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Lieb und teuerWas ein Kind in der Schweiz kostet

Kinder, was das kostet! Natürlich brauchen Kinder vor allem die Liebe ihrer Eltern, aber auch ihr Geld. In Zukunft sogar noch mehr. Wir haben berechnet, wie viel ein Kind in der Schweiz kostet und wo Familien am besten sparen können.

Kinder kosten, da haben Eltern ein grosses finanzielles Päckchen zu tragen. Aber mit diesen Tipps können sie sparn.

Zwei ist das neue drei!», sagt meine co-schwangere Freundin. Mein Mann schiebt bei aller Liebe jetzt schon Panik. Vor dem ersten Kind haben wir uns kein Gedanken um unsere Finanzen gemacht, wir haben einfach alles besorgt und erledigt, was nötig war. Eine grössere Wohnung, ein grösseres Auto, Kinderwagen, Baby Björn, Kleider, Kita. Auch die Entscheidung für das zweite Kind, haben wir nicht vom unserem Budget abhängig gemacht. Einer mehr geht schon, dachten wir.

Und dann kam unerwartet die Steuerrechnung. Familienglück ist unbezahlbar sagt man doch immer. Mein Mann fürchtet jetzt, dass das zweite Kind unbezahlbar ist, obwohl wir beide schon längst wieder arbeiten. Wie sollen andere Familien das dann mit drei Kindern schaffen? Wir haben mal nachgerechnet.

Geld oder und Liebe

Natürlich sollte das Kinderkriegen kein Frage des Geldes sein. Zumal ein Kind vor allem Liebe braucht, um gut und behütet aufzuwachsen. Aber Geld wird immer wichtiger. Denn wir wollen unseren Kindern immer mehr bieten: Biokost, Markenkleidung, Babyschwimmen, Bugaboo, Tripp Trapp, eigenes Zimmer, Montessori Kindergarten, Klavierunterricht, Tennisstunden, Nachhilfe, Familienhotel, Austauschjahr, Studium...

Wie viel ein Kind kostet ist deshalb eine Frage, sie sich Paare realistisch stellen sollten. Und zwar nicht, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass sie sich keine Kinder leisten können. Denn das stimmt wahrscheinlich nicht. Wer Ansprüche minimiert (Einkaufen beim Discounter, Verzicht auf Markenkleidung, Ferien auf dem Campingplatz statt im Familienressort) und geschickt zu sparen weiss, wird ein Kind gross bekommen. Die Frage, was ein Kind kostet, sollte sich vielmehr deshalb gestellt werden, um zu wissen, was die Familie an Ausgaben erwartet.

Wie viel kostet ein Kind wirklich in der Schweiz?

Auch das Schweizer Bundesamt für Statistik hat sich zuletzt 2012 diese Frage gestellt: Was kostet ein Kind durchschnittlich im Monat? Und kam auf Basis seiner Daten von 2009 bis 20111 zum Schluss, dass es

942 Franken an direkten Kosten sind. Gibt es weitere Geschwister reduzieren sich die Kosten je Kind. Bei zwei Kindern liegen die monatlichen Ausgaben bei 754 Franken pro Kind, bei drei Kindern bei 607 Franken. Bei Alleinerziehenden sehen die Aufwendungen allerdings etwas anderes aus. Aufgrund der per se höheren Lebenserhaltungskosten von Alleinlebenden steigen die Kosten auf rund 1200 Franken bei einem Einzelkind an.

Die Kosten je Kind reduzieren sich deutlich, wenn weitere Geschwister hinzukommen, da die grössten Ausgaben wie Wohnen sich nicht proportional erhöhen. So kosten zwei Kinder rund 754, drei Kinder 607 Franken pro Monat.

Eine andere Studie im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen, dass auch die indirekten Kosten durch Wegfall von Erwerbsarbeit zugunsten der Kinderbetreuung kam allerdings bereits 1998 auf einen signifikant höheren Betrag. Demnach kostet ein Kind in der Schweiz bis zum 20. Lebensjahr monatlich 1100 Franken und ca. 18 % des Haushaltseinkommens.

