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WOHNUNGSSUCHEKämpfst du noch oder wohnst du schon?

Wer heutzutage ein anständiges Dach über dem Kopf haben will, geht durch die Hölle. Es blühen Massenbesichtigungen und Bewerbungen wie um Managerpositionen. Doch wer clever auf Wohnungssuche geht, wohnt schon, während andere noch fighten.

Wohnungssuche

Es ist ein einziges grosses Trauerspiel. Der Immobilienmarkt gleicht einem Schlachtfeld. Und wäre man nicht selbst der leidtragende Wohnungssuchende, dann wäre es einfach nur ganz grosses Kino. Von Aussen betrachtet, mag es amüsant sein, wie sich die Horden an willigen Mietern durch die engen Gänge der Wohnräume quetschen, wie die faulsten und verkatertsten Studenten plötzlich um sieben Uhr morgens auf der frisch gebürsteten Türmatte stehen und wie verbissen jeder einzelne den Vermieter mit dem entzückendsten Lächeln an- und somit die feindlichen Lager zu überstrahlen versucht.

Da werden verlebte 40jährige mit tiefen Krächzorganen plötzlich zu Nichtrauchern und beste Freunde zu verliebten Paaren. Zusammen sind sie natürlich schon ewig. Ein literarisches Drama ist nichts dagegen. Die Emotionen kochen hoch, die Wohnungssuche gestaltet sich als ein dreckiger Sumpf aus Intrigen. Auch von Bestechung ist die Rede. Nicht selten hat der Hauptmieter einer WG plötzlich ein traumhaftes Wochenende vor sich, mit mindestens zehn Veranstaltungstipps und Partyeinladungen von potenziellen und äusserst verzweifelten Mitbewohnern. You gotta fight for you right to live und so weiter. Ok, da muss man durch, keine Frage. Wohnungen sucht man nicht mehr, man prügelt sich darum. Dennoch kann man die Nerven bewahren, wenn man einfach cleverer sucht. Wir haben hier einige Tipps und Tricks für die Wohnungssuche gesammelt.

Vorbereitung ist alles: Erstmal die richtige Wohnung finden

Budget-Check

Beim ersten Überfliegen der Wohnungsanzeigen werden die meisten wohl erst einmal preislich aussortieren und die zu teuren Objekte direkt verwerfen. Anstatt nach dem Traumschloss zu greifen, sollte man beim Budget realistisch bleiben und der traurigen Wahrheit ins höhnende Auge blicken: Der Mietzins sollte nicht mehr als ein Drittel des Einkommens ausmachen. Denn natürlich lauern hier Gefahren, die uns ganz schnell alle Haare vom gut gepflegten Kopf fressen können. Die Miete kann nämlich – sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind – auf den erstmöglichen Kündigungstermin hin erhöht werden und so kann das Geld schnell knapp werden.

Ausserdem muss davor gewarnt werden, dass Akontozahlungen für Nebenkosten oft nicht kostendeckend sind. Es kann also vorkommen, dass am Ende der Abrechnungsperiode eine weitere Rechung ins Haus flattert und wir unsere Traumwohnung überstürzt wieder verlassen müssen.

Wissen, was man will

Zuallererst sollte man sich im Klaren darüber sein, wonach man überhaupt sucht, was einem wichtig ist und worauf man nicht verzichten will. Dabei zählen die individuellen Bedürfnisse. Es soll ja Menschen geben, die nie duschen, sondern nur baden. Unter Umständen muss man dann Kompromisse eingehen. Das heisst, sich vielleicht zugunsten eines kleinen, hübschen Balkons dazu durchzuringen, den Körper im Stehen zu reinigen oder in Kauf zu nehmen, das Bad auf beengtem Raum einzunehmen. Falls gewisse Dinge unumgänglich sein sollten, ist es ratsam, eine kleine Checkliste anzulegen, die bei der Wohnungssuche abgearbeitet werden kann.

Zeit ist (nicht unbedingt) Geld

Im Kampf um die perfekte (oder am leichtesten zu ergatterndste) Wohnung kann es schon mal vorkommen, dass man vorschnell den Stift zückt und unterschreibt, weil man nur allzu froh ist, in der Wohnschlacht nicht gefallen zu sein. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Wer den Mietvertrag einmal unterschrieben hat, kommt so schnell nicht wieder raus, sondern muss kündigen und bis zum nächsten Kündigungstermin oder Nachmieterantritt zahlen. Also: Zeit lassen und gewissenhaft suchen lohnt sich!

Du bist, wo du wohnst

Muss es denn unbedingt die Langstrasse sein? Muss man dem Hipstertum denn überall hin folgen? Nein, muss man nicht. Vielleicht wenden wir unseren Schlafzimmerblick ganz visionär in die Zukunft und bewegen uns vom gehypeten Zürcher Kreis 4 in den aufstrebenden Kreis 5. Generell bietet es sich an, auch Randgebieten oder neuen Vierteln, die noch im Kommen sind, Aufmerksamkeit zu schenken. Die sind meist bezahlbarer und da sich eine Stadt stets im Wandel befindet, wird auch der coolste Stadtteil schnell out. Also: nach vorne blicken und weniger zahlen!

