Online-DatingLiebe online ist genauso kompliziert wie offline

Über Online-Dating gibt es viele Vorurteile. Zum Beispiel, dass da ziemlich viel gelogen wird. Ein Experiment zeigt jetzt, dass es eigentlich vollkommen egal ist, wie viel Sie flunkern. Hauptsache, Ihr Profilbild stimmt.

Singlebörsen versprechen grössere Datingchancen. Ist das so?

Mit der Erfindung des Online-Datings sollte das Kennenlernen für Singles eigentlich viel einfacher werden. Schliesslich wartet im Netz ein viel grösserer Pool an potentiellen Kandidaten, während man sonst gezwungen ist aus dem begrenzten Single-Teich der eigenen unmittelbaren Lebenswelt zu fischen. Denn wenn man Pech hat, ist der favorisierte Single-Kollege auch schon Ihrer, zugegeben, heissen Chefin ins Auge gefallen.

Doch dass durch die schiere Masse im Netz die Konkurrenz aufhört, ist ein optimistischer Trugschluss. Auch beim Online-Dating steht man im direkten Wettbewerb mit allen anderen Geschlechtsgenossinnen. Ist also die Suche nach Liebe, Dates, Sex und Affären online einfach genauso schwer oder leicht wie offline, fragte sich der amerikanische Autor Jon Millward, und wagte einen interessanten Versuch.

Das Online-Dating-Experiment: Fakeprofile und Schönheitsskalen

Um zu überprüfen, wie sich die Erfahrungen mit Singlebörsen für mehr oder weniger attraktive Menschen sowie für Männer und Frauen unterscheiden, kreierte der amerikanische Autor Jon Millward zehn Fake-Profile auf der derzeit beliebtesten und am schnellsten wachsenden Datingseite OKCupid.

Die Profile zum Online-Dating setzten sich aus drei Elementen zusammen. Dem Steckbrief mit persönlichen Angaben, wie Name, Beruf oder Hobbies, dem Profilbild und einem Fragebogen, der dazu dienen soll, Gleichgesinnte in der Masse zu finden. Um zu testen, welchen Erfolg die blosse körperliche Erscheinung hat, gab er allen Scheinpersonen ähnlich klingende Namen, beantwortete die Fragen gleich und machte dieselben Angaben im Steckbrief. Nur das Profilbild sollte sich unterscheiden - und zwar nach Attraktivität. Dazu suchte Millward jeweils fünf Bilder von Frauen, die sich seiner Meinung nach in ihrer körperlichen Attraktivität unterschieden, und liess sie von einer unabhängigen Jury in ein Schönheits-Ranking bringen.

Um durch seine eigene Aktivität keinen Einfluss auf den Erfolg der einzelnen Scheinprofile zu nehmen, wertete Millward nur die ohne Aufforderung zugesandten Nachrichten aus und beantwortete auch keine. Nach dem die Profile freigeschaltet waren, erhielt Millward schon binnen 24 Stunden 90 Nachrichten.

Alle Frauen durften sich über unaufgeforderte Annäherungsversuche freuen. Wobei die (nach dem Jury-Ranking) Attraktivste 30 Nachrichten erhielt, die Zweitplazierte 45, die Dritte elf und die letzten beiden je eine. Damit erhielten die zwei attraktivsten Frauenprofile 581 Prozent mehr Nachrichten als die übrigen drei. Aber immer noch besser Frau als Mann zu sein, wenn es um Onlinedating geht. Bei den Männern erhielten nur einer (laut Jury der Zweitattraktivste) zwei Nachrichten innerhalb des ersten Tages.

13 Tage vs. 2,3 Jahre

Um sicher zu gehen, dass es sich um keinen Zufall und kein amerikanisches Phänomen handelte, wiederholte Millward das Experiment für vier Monate in Grossbritanien und kam wieder zu sehr ähnlichen Ergebnissen. Während das E-mail Postfach der Beliebtesten schon nach 13 Tagen voll war, würde es für den beliebtesten Mann bei gleichbleibender Häufigkeit 2,3 Jahre dauern sein Postfach voll zu machen.

Damit bestätigte sich im Online-Dating, was sich auch ein einer ganz normalen Bar beobachten lässt. Noch immer sind es die Männer, die den ersten Schritt machen müssen und die hübschesten Mädchen scharen die meisten Kerle um sich. Aber Männer wie Frauen geben sich lieber mit dem Zweitschönsten zufrieden, bevor sie sich vielleicht die Finger verbrennen.

Bild: iStock

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