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Phyto-HormontherapieHeilt Mutter Natur ihre Töchter besser?

Eine Hormontherapie ist nicht unbedenklich. Umso verlockender klingt Cimicifuga – das natürliche Pendant zur Chemiekeule. Mit den Extrakten der Traubensilberkerze sollen weibliche Wehwehchen während Mens und Menopause verschwinden. Aber verflüchtigen sich damit auch die Risiken?

Cimicifuga: Wir gut ist die natürliche Hormontherapie mit der Traubensilberkerze?

Schmerzen im Unterleib, Schweissausbrüche und eine Gefühlslage, die Achterbahn fährt: Viele Frauen kennen diese Beschwerden. Sie treten vor allem vor oder während der Menstruation und später auch in den Wechseljahren auf. Doch damit soll nun Schluss sein. Und zwar ganz ohne die bekannten chemische Schmerz- oder Hormonkeulen. Denn Mutter Natur – unterm Strich selbst eine Frau – hat gegen weibliche Wehwehchen ein Kraut wachsen lassen. Cimicifuga ist die Fachbezeichnung für die amerikanische Heilpflanze «Traubensilberkerze», die typische Frauenbeschwerden auf natürliche Weise lindern können soll.

Natur statt Labor: Phytohormone

Die Inhaltsstoffe von Cimicifuga haben östrogenähnliche Eigenschaften und gelten daher, ähnlich wie Soja, Rotklee oder Hopfen, als so genannte Phytohormone. Damit sind Substanzen gemeint, die pflanzlicher Herkunft sind und im Körper entweder die gleichen oder ähnliche  Rezeptoren wie Östrogene ansprechen. Östrogene sind weibliche Sexualhormone und damit jene Botenstoffe, die das Wohlergehen der Frau vor allem zu Zeiten der Menstruation oder der Wechseljahre massgeblich beeinflussen. Die Phytohormone von Cimicifuga sollen Schweissausbrüche und Hitzewallungen lindern, Menstruationsschmerzen sowie nervöse Störungen und Schlafprobleme beheben. Cimicifuga ist hierbei einer der bekanntesten Wirkstoffe der pflanzlichen Hormontherapie.

Natürlichkeit weckt Vertrauen

Die pflanzliche Hormontherapie ist ein Verfahren, dem viele Frauen einen positiven Beigeschmack beimessen. Denn den Energieschub von einer Extradosis Östrogene, geniessen wir alle gern, nur die Nebenwirkungen einer Hormontherapie, die wollen wir nicht so gern in Kauf nehmen.

Die allgemeine Skepsis und das Vorhandensein nicht unerheblicher Nebenwirkungen einer gewöhnlichen Hormontherapie lassen die pflanzliche Variante nämlich zunächst nach einer milderen Alternative klingen. Studien belegen eindeutig, wie hoch das Vertrauen und die Bereitschaft zu einer natürlichen Hormontherapie ist: Rund 80 Prozent der befragten Frauen zeigten sich einverstanden, pflanzliche Präparate, z.B. mit Wirkstoffen von Cimicifuga, einzunehmen. Viele von ihnen tun dies auch: Inzwischen sind frei zugängliche Mittel mit natürlichen Hormonen erhältlich. Teilweise sind solche Phytohormone nicht mal für die arzneirechtliche Zulassung relevant, so dass sie als Nahrungsergänzungsmittel bedingungslos eingenommen werden können. Doch die Bagatellwirkung, die sich hieraus ableiten lassen könnte, ist nicht unumstritten. Denn wenn Cimicifuga wie ein Östrogen wirkt, warum sollte es nicht auch dieselben Nebenwirkungen haben?

Natürliche Hormontherapie: Heftig umstritten

Wissenschaft und Medizin sind sich keineswegs über die Wirkung von Phytohormonen einig. Heftig diskutiert und geforscht wird vor allem über die Frage der Nebenwirkung pflanzlicher Hormone. Langezeitstudien gibt es hierzu noch keine. Dass durch Cimicifuga eine Schädigung der Leber auftreten kann, ist zwar bekannt, welches Mass und welche Häufigkeit diese haben, ist allerdings ebenfalls noch nicht geklärt. Auch die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten ist nicht hinlänglich erforscht. Oft geben Frauen, die eine natürliche Hormontherapie dies bei ihrem Arzt nicht an. Da es sich um rein natürliche Produkte handelt, halten sie diese Angaben nicht für relevant. Die Betroffenen vermuten nicht mal, dass sich Wechselwirkungen ergeben könnten.

Vage Forschungen

Darüberhinaus ist sich die Forschung uneins, ob das Brustkrebsrisiko bei natürlichen gegenüber konventionellen Hormonen wirklich geringer ist. Zwar wird dies oft als Argument für eine Pflanzentherapie angeführt, konnte jedoch nicht umfänglich bestätigt werden. Was viele nicht wissen: Die Annahmen einer nebenwirkungsfreien und sogar gesundheitsfördernden Wirkung von Phytohormonen wie Cimicifuga stammen teilweise nicht aus medizinischen Untersuchungen, sondern aus Bevölkerungsstudien, bei denen u.a. beobachtet wurde, dass asiatische Frauen deutlich seltener an Brustkrebs erkranken als Europäerinnen.

Als Grund mutmassen Experten den hohen Verzehr sojahaltiger Nahrungsmittel in Asien. Wissenschaftlich bestätigt ist diese Annahme allerdings nicht. Und selbst wenn Soja wirklich der Grund für die geringe Krebsrate sind, weiss man nicht, ob eine ähnliche Wirkung auch mit künstlich aufgearbeiteten Soja-Arzneien erzielbar ist. Viele Fragen rund um das Thema Phytohormone und Cimicifuga sind also noch offen.

Natürliche Hormontherapie: Nicht ohne Beratung!

Generell lässt sich beim Thema Phytohormone daher wohl nur eines feststellen: Die natürliche Hormontherapie bietet durchaus neue Ansätze, um die Nebenwirkungen und Risiken konventioneller Hormonbehandlungen zu umgehen und Frauen die Beschwerden während der Menstruation und Wechseljahre zu erleichtern. Der natürliche Ursprung der hormonähnlichen Inhaltsstoffe könnte eine vergleichsweise sanfte Behandlungsmethode versprechen. Bis die Wissenschaft jedoch nicht abschliessend und in Langzeitstudien die tatsächliche Wirkungen und vor allem Nebenwirkungen natürlicher Hormonalternativen, wie Cimicifuga, Rotklee und Co erforscht hat, bleibt die Ungewissheit.

Jeder sollte für sich selbst entscheiden, welcher Therapieansatz für ihn der richtige ist. Und vor allem ein ausführliches Gespräch mit seinem Arzt führen. Eine individuelle Beratung ist letztlich nur durch einen Experten möglich.

Foto: iStock, Thinkstock

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