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POWER PLATE IM TESTRüttel mich zur Traumfigur!

Das Vibrationstraining mit der Power Plate verspricht sportliche Erfolge bei einer Trainingszeit von nur zehn Minuten. So viel Zeit hat jeder. Sogar unsere rasende Reporterin Linda Freutel. Sie hat das Power Plate Training getestet. Und wurde wachgerüttelt!

Unsere Reporterin Linda Freutel hat das Power Plate Training getestet. Und wurde wachgerüttelt!

Drauf stellen, durchschütteln lassen und mit einem guten Gefühl und einer noch besseren Figur nach wenigen Minuten das Studio wieder verlassen. Ich bin ehrlich: So ähnlich habe ich mir das Training mit der Power Plate vorgestellt.

Ich bin zwar weder ein Bewegungsmuffel, noch sportlich unerfahren, aber ich glaube nun mal gern an das, was die Werbung mir sagt. Manchmal vielleicht etwas zu gern. Vor allem dann, wenn Power Plate mit wohl klingenden Werbeslogans, wie dem «10 Minuten Erfolg» lockt. Ganz so einfach ist es in Wahrheit aber nicht. Das musste ich in meinem Selbstversuch in Sachen Power Plate Training nun auch feststellen.

Power Plate Risiken: Profis kläre auf

Doch fangen wir von vorne an. Und zwar mit meinem ersten Besuch beim Power Plate Training. Ich meldete mich hierfür in einem örtlichen Power Plate Studio an. Ein eigenes Gerät zu kaufen kommt für mich, ob der Kosten (ab circa 3000 Euro) und mangels Platz, nicht in Frage. Abgesehen davon finde ich es ohnehin viel motivierender zum Training in ein Studio zu gehen. Der Trainer dort war mir gleich sympathisch.

Dass ich bei meinen ersten Trainingseinheiten mit der Schüttelplatte eine professionelle Einweisung bekomme, ist für die Sportprofis von Power Plate Ehrensache. Wer ohne Profi-Einweisung los lege, trainiere nicht nur uneffektiv, sondern vermutlich auch ungesund. Migräne oder Gelenkschmerzen können die Folgen falschen Trainings sein.

Wachgerüttelt: Bitte nicht nachmachen!

Es geht also los. Ich stehe mit meinem Trainer vor der Schüttelmaschine und soll mich das erste Mal drauf stellen, einfach so, zum Einfühlen.

Vor lauter Aufregung habe ich allerdings nur mit halbem Ohr zugehört, bin daher etwas voreilig auf die Platte gehüpft und wurde dafür auch prompt und buchstäblich wachgerüttelt: Das Vibrieren, was mich auf der Power Plate empfangen hat, war nicht bloss ein leichtes Schütteln, sondern ein handfestes Shaken. Es rüttelte sich durch Mark und Bein und zitterte bis in die kleinsten Windungen meines Schädels. Sogar die Zähne klappern und durch die Knie fährt ein vibrierendes Stechen. Autsch! Was war das denn?

Trainingsregel: Erst anspannen, dann schütteln

Mein Trainer beobachtete mich, lächelt wissend und rettet mich geschwind per Tastendruck. Das Schütteln stoppt. Dann folgt die Standpauke: Genau das könne passieren, wenn man falsch trainiert und die Intensität des Gerätes unterschätzt, mahnt er mich. Regel Nummer eins beim Power Plate Workout lautet nämlich: Niemals ohne Grundspannung und stets mit leicht gebeugten Gelenken (niemals durchgestreckt!) auf die Platte steigen.

Neuer Versuch. Einmal tief einatmen, Po, Bauch, Rücken und Beine anspannen, Knie leicht beugen und los geht’s: Ich wage mich tatsächlich wieder auf die Schüttelplatte und verharre dort für ein Intervall von etwa zehn Sekunden. Augen zu und durch. Diesmal ist es gar nicht so schlimm. Zwar spüre ich eine deutliche Vibration, aber auf keine unangenehme Weise.

