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Deep TalkSuizid in der Familie: Der Umgang mit Trauer

Einen Suizid in der Familie oder im Freundeskreis zu verarbeiten, kann Jahre dauern. Es braucht Zeit, bis die Trauer und die Schuldgefühle verschwinden und Akzeptanz entsteht. Verschiedene Möglichkeiten können helfen, zu verarbeiten. So etwa eine Selbsthilfegruppe. 

Zwei Hände

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach einem Suizid kommen verschiendene Phasen wie Schock, Trauer und Wut auf einen zu. Diese Phasen gehören leider zum Prozess der Trauerbewältigung dazu. 
  • Es gibt verschiedene Arten, wie der Kontakt zu Angehörigen, eine Selbsthilfegruppe oder auch ein neues Hobby, um mit dem Verlust eines Menschen umgehen zu können.
  • Der Kontakt zu Angehörigen kann helfen sich dem Verstorbenen näher zu fühlen. 
  • Eine Selbsthilfegruppe bringt neue Denkweisen und ähnlich Erlebtes. 
  • Ein neues Hobby kann Freude und Abwechslung ins Leben bringen.

Inhaltsverzeichnis

Bilder im Kopf, Erinnerungen, Heulkrämpfe, Wut, Schlaf- und Appetitlosigkeit. Fragen und Schuldgefühle. Der Verlust eines geliebten Menschen durch Suizid ist eine schmerzhafte Erfahrung, die Beweggründe kann man oftmals auch nach Jahren nicht vollständig nachvollziehen.

Phasen wie Schock und Trauer wirst du womöglich durchmachen. Ein Psychiater oder eine Selbsthilfegruppe können dir im Umgang mit deiner Trauer helfen.

Suizid in der Familie: Was für Phasen kommen auf mich zu?

Der Schock

Nach einem Suizidfall in der Familie oder im Freundeskreis steht man, wie auch bei anderen Todesfällen, erst einmal unter Schock und kann das Geschehene gar nicht richtig realisieren.

Dieser Schockzustand dauert bei vielen Angehörigen bis nach der Beerdigung oder Zeremonie an, da sie bis dahin mit der Planung der Beerdigung, dem Organisieren anderer Dinge und dem Beistehen von Angehörigen beschäftigt sind. 

Die Trauer

Die Trauer setzt ein, wenn der erste Schock verarbeitet ist und das Geschehene realisiert wird. Weinen und Schlaflosgkeit können auftreten. Insbesondere, wenn man den Partner oder das Kind verloren hat, kann es sein, dass man anfangs nicht alleine schlafen kann.

Hier können, nach Absprache mit einem Arzt, bestimmte Beruhigungsmethoden oder auch Beruhigungstabletten helfen. 

Die Wut

Oft kommt es während oder kurz nach der Trauer auch zu Wut. Dann entsteht ein stetiges Gefühlchaos zwischen Trauer und Wut. Wut auf sich selbt und Wut auf den verlorenen Angehörigen. 

Die Fragen

Angehörige stellen sich zudem viele Fragen. Insbesondere die Fragen nach dem «Wieso» oder auch «Was hätte ich tun können? «Was hätte ich anders machen können?» stehen im Vordergrund.

Sofern der Verstorbene oder die Verstorbene keinen Abschiedsbrief oder Ähnliches hinterlassen hat, das den Hintergrund ein wenig erklären könnte, verstärkt sich das Gefühl der Verständnislosigkeit. 

Die Schuldgefühle

Mit den Fragen, der Wut und der Verständnislosigkeit entstehen die Schuldgefühle. Vor allem Angehörige von Personen, die einen Suizid angedeutet haben, suchen die Schuld oft bei sich selbst.

Die Akzeptanz

Es kann Jahre dauern bis Angehörige so einen Verlust überwunden und verarbeitet haben. Früher oder später setzt irgendwann die Akzeptanz ein. Man macht irgendwie weiter. 

Wie kann ich mit einem Suizid in der Familie umgehen?

Kontakt zu anderen Angehörigen

Der Kontakt und der Austausch mit Angehörigen, die das Selbe durchmachen, können helfen sich dem oder der Verstorbenen näher zu fühlen und etwas Normalität beizubehalten. Es kann aber auch vorkommen, dass der Schmerz die Angehörigen kurzfristig oder auch langfristig voneinander entfernt. 

Ein Psychiater

Wenn man sich nicht gleich zu Beginn einer Selbsthilfegruppe stellen möchte, dennoch aber mit jemandem ausserhalb der Familie darüber sprechen will, lohnt es sich einen Psychiater aufzusuchen. Selbstverständlich kann es sich hierbei auch um einen Pfarrer oder eine andere Fachperson handeln. 

Solche Gespräche bringen andere Denkweisen sowie Objektivität und können so den Blickwinkel auf das Geschehene verändern.

Eine Selbsthilfegruppe

Wie auch im Gespräch mit beispielsweise einem Psychiater, bringt eine Selbsthilfegruppe andere Denkweisen und in diesem Fall auch andere Erlebnisse. 

Von ähnlichen und auch anderen Erlebnissen zu hören zeigt, dass man mit dem Geschehenem nicht alleine auf der Welt ist. Man fühlt sich zugehörig und allenfalls sogar weitaus mehr verstanden als im Familien- oder Freundeskreis.

Situationen meiden / sich ihnen stellen

Je nach Person kann es helfen Situationen die einen an das Geschehene erinnern zu meiden oder sich ihnen zu stellen. Wichtig hierbei ist zwischen Meiden und Verdrängen zu unterscheiden.

Beispielsweise Orte für eine gewisse Zeit zu meiden, um nicht ständig an das Ganze erinnert zu werden, ist in Ordnung. Das Geschehene sollte aber durchaus Schritt für Schritt verarbeitet und nicht verdrängt werden. Nur so kann man mit der Zeit seinen Frieden damit schliessen.

Schreiben

Gedanken und Gefühle niederzuschreiben und danach vielleicht zu verbrennen oder in eine Flaschenpost zu stecken, kann ebenfalls helfen zu verarbeiten und loszulassen.

Ein neues Leben aufbauen

Das Geschehene verarbeiten, hinter sich lassen, den Verstorbenen in Ehren halten und weiter machen. Klingt definitiv einfacher als es ist. Langsam und Schritt für Schritt aber machbar. Das ist auch das, was sich der Verstorbene vermutlich wünschen würde. 

Sich ein neues Leben aufzubauen heisst nicht, dass man deshalb gleich den Job kündigen und sich einen neuen Wohnsitz suchen muss. Es können auch kleinere Dinge sein, wie das Haus neu einzurichten, sich ein neues Hobby suchen oder sich ein Haustier zuzulegen.

Titelbild: Unsplash

Hinweis zum Artikel:

Redaktorin Tatiana spricht aus eigener Erfahrung, Befragung anderer Leute sowie Recherche. Das Geschriebene soll eine grobe Hilfestellung für Hinterbliebene sein und auf keinen Fall das Thema verharmlosen. Ebenfalls kann das Geschriebene je nach Person und Erlebtem variieren. 

Ein erster Ansprechpartner kann der Schweizer Verband «Die Dargebotene Hand» sein, welche unter der Nummer 143 zu erreichen ist. Weitere Informationen dazu, findest du hier.

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