Betrifft jede zehnte Frau Endometriose erkennen: Symptome, Diagnose und Behandlung

Starke Periodenschmerzen, die dich regelmässig aus dem Alltag reissen, sind nicht einfach «Teil des Frauseins». Hinter Schmerzen vor oder während der Periode, Beschwerden beim Sex, Stuhlgang oder Wasserlassen, chronischer Erschöpfung oder unerfülltem Kinderwunsch kann Endometriose stecken. Die Erkrankung wird oft spät erkannt – auch, weil viele Betroffene jahrelang hören, ihre Schmerzen seien normal. Hier erfährst du, welche Endometriose Symptome wichtig sind, wie die Endometriose Diagnose heute abläuft und welche Behandlungsmöglichkeiten es in der Schweiz gibt.

Gebärmutter aus Synonym
Endometriose betrifft jede zehnte Frau. © Getty Images / vvmich

Endometriose kurz erklärt: Das Wichtigste auf einen Blick

Was ist Endometriose?

Bei Endometriose wächst gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter. Diese Endometrioseherde oder Läsionen sitzen häufig im Beckenbereich, zum Beispiel an den Eierstöcken, am Bauchfell, zwischen Scheide und Darm, an der Blase oder am Darm. Seltener sind weiter entfernte Stellen betroffen.

Die Erkrankung ist gutartig, aber das macht sie nicht harmlos. Endometrioseherde können Entzündungen, Zysten, Narben und Verwachsungen verursachen. Je nachdem, wo sie liegen, beeinflussen sie nicht nur die Menstruation, sondern auch Verdauung, Blase, Sexualität, Energielevel und den Kinderwunsch.

Wie häufig ist Endometriose?

Endometriose gehört zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 6 bis 10 Prozent der Frauen im reproduktiven Alter betroffen sind. Viele erhalten die Diagnose jedoch erst spät. Das liegt auch daran, dass die Beschwerden sehr unterschiedlich sein können und nicht jede Form im Ultraschall sofort sichtbar ist.

Wie entsteht Endometriose?

Warum Endometriose entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Eine Theorie ist, dass Menstruationsblut über die Eileiter in den Bauchraum gelangt. Das erklärt aber nicht alle Fälle. Wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren zusammen – darunter genetische Veranlagung, Immunreaktionen, Entzündungsprozesse und hormonelle Einflüsse.

Warum Endometriose mehr ist als starke Menstruationsschmerzen

Endometriose kann zyklusabhängige Schmerzen auslösen, aber auch chronische Beschwerden zwischen den Blutungen. Sie kann Arbeit, Ausbildung, Beziehungen, Sexualität und psychische Belastbarkeit beeinflussen. Wichtig ist auch: Die Stärke der Schmerzen passt nicht immer zur Grösse oder Anzahl der Herde. Auch kleine, bildgebend schwer erkennbare Läsionen können starke Beschwerden verursachen.

Welche Symptome können auf Endometriose hinweisen?

Starke Regelschmerzen

Starke Regelschmerzen Endometriose ist für viele Frauen der erste Suchbegriff – und oft ein berechtigter. Verdächtig sind Schmerzen, die dich regelmässig von Arbeit, Studium, Schule, Sport oder sozialen Plänen abhalten, die über Jahre zunehmen oder schon in der Jugend begonnen haben. Wenn übliche Schmerzmittel kaum helfen oder du jeden Zyklus an deine Grenzen kommst, lohnt sich eine Abklärung.

Schmerzen beim Sex

Endometriose Schmerzen beim Sex zeigen sich häufig als tiefer Schmerz beim Eindringen oder danach. Für viele Betroffene ist das ein besonders belastendes Symptom, weil es mit Scham, Rückzug oder dem Gefühl verbunden sein kann, «es sei psychisch». Das ist eine wichtige Klarstellung: Schmerzen beim Sex sind ein körperliches Symptom und sollten ernst genommen werden.

Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen

Endometriose Schmerzen Stuhlgang oder Beschwerden beim Wasserlassen treten oft rund um die Periode stärker auf. Manche beschreiben Druck, Brennen oder stechende Schmerzen. Wenn Endometriose Blase Darm betrifft, können auch Blut im Urin oder Blut im Stuhl vorkommen – das sind Warnzeichen, die medizinisch abgeklärt werden sollten.

