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HUMOR IM BERUF«Humorvolle Menschen sind erfolgreich»

Habuka Baw! Haben Sie so schon mal ein Meeting unterbrochen? Oder sich eine rote Nase aufgesetzt? Wenn nicht, wird es höchste Zeit! Warum uns Humor im Beruf effizienter und erfolgreicher macht, erklären die beiden Humorcoaches Cornelia Schinzilarz und Charlotte Friedli im Interview mit Femelle.

Warum Sie Humor im Beruf erfolgreicher macht

Warum ist Lachen die beste Medizin?

Cornelia Schinzilarz: Lachen ist Sport und Sport ist gesund. Die Bauchmuskeln werden trainiert und unsere Lungen füllen sich mit Luft. Unser Gehirn wird mit Sauerstoff versorgt und durchblutet. Lachen ist also eine echte Erfrischungskur!

Charlotte Friedli: Und gut für die Schönheit ist es natürlich auch! Denn wenn jemand ein griesgrämiges Gesicht macht, bilden sich mehr Falten als wenn gelächelt wird. (lacht)

Und was macht Lachen für unsere Seele?

Friedli: Jedes Lächeln, mag es noch so klein und leise sein, überträgt sich sofort auf unser Gehirn. Dort signalisiert es: Juhu, mir geht’s gut! Wenn wir lächeln, versetzen wir uns also selbst in eine heitere Stimmung.

Schinzilarz: Lachen produziert Glückshormone. Das hat Auswirkungen auf den Körper und wenn wir uns glücklicher fühlen, haben wir auch eine leichtere, heitere Seele. Einfach gesagt: Wenn wir lachen, erleichtern wir uns das Leben.

Friedli: Der graue verregnete Montagmorgen bleibt gleich, aber unser Umgang damit verändert sich.

Schinzilarz: Oder wenn ich mir vorstelle, ich arbeite in einem Grossraumbüro, habe letzte Nacht schlecht geschlafen und heute regt mich der Lärmpegel mehr auf als sonst. Dann kann ich mit gezielten Lächel- und Lacheinheiten meine Stresstoleranz erhöhen. Somit wird die gleiche Situation leichter bewältigbar.

Humor ist also eine Lebenseinstellung?

Schinzilarz: Ja, es ist auch eine Haltung, die wir uns erarbeiten können. Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass Humor eine handfeste Strategie darstellt, die wir in der Bewältigung von Alltags- und Berufssituationen einsetzen können.

Wir sollten Humor also ernst nehmen?

Beide: Ohja! (lachen)

Friedli: Humor ist ganz eine ernste Sache! (lacht) Leider wird das in unserer Gesellschaft getrennt behandelt: Entweder wir sind ernst oder wir lachen. Das sind zwei Gegenpole, die gar nicht existieren. Aber man kann auch lachend ernst sein! Wenn wir lachen, haben wir mehr Kraft, sind motivierter und kommen im Umfeld besser an.

Schinzilarz: Viele Philosophen haben sich mit Humor beschäftigt und Hannah Arendt sagte beispielsweise, dass Lachen ein Denkereignis ist. Das heisst, auch wenn wir lachen, sind wir tiefgründig und tiefsinnig. Anstatt zu sagen «Lachen ist oberflächlich» und «Wenn du lächelst, wirst du nicht ernst genommen»,  erkennen wir, dass wir ganz andere Möglichkeiten haben und Situationen verändern können.

Friedli: Ausserdem ist Humor mehr als Lächeln. Selbstverständlich ist der vordergründige Ausdruck das freundliche Gesicht. Aber wir möchten aufzeigen, dass Humor ein professionelles Instrument ist, das von Führungspersonen und Mitarbeitern gezielt eingesetzt werden kann.

Als Humorcoachs zeigen Sie Unternehmen Wege auf, um Humor in den Arbeitsalltag zu integrieren. Was verstehen Sie im beruflichen Kontext unter Humor?

