Body Basics Vitamine und Mineralstoffe: welche Nährstoffe im Alltag wirklich zählen

Von A bis Z ohne Panik
Der Körper braucht Mikronährstoffe, damit Stoffwechsel, Nerven, Blutbildung, Knochen, Muskeln, Immunsystem und Hormonfunktionen zuverlässig laufen. Das heisst aber nicht, dass du jede einzelne Zahl auswendig kennen musst. Für den Alltag ist entscheidend: abwechslungsreich essen, Risikofaktoren kennen und Mängel nicht auf Verdacht selbst diagnostizieren.
Vitamine vs. Mineralstoffe – kurz und verständlich
Vitamine sind organische Verbindungen. Dazu gehören etwa Vitamin A, verschiedene B-Vitamine, Vitamin C, D, E und K. Einige davon sind fettlöslich und können im Körper gespeichert werden, andere müssen regelmässig zugeführt werden.
Mineralstoffe sind anorganische Nährstoffe. Dazu zählen Mengenelemente wie Calcium und Magnesium sowie Spurenelemente wie Eisen, Jod, Zink oder Selen. Auch sie sind lebenswichtig und müssen über die Ernährung aufgenommen werden.
Daneben gibt es Stoffe wie Omega-3-Fettsäuren. Sie gehören streng genommen nicht zu Vitaminen oder Mineralstoffen, sind aber für Herz, Gehirn und Entzündungsregulation relevant und werden deshalb oft im gleichen Atemzug genannt.
Warum Mangel nicht per Gefühl diagnostiziert wird
Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Haarausfall, brüchige Nägel, Muskelkrämpfe oder Infektanfälligkeit werden schnell als «Vitaminmangel» gelesen. Das Problem: Diese Beschwerden sind unspezifisch. Dahinter können auch Schlafmangel, Stress, starke Monatsblutungen, Schilddrüsenstörungen, psychische Belastungen, zu wenig Energiezufuhr, Medikamente oder andere Erkrankungen stecken.
Wenn Beschwerden anhalten oder deutlich zunehmen, bringt eine fachliche Abklärung mehr als ein Supplement auf gut Glück. Sinnvoll sind je nach Situation eine Ernährungsanamnese, Blutwerte und die Einordnung durch Ärzt:in oder Ernährungsberater:in. Gerade bei Eisen, Vitamin B12, Vitamin D, Jod oder Folsäure ist es wichtig, nicht nur Symptome zu deuten, sondern den tatsächlichen Bedarf zu prüfen.
Woran du zuerst denken solltest
- Wie einseitig oder regelmässig isst du im Alltag wirklich?
- Gibt es starke oder lange Menstruationsblutungen?
- Lebst du vegetarisch oder vegan?
- Bist du schwanger, stillst du oder planst du eine Schwangerschaft?
- Vermeidest du ganze Lebensmittelgruppen oder isst sehr wenig?
- Nimmst du Medikamente, die die Aufnahme beeinflussen können?
Nährstoffe, die für viele Frauen relevant sind
Nicht jeder Nährstoff ist für jede Frau gleich relevant. Bestimmte Lebensphasen, Ernährungsformen und Belastungen erhöhen aber das Risiko für Unterversorgung. Besonders im Blick haben solltest du die folgenden Nährstoffe.
Eisen, B12, Vitamin D, Calcium, Jod, Omega-3, Magnesium – Quellen und Risikogruppen
Eisen ist zentral für Sauerstofftransport, Leistungsfähigkeit und Konzentration. Frauen im gebärfähigen Alter haben wegen der Menstruation häufiger leere Eisenspeicher als Männer. Besonders wichtig ist Eisen auch bei starker Blutung, in der Schwangerschaft oder bei sehr niedriger Energiezufuhr. Gute Quellen sind Fleisch, Hülsenfrüchte, Tofu, Vollkornprodukte, Nüsse und grünes Gemüse. Pflanzliches Eisen wird schlechter aufgenommen als tierisches. Vitamin-C-reiche Lebensmittel zur Mahlzeit können die Aufnahme verbessern.
Vitamin B12 ist wichtig für Blutbildung und Nervensystem. Es kommt praktisch nur in tierischen Lebensmitteln in relevanten Mengen vor. Wer vegan lebt, braucht Vitamin B12 als Supplement. Bei vegetarischer Ernährung hängt die Versorgung stark von der Lebensmittelauswahl ab und sollte individuell geprüft werden.