Blähbauch, Verdauungsprobleme und «Endo-Belly»

Ein zyklischer Blähbauch, Völlegefühl, Verstopfung, Durchfall oder krampfartige Verdauungsbeschwerden können ebenfalls zu den Endometriose Symptomen gehören. Solche Beschwerden werden oft zunächst als Reizdarm eingeordnet. Beides kann ähnlich aussehen – und auch gleichzeitig vorkommen. Besonders auffällig ist, wenn Verdauungsprobleme regelmässig mit dem Zyklus zusammenhängen.

Rückenschmerzen, Beinschmerzen und chronische Unterbauchschmerzen

Endometriose verursacht nicht nur Unterbauchschmerzen. Beschwerden können in Rücken, Beine oder Gesäss ausstrahlen. Manche Frauen haben Schmerzen nicht nur während der Blutung, sondern auch vor der Periode, beim Eisprung oder unabhängig vom Zyklus. Wenn Schmerzen immer wiederkehren, kann sich das Nervensystem mit der Zeit sensibilisieren – dann wird das Thema chronischer Schmerz zusätzlich relevant.

Erschöpfung, Fatigue und psychische Belastung

Viele Betroffene erleben nicht nur Schmerz, sondern auch starke Müdigkeit, Fatigue, Konzentrationsprobleme oder emotionale Erschöpfung. Das ist keine Schwäche und keine «Überempfindlichkeit». Chronische Schmerzen kosten Energie. Dazu kommt die psychische Belastung, wenn Beschwerden lange bagatellisiert werden oder du deinen Alltag ständig um den Zyklus herum organisieren musst.

Unerfüllter Kinderwunsch

Endometriose Kinderwunsch ist ein wichtiges Thema – aber ohne Panik. Endometriose kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, etwa durch Entzündungen, Verwachsungen, Endometriome oder eine Beteiligung von Eileitern und Eierstöcken. Gleichzeitig werden viele Frauen mit Endometriose spontan schwanger. Wenn ein Kinderwunsch besteht und es nicht klappt, lohnt sich eine frühe, gezielte Abklärung.

Symptom-Check: Ein Verdacht ist sinnvoll, wenn …

  • Schmerzen dich regelmässig aus dem Alltag werfen
  • du schon seit der Jugend starke Regelschmerzen hast
  • Schmerzen beim Sex auftreten
  • Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen auftreten
  • du zyklischen Blähbauch oder Verdauungsprobleme hast
  • Blut im Stuhl oder Urin rund um die Periode vorkommt
  • du chronische Unterbauch-, Rücken- oder Beinschmerzen hast
  • du unter starker Erschöpfung rund um die Periode leidest
  • ein unerfüllter Kinderwunsch dazukommt

Sind starke Periodenschmerzen normal?

Was noch häufig vorkommen kann

Leichte bis mässige Krämpfe während der Periode sind häufig. Ebenso Müdigkeit, ein Spannungsgefühl im Unterbauch oder Beschwerden, die mit Wärme, Ruhe oder üblichen Schmerzmitteln gut kontrollierbar sind. Nicht jede schmerzhafte Periode bedeutet automatisch Endometriose.

Was du nicht einfach aushalten solltest

Anders sieht es aus, wenn Schmerzen dich arbeitsunfähig machen, du erbrechen musst, Kreislaufprobleme bekommst, regelmässig starke Medikamente brauchst oder zusätzlich Schmerzen beim Sex, beim Stuhlgang oder Wasserlassen hast. Auch zunehmende Schmerzen über Monate oder Jahre, Blut im Stuhl oder Urin sowie Schmerzen ausserhalb der Periode gehören abgeklärt.

«Periodenschmerzen sind häufig. Aber Schmerzen, die dein Leben planen, sind nicht einfach normal.»

Wie wird Endometriose diagnostiziert?

Die Endometriose Diagnose besteht heute nicht mehr nur aus der Frage, ob eine Bauchspiegelung gemacht wird. Je nach Beschwerden, Verdacht auf Organbeteiligung, Kinderwunsch und bisherigen Befunden kann die Abklärung aus mehreren Bausteinen bestehen.