Schinzilarz: Strategische Vorgehensweisen, Techniken und Interventionen, um in verschiedenen Situationen zu irritieren, zu überraschen, aufzulockern, zu erleichtern und eine andere Perspektive zu eröffnen. Aber auch auf die eigenen Potentiale und Möglichkeiten, die eine Situation bietet, aufmerksam zu werden.

Sie schlagen in Ihrem Buch vor, in Meetings einfach mal ins Kauderwelsch – eine Phantasiesprache – zu wechseln, sich eine rote Nase aufzusetzen oder groteske Kraftausdrücke wie «Rispentomate noch einmal!» einzusetzen. Nehmen die Arbeitskollegen einen dann noch ernst?

Schinzilarz: Zutiefst! Weil wir dafür sorgen, dass die Situation entspannt wird. Und dafür sind die anderen dankbar.

Friedli: Das ist ein super Lockerungsmittel! Ich spreche beispielsweise als Dozentin, wenn ich merke, dass ich mich in Gedanken verliere, einfach mal Kauderwelsch. Dann sage ich «Habukladaka Brrrlaaa», lache und erkläre es noch mal.

Die Professionalität leidet also nicht?

Friedli: Nein, überhaupt nicht. Wir sind oft in Kommunikationsschleifen gefangen und nichts geht weiter! Das kann leicht durchbrochen werden, indem man irritiert und das System mit einem Ruck auflöst, sodass eine ganz andere Situation entsteht.

Schinzilarz: Für manche Momente braucht es Leichtigkeit. Wie ein kurzer Windstoss, der die Luft besser macht. Es geht um eine Veränderung der Atmosphäre.

Was gewinnen Arbeitgeber, wenn sie Humor integrieren?

Schinzilarz: Die Kollegen arbeiten effizienter, qualitätsvoller und miteinander anstatt gegeneinander. Sie sind klar lösungsorientiert, anstatt sich mit Menschlichem zu befassen.

Wenn man scherzt, ist man also produktiver?

Friedli: Humor im beruflichen Umfeld heisst ja nicht Sprüche zu klopfen und herumzuscherzen. Es hat mit Haltung zu tun! Eine humorvolle Haltung ist aufrecht und lächelnd. Wenn der Alltag heiter gestaltet wird, sind alle motiviert.

Schinzilarz: Wenn wir uns sympathisch finden, arbeiten wir einfach lieber zusammen. Wir fragen uns nicht: Wie bremse ich meine Kollegen aus? Wir zeigen mehr Bereitschaft, gemeinsame Lösungen zu finden. Viele Unternehmen erkennen mittlerweile, dass Führung auch bedeutet, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Und das ist mit humorvollen Strategien einfach zu erreichen – allerdings auf eine wertschätzende Art und Weise, das ist uns ganz wichtig. Dass wir ressourcenorientiert mit Humor umgehen und nicht grenzverletzend werden.

Viele treten sicherlich in Fettnäpfchen, weil sie das missverstehen. Wo ist die Grenze zwischen humorvoll und lächerlich?

Friedli: Es ist wichtig, dass man sich bewusst ist, dass man den privaten Humor nicht auf den Beruf übertragen kann. Es geht wirklich darum, Humor in professionellem Kontext einzusetzen. Und das gilt es zu lernen.

Schinzilarz: Wir haben ethische Richtlinien entwickelt, die deutlich machen, dass wir uns in ethisch-verantwortungsvollem und durchdachtem Humor bewegen. Ich weiss also genau, was ich mit welchem Kompliment und Witz erreichen und sagen kann.

Wie unterscheiden sich beispielsweise Komplimente im Berufs- vom Privatleben?

Friedli: Komplimente im Beruf zielen nicht auf mein Äusseres oder mein Wesen, sondern auf meine Leistung ab. Denn wir sind dafür da, das zu leisten, wofür wir bezahlt werden. Und wenn wir Leistung erbringen und diese gut ist, dann braucht es dafür Komplimente.

Wie sieht ein Arbeitstag aus, der ganz im Zeichen des Humors steht?

Schinzilarz: Ein Team startet beispielsweise den Tag, indem sich alle freundlich begrüssen. Bei der Arbeit wird dann regelmässig darauf geachtet, dass gelacht wird. Damit wir das nicht vergessen, hängen Smileys an den Wänden oder es gibt eine Glocke, die uns daran erinnert. In der Mittagspause werden Komplimente gemacht und Erfolgsgeschichten erzählt, anstatt sich in Klatsch und Tratsch zu verlieren. Am Nachmittag wird auf das Wunderbare des Tages hingewiesen und am Abend verabschieden wir uns strahlend voneinander, freuen uns auf den nächsten Tag und gehen heiter in den Feierabend.

Für manche Mitarbeiter wirken Smileys an den Wänden womöglich befremdlich.

Friedli: Ja, auf den ersten Blick. Aber wenn Sie nach einem halben Arbeitstag spüren, dass Sie sich anders fühlen und das ganze Team anders ist, sind erste Bedenken verflogen.

Gibt es Situationen, in denen Humorcoaching nicht greift oder an seine Grenzen stösst?

Schinzilarz: Nein. Ich begleite als Humorcoach beispielsweise auch Mobbingsituationen. Hier ist es für Betroffene wichtig, sich als selbstständige und handelnde Person und nicht als Opfer zu sehen. Am besten mit aller Strahlkraft und vollem Selbstbewusstsein.

Und wo ist da der Humor?

Schinzilarz: In der klaren Selbstwahrnehmung und Haltung. Denn wenn wir sagen «Moment mal, was ihr hier macht, verstösst gegen jede ethische und strafrechtliche Norm» kommt daran niemand vorbei. Und es ist auch wichtig, die Täter in die absolute Verantwortung zu nehmen. Wir werden ja nicht nur dafür bezahlt, Leistung zu erbringen, sondern auch dafür, kollegial zu sein und freundlich und wertschätzend miteinander umzugehen. Im Humorcoaching fordern wir genau das ein.

Soft Skills werden im Berufsleben immer wichtiger. Zählt Humor auch dazu?

Friedli: Absolut. Humor ist ein ganz wesentlicher Bestandteil.

Sind humorvolle Menschen denn erfolgreiche Menschen?

Friedli: Ja, klar. Wenn Sie erfolgreiche Menschen fragen, werden sie Ihnen bestätigen, dass Humor in ihrer Karriere immer wesentlich war. Auch wenn Sie sich Stellenausschreibungen für höhere Führungspositionen ansehen, «humorvoll» wird als Eigenschaft sehr oft gefordert. Es ist ein Merkmal, mit dem wir weiterkommen. Und Humor reicht eben von Lächeln bis hin zu schallendem Gelächter samt roten Nasen, Kauderwelsch, hüpfen im Raum und den ganz leisen Momenten, in denen es nur darum geht, anders zu denken.

Cornelia Schinzilarz, Charlotte Friedli

Charlotte Friedli ist Dozentin für Kommunikation. Die Humorexpertin ist in der Praxis als Trainerin tätig.

Cornelia Schinzilarz ist Humorexpertin und als Coach und Dozentin tätig. Zudem ist sie Inhaberin des KICK Institut für Coaching und Kommunikation.

Gemeinsam haben Sie das Buch «Humor in Coaching, Beratung und Training» geschrieben und veröffentlicht (siehe Buchtipp). Unter humorvoll.ch kann man sich über die Ausbildung als Humorcoach informieren.

Humor im Beruf

Buchtipp

«Humor in Coaching, Beratung und Training» von Cornelia Schinzilarz und Charlotte Friedli befasst sich mit dem professionellen Einsatz von Humor. Es erheitert seine Leser mit zahlreichen Übungen und Methoden für den Alltagsgebrauch.

Interview: Nina Grünberger, 13.11.2013

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