Pixel

Geburt à la CarteWas Sie über Kaiserschnitt wissen sollten

Eine natürliche Geburt macht Angst, weil vieles vorher ungewiss bleiben muss. Sicherer scheint die Geburt nach Plan. Aber ist der Kaiserschnitt wirklich die bessere Geburtsmethode? Angesichts des medizinischen Fortschritts ist die Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt vor allem eine Glaubensfrage. Und was glauben Sie?

Vorteile und Nachteile des Kaiserschnitts

Die natürliche Geburt ist eine Naturgewalt. Heftige Wehen überrollen den Körper wie ein Tsunami. Die Muskeln und Nervengewebe der Vagina dehnen sich, der Damm reisst. Der Arzt brüllt die Frau an, die schreit ihren Mann an, der fällt in Ohnmacht. Das ist die verzerrte Vorstellung, die viele Frauen von einer natürlichen Geburt haben. Angenehmer scheint hingegen die Vorstellung, dass die Geburt mit einem Herzchen umkreist im Terminkalender steht und der Geburtsvorgang ganz entspannt und ohne Wehen abläuft.

Ist der geplante Kaiserschnitt nicht etwa doch die bessere Geburtsmethode? Laut des Bundesamtes für Statistik ist die Kaiserschnittrate in der Schweiz in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Ärzte und Patientinnen sparen damit Risiken und Zeit. Doch viele Hebammen protestieren: die natürliche Geburt sei besser für Mutter und Kind. Dabei ist die natürliche Geburt in Liegeposition nicht die einzige Methode. Wir stellen Ihnen die verschiedenen Geburtsformen vor.

Mit Hebamme und Liebeshormon: Die natürliche Geburt

Die ideale Geburt ist eine natürliche Geburt, die glatt läuft: Die Wehen setzen ein, der Muttermund öffnet sich. Nach wenigen Stunden kann die Mutter das Kind leicht herauspressen. In 60 bis 80 Prozent der Fälle gelingt die natürliche Geburt ohne Komplikationen. Jedoch besteht das Risiko eines Dammrisses. In manchen Fällen muss der Arzt eine Zange oder Saugglocke einsetzen. Wenn es zu starken Komplikationen kommt, wird ein Notkaiserschnitt durchgeführt. Auch wenn eine natürliche Geburt unvorhergesehene Komplikationen haben kann, wird sie von Hebammen empfohlen. Denn eine natürliche Geburt hat trotz der Anstrengung ein ganz besonderes Ass im Ärmel: Das Liebenshormon Oxytocin sorgt für das schöne Glücksgefühl nach der Geburt, bei dem sich Mutter und Kind besonders binden. Frauen haben allerdings häufig Angst vor den Schmerzen einer natürlichen Geburt oder fürchten sich vor einem Kontrollverlust. Dabei gibt es hierfür lindernde Methoden. Mit einer guten Geburtsvorbereitung können Sie sich mental und physisch stärken. Zudem kann eine einfühlsame Hebamme Ihr Selbstvertrauen während der Geburt stärken. Dadurch kann das Liebeshormon Oxytocin besser ausgeschüttet werden, das Stress reduziert und die Schmerzresistenz erhöht. Im schlimmsten Fall können die Ärzte mit einer «Regionalanästhesie» die Schmerzen ausschalten. Eine Hebamme in Ihrer Nähe finden Sie unter hebamme.ch.

Sicher im Terminkalender: Der Kaiserschnitt

Zeichnen sich während der Schwangerschaft Geburtsrisiken ab, empfehlen Ärzte einen Kaiserschnitt, die sogenannte Sectio. Geburtsrisiken bestehen dann, wenn das Kind quer oder schräg liegt, das Kind zu gross ist, wenn Mehrlinge auf die Welt kommen oder die Mutter Diabetes oder Bluthochdruck hat. Durch verbesserte Operationstechniken sind Kaiserschnitte heute mit weniger Risiken behaftet als früher. Gegenüber einem Notkaiserschnitt ist ein geplanter Kaiserschnitt allerdings sicherer. Der geplante Kaiserschnitte wird in der Regel zwischen der 38. und 39. Woche durchgeführt bzw. 7-10 Tage vor dem errechneten Geburtstermin. Dabei wird oberhalb des Schambereichs ein querer Bauchschnitt gesetzt, dann folgt ein Schnitt an der Gebärmutter, um das Kind und die Plazenta zu entbinden. Beim «sanften Kaiserschnitt» öffnen die Ärzte die Bauchdecke und die Gebärmutter durch Dehnen und Reissen des Gewebes nur soweit, dass das Baby gerade durchpasst. Der Kaiserschnitt erfolgt meistens unter Teilnarkose. Ab drei Tagen nach der OP können Sie das Krankenhaus wieder verlassen. Der Trend des geplanten Kaiserschnitts stammt aus den USA. Aber auch hier gibt es nicht nur Befürworterinnen. In den USA wurde die Sectio unter dem Moto «Bewahre deinen Liebeskanal – Wähl den Kaiserschnitt» vor allem als Wundermittel gegen Verletzungen des Geburtskanals und eines möglichen Dammrisses gepriesen. Kritikerinnen der OP ohne Not bezeichneten Frauen, die freiwillig per Kaiserschnitt gebaren als «zu fein zum Pressen».  

Der Kaiserschnitt – Vorteile, Risiken und Kritik

Die Vorteile eines Kaiserschnitts:

Nicht nur die Vermeidung befürchteter Geburtsschmerzen und die Planbarkeit (bei gesundem Verlauf der Geburt) lassen Mütter heute häufiger für einen Kaiserschnitt entscheiden. Denn durch den operativen Eingriff an der Bauchdecke werden unerwünschte Folgen einer natürlichen Geburt wie schmerzhafte Narbenbildung nach einem Dammschnitt oder Dammriss sowie unwillkürlicher Harn- oder Stuhlabgang bei einer Verletzungen des Beckenbodens vermieden.

  • Der Kaiserschnitt ist sicher und planmässiger als eine natürlich Geburt. Für das Kind ist ein Kaiserschnitt die risikoärmste Variante.

  • Die Mutter erleidet keine Wehen und ist keinen grossen Risiken ausgesetzt. Durch die Teilnarkose verläuft die Geburt schmerzfrei.

  • Der Geburtskanal wird geschont und der Damm reisst nicht. Eventuelle Beeinträchtigungen der Sexualität werden vermieden.

  • Laut der Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) ist der geplante Kaiserschnitt für das Baby eine sichere Entbindungsmethode, «das Risiko von Schädigungen des Kindes ist kleiner als bei einer Geburt auf natürlichem Wege. Selten kann ein Kind durch ein chirurgisches Instrument verletzt werden.» Gerade für ältere Mütter mit höheren Geburtsrisiken ist ein Kaiserschnitt oft die sichere Geburtform.    

Die Risiken eines Kaiserschnitts:

Auch wenn der Eingriff optimal verläuft, kann es in manchen Fällen Komplikationen geben. Gegenüber dem geplanten Kaiserschnitt, bedeutet ein Notkaiserschnitt eine höhere Wahrscheinlichkeit von Komplikationen.

  • Bei schwierigen Verwachsungen können benachbarte Organe wie Blase, Harnleiter oder Darm verletzt werden.

  • Entzündungen und Wundheilstörungen können trotz der Medikamentenbehandlung nie ganz ausgeschlossen werden.

  • Das Kind kann unter Atmungsproblemen leiden.

  • Bei darauffolgenden Geburten kann es mehr Komplikationen geben.

Risikoärmer, planbarer und ästhetischer gegen emotionaler und natürlicher: Befürworter und Kritiker des Kaiserschnitt streiten angesichts des medizinischen Fortschritts heute eher vorallem um eine Glaubensfrage.

Das Glücksgefühl bleibt aus: Nach einem Kaiserschnitt kann das extreme Glücksgefühl, das die Mutter nach einer natürlichen Geburt hat, ausbleiben. Das kann für manche Mutter belastend sein und zu Bindungsproblemen führen. Dennoch ist die Bedeutung der natürlichen Geburt für die Entwicklung des Kindes bisher nicht erforscht.

OP bleibt OP: Der geplante Kaiserschnitt ist eine unnötige Operation.

Im Interesse der Ärzte, nicht des Kindes: Kritiker glauben, dass geplante Kaiserschnitte gerne von Ärzten empfohlen werden, weil sie besser in den Terminplan des Krankenhauses passen. Ausserdem verdienten die Kliniken mehr und schützen sich vor Haftungsprozessen, da geplante Kaiserschnitte tatsächlich ein geringeres Risiko tragen.

Nicht in jedem Falle abgedeckt: Der Kaiserschnitt ist zwar eine Pflichtleistung der Krankenversicherung. Ohne medizinischen Grund können es die Krankenversicherung aber ablehnen, zusätzliche Kosten gegenüber einer natürlichem Geburt zu tragen. Es empfiehlt sich dies am besten vor dem Eingriff zu klären.

Nur ein Lifestyletrend: Auch für die Mütter ist die Vorstellung einer sicheren, schmerzfreien Entbindung angenehmer. Kritiker befürchten, dass sich der Kaiserschnitt zum «Lifestyle»-Trend entwickelt. Laut der BfS-Erhebung «Gebären in Schweizer Spitälern» ist derzeit allerdings vor allem das höhere Alter der Mütter und somit das höhere Geburtsrisiko Grund für die steigende Kaiserschnittrate. 

Trotz der geringeren Risiken eines Wunschkaiserschnitts ist Umfragen zufolge für die Mehrheit der Frauen nachwievor die natürliche Geburt ohne Dammschnitt, ohne Zange/Saugglocke und ohne Komplikationen die beste Geburt. Erst darauf folgt der geplante Kaiserschnitt.

Gebärhocker oder Unterwasser: Alternative Geburtsformen

Mittlerweile sind alternative Geburtsformen im Kommen. Hockende Positionen und das aktive Mitwirken der Mutter soll die Geburt erleichtern. Die gängisten alternativen Geburtsformen im Überblick:

  • Gebärhocker: Hierbei sitzt die Mutter aufrecht, der Partner hält sie von hinten. Das finden manche Mütter angenehm. Allerdings können die Nähe zum Boden und der Hocker unbequem sein.
  • Romarad: Dieser Gebärstuhl aus einem Rad und einem schwebenden Hocker vermittelt der Gebärenden das Gefühl von Schwerelosigkeit. Die Mutter kann ihre Positionen beim Gebären variieren und den Schmerz der Wehen lindern.
  • Gymnastikball: Durch diese Sitzposition kann sich der Muttermund besser öffnen. Auch hier kann der Partner die Gebärende von hinten stützen.  
  • Sprossenwand: An der Sprossenwand kann sich die Frau auf den Boden knien oder hocken und sich dabei festhalten. In dieser Position wirkt die Schwerkraft und das Hohlkreuz wird vermieden.
  • Wassergeburt: Die Wassergeburt wird ebenfalls immer beliebter. Sie gilt als eine der sanftesten Geburtsmethoden. Das Becken kann sich unter Wasser besser lockern und der Damm wird elastischer. Auch für das Baby ist der Übergang von Fruchtwasser ins warme Wasser ein schöner Start ins Leben. 

Weiterführende Informationen:

  • Gemeinsame Informationsbroschüre (2014) der Schweizerischen Gesellschaft für Anästhesiologie und reanimation (SGAR), der Schweizerischen Gesellschaft für Neonatologie, der Schweizer Gesellschaft der Pädiatrie (ssp) und des Schweizer Hebammenverbands.
  • Vor- und Nachteile des Kaiserschnitts auf Wunsch: singer.ch
  • Umfassende Studie zu Geburten in der Schweiz des Bundesamts für Statistik.

Bild: Photodisc

Mehr dazu