1. Anamnese und Schmerztagebuch

Der erste Schritt ist ein möglichst genaues Gespräch. Relevant sind unter anderem: Wann treten die Schmerzen auf? Wo genau? Sind sie zyklusabhängig oder dauerhaft? Gibt es Schmerzen beim Sex, beim Stuhlgang oder Wasserlassen? Wie stark sind die Blutungen? Besteht Kinderwunsch? Welche Schmerzmittel nimmst du, wie oft und in welcher Dosis? Gibt es Fehltage bei der Arbeit oder im Studium?

Hilfreich ist, wenn du deine Beschwerden über zwei bis drei Zyklen dokumentierst – zum Beispiel Schmerzen, Blutungsstärke, Verdauung, Blase, Energie und Medikamente. Wenn du bereits Schmerzen im Zyklus dokumentieren oder mit Symptome tracken möchtest, kann das die Abklärung deutlich erleichtern.

2. Gynäkologische Untersuchung

Zur Abklärung gehört meist eine gynäkologische Untersuchung. Dabei können Druckschmerzen, Knoten, Verspannungen oder Hinweise auf Veränderungen im Becken auffallen. Wichtig ist: Du darfst jederzeit sagen, wenn etwas schmerzhaft ist oder du eine Pause brauchst. Eine gute Untersuchung ist sorgfältig und respektvoll.

3. Ultraschall

Der transvaginale Ultraschall ist heute ein wichtiger Teil der Abklärung. Endometriose Ultraschall kann zum Beispiel Endometriome am Eierstock sichtbar machen. Auch Hinweise auf Verwachsungen oder auf tief infiltrierende Endometriose lassen sich bei erfahrenen Untersuchenden oft erkennen. Ein normaler Ultraschall bedeutet aber nicht automatisch, dass keine Endometriose vorliegt.

4. MRI

Endometriose MRI kommt vor allem dann infrage, wenn der Verdacht auf tief infiltrierende Endometriose besteht oder wenn Darm, Blase oder tiefere Strukturen genauer beurteilt werden sollen. Auch für die Operationsplanung kann ein MRI hilfreich sein. Es ist aber nicht bei jeder Patientin nötig.

5. Bauchspiegelung

Die Endometriose Bauchspiegelung, also die Laparoskopie, kann Endometrioseherde sichtbar machen, Gewebeproben ermöglichen und Herde teilweise direkt entfernen. Sie ist damit nicht nur Diagnostik, sondern oft auch Therapie. Trotzdem ist sie eine Operation mit Risiken und nicht immer der erste Schritt. Welche Rolle sie spielt, hängt von deinem Beschwerdebild, der Bildgebung, möglichem Organbefall und deiner Lebenssituation ab.

Warum die Diagnose trotzdem dauern kann

Viele Endometriose Symptome ähneln anderen Erkrankungen – etwa Reizdarm, Blasenproblemen, Adenomyose, Entzündungen oder «normalen» Menstruationsbeschwerden. Dazu kommt, dass Schmerzen noch immer oft bagatellisiert werden. Und manche Formen, vor allem kleine oberflächliche Bauchfellherde, sind bildgebend schwer zu erkennen. Gerade deshalb lohnt sich bei anhaltendem Verdacht die Vorstellung bei einer Ärzt:in oder einem Zentrum mit Endometriose-Erfahrung.

Welche Formen von Endometriose gibt es?

Oberflächliche Bauchfellendometriose

Hier liegen kleine oder flache Herde am Bauchfell. Diese Form kann starke Schmerzen verursachen, ist aber in Ultraschall oder MRI oft nicht sichtbar. In solchen Fällen kann eine Laparoskopie nötig werden, wenn Symptome und Befunde zusammenpassen.

Endometriome am Eierstock

Endometriome sind Zysten am Eierstock, die oft auch «Schokoladenzysten» genannt werden. Sie sind im Ultraschall häufig sichtbar und spielen besonders bei Kinderwunsch, Schmerztherapie und Operationsplanung eine Rolle.

