Mal an kleinen Events aufgetreten.

In meiner Zeit in London studierte ich Musik am BIMM (British & Irish Music Institute). Meine Schule hat mich in meiner Karriere auch sehr gepusht. Das hat meinen Namen echt schnell in Umlauf gebracht, sogar BBC wurde so auf mich aufmerksam. Es war die ganze Zeit etwas los, ich war entweder in Sessions, auf Konzerten oder habe täglich neue Produzenten kennengelernt.

Zudem sind die Menschen in London anders eingestellt als in der Schweiz – viel offener und entdeckungsfreudiger. Und natürlich gibt’s viel mehr Möglichkeiten sich in einer Grossstadt zu entwickeln. Durch London kam ich dann auch wieder mehr in Kontakt mit meinem Background.

Mit deinen indischen Wurzeln? Wie trifft sich das mit London?

Ja genau, ich wuchs hier in der Schweiz mit meinen Eltern auf und mein Bezug zu Indien war immer sehr traditionell indisch. In London hat es sehr viele Inder, die mehr sind wie ich. Die ein ähnlicheres Leben führen wie meins, da sie auch im Westen aufgewachsen sind. Dadurch haben wir eine ganz anderen Lebensstil und eine andere Sicht auf die Dinge, verglichen mit den Menschen, die in Indien aufgewachsen sind. Dadurch konnte ich meine Kultur fast schon wieder neu kennenlernen.

Im Interview mit Ta'Shan

Du bist für viele ein Vorbild was Selflove angeht. Was hat dir dabei geholfen?

Ich habe mich oft zu wenig dünn, zu wenig schön oder zu wenig gut gefühlt, weil ich nicht dem «Beauty-Standard» von hier entsprochen habe und da war ich bei Weitem nicht die einzige. Als ich in L.A war habe ich gemerkt, wie anders die Menschen zum Thema Aussehen eingestellt waren. Die Zeit dort hat mich in meinem Selbstbewusstsein wirklich sehr geprägt. Denn ich dachte immer ich muss schlank sein, wenn ich im Musikbusiness erfolgreich sein will. Aber da wurde ich sehr schnell eines Besseren belehrt.

Das verzerrte Selbstbild ist immer noch ein grosses Problem, auch in der Schweiz. Mein Köperbau war einfach schon immer kurviger und weiblicher, doch das wollte ich früher einfach nicht einsehen und schätzen. Sich zu akzeptieren und zu lieben ist ein langer Prozess, denn uns wird ein Leben lang eingetrichtert was schön ist und was nicht.

Dasselbe gilt für Fotos. Wenn ich ein Foto von mir sehe und mein erster Gedanke ist: «Oh nein, schrecklich» dann muss ich mich fragen, was daran schrecklich ist? Das Foto ist nicht schrecklich. Es ist einfach nicht die Vorstellung, wie ein Foto oder eine Person auszusehen hat. Es wäre so schön wenn wir alle mit uns zufrieden sein könnten, denn es gibt immer jemanden, den wir schöner, besser und toller finden, doch das macht uns nicht weniger toll.

Hast du auch durch die Musik gelernt dich zu akzeptieren?

Durch die Musik kann ich das ganze Thema auf jeden Fall gut verarbeiten. Mein Song «Foodie» zum Beispiel dreht sich um das Thema Essen und Aussehen. Ich habe schon immer gerne gegessen und ich möchte das nicht aufgeben, nur um einem Standard zu entsprechen. Ich esse gerne gut und das macht mich auch glücklich. Mit Musik, Essen und Massagen, kann man mich glücklich machen – und Sex, of course.

Aber Musik ist enorm wichtig und hilft nicht nur mir sondern auch anderen dabei sich zu lieben und akzeptieren.

Hast du einen Song, der dir besonders am Herzen liegt?

Foodie ist sicher ein Song der für mich sehr wichtig ist und ist auch immer der Song, der Leute schnell verbindet. Denn viele können sich damit identifizieren.

Mixie Mixie liegt mir auch besonders am Herzen, denn ich bin mit zwei verschiedenen Kulturen aufgewachsen und der Song widerspiegelt meine Realität. Ich wünsche mir, dass sich Kultur und Rasse verschmelzen können. Dass es nicht mehr diese Rassentrennung und diese Grenzen gibt. Und Mixie Mixie ist ein da der richtige Statement-Song.

Für mich ist es wichtig die Musik auch dafür zu brauchen. Wir diskutieren immer noch über die banalsten Menschenrechtsfragen. Eigentlich sind ja viele Entwicklungen so schnelllebig, doch gewisse Ansichten sind leider so tief in unserer Gesellschaft verwurzelt, dass es schwierig ist sie abzulegen. Jetzt ist es an uns, den Jüngeren das Statement mitzugeben und zu zeigen, dass wir eine Veränderung wollen.

Findest das Thema wird in der Musik zu wenig angesprochen?

Generell wird es in der Musik definitiv zu wenig angesprochen. Oft werden wichtige Themen von kleinen Künstlern thematisiert, deren Reichweite halt noch nicht sehr gross ist. Es ist wichtig, dass es angesprochen wird, vor allem auch von den einflussreichen Künstlern.

Doch auch hier gibt es natürlich verschiedene Ansichten. Viele finden nicht okay, dass die reichsten Musiker etwas an einem wichtigen und lehrreichen Statement-Song verdienen. Aber klar profitieren sie davon, das ist ihr Job. Doch Gleichberechtigung muss angesprochen werden und wenn Menschen durch Musik mehr über wichtige Themen lernen, dann ist das völlig okay. Ein Lehrer muss auch bezahlt werden, zwar in anderen Dimension, aber trotzdem wird er dafür entlöhnt.