Vitamin D unterstützt Knochen, Muskeln und Immunfunktionen. Es wird in der Haut mit Hilfe von Sonnenlicht gebildet. In der Schweiz reicht die körpereigene Bildung je nach Jahreszeit, Hauttyp, Alter, Arbeitsalltag und Sonnenschutz oft nicht konstant aus. Relevante Mengen in Lebensmitteln stecken vor allem in fettem Fisch, Eiern und angereicherten Produkten, doch allein über die Ernährung ist der Bedarf meist schwer zu decken.
Calcium braucht der Körper für Knochen, Zähne, Muskeln und Nerven. Gute Quellen sind Milchprodukte, calciumreiches Mineralwasser, mit Calcium angereicherte Pflanzendrinks, Tofu mit Calcium, Sesam, Mandeln und einige grüne Gemüse. Relevant wird Calcium besonders dann, wenn Milchprodukte wegfallen und kein gleichwertiger Ersatz im Alltag vorhanden ist.
Jod ist entscheidend für die Schilddrüse. In der Schweiz wird die Versorgung vor allem über jodiertes Speisesalz verbessert. Wer sehr wenig Salz verwendet, fast nur unverarbeitete Lebensmittel isst, vegan lebt oder in Schwangerschaft und Stillzeit mehr Bedarf hat, sollte das Thema bewusst anschauen. Auch Milchprodukte, Eier und Fisch können beitragen.
Omega-3-Fettsäuren sind für Herz, Gehirn und Sehkraft relevant. Fettreiche Fische wie Lachs, Hering oder Sardinen liefern die direkt wirksamen Formen EPA und DHA. Pflanzliche Quellen wie Leinsamen, Chiasamen, Baumnüsse und Rapsöl liefern ALA, das der Körper nur begrenzt umwandelt. Wer keinen Fisch isst, kann je nach Situation über Algenöl nachdenken.
Magnesium steckt in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Kernen, Kakao und grünem Gemüse. Es ist wichtig für Muskeln, Nerven und Energiestoffwechsel. Ein echter Mangel ist deutlich seltener als Werbung suggeriert. Muskelzucken oder Krämpfe allein beweisen noch keinen Magnesiummangel.
Vegetarisch, vegan und Zyklus – praktische Einordnung
Vegetarische und vegane Ernährung kann sehr gesund sein, verlangt aber etwas mehr Planung. Besonders im Blick: Vitamin B12, Eisen, Jod, Calcium, Omega-3 und je nach Lebensmittelauswahl auch Zink oder Selen. Vegan lebende Frauen sollten Vitamin B12 nicht dem Zufall überlassen. Bei Eisen lohnt sich eine bewusste Kombination aus Hülsenfrüchten, Vollkorn, Tofu, Nüssen und Vitamin-C-reichen Lebensmitteln.
Auch der Zyklus spielt hinein. Wer starke Monatsblutungen hat, verliert regelmässig Eisen. Wenn dazu Erschöpfung, Schwindel, Atemnot bei Belastung, Kopfschmerzen oder verminderte Leistungsfähigkeit kommen, sollte das abgeklärt werden. Nicht selten steht hinter «Ich bin einfach immer müde» ein behandelbarer Eisenmangel – aber eben nicht immer.
In Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit verschiebt sich der Fokus nochmals. Dann sind vor allem Folsäure, Jod, Eisen, Vitamin D und je nach Ernährung auch B12, Calcium oder Omega-3 wichtig. In dieser Phase gehören Supplemente und Dosierungen nicht in Eigenregie, sondern in eine medizinische oder ernährungsfachliche Begleitung.

Welche Lebensmittel liefern welche Vitamine?
Eine ausgewogene Ernährung deckt viele Vitamine bereits gut ab. Die Mengen hängen immer von Sorte, Reifegrad, Lagerung und Zubereitung ab. Darum sind solche Beispiele eher Orientierung als Rechenaufgabe.
