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PsychosomatikWenn die Seele den Körper krank macht

Körper und Seele bilden eine untrennbare Einheit. Nicht selten machen sich psychische Leiden deshalb auch durch physische Krankheitssymptome bemerkbar. Dies können Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Ohrengeräusche oder Halskratzen sein. Die Psychosomatik untersucht, was dein Körper über dein Seelenleben verrät indem sie sich die Wechselbeziehung von Körper und Seele genau ansieht. 

Frau schaut nach hinten und umarmt sich selbst

Psychosomatik: Das Wichtigste in Kürze

  • Psychosomatik beschäftigt sich mit dem Einfluss psychischer Faktoren auf den Körper.
  • Werden psychische Probleme aber dauerhaft nicht gelöst, können daraus langfristig psychosomatische Beschwerden entstehen.
  • Diese Beschwerden können Nacken- also Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Ohrengeräusche oder Tinnitus sein. Gravierender sind ein Reizdarm, Herzrasen und Übelkeit oder Schwankschwindel. 
  • Bei psychosomatischen Behandlungen gehen Experten und Ärzte oder Ärztinnen den Ursachen auf den Grund. 

Jeder weiss, wie es sich anfühlt, wenn einem etwas auf den Magen schlägt oder man die sprichwörtlichen Hosen voll hat. Auch kennt man es, wenn man eine schwere Last auf den Schultern zu tragen hat, einem vor Wut die Galle hoch kommt oder man einfach stinksauer ist.

All diese Redewendungen beschreiben seelische Zustände, die aber nicht allein im Geist spürbar sind, sondern sich einen Weg suchen, um körperlich bemerkbar zu werden. Kein Wunder: Schliesslich bilden Körper und Seele eine untrennbare, psychosomatische Einheit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Psychosomatik einfach erklärt?

Psychosomatik ist ein Fachgebiet, das sich mit dem Einfluss psychischer und sozialer Faktoren auf den Körper und die körperliche Gesundheit auseinandersetzt. Bei der Psychosomatik wird somit die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele untersucht. 

Unser Gemütszustand regt im Gehirn einen Denkprozess an, der wiederum auf biochemischer Ebene die Ausschüttung bestimmter Hormone und Botenstoffe zur Folge hat. Die Hormone und Botenstoffe suchen schliesslich ihren Weg über die Blut- und Nervenbahnen. Somit werden für uns Gedanken und Gefühle auch körperlich spürbar.

Die psychosomatische Wirkung von Seelenzuständen ist uns meistens nicht fremd: So erzeugt gute Laune beispielsweise einen Schub von Glückshormonen. Wir fühlen uns wacher, stärker und haben eventuell sogar kribbelnde Schmetterlinge im Bauch. Andersherum funktioniert es genau so: Schlechte Laune und beschwerende Gedanken äussern sich in belastenden Körperfunktionen. Soweit so normal und meist harmlos.

Werden psychische Probleme aber dauerhaft nicht gelöst, können daraus langfristig psychosomatische Beschwerden entstehen. Die medizinische Disziplin der Psychosomatik kennt dieses Zusammenspiel und kuriert Ihre Patienten daher nicht allein anhand der physische Symptome einer Krankheit, sondern sucht auch nach dem seelischen Auslöser für das körperliche Leiden.

Wie äussern sich psychosomatische Störungen?

Nacken- und Rückenschmerzen: Psychischen Druck reduzieren

Wenn etwas sprichwörtlich auf den Schultern lastet, haben Nacken und Rücken automatisch eine grosse Last zu tragen. Muskuläre Verspannungen, Krämpfe und Schmerzen sind eine natürliche Folge.

In der Psychosomatik deuten Verspannungen in diesen Bereichen daher oft auf eine seelische Überlastung hin. Suche nach dem psychischen Druck, der auf deinen Schultern lastet und behebe diesen. Du wirst merken, dass bald auch die Last auf deinen Schultern leichter wird.

Übrigens: Das Zusammenspiel von Seele und Körper funktioniert auch umgekehrt. Besonders Menschen, die zu verspannten und überlastete Muskeln (infolge seelischer Belastungen) neigen, tun sich etwas Gutes, wenn sie diese Muskeln gezielt kräftigen. Ein starker Körper, kräftig auch die Seele und lässt diese Belastungen besser tragen.

Wie du psychosomatische Verspannungen loswirst

Wage den Test: Stelle dich zunächst locker hin, lasse die Schultern hängen, beuge dich leicht nach vorn und nimm wahr, wie du dich dabei fühlst. Nun löse die Position, stelle dich mit beiden Beinen fest auf den Boden, stecke die Brust heraus, senke die Schultern und bring deinen Körper auf Spannung. Fühlt sich diese Haltung nicht gleich auch seelisch stärker und sicherer an?

Kopfschmerzen: Bekomm den Kopf frei!

Der Grund für regelmässig auftretende Kopfschmerzen – besonders vor wichtigen Terminen – liegt sprichwörtlich auf der Hand: Du hast den Kopf einfach zu voll. Schwere Gedanken erzeugen Druck im Kopf. Wer zu solchen Beschwerden neigt, ergründet den psychosomatischen Zusammenhang dahinter.

