Pixel

Bye-bye Whatsapp5 Messenger-Alternativen im Check

Noch sind all unsere Freunde, Kollegen und sonstigen Kontakte auf Whatsapp. Doch die App steht aktuell in Kritik. Neuste Bestimmungen zwingen uns zum Überdenken. Doch was gibt es für Alternativen?

Whatsapp Alternativen: Signal, Threema und Co im Praxis-Check

Seit Whatsapp im Jahr 2014 von Facebook übernommen wurde, war die Messenger-App ein datenschutzrechtliches Pulverfass. Irgendwie ist nicht ganz klar, ob Facebook unsere Chats mitlesen kann, Zugang zu privaten Daten hat und diese vielleicht sogar schon nutzt und verkauft? Wer weiss das schon so genau? Und wer kann es kontrollieren? 

Alternativen notwendig: Whatsapp lockert Datenschutz

Jetzt geht das Unternehmen aber noch einen Schritt weiter. Im Mai 2021 tritt eine Regelung in Kraft, die dem Unternehmen einen legalen Zugriff auf unsere Daten ermöglicht. Nicht in jedem Zusammenhang und nicht in jedem Land. Aber eben doch deutlich umfänglicher als bisher. Viele User deuten das nicht nur als eine nebensächliche Erweiterung der ewigen Grauzone, sondern als massiven Wegweiser in die Zukunft. (Unsere) Daten sind das neue Kapital. Höchste Zeit, es zu schützen.

Whatsapp Alternativen: Warum setzen sie sich (bisher) nicht durch?

Dass die grün-weisse Messenger-Krake mit rund zwei Milliarden Usern noch immer die meist genutzte Messenger-Apps ist, liegt keinesfalls daran, dass es an Alternativen mangelt. Immer mehr Angebote tun sich auf, versprechen mehr Sicherheit und zeigen sich benutzerfreundlich. Damit diese Nachrichten-Apps aber auch wirklich erfolgreich werden können, braucht es mehr als gute Programmierer und modernen Datenschutz. Es braucht User. 

Welche Whatsapp Alternativen gibt es? Ein Messenger-Check:

Spätestens seit der jüngsten Datenschutz-Änderung werden immer mehr User hellhörig. Nie war das Interesse an Whatsapp-Alternativen grösser. Doch welchen Messengern können wir wirklich trauen? Dieser Überblick soll helfen:

Threema

Diese Messenger-App arbeitet (ebenso wie Whatsapp) mit einer so genannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, so dass Chatverläufe nicht durch externe Datenräuber mitgelesen werden können. Als Alternative zu Whatsapp ist Threema aber vor allem deshalb interessant, weil die App – anders als Whatsapp – sicherstellt, dass die Nachrichten unmittelbar nach ihrer Übermittlung vom Server gelöscht werden. Auf diese Weise kann ein Datenklau durch die Hintertür ausgeschlossen werden. Die Server von Threema haben ihren Standort in der Schweiz und unterliegen so den hiesigen Datenschutzrichtlinien.

Und auch was die Features angeht kommt Threema als gute Whatsapp-Alternative in Frage. Beliebt ist vor allem die Abstimmfunktion. Hier können User innerhalb einer Gruppe individuelle Umfragen erstellen und so beispielsweise darüber abstimmen, was es zum Abendessen geben soll, an welchem Datum alle für ein Meeting Zeit haben oder wo der nächste Ausflug hingegen soll. Und auch cool: Threema bietet eine Pin-Sperrfunktion für private Chats. Datenklau soll schliesslich auch in den eigenen vier Wänden vorkommen können.

Nur einen kleinen Wehrmutstropfen hat die Whatsapp Alternative; sie ist nicht kostenlos. Circa drei Franken pro Monat kostet die Nutzung.

Signal

Dass Edward Snoden Signal als Whatsapp Alternative nutzt, ist ein besonderes, aber längst nicht das einzige Aushängeschild der Messenger App. Tatsächlich gilt Signal als besonders zukunftsträchtig und seriös. Allein dadurch, dass die App komplett von Spenden finanziert ist, mangelt es an einem kommerziellen Daten-Kraken-Verdacht.