Vitamin A
Vitamin A ist wichtig für Sehen, Haut, Schleimhäute und Immunsystem. Direktes Vitamin A kommt in tierischen Lebensmitteln vor, besonders in Leber, Milchprodukten, Eigelb und Fisch. Pflanzliche Lebensmittel wie Karotten, Süsskartoffeln, Aprikosen, Spinat oder Federkohl liefern Beta-Carotin, aus dem der Körper Vitamin A bilden kann.
- Leber
- Eigelb
- Milchprodukte
- Karotten
- Spinat und anderes dunkelgrünes Gemüse
Vitamin B1
Vitamin B1, auch Thiamin, ist wichtig für Energie- und Kohlenhydratstoffwechsel sowie für Nerven und Herz. Es steckt vor allem in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Haferflocken, Schweinefleisch, Kartoffeln und Nüssen.
- Vollkornbrot und Vollkornteigwaren
- Haferflocken
- Hülsenfrüchte
- Kartoffeln
- Schweinefleisch
Vitamin B2
Vitamin B2, Riboflavin, unterstützt Energiegewinnung und Stoffwechsel. Gute Quellen sind Milchprodukte, Eier, Fleisch, Fisch, Pilze, Mandeln und grünes Gemüse.
- Milch und Joghurt
- Käse
- Eier
- Champignons
- Brokkoli
Vitamin B6
Vitamin B6 ist an Eiweissstoffwechsel, Nervenfunktion und Blutbildung beteiligt. Es kommt in vielen Lebensmitteln vor, etwa in Kartoffeln, Bananen, Hülsenfrüchten, Nüssen, Fisch und Fleisch.
- Kartoffeln
- Bananen
- Kichererbsen
- Geflügel
- Avocado
Vitamin B12
Vitamin B12 wird für Blutbildung, Zellteilung und Nervensystem benötigt. Relevante Mengen finden sich in Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten. Pflanzliche Lebensmittel liefern in der Regel keine verlässlichen Mengen.
- Fleisch
- Fisch
- Eier
- Milchprodukte
Vitamin C
Vitamin C unterstützt Bindegewebe, Wundheilung und Eisenaufnahme. Besonders gute Quellen sind Peperoni, Beeren, Kiwi, Zitrusfrüchte, Kohlarten und Kartoffeln. Hitze, langes Lagern und viel Wasser beim Kochen können den Gehalt senken.
- Schwarze Johannisbeeren
- Rote Peperoni
- Kiwi
- Erdbeeren
- Orangen
Vitamin D
Vitamin D ist wichtig für Knochen, Muskeln und das Immunsystem. Es wird überwiegend in der Haut gebildet. Lebensmittel tragen nur begrenzt bei, etwa fetter Fisch, Eier und einige Pilze. Gerade in den sonnenarmen Monaten ist die Versorgung bei vielen Menschen ein Thema.
- Lachs
- Sardinen
- Hering
- Eier
- Pilze in kleinerem Umfang
Vitamin E
Vitamin E schützt Zellmembranen vor oxidativem Stress. Besonders viel steckt in pflanzlichen Ölen, Nüssen, Kernen und einigen Gemüsen.
- Mandeln
- Haselnüsse
- Sonnenblumenkerne
- Raps- und Weizenkeimöl
- Avocado
Vitamin K
Vitamin K ist wichtig für Blutgerinnung und Knochenstoffwechsel. Es steckt vor allem in grünem Blattgemüse und Kohl. Wer Medikamente zur Blutverdünnung nimmt, sollte Änderungen bei der Zufuhr nicht ohne Rücksprache machen.
- Spinat
- Brokkoli
- Kopfsalat
- Kohlarten
- Kräuter
So bleiben in Gemüse möglichst viele Vitamine erhalten
- Frisch einkaufen und nicht unnötig lange lagern
- Kühl, dunkel und passend zum Produkt aufbewahren
- Erst kurz vor dem Zubereiten schneiden
- Möglichst wenig Wasser verwenden und eher dämpfen als zerkochen
- Gemüse nur so lange garen, bis es noch Biss hat
Supplemente sinnvoll einsetzen
Nahrungsergänzung kann hilfreich sein – aber nicht als pauschale Versicherung gegen einen stressigen Alltag. Viele Produkte wirken harmlos, sind aber unnötig, zu hoch dosiert oder schlecht auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt.
Wann sinnvoll – nach Diagnose, Ernährungsform, Lebensphase
Supplemente sind vor allem dann sinnvoll, wenn ein Mangel nachgewiesen wurde, wenn deine Ernährungsform bestimmte Nährstoffe kaum liefert oder wenn du in einer Lebensphase mit erhöhtem Bedarf bist. Typische Beispiele sind:
- Vitamin B12 bei veganer Ernährung
- Folsäure vor und zu Beginn einer Schwangerschaft
- Jod in Schwangerschaft und Stillzeit nach fachlicher Empfehlung
- Eisen bei diagnostiziertem Mangel
- Vitamin D, wenn Versorgung und individuelle Situation dafür sprechen
Auch bei chronischen Darmerkrankungen, Unverträglichkeiten, Essstörungen, nach bariatrischen Eingriffen oder bei sehr restriktiver Ernährung kann eine gezielte Ergänzung nötig sein. Dann zählt Präzision mehr als ein möglichst grosses Sortiment an Präparaten.
Wann vorsichtig – Überdosierung, Wechselwirkungen, Marketing
«Viel hilft viel» gilt bei Mikronährstoffen nicht. Vor allem fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K können sich im Körper anreichern. Zu hohe Mengen sind nicht automatisch gesund und können je nach Stoff sogar schaden. Auch Mineralstoffe können Probleme machen: Zu viel Eisen reizt den Magen und sollte ohne Diagnose nicht eingenommen werden, zu viel Jod ist für die Schilddrüse nicht in jeder Situation sinnvoll, und hoch dosiertes Magnesium kann Durchfall verursachen.
Hinzu kommen Wechselwirkungen. Calcium, Magnesium, Eisen und Zink können sich bei der Aufnahme gegenseitig behindern. Eisenpräparate passen nicht einfach zu jeder Mahlzeit und nicht zu jedem Medikament. Wer Schilddrüsenhormone, bestimmte Antibiotika oder andere Dauermedikamente nimmt, sollte Ergänzungen immer mit Fachpersonen abstimmen.
Der beste Test für ein Supplement ist nicht das Marketing auf der Packung, sondern die Frage: Gibt es in meiner Situation überhaupt einen begründeten Bedarf?
Was du aus dem Nährstoff-Thema wirklich mitnehmen kannst
Du musst nicht jede Zahl kennen und auch nicht jeden Trend mitmachen. Für die meisten Frauen ist entscheidend, regelmässig und vielfältig zu essen, kritische Lebensphasen ernst zu nehmen und Beschwerden abklären zu lassen, statt sie mit beliebigen Präparaten zu überdecken.
Besonders aufmerksam lohnt es sich bei Eisen, Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Jod und Omega-3 – je nach Ernährung, Zyklus, Lebensphase und Gesundheitszustand. Wenn ein Mangel vermutet wird, bringt eine gute Abklärung mehr als Selbstdiagnosen aus dem Internet. Und wenn Supplemente sinnvoll sind, dann gezielt, passend dosiert und nicht als Dauerlösung für einen Körper, der eigentlich Ruhe, Essen oder medizinische Einordnung braucht.
Vitaminpräparate – die Pille für alles?
Nein. Nahrungsergänzung ersetzt keine ausgewogene Ernährung und auch keine medizinische Abklärung. Viele Präparate sind unnötig hoch dosiert oder kombinieren Stoffe, die im individuellen Alltag gar nicht fehlen. Dazu kommt: Nicht jedes Produkt ist automatisch besser, nur weil es «natürlich», «hochdosiert» oder «für Frauen» auf der Packung stehen hat.
Wenn du einen Mangel ausgleichen möchtest oder dich fragst, ob ein Präparat für dich Sinn macht, ist eine Rücksprache mit Ärzt:in oder Ernährungsberater:in die bessere Wahl als ein Schnellkauf. Checke ebenfalls beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln, ob diese mit künstlichen Vitaminen angereichert sind. Diese verstecken sich hinter dem ein oder anderen «E». Eine Übersicht, welches «E» was bedeutet findest du bei der SGE.
Quellen
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV, 2024, Informationen zu Nahrungsergänzungsmitteln und Nährstoffversorgung
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 2024, Referenzwerte und aktuelle Einordnung zu ausgewählten Mikronährstoffen
Bilder: Unsplash


















