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HIIT im TestWir waren im Boot Camp - und haben überlebt.

Was wirklich hinter dem Boot Camp steckt, verrät der Spitzname des Camps: Willkommen im Blut Camp!

Freier Himmel, ein professioneller Trainer und Teamgeist - das sind die schönen Seiten des neuen Fitnesstrends HIIT im Boot Camp. Was wirklich dahinter steckt, verrät der Spitzname des Camps: Willkommen im Blut Camp! Unsere Redakteurin hat es gewagt. Und überlebt.

Eigentlich halte ich mich für sportlich. Allerdings bin ich oft zu vorschnell, weshalb ich mich bei Original Bootcamp zu meinem ersten HIIT (High Intensity Intervall Training) angemeldet habe: Dienstag, 17:45 Uhr, Treffen am Stadtwald. Und tatsächlich stehen da auch schon die anderen Camp-Teilnehmer samt Trainer Claas und empfangen mit den Worten: «Hey Linda, schön, dass Du da bist. Willkommen im Blut-Camp.» Alle lachen. Ich tue auch so, als ob.

Trainer Claas ist jedoch Pädagoge genug, um mir den Schrecken anzusehen. «Keine Sorge! Wir nennen es nur deshalb Blut-Camp, weil sich Frank letzte Woche an einem Grashalm geschnitten hat.» Na gut, das ist wirklich lustig. Ich lache. Noch!

HIIT – High Intensity Intervalltraining

Das High Intensity Intervalltraining (HIIT) ist eine Spielart des Functional Trainings, dass sowohl Ausdauer- und Kraft trainiert. Intensive Belastungsphasen wechseln sich hier mit kurzen Ruhephasen ab. Viele HIIT-Workouts folgen dem Motto: Kurz und schmerzhaft! Eine Einheit dauert manchmal nur 30 min. HIIT in Fitness Boot Camps wird an der frischen Luft, in Gruppen und unter Anleitung eines professionellen Trainers absolviert. Eine Einheit dauert meist eine Stunde.
Weitere Infos zum Beispiel unter: www.original-bootcamp.com

Fitness Boot Camp: Training unter freiem Himmel

Die Turnschnuhe werden geschnürt und gemeinsam geht’s zu einer nahe gelegenen Lichtung. Zeit für eine Wettbewerbsanalyse: Insgesamt sind wir neun Teilnehmer, zwischen 20 und 50 Jahren. Sportlich sehen  alle aus, aber noch im Normalmass; jedenfalls fühle ich mich noch konkurrenzfähig. Meine Mitstreiter absolvieren das High Intensity Intervall Training zwar schon zum wiederholten Mal, aber als Extremsportler versteht sich keiner.

Jetzt ist Aufwärmen angesagt. Claas macht vor, wir machen nach: Schulter kreisen, Strecken, Dehnen, Hüpfen, Ausfallschritte. Übungen, die vielleicht meine Muskeln wärmen, meinen Sportsgeist aber kalt lassen. Und während ich so siegersicher meine Waden dehne, schweift mein Blick vorbei an den konzentrierten Gesichtern meiner Mitstreiter, über die saftig grüne Wiese, hin zum Waldrand, den Parkbänken, hinauf in den blitze-blauen Himmel und zur warmen Abendsonne, die unser kleines Turn-Treff in eine lauschige Atmosphäre taucht. «Training unter freiem Himmel ist echt schön», störe ich die Warmup-Ruhe. «Stimmt», sagen die anderen. «Bei Sonne ist es super, der Thrill kommt erst bei Regen und Kälte. Das Boot Camp ist nichts für Schön-Wetter-Sportler.» Adieu, Romantik.

Fertig, bevor es los geht

Selbstversuch Fitness Boot Camp: Mein erstes High Intensity Intervall Training (HIIT)

Claas teilt uns HIIT-Jünger in drei Gruppen und erklärt die erste Übung: Unterarmstütz. Die Fussspitzen und Unterarme berühren den Boden, der restliche Körper wird waagerecht in der Luft gehalten. Währenddessen muss ein Mitglied zur grossen Eiche am Wiesenrand rennen, hier eine Karte aufsammeln und die darauf beschriebene Übung ausführen. Vom Hampelmann über Liegestütz bis hin zu Kniebeugen ist alles dabei. Ist die Übung absolviert, rennt der Teilnehmer zurück zu seiner Gruppe, positioniert sich wieder im Unterarmstütz und ein anderer Gruppenteilnehmer rennt los. Klingt easy, ist es aber nicht. Das Anstrengende sind dabei gar nicht mal die Übungen, sondern das Verharren im Unterarmstütz. Meine Muskeln zittern. Der erste Schweisstropfen tropft von der Nase. Und gerade so schaffe ich es, meinen Kopf weit genug vom Boden zu heben, dass ich nicht ins Gras beisse. Verdammt, denke ich und stimme dem Gebrüll meines Team-Partner Thomas ein, der gerade Teampartner Frank bei seinem Spurt zur Eiche antreibt: «Los schneller. Frank, Du lahme Schnecke, Mach hin. Ich kann nicht mehr halten.» Der Ton ist scharf, aber irgendwie lustig.