Tief infiltrierende Endometriose

Diese Form kann tiefer ins Gewebe einwachsen und zum Beispiel Darm, Blase, Scheide oder Bänder im Becken betreffen. Typisch sind unter anderem Schmerzen beim Sex, beim Stuhlgang oder Wasserlassen. Die Behandlung braucht hier oft ein spezialisiertes, interdisziplinäres Vorgehen.

Adenomyose

Adenomyose ist nicht dasselbe wie Endometriose, wird aber oft zusammen genannt, weil beides gleichzeitig vorkommen kann. Dabei befindet sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe in der Muskelschicht der Gebärmutter. Typisch sind starke Blutungen, Schmerzen und ein Druckgefühl. Wenn du vor allem unter sehr starken Blutungen leidest, sollte auch daran gedacht werden.

Was passiert, wenn Endometriose nicht behandelt wird?

Schmerzen können chronisch werden

Wiederkehrende, unbehandelte Schmerzen können sich verselbstständigen. Dann geht es nicht mehr nur um einzelne Herde, sondern auch um ein sensibles Nervensystem, Beckenbodenverspannung und ein Schmerzgedächtnis. Genau deshalb ist frühes Ernstnehmen so wichtig.

Verwachsungen und Organbeteiligung

Endometriose kann Narben, Zysten und Verwachsungen verursachen. Je nach Lage können Eierstöcke, Eileiter, Darm oder Blase betroffen sein. Allerdings verläuft die Erkrankung nicht bei allen gleich. Nicht jede Endometriose schreitet schnell fort, und nicht jeder Zufallsbefund braucht sofort eine aggressive Therapie.

Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit

Endometriose kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, muss es aber nicht. Ob und wie stark sie einen Kinderwunsch beeinflusst, hängt unter anderem von Alter, Organbeteiligung, Endometriomen, Eileitern und weiteren Faktoren ab. Wichtig ist eine individuelle Einschätzung statt pauschaler Aussagen wie «du wirst unfruchtbar».

Nicht jede stille Endometriose braucht sofort Behandlung

Wenn kaum Beschwerden bestehen und kein Kinderwunsch aktuell ist, kann je nach Befund auch ein beobachtendes Vorgehen sinnvoll sein. Entscheidend sind Schmerzen, Organbeteiligung, wachsende Endometriome, Kinderwunschprobleme und die Frage, wie stark dein Alltag eingeschränkt ist.

Wie wird Endometriose behandelt?

Die Endometriose Behandlung richtet sich nach deinen Beschwerden, deinem Alter, einem möglichen Kinderwunsch, der Lage der Herde und deiner Lebensqualität. Ziel ist nicht ein Standardprogramm, sondern ein realistischer, langfristiger Behandlungsplan. Die aktuelle Leitlinie betont, dass neben hormonellen und operativen Therapien auch multimodale Konzepte wichtig sind.

Schmerzmittel

Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können akute Beschwerden lindern. Sie helfen aber nicht bei jeder Betroffenen gleich gut. Wichtig ist, sie nicht über lange Zeit in hohen Dosen ohne medizinische Begleitung einzunehmen, weil Magen, Nieren und Blutungsrisiko eine Rolle spielen. Eine Ärzt:in oder Apotheker:in kann mit dir besprechen, was in deinem Fall sinnvoll ist.

Hormonelle Therapie

Hormonelle Behandlungen sollen die hormonelle Aktivität der Endometriose beeinflussen und Beschwerden reduzieren. Dazu gehören je nach Situation die Pille im Langzyklus, Gestagene, eine Hormonspirale oder in bestimmten Fällen GnRH-Analoga beziehungsweise -Antagonisten. Diese Therapien sind nicht für jede Lebensphase passend – zum Beispiel nicht, wenn du aktuell schwanger werden möchtest.

Operation

Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn starke Schmerzen bestehen, Endometriome vorliegen, Organe betroffen sind oder der Kinderwunsch eine Rolle spielt. Bei tief infiltrierender Endometriose braucht es oft ein erfahrenes Team, manchmal mit Beteiligung von Darm- oder Blasenspezialist:innen. Eine OP kann Beschwerden deutlich bessern, ist aber keine Garantie dafür, dass Endometriose nie wieder Probleme macht.

Multimodale Schmerztherapie

Gerade bei chronischen Schmerzen reicht es oft