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PsychosomatikWenn die Seele den Körper krank macht

Körper und Seele bilden eine untrennbare Einheit. Nicht selten machen sich psychische Leiden deshalb auch durch physische Krankheitssymptome bemerkbar. Was Ihr Körper über Ihr Seelenleben verrät: Ein Wegweiser durch die Psychosomatik.

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Jeder weiss, wie es sich anfühlt, wenn einem etwas auf den Magen schlägt oder man die sprichwörtlichen Hosen voll hat. Auch kennt man es, wenn man eine schwere Last auf den Schultern zu tragen hat, einem vor Wut die Galle hoch kommt oder man einfach stink sauer ist. All diese Redewendungen beschreiben seelische Zustände, die aber nicht allein im Geist spürbar sind, sondern sich einen Weg suchen, um körperlich bemerkbar zu werden.

Kein Wunder: Schliesslich bilden Körper und Seele eine untrennbare, psychosomatische Einheit. Unser Gemütszustand regt im Gehirn einen Denkprozess an, der wiederum auf biochemischer Ebene die Ausschüttung bestimmter Hormone und Botenstoffe zur Folge hat. Die Hormone und Botenstoffe suchen schliesslich ihren Weg über die Blut- und Nervenbahnen. Somit werden für uns Gedanken und Gefühle auch körperlich spürbar.

Die psychosomatische Wirkung von Seelenzuständen ist uns meistens nicht fremd: So erzeugt gute Laune beispielsweise einen Schub von Glückshormonen. Wir fühlen uns wacher, stärker und haben eventuell sogar kribbelnde Schmetterlinge im Bauch. Andersherum funktioniert es genau so: Schlechte Laune und beschwerende Gedanken äussern sich in belastenden Körperfunktionen. Soweit so normal und meist harmlos.

Werden psychische Probleme aber dauerhaft nicht gelöst, können daraus langfristig psychosomatische Beschwerden entstehen. Die medizinische Disziplin der Psychosomatik kennt dieses Zusammenspiel und kuriert Ihre Patienten daher nicht allein anhand der physische Symptome einer Krankheit, sondern sucht auch nach dem seelischen Auslöser für das körperliche Leiden.

Nacken- und Rückenschmerzen: Psychischen Druck reduzieren

Wenn etwas sprichwörtlich auf den Schultern lastet, hat der Nacken und der Rücken automatisch eine grosse Last zu tragen. Muskuläre Verspannungen, Krämpfe und Schmerzen sind eine natürliche Folge. In der Psychosomatik deuten Verspannungen in diesen Bereichen daher oft auf eine seelische Überlastung hin. Suchen Sie nach dem psychischen Druck, der auf Ihnen lastet und beheben Sie diesen. Sie werden merken, dass bald auch die Last auf Ihren Schultern leichter wird.

Übrigens: Das Zusammenspiel von Seele und Körper funktioniert auch umgekehrt. Besonders Menschen, die zu verspannten und überlastete Muskeln (infolge seelischer Belastungen) neigen, tun sich etwas Gutes, wenn sie diese Muskeln gezielt kräftigen. Ein starker Körper, kräftig auch die Seele und lässt diese Belastungen besser tragen.

Wagen Sie den Test: Stellen Sie sich zunächst locker hin, lassen Sie die Schultern hängen, beugen Sie sich leicht nach vorn und nehmen Sie wahr, wie Sie sich dabei fühlen. Nun lösen Sie die Position, stellen sich mit beiden Beinen fest auf den Boden, stecken die Brust heraus, senken die Schultern und bringen Ihren Körper auf Spannung. Fühlt sich diese Haltung nicht gleich auch seelisch stärker und sicherer an?

Kopfschmerzen: Bekommen Sie den Kopf frei!

Der Grund für regelmässig auftretende Kopfschmerzen – besonders vor wichtigen Terminen – liegt sprichwörtlich auf der Hand: Sie haben den Kopf einfach zu voll. Schwere Gedanken erzeugen Druck im Kopf. Wer zu solchen Beschwerden neigt, ergründet den psychosomatischen Zusammenhang dahinter. Vielleicht machen Sie sich einen sprichwörtlichen Kopf, wollen alles perfekt handhaben und versuchen jede Eventualität zu durchdenken? Nehmen Sie diesen Druck aus Ihrem Kopf. Vielleicht können Sie Ihrem Bauch einen Teil der Arbeit übertragen und auf dessen Gefühl hören. Das ist nämlich meist ohnehin richtig und entlastet den Kopf bei seiner Arbeit.

Hautprobleme: Seelische Grenzen finden

Die Haut gilt im Volksmund als Spiegel zur Seele. In der Psychosomatik gewinnt sie als Abgrenzung von der Innen- zur Aussenwelt eine wichtige Rolle. Wer sich in seiner Haut sprichwörtlich gut und sicher fühlt, hat meist auch eine ebenso reines Hautbild. Wird die Haut in Ihrer psychosomatischen Abgrenzungs- und Schutzfunktion jedoch als mangelhaft empfunden, spiegelt sich das in Irritationen, Ausschlag oder Rötungen wieder. Wer seinen äusseren Schutzmantel heilen will, muss seinen inneren Schutz stärken. Psychosomatische Ursachen für Hautprobleme liegen oft in einer seelischen Unsicherheit, mangelndem Selbstbewusstsein oder einer generellen Schwierigkeit bei der Abgrenzung zu anderen Personen. Stärken Sie Ihre psychischen Grenzen, dann fühlt sich auf Ihre körperliche Grenze zur Umwelt wohler.

Halsschmerzen: Was wollen Sie sagen?

Wenn der Hals Beschwerden macht, verschlägt es einem buchstäblich die Sprache. Man kann nichts mehr schlucken und auch meist nicht fähig laut und deutlich zu sprechen. Nach der Lehre der Psychosomatik deuten häufig wiederkehrende Halsschmerzen auf einen unbearbeiteten Konflikt hin. Was wollen Sie sagen und können es nicht? Was bleibt Ihnen im Halse stecken? Klären Sie, was Ihnen die Sprache verschlägt, erheben Sie die Stimme und bekämpfen Sie so lästige Schluckbeschwerden und Halskratzen.

Müdigkeit: Steigen Sie von der Bremse

Sie sind antriebslos, die Augenlieder fallen zu und Sie können nicht aufhören zu gähnen? Dann sind Sie wohl müde. Und das vielleicht sogar, obwohl Sie jede Nacht ausreichend schlafen. Sofern körperliche Erholung regelmässig und ausreichend gegeben ist, kann es sein, dass eine seelische Beschwerde hinter Ihrer Müdigkeit stecken. Fragen Sie sich in diesem Fall, was Ihre Seele müde macht. Ist es eine alltägliche Routine (z.B. mangelnde Herausforderung im Job), die Ihren inneren Elan lahm legt oder ist es ein Konflikt, der Sie in Ihren Denkprozessen bremst? Was es auch sei: Lösen Sie die seelische Bremse und bringen Sie wieder Dynamik in Ihre Psyche. Neue Aufgaben, gelöste Konflikte oder langfristige Ziele werden Sie wach rütteln – psychisch und physisch!

Ohrengeräusch: Hören Sie genau hin

Das ständige Rauschen und Pfeifen im Ohr bringt einen an seelische Grenzen. Der Stress des ständigen Tons im Ohr ist derart hoch, dass man nicht weiss, wie man weghören soll. Und genau hierin liegt auch der Fehler. Ständige Ohrgeräusche könnten nämlich ein Sirene der Seele sein. Hören Sie nicht weg, wenn Ihre Seele Ihnen etwas zu sagen hat, sondern hören Sie genau zu. Gibt es vielleicht ein Problem oder eine Trauer, die Sie seit längerer Zeit zu verdrängen versuchen? Vielleicht will dieser Quälgeist endlich Gehör finden. Schenken Sie Ihrer Seele ein Ohr – dann wird sie Ihr Ohr in Ruhe lassen. Vielleicht ist es Ihnen aber auch nicht mehr möglich, ob des Lärms, die Sprache Ihres Innenlebens zu hören. In solchen Fällen kann das Gespräch mit einem Experten oder Therapeuten ratsam sein. Gemeinsam hört man oft mehr.

Foto: iStockphoto; Text: Linda Freutel

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