Wer berechnen will, wie viel ein Kind kostet, darf bei diesen Zahlen jedoch nicht vergessen, dass es sich um durchschnittliche Werte handelt. In der Praxis fallen die nötigen Aufwendungen abhängig vom Alter variabler aus. So gibt es vor allem bei der Geburt des Kindes eine deutliche Kostenspitze. Erste Anschaffungen fressen viel Geld. In den Folgejahren ist der Aufwand dagegen zunächst relativ gering. Je nach dem ob beide Eltern arbeiten und private Fremdbetreuung in Anspruch genommen wird (z.B. Tagesmutter, Krippe, privater Kindergarten) erhöhen sich die Einnahmen, aber auch die Ausgaben. Auch der Wohnort spielt eine wichtige Rolle bezüglich Steuern oder Miete. Erst ab etwa dem elften Lebensjahr steigen die Kinderkosten wieder in die Höhe.

Beispiel für ein Familienbudget mit zwei Kindern

Die Budgetberatung Schweiz hat basierend auf Erfahrungs- und Durchschnittswerten verschiedene, beispielhafte Familienbudgets aufgestellt. Die Kostenaufstellungen sind unterteilt nach Monatseinkommen und Anzahl Kinder. Wir wählen das Beispiel einer typischen Schweizer Familie mit zwei Kindern, einem Monatseinkommen um rund 6000 bis 7000 Franken, zusammenlebend.

Tabelle durchschnittliches Familienbudget in der Schweiz mit 2 Kindern.

Für eine individuelle Berechnung können sich Schweizer kostenlos an die Budgetberatung Schweiz wenden. Weitere Beispiele für Familienbudgets finden sich hier.

Auch Zeit ist Geld! Die indirekten Kosten

Ebenfalls in den nackten Zahlen nicht deutlich werden Zeit und Nerven, die ein Kind kostet. Im gleichen Masse ist natürlich auch Freude und Glück nicht eingerechnet. Wer jedoch eine nüchterne Kalkulation vorzieht, darf eines nicht vergessen: Ein Elternteil (in der Regel die Mutter) tritt in der Schweiz häufig beruflich kürzer, um die Kinder zu betreuen. Das verminderte Einkommen schlägt sich ebenfalls im Haushaltsbuch der Familie nieder.

Die Budgetberatung Schweiz empfiehlt daher vor einer etwaigen Kündigung durch zu rechnen mit welches Haushaltseinkommen Familien mindestens brauchen, um alle Kosten zu decken.

Die Studie des Bundesamts für Sozialversicherungen von 1998 berechnete, wie viel Eltern weniger verdienen, wenn ein Partner (oder beide) die Arbeit einschränkt und die Kinder betreut. Demnach entstehen den Eltern 820 000 Franken Kosten beim ersten Kind. Beim zweiten erhöht sich dieser Betrag auf 1,17, bei drei Kindern auf 1,43 Millionen Franken.

Puh, aber kein Grund sich zu sorgen. Wer schlau und pragmatisch handelt, wird seine Kinder in der Regel auch finanziell schaukeln. Ein paar Anregungen, gefällig?

Die 5 besten Spartipps für Eltern finden sich auf der nächsten Seite.

Familienferien müssen nicht teuer sein. Die besten Spartipps.

Schöne Familienferien müssen nicht teuer sein. Bild: pexels.com

1 Gebrauchte  und überlegte Baby-Erstausstattung

Junge Eltern stehen zudem vor einer weiteren Finanzhürde: Der Markt umwirbt sie mit so vielen Dingen, die vermeintlich essentiell sind, um ein Kind (und vor allem ein Baby) zu betreuen. Dabei ist vieles davon wirklich nicht nötig.