Und in der Praxis sieht das Ganze dann so aus: Private und Gruppenchats sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Darüber hinaus arbeitet Signal noch mit einer weiteren Verschlüsselung, die sicherstellt, dass im ohnehin unwahrscheinlichen Fall einer Nachrichten-Entschlüsselung lediglich Bruchteile der Nachricht gehackt werden können. Sogar verschlüsselte Telefonate sind möglich. Zudem wird die eigene Telefonnummer nur gehast (also anonymisiert) an den Server übermittelt. Und es gibt keinerlei Backup-Funktionen, die Datenspeicherungen durch die Hintertür oder durch eine versehentliche Einstellung des Nutzers ermöglichen. Als gute Wahtsapp Alternative kommt Signal auch deshalb in Frage, weil es ein so genanntes Open-Source-System ist; das Unternehmen macht also seine Quellcodes öffentlich, so dass allgemein die Möglichkeit zur Weiterentwicklung besteht.

Wire

Wire ist eine recht junge Whatsapp Alternative, die aufgrund ihrer noch nicht sonderlich grossen Bekanntheit bisher nur recht wenige User aufweisen kann. In Sachen Datenschutz kann sich die App mit dem Unternehmenssitz in der Schweiz dennoch sehen lassen. Die Ende-zu Ende-Verschlüsselung macht hier nicht nur Nachrichten, sondern auch Telefonate sicher vor Datenklau. Was bei Wire besonders gut funktioniert, sind Gruppenanrufe, die über die Voice-over-IP-Technologie geschaltet werden. Und zwar nicht nur via Smartphone; Wire funktioniert auch auf anderen mobilen Endgeräten. Ebenfalls praktisch für alle privaten Datenschützer ist die Möglichkeit, ein Löschdatum für bestimmte Nachrichten oder Chats einzustellen.

Viber

Ursprünglich ging Viber als Konkurrenz zu Skype an den Markt, was der App einen Vorsprung im Bereich der Internet-Telefonie gebracht hat. Noch heute steht Viber für zuverlässige Telefon-Funktionen. Aber auch was die Chatwünsche der geschätzten eine Milliarde Nutzern angeht, hat Viber längst aufgeholt: Das Versenden von Nachrichten, Fotos und Videos funktioniert ebenso unkompliziert wie bei allen anderen bekannten Messenger-Apps. Und auch was Spielereien angeht, kann Viber mithalten: Es gibt dutzende Emojis mit vielen Stickern ebenso wie bewegten GIF.

Telegram

Diese Whatsapp Alternative wurde von den Brüdern Pavel und Nikolai Durov entwickelt, um den strengen Kontrollen des russischen Geheimdienstes zu entkommen. Für diesen Aktionismus drohen Pavel Durov allerdings derart hohe Sanktionen durch die russische Staatsgewalt, dass er inzwischen das Land verlassen hat und im Exil lebt. So viel zum Thema: Daten sind das neue Kapital.

Konkret für uns bedeutet das: Telegram ist eine Whatsapp Alternative, die durchaus sicher und datengeschützt funktioniert. Vorausgesetzt, man wählt die richtige Einstellung; nämlich den so genannten privaten Chat. In diesem Modus findet der Datenaustausch verschlüsselt satt. Wer diese Funktion nicht expliziert aktiviert, kommuniziert über eine Cloud-gestützte Version von Telegram. Hierbei ist der Datensatz zwar auch vor externen Hackern geschützt. Jedoch werden Chatverläufe auf dem Telegram-Server hinterlegt und sind so – jedenfalls theoretisch – für die Firmeninhaber einsehbar.

Wer auf Nummer sicher gehen will, aktiviert darüber hinaus die Selbstlösch-Funktion, so dass sämtliche Nachrichten nach einer bestimmten Zeit vom Handy verschwinden. Jedoch steht auch Telegram in grosser Kritik. Denn gerade die Anonymität macht es schwer, gegen Hetze und Hass vorzugehen. Verschwörungstheoretiker und Kriminelle haben hier ein leichtes Spiel.

Titelbild: Pexels

Mehr dazu