Strafe gehört zum Boot Camp

Die Gruppe, die die meisten Übungszettel absolviert hat, gewinnt. Und zwar eine kurze Verschnaufpause, während die Verlierer-Gruppen zehn Straf-Übungen durchführen müssen. Natürlich war ich nicht in der Gewinnergruppe. Aber die Ruhepause der Sieger währt auch nur kurz. Denn es geht direkt weiter. Und zwar mit dem eigentlichen HIIT. «Bisher war alles nur Aufwärmphase», sagt Claas und raubt mir die letzte Illusion meiner persönlichen Fitness. Mein Puls fühlt ähnlich und bewegt sich irgendwo zwischen 180 und Overkill.

Teammotivation für den Kraft- und Ausdauer-Zirkel

Die anderen schnauben zum Glück auch. Wenn die das packen, packe ich das auch. Immerhin muss ich zugeben: Es macht Spass. Also folgen wir den Anweisungen unseres allzeit fröhlichen HIIT-Trainers. Der erste Intervall-Zirkel ist ein Ausdauer-Parcours. Hier muss man hüpfen, rennen, Hampelmänner springen, Kniebeugen machen und mit hoch gezogenen Knien über kleine Stangen traben. Beim anderen Zirkel sind Krafttraining-Stationen aufgebaut. Hier gilt es Hanteln zu stemmen, Medizinbälle zu werfen und diverse Übungen mit dem eigenen Körpergewicht zu absolvieren.

Und schon ist die Musik an. Alle Teilnehmer gehen auf eine Übungsposition, führen diese durch und rennen schnurstracks zur nächsten Station. Wer trödelt, trainiert nicht nur zu lasch, sondern stört die Gruppendynamik. Also stemmen, rennen, hüpfen alle wie von der Tarantel gestochen. Mogeln geht leider auch nicht. Claas hat seine Augen überall. Er wechselt zwischen den Stationen, korrigiert, spornt an und sieht aus dem Augenwinkel, wenn ich versuche mich mit sieben statt zehn Kniebeugen davon zu stehlen. Damn it! Nach zwei Runden Ausdauerzirkel stoppt die Musik. Kurze Pause. Danach wechseln wir zum Kraft-Parcours. Was ich bis dahin noch nicht weiss: Das ganze Spiel wird anschliessend noch mal wiederholt. Vielleicht ist es auch gut, dass ich diese Vorahnung nicht habe. Denn ich gebe bereits in der ersten Runde alles.

Fertig! Aber fröhlich!

Selbstversuch Fitness Boot Camp: Mein erstes High Intensity Intervall Training (HIIT)

Es ist zwar anstrengend, die Übungen unter freiem Himmel fühlen sich aber noch wie ein Klassentreffen auf dem Abenteuerspielplatz an als das, was es ist effektiv ist: ein intensives Karft- und Ausdauertraining. Wir Blut-Campler sind Leidensgenossen, pushen uns gegenseitig und versuchen nicht vom Trainer erwischt zu werden. Dazu ein Spätsommerabend, frische Luft, coole Musik. Bisher bin ich Boot Camp Fan.

Doch dann kommt Runde zwei. Nochmal an den Ausdauerzirkel. Nochmal die Kraftstationen. Nochmal Claas. Nur diesmal mit deutlich weniger Power. Ich pfeife auf dem letzten Loch. Die Arme zittern. Die Beine sind schwer wie Blei. Ich bete, bange, beschimpfe Claas und gehe genau in dem Moment erschöpft zu Boden, als die Musik endet. Ich kann nicht mehr, die anderen auch nicht. habe es geschafft. Ich habe mich weder blamiert, noch die Gruppe hängen lassen. Stattdessen habe ich etwas für meine Bikinifigur getan und dabei sogar echt Spass, eine tolle Aussicht und ein tolles Team-Gefühl gehabt. So bade ich in Schweiss, aber ehrlich gesagt auch ein wenig im Triumph. Ich Bevor es zum gemeinsamen Cooldown geht, klatschen wir uns gegenseitig ab. YES, we can!

Das war also mein erstes Boot Camp. Bluten tut zum Glück keiner. Dafür fliesst eine Menge Herzblut. Alle wollen wieder kommen. Ich auch. Zumindest habe ich das in der ganzen Euphorie gesagt. Doch versprochen ist versprochen. Ein Boot Camp ist eben nichts für Kneifer!

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Titelbild: Original Bootcamp

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