Der #BlackLivesMatter Hashtag und das mediale Interesse wird nur temporär sein, doch wir müssen längerfristig denken und handeln und das wissen wir alle. Nicht nur bei der Hautfarbe oder Herkunft, sondern auch bei der Sexualität. Das ist immer noch ein zu grosses Tabuthema, das an so vielen Orten unter den Teppich gekehrt wird. Es gibt noch sehr viel, das wir ändern müssen.

Du hast bis jetzt den Release Friday ausgelassen, da du der Meinung bist es gibt im Moment wichtigere Themen zu besprechen?  Was wünscht du dir stattdessen?

Ich hatte bisher einfach nicht den Kopf dazu, neue Songs zu realeasen und es ist meiner Meinung nach auch einfach nicht der richtige Zeitpunkt. Ich wollte mich jetzt nicht selber pushen, wenn es Menschen gibt, die die Plattform dringender brauchen. Aber wie schon erwähnt, es ist ein langer Prozess und wir sollten das Problem nicht nur jetzt angehen. Das Releasedatum meines neuen Songs, habe ich deswegen auf heute, den 26. Juni, verschoben. Bin wirklich sehr happy mit dem Resultat.

Erzähl mir doch ein bisschen darüber?

Wir haben den Song im Januar in L.A aufgenommen und um ca. 3 Uhr morgens geschrieben. Die besten Songs sind meistens die ungeplanten und spontanen. Eigentlich habe ich dieses Jahr einen völlig anderen Releaseplan zusammengestellt, doch irgendwie kam dann alles ganz anders.

Ich bin dieses Jahr in einem ganz anderen Musik-Mood, als im Jahr zuvor. Deswegen haben wir uns kurzerhand für den Song «Drift Away» entschieden und auch ein selbstgedrehtes Video dazu gemacht. Meine Freundin hat mich im Neopren Anzug in die Mitte des Sees geschoben und dann trieb ich einfach auf dem Wasser. So simpel. Mein Outfit habe ich selber entworfen und genäht, denn ich nähe super gerne und hatte jetzt  ich auch wieder Zeit dafür. Das Einfachste ist oft am schönsten.

Absolut! Gibt es Personen oder Künstler, die du liebst oder die dich inspirieren?

Ich liebe momentan Rosalía! Vor allem ihre früheren Songs, in denen sie den Flamenco und spanischen Stil einbringt. Ebenfalls aus Spanien ist Nathy Peluso – sie ist mega crazy, ich liebe es. Sie vermischt Old School Hip Hop mit dem spanischen Flow und das ist halt neu in der Musikszene.

Für mich war Missy Elliott auch immer sehr inspirierend, denn ich wuchs mit ihrer Musik auf. Sie war einfach eine Vorreiterin in Sachen Visuals und mit den Kulturen die sie in ihrer Musik gemischt hat.

Auch mit Tupac und Biggie bin ich aufgewachsen, weil der Bruder meiner besten Freundin mir damals seine CDs geschenkt hat, die ich mir dann immer angehört habe. Mein Vater hat sich damals schon ein wenig gefragt was bei mir abgeht, als nonstop Tupac aus dem Zimmer seiner 11 jährigen Tochter zu hören war.

Ich bin auch mega Fan der Musikszene in England. Es wird so viel gute Musik produziert und es gibt unzählige hammer Künstler, die ich jetzt nicht alle aufzählen kann. Es lohnt sich, die kleinen Musiker aus England mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was sind deine Wünsche und Pläne für die Zukunft? Beruflich und auch persönlich.

Meine Plan ist es, nebst meiner Musik auch einen Brand als «Bombay Mami» aufzubauen. Meinen einzigartigen Sound aus R&B, HipHop und Einflüssen aus verschiedenen Kulturen, wie etwa auch Indien, möchte ich mehr unter die Leute bringen.

Essen ist sicher auch ein wichtiges Thema bei mir, deswegen sind wir jetzt in Planung einer Kochshow. Ich habe sogar schon meine erste eigene Hotsauce kreiert. Irgendwann möchte ich mega gerne mein eigenes Restaurant eröffnen, denn Food war immer ein grosser Teil meines Lebens. Früher oder später werde ich mir auch Gedanken über eine eigenen Kollektion machen. Doch das hat noch Zeit.

Essen, Mode und Musik zu kombinieren wäre ein Traum von mir. Diese Jahr wurde alles ein wenig gebremst, doch ich konnte nach 4 Jahren mal wieder so richtig runterfahren, was auch sehr gut getan hat.

Gibt es noch etwas dass du den Menschen da draussen mitteilen möchtest?

Ich denke für die Schweiz ist es wichtig ein wenig offener zu sein. Wir sind sehr gehemmt, etwas Neues zu akzeptieren oder mal aus unserer sicheren Bubble auszubrechen, aber das wäre ein wichtiger Schritt vorwärts für unsere Gesellschaft. Ich mag es, wenn Leute mir ihre richtige Meinung offen sagen, denn sonst kommt man im Leben einfach nicht voran.

Ich rate jedem sich mal aus seiner Komfortzone zu trauen und einen ungewissen Schritt zu wagen. Wenn ich meinen Trip in L.A nicht verlängert hätte oder nicht auf London gezogen wäre, würde ich jetzt vielleicht nicht das machen, was ich liebe.

Danke! 

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