Das dreidimensionale Schütteln der Platte transportiert sich wieder in jeden Winkel meines Körpers, doch diesmal ohne zu schmerzen. Es fordert mich vielmehr auf, meine Körperspannung (und damit die Trainingsintensität) noch mehr zu intensivieren. Das ist anstrengend, aber aushaltbar. Jedenfalls für’s Erste. Denn nach drei Intervallen höre ich wieder die Trainerstimme. Sie sagt, dass ich jetzt soweit bin und wir mit Training loslegen könnten. Loslegen? Ich dachte wir sind schon mitten dabei?

Ohne Schweiss kein Preis: Power Plate Übungen

Und los geht’s: Der Trainer stellt die Power Plate so ein, dass sich die Schüttelintervalle auf 30 Sekunden verlängern und erklärt mir, dass ich bei den nächsten Intervallen Übungen, wie die Kniebeuge, einen Ausfallschritt und Sit-ups auf dem Gerät machen soll. All das sind Übungen, die ich auch in meinem gewöhnlichen Workout durchführe. Es kann also nicht so wild werden, dachte ich jedenfalls. Denn die Übungen unter Vibrationseinfluss durchzuführen ist deutlich anstrengender, als gewohnt.

Das Schütteln der Power Plate fordert die Muskulatur des gesamten Körpers auf, die Grundspannung noch weiter zu erhöhen, um der Vibration Stand und den Körper ruhig zu halten. Die muskuläre Belastung der Übung selbst ist natürlich auch nicht ohne. Man glaubt nicht, wie lang 30 Sekunden sein können. Die Zeit zum anschliessenden Ausruhen ist auch nur kurz. Nach wenigen Sekunden startet das nächste Intervall und mit ihm die nächste Übung.

Ingesamt 15 Minuten vollzieht sich dieser Wechsel aus Vibrationsübungen und Pausen, danach bin ich merklich erschöpft und freue mich über das Relax-Programm. Die Power Plate läuft hierbei in einem sanften Vibrationsintervall, bei dem sich Muskeln entspannen, Verspannungen lösen und die Durchblutung gefördert werden soll. Dieser Erholungsmodus fühlt sich gut an. Ebenso wie mein Körper. Ich bin ausgepowert und voller Stolz mein erste Power Plate Training absolviert zu haben. In drei Tagen habe ich die nächste Verabredung mit dem Trainer. Bis dahin soll ich mich ausruhen. Genau dazu zwingt mich mein Muskelkater auch.

Erfahrungsbericht Power Plate: Mein Fazit

Ich gebe es zu: Ich habe die Power Plate unterschätzt. Ich habe mit einem soften Hausfrauen-Training gerechnet, das mich auf kurzem Weg zu meinem Ziel «Traumfigur» bringt. Die ganze Wahrheit ist aber: Das Training mit der Power Plate ist ein schweisstreibendes Workout. Die Kürze der Zeit ändert dabei rein gar nichts an seiner Effizienz. Sogar das Gegenteil ist der Fall. Dadurch, dass die Vibrationen sämtliche Körperpartien erreicht und hier alle Muskelstränge gleichzeitig fordert, ist der Kraftaufwand exponentiell.

Allerdings muss man der Fairness halber auch eines sagen: Nicht allein die Power Plate hat mich ins Schwitzen gebracht. Es war vor allem die Motivation, Anleitung und Konsequenz meines Trainers. Er hat darauf geachtet, dass ich bei den Übungen nicht schummle. Denn genau darin besteht die Gefahr: Die Power Plate ist kein Selbstläufer.

Den versprochenen «10 Minuten Erfolg» gibt es nur dann, wenn man sich auch selbst anstrengt. Die Platte kann vielleicht die Muskeln, aber keineswegs den inneren Schweinehund wach rütteln. Schwitzen muss man schon selbst. Und die Übungen konsequent ausführen ebenfalls. Doch mit der nötigen Disziplin scheint die Rechnung aufzugehen: Zehn Minuten Power Plate Training wirken wie 1,5 Stunden normalen Workouts. Und Spass macht das Geschüttel irgendwie auch.

Ob es auch tatsächlich den gewünschten Erfolg bringt, also Cellulite mindert, Muskeln stählert und den Köper bikini-fit macht, zeigt wohl erst der Langzeit-Test. Doch dafür müsste ich mit meinem inneren Schweinehund reden. Mal sehen, ob ich den wachrütteln kann.

Foto: Power Plate

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