Wo & wie finde ich die richtige Wohnung?

Keep on surfin'

Die Zeiten, in denen man morgens am Frühstücktisch sass und potentielle Wohnungen einkreiste sind vorbei. Heute sitzt man mit seinem Mac bei Starbucks und checkt online die Wohnungsbörsen. Ein hipper Geheimtipp für Inserate ist Ron Orp, der für jede grössere Stadt gute Angebote hat. Ganz Faule abonnieren einfach einen Wohnungs-Newsletter oder liken die Wohnungsserie «Wohnung frei in ...» auf Facebook, die es beispielsweise für Zürich oder Basel gibt. So erscheinen aktuelle Angebote ohne jeglichen Aufwand auf deinem Email-Account oder deinem Facebook-Newsfeed. Wer nichts gegen Bewegung einzuwenden hat, der checkt die Schwarzen Bretter an der Uni. Auch in Supermärkten findet man oft kurzfristig Annoncen.

Mund zu Mund-Propaganda

Die meisten Wohnungen werden unter der Hand vergeben. Deshalb parallel zur virtuellen Wohnungssuche unbedingt das eigene Netzwerk aktivieren! Bei wem es drängt: Freunde zuspamen, was das Zeug hält, penetrant und wiederholt das eigene Leid auf Facebook klagen oder den Vermieter von Freunden direkt ansprechen. Das wiederum sollte man unterlassen, wenn besagte Freunde für legendäre WG-Parties berüchtigt sind. Funktionieren könnte das aber theoretisch trotzdem, weil auch Vermieter in der Regel keine Lust haben, dem herzerreissenden Buhlen um das eigene Wohnobjekt beizuwohnen. Liquide Mieter sollen her und das möglichst unkompliziert.

Anmeldefrist

Eine andere, relativ unkomplizierte Alternative, an günstige Wohnungen zu kommen, ist es, Beratungsstellen, Liegenschaftsverwaltungen, Sozialämter und Baugenossenschaften anzuschreiben. Jede Menge Liegenschaftsverwaltungen verfügen über Wartelisten, in die man sich eintragen kann. Kann nie schaden!

Jetzt wird’s ernst: Der perfekte Besichtigungstermin

Bitte nichts vergessen!

Eine Wohnungsbesichtigung ist wie ein Aufnahmetest. Seine Konkurrenten hasst man aus Prinzip, seine Vermieter versucht man zu bezirzen und bei einer Absage ist man traurig. Bevor man aber seinen zauberhaften Charme zu versprühen gedenkt, muss Sorgfalt walten: wer mit chaotischer Zettelwirtschaft daherkommt, kann gleich wieder gehen. Stelle deine Bewerbungsunterlagen rechtzeitig zusammen und vergiss nichts. Wichtig sind vor allem ein aktueller Betreibungsregisterauszug, eine Kopie dessen und ein überzeugendes Bewerbungsschreiben. Auf maximal einer Seite muss dann argumentiert werden, als als wäre die Wohnung das eigene Leben, das es zu verteidigen gilt.

Was unbedingt stets mit aufs eigene Loblied gesetzt werden muss, sind Referenzpersonen (frühere Arbeitgeber, Vermieter) samt Telefonnummern. Ein sauberes und vollständiges Bewerbungsschreiben ist die halbe Miete. Dabei ist weniger mehr. Auch Makler und Vermieter haben keine Lust, ganze Bücher auf der Suche nach dem perfekten Mieter zu wälzen. Studenten und Schüler sollten ausserdem jemanden vorweisen können, der für sie bürgt. Jetzt muss also auch noch das Elternhaus umgarnt werden. Der gewitzte und hoch-motivierte Miet-Aspirant trägt seine Bewerbungsmappe auch bei jeder Gelegenheit bei sich. Gemäss dem Motto «The Survival of the fastest», kannst du diese dem Makler oder Vermieter in Rekordzeit in die Hand drücken, wenn du meinst, genau diese Wohnung unbedingt haben zu müssen. Das individuelle Anschreiben reichst du dann einfach nach. Bloss keine Zeit verlieren!

Der kleine, aber feine Unterschied

Wer so viel Stress, Feindseligkeit und Konkurrenzkampf in Kauf nimmt, der möchte die Katze nicht im Sack kaufen, denn im Sack ist es bekanntlich dunkel. Versuchen Sie also, einen Besichtigungstermin unter Tags zu ergattern, um die Lichtverhältnis genau inspizieren zu können. Bei Tageslicht bedeutet ausserdem, Sie haben die Abendbesucher bereits zeitlich abgehängt. Check!

Spitze ausserdem die Ohren und versuche, mögliche Lärmquellen ausfindig zu machen. Kontrolliere dabei auch die Nachbarschaft mit aufmerksamen Adlersaugen. Schleppe am Besten eine Vertrauensperson mit, denn je mehr Augen desto besser.

Wir wünschen dir viel Glück, Erfolg und Durchhaltevermögen!
Und vergiss nie: In der Liebe und im Wohnungskrieg ist alles erlaubt!

Bild: Jonas Denil/Unsplash

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