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In guten und in schlechten ZeitenWie die Ehe hält, was sie verspricht

Wie eine Ehe hält? Diese Frage beschäftigt nicht nur Verheiratete, sondern auch Wissenschaftler. Forscher haben dazu viele Studien betrieben. Manche Ergebnisse sind gute Wegweiser, andere nur Stolpersteine.

Erfolgsrezepte für eine gute Ehe.

 

Die Ehe selbst ist schon tausende Jahre alt. Früher diente sie politischen Bündnisverträgen, sozialen Elitenbildungen oder religiösen Bestimmungen. Heute heiraten wir nicht mehr wie Maria Theresia, die ihre politische Macht durch ihre Ehen ausweitete. Wir heiraten auch nicht wie Matthäus, der Mann und Frau zu einem Fleisch deklarierte. Er meinte damit Sex und die Tatsache, dass es den laut Kirche erst mit Trauschein gibt. Politik, Gesellschaft und Religion zwingen uns heute nicht mehr zum Heiraten. Warum heiraten wir dann überhaupt noch?

 

Romantische Liebesidee in starrem Vertrag

Die Antwort ist: Romantik! Im 19. Jahrhundert etablierte sich die Liebesheirat unter den Bürgerlichen. Die Ehe war nicht mehr Zweck, sondern tiefe Leidenschaft. Doch leider hatte das einen Haken: Kann man bedingungslose Liebe mit starren Verträgen besiegeln? Was wenn das Feuer erlischt? Auf die romantische Ehe folgten mehr und mehr Scheidungen.     

Doch die romantische Liebesheirat lässt viele bis heute nicht locker. Zu schön ist der Gedanke, mit dem geliebten Partner das ganze Leben zu verbringen. Wieso sollten wir nicht unser Glück versuchen? Das die Ehe auch enden kann, sollte nicht abschrecken. Schliesslich ist der Weg das Ziel. Was müssen wir auf diesem Weg beachten? Die Forscher haben viele Studien dazu betrieben. Manche Ergebnisse sind nützliche Wegweiser, andere sind  wohl nur Stolpersteine. Was die Studien sagen und was wirklich dahinter steckt…

7 Rezepte für eine gute Ehe

Höheres Heiratsalter, höheres Eheglück

Studien haben ergeben, dass das Scheidungsrisiko sinkt, wenn Partner später heiraten. Das macht Sinn. Jedes zusätzliche Lebensjahr bringt mehr Erfahrung und sorgt für eine solidere Partnerschaft. Man kennt sich selbst, seine Erwartungen und eigene Macken besser und hat gelernt, dass sich Menschen nicht verändern lassen. Im Rentenalter wird hingegen über die Ehe gelacht. Unter Senioren entwickelt sich der Trend zurück zum Konkubinat, da Senioren darin das höchste Potential sehen, glücklich zu werden, so eine Untersuchung der Universität Heidelberg.

Clevere Ehefrauen

Scheidungsforscher der Universität Köln behaupten, dass eine Beziehung gefährdet ist, wenn die Frau gebildeter als ihr Ehemann ist oder einen Vollzeitjob hat.Schlau und reich gefällt Männern nicht? Von wegen sagen Genfer Wissenschaftler! Forscher der Fachhochschule für Wirtschaft in Genf haben Schweizer Paare fünf Jahre lang beobachtet und untersucht, welche Faktoren eine Beziehung beeinflussen. Daraus errechneten sie eine Eheglücksformel: Wenn beide keine früheren Scheidungen hinter sich haben, der Mann mindestens fünf Jahre älter ist und die Frau gebildeter, dann gibt es eine glückliche Beziehung.Die Rollenverteilung ist ebenfalls im Wandel: neue Konstellationen wie Karrierefrau und Hausmann nehmen zu.

Starkes Selbstbewusstsein

Manche Studien helfen kaum dem Eheglück, sondern streuen nur Salz in die Wunde. Laut einer Studie der Psychologin Judith Wallerstein aus Marounty lassen sich Scheidungskinder häufiger scheiden. Sind Scheidungskinder also zum Scheiden verdammt? Zum Glück nicht. Wallersteins Studie ist längst überholt. Professor Remo H. Largo, Leiter der Abteilung Wachstum und Entwicklung am Universitäts-Kinderspital Zürich, berichtet in einem Interview mit dem Magazin GEO Wissen, dass Scheidungskinder ihr Selbstwertgefühl mehr über sich als über andere definieren. Scheidungskinder haben also ein starkes Selbstbewusstsein – eine gute Voraussetzung für eine gelingende Ehe.    

Zahl der Hochzeitsgäste = Zahl der Ehejahre?

Manche Studienergebnisse klingen beinahe esoterisch: Angeblich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Zahl der Hochzeitsgäste und der Zahl der Ehejahre. Waren viele Gäste bei der Hochzeit anwesend, hält die Ehe länger. Manch eine Promi-Ehe liefert den empirischen Gegenbeweis: Die Ehe von Kim Kardashian und Kris Humphries hielt 72 Tage. Dabei feierten sie eine Hochzeit vor einem Millionen-TV-Publikum.

Flexible Treue

Die Kölner Scheidungsforscher stellten fest, dass ein Seitensprung das Scheidungsrisiko drastisch erhöht. Das überrascht kaum. Wer betrogen wird, verliert das Vertrauen zu seinem Partner. Ist der Seitensprung aber besprochene Sache, kann es auch gut gehen. Sexualwissenschaftler Erwin Haeberle hält die «flexible Monogamie» für das Ehe-Konzept der Zukunft. Dazu zählen die offene Ehe, die Ehe auf Zeit und die Zwei-Stufen-Ehe. Bei der offenen Ehe ist Sex mit anderen erlaubt. Die Ehe auf Zeit basiert auf einem Zeitvertrag, der nach Ablauf erneuert werden kann oder nicht. Bei der Zwei-Stufen-Ehe können beide Partner heiraten, wenn sie jedoch Kinder kriegen wollen, müssen sie eine weitere Erlaubnis beantragen.

Kommunikation und Teamgeist

Verschiedenen Studien zufolge ist es gerade der alltägliche Stress, der langsam an der Beziehung nagt. Job, Haushalt und Kind sind eine grosse Bewährungsprobe für eine Ehe. Halten Faktoren wie Geldprobleme, Streit und Zeitmangel an, steigt das Scheidungsrisiko. Paare sollten sich gezielt Zeit nehmen, um die Probleme in Ruhe zu besprechen. Steht das Paar die Stressphasen gemeinsam durch, sinkt das Scheidungsrisiko wieder und der Teamgeist steigt.  

Eine glückliche Ehe: das Geheimrezept

Die Ehe hat viele Störfaktoren. Laut des Statistischen Bundesamtes der Schweiz hält sie im Durchschnitt verflixte 14,5 Jahre. Wollen Sie mit Ihrem Ehemann länger glücklich bleiben? Dafür gibt es ein Geheimrezept. Machen Sie sich frei von bitteren Studienergebnissen und Scheidungsstatistiken und sehen Sie es mit Humor. Auch die Tücken Ihrer Ehe lockern sich auf, wenn Sie herzlich drüber lachen. Und das steigert das Eheglück: Paartherapeuten stellen immer wieder fest, dass eine Ehe besonders gut hält, wenn beide Partner übereinander und miteinander lachen können.

Foto: iStock

 

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