Vielleicht machst du dir einen sprichwörtlichen Kopf, willst alles perfekt handhaben und versuchen jede Eventualität zu durchdenken? Nimm diesen Druck aus deinem Kopf. Vielleicht kannst du deinem Bauch einen Teil der Arbeit übertragen und auf dessen Gefühl hören. Das ist nämlich meist ohnehin richtig und entlastet den Kopf bei seiner Arbeit.

Hautprobleme: Seelische Grenzen finden

Die Haut gilt im Volksmund als Spiegel zur Seele. In der Psychosomatik gewinnt sie als Abgrenzung von der Innen- zur Aussenwelt eine wichtige Rolle. Wer sich in seiner Haut sprichwörtlich gut und sicher fühlt, hat meist auch eine ebenso reines Hautbild.

Wird die Haut in Ihrer psychosomatischen Abgrenzungs- und Schutzfunktion jedoch als mangelhaft empfunden, spiegelt sich das in Irritationen, Ausschlag oder Rötungen wieder.

Wer seinen äusseren Schutzmantel heilen will, muss seinen inneren Schutz stärken. Psychosomatische Ursachen für Hautprobleme liegen oft in einer seelischen Unsicherheit, mangelndem Selbstbewusstsein oder einer generellen Schwierigkeit bei der Abgrenzung zu anderen Personen.

Stärke deine psychischen Grenzen, dann fühlt sich auch deine körperliche Grenze zur Umwelt wohler.

Halsschmerzen: Was willst du sagen?

Wenn der Hals Beschwerden macht, verschlägt es einem buchstäblich die Sprache. Man kann nichts mehr schlucken und auch meist nicht fähig laut und deutlich zu sprechen.

Nach der Lehre der Psychosomatik deuten häufig wiederkehrende Halsschmerzen auf einen unbearbeiteten Konflikt hin. Was willst du sagen und kannst es nicht? Was bleibt dir im Halse stecken? Kläre mit dir selbst, was dir die Sprache verschlägt, erhebe die Stimme und bekämpfe so lästige Schluckbeschwerden und Halskratzen.

Müdigkeit: Steig von der Bremse

Du bist antriebslos, die Augenlieder fallen zu und du kannst nicht aufhören zu gähnen? Dann bist du wohl müde. Und das vielleicht sogar, obwohl du jede Nacht ausreichend schläfst.

Sofern körperliche Erholung regelmässig und ausreichend gegeben ist, kann es sein, dass eine seelische Beschwerde hinter deiner Müdigkeit stecken. Frage dich in diesem Fall, was deine Seele müde macht. Ist es eine alltägliche Routine (z.B. mangelnde Herausforderung im Job), die deinen inneren Elan lahm legt oder ist es ein Konflikt, der dich in deinen Denkprozessen bremst?

Was es auch sei: Löse die seelische Bremse und bring wieder Dynamik in deine Psyche. Neue Aufgaben, gelöste Konflikte oder langfristige Ziele werden dich wach rütteln – psychisch und physisch!

Ohrengeräusch: Höre genau hin

Das ständige Rauschen und Pfeifen im Ohr bringt einen an seelische Grenzen. Der Stress des ständigen Tons im Ohr ist derart hoch, dass man nicht weiss, wie man weghören soll. Und genau hierin liegt auch der Fehler: Ständige Ohrgeräusche könnten nämlich ein Sirene der Seele sein.

Höre nicht weg, wenn deine Seele dir etwas zu sagen hat, sondern höre genau zu. Gibt es vielleicht ein Problem oder eine Trauer, die du seit längerer Zeit zu verdrängen versuchst? Vielleicht will dieser Quälgeist endlich Gehör finden.

Schenke deiner Seele ein Ohr – dann wird sie dein Ohr in Ruhe lassen. Vielleicht ist es aber auch nicht mehr möglich, ob des Lärms, die Sprache deines Innenlebens zu hören. In solchen Fällen kann das Gespräch mit einem Experten oder Therapeuten ratsam sein. Gemeinsam hört man oft mehr.

Welche psychosomatische Krankheiten gibt es?

Neben den oben genannten Begleiterscheinungen einer nicht ausgeglichenen Körper-Seele-Balance gibt es noch weitere - oft auch gravierendere – körperliche Warnzeichen. Schlimm wird es, wenn sich diese in Krankheiten äussern. 

Herz-Angst-Neurosen, Tinnitus, ein Reizdarm, Fibromyalgie oder Schwankschwindel sind ernst zu nehmende Krankheitsformen die meist psychosomatischer Herkunft sind. 

Lasse diese von einem Experten oder einer Expertin abchecken. 

Was sind psychosomatische Behandlungen?

Bei pysychosomatischen Behandlungen versuchen Therapeuten, Sepzialisten und Ärzte den psychosozialen Ursachen der Beschwerden ihrer Patienten auf den Grund zu gehen und tun dies direkt mit den Patienten zusammen: Bei Gruppen- und Einzelgesprächen, Entspannungsübungen oder besonderen Aktivitäten wie Lama-Trekkings werden Konflikte und negative Erfahrungen gemeinsam verarbeitet. 

Foto: pexels; Text: Linda Freutel

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