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«Half Drag»Die ungeschminkte Wahrheit der Drag Queens

Der New Yorker Fotograf Leland Bobbé zeigt uns die aufregend geschminkte und die ungeschminkte, natürliche Gesichtshälfte funkelnder Drag Queens in einem einzigen Augenblick. Er zeichnet damit ein atemberaubendes Bild von männlicher und weiblicher Identität.

Leland Bobbé lässt uns einen Blick hinter die Kulissen der nächtlichen Bühnen erhaschen und zeigt uns das wahre Gesicht fabelhafter Drag Queens wie Miss Fame, Pusse Couture und Magnolia Applebottom. Aber nur zur Hälfte. Indem Bobbé die rechte Gesichtshälfte völlig ungeschminkt lässt, dokumentiert er auf provokative und hypnotisierende Weise die perfekte Verwandlung junger Männer in hinreissende Diven.

Die Metamorphose ist dabei so gelungen als sei sie am Bildschirm entstanden. Tatsächlich aber wurden hier lediglich die Hilfsmittel wie Make Up, Perücken und Accessoires benutzt, mithilfe derer sich die jungen Herren täglich bei Auftritten in die glitzernden Herrscherinnen der Nacht verwandeln. Authentizität ist dem in New York lebenden Fotografen Bobbé wichtig und so ruft er auch dazu auf, die Künstler bei Verwendung der Bilder stets mit dem jeweiligen Bühnennamen zu versehen.

Drag Queens: Das spannende Spiel mit Geschlechterrollen

Leland Bobbé behandelt mit «Half Drag» ein viel diskutiertes Thema unserer Gesellschaft. Die Konturen zwischen den Geschlechterrollen werden zunehmend unschärfer. Durch das verwirrende Spiel sexueller Identität schafft Bobbé ein fesselndes Spannungsverhältnis. «Durch die Kraft der Haare und des Make-ups gelingt es diesen Männern, sich komplett zu verwandeln und ihre weibliche Seite zu finden, dabei aber gleichzeitig ihre männliche Seite zu zeigen», erklärt Bobbé auf seiner Homepage. Ausserdem betont er, «Half Drag» sei kein kommerzielles Projekt.

Inspiration fand der Fotograf während eines anderen Projekts. Im Sommer 2011 arbeitete er an seinen inzwischen preisgekrönten Portraits von Akteuren der Neo-Burlesque-Szene. Einer dieser männlichen Künstler warb auf seiner Homepage mit eben so einem Foto, auf dem er nur zur Hälfte geschminkt zu sehen war. Im März diesen Jahres bloggte Bobbé dann fasziniert erstmals selbst ein Portrait einer Drag Queen dieser Art. Die Begeisterung im Internet war phänomenal und darum machte er weiter. Inzwischen existiert eine Serie von über zwanzig Fotografien, die sich mit dem Spiel aus männlichem und weiblichem Alter Ego auseinandersetzen. Rasend schnell verbreitete sich das Projekt, das hauptsächlich über Facebook veröffentlicht worden war, auf der gesamten Welt. Es wurde sogar in der italienischen Vogue vorgestellt.

Text: Linda Leitner

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