Unerfahrene Eltern könnten sich beispielsweise von Freunden aufklären lassen, was wirklich gebraucht für ein Baby wird. (Oder diesen Artikel lesen: Welche Babyprodukte man wirklich für das erste Kind braucht).

Zudem müssen viele Dinge nicht neu und teuer erworben werden. Es gibt online viele gute Baby- und Kinderbörsen, in denen günstige Gebrauchtgegenstände zu kaufen sind. Auch unter Freunden oder auf Kinderflohmärkten lassen sich Schnäppchen erstehen.

Insbesondere Babykleidung, Kinderwagen, Autositz, Kinderstuhl, Babybett lassen sich günstig und im guten Zustand gebraucht besorgen oder ausleihen. Und eine Menge an  Babyprodukte wie beispielsweise Stubenwagen

2 Selber kochen statt Fertiggerichte

Das fängt beim Babybrei an und hört bei der Familienpizza auf. Selber kochen ist um einiges günstiger und in der Regel auch gesünder, da weder versteckte Zuckerfallen lauern noch Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker nötig sind. Wer bei Früchten und Gemüsen vor allem Lebensmittel einkauft, die Saison haben, Mahlzeiten etwas voraus plant und Reste gut verwertet, kann noch mehr sparen.

3 Fremdbetreuung von der Steuer absetzen

Was viele nicht wissen, Eltern können die nachgewiesenen Kosten für die Fremdbetreuung ihrer Kinder durch Babysitter, Tagesmütter oder Kindertagesstätten bis zu einem maximalen betrag von jährlich rund 10 000 Franken steuerlich geltend machen.

Und abgesehen von all den vielen Spar-Tricks gibt es im Leben etwas mit Kindern, dass man ansonsten für Geld nicht kaufen kann: Diese fröhliche Lachen, die grossen, ehrlichen Augen und diese unendliche Liebe zwischen Eltern und Kind kosten nichts, sind aber das Wertvollste unseres Lebens.

4 Glamping statt Familienhotel

Mit den Kindern werden Ausgänge oder Reisen teurer – und für viele Familien damit auch seltener. Dabei lässt sich bei den Ferien besonders gut sparen, wenn man vom Hotel oder der Fewo auf den Campingplatz umzieht.

Stichwort Glamping. Auf Campingplätzen gibt es immer luxuriösere Angebote für Camper oder Mobile Homes, die zwar nicht ganz so solide gebaut und komfortabel eingerichtet sind wie ein Hotel oder manche schicke Ferienwohnung inklusive Pool, aber oft bedeutend günstiger und alles haben, was man braucht. Vor allem beste Gesellschaft, Natur und Unterhaltung für die Kinder. Und noch ein Tipp für Familien. Wer früher bucht, zahlt wirklich weniger.

5 Versicherungsfranchise weise wählen

Wer die Franchisehöhe geschickt bestimmt, kann viel sparen. Mittlere Franchisegebühren von 500 bis 100 Franken lohnen sich oft nicht. Am besten schneidet man mit einer möglichst hohen Franchise von 2500 Franken bei zu erwartenden Gesundheitskosten von bis zu 1800 Franken ein oder man wählt eine möglichst tiefe Franchise um 300 Franken, wenn man weiss, dass grössere Behandlungen anstehen.

Weiter sparen kann man, wenn an die Wahlfranchise geschickt mit Versicherungsmodellen wie Versicherungsmodellen wie Hausarzt, HMO oder Telmed kombiniert. Mehr Info zum Ceispiel via Comparis.

6 Landleben

Wer Kinder hat und in der Stadt wohnt, wird sich früher oder später fragen: lohnt sich das eigentlich noch? Wenn man diese Frage mit Nein beantworten kann, lohnt sich dagegen der Umzug aus der City oft finanziell. Wer Beispielsweise von Zürich nach Winterthur oder in die Vorstadtgegenden zieht, kann monatlich bis zu 1000 Franken Miete einsparen.

Bilder: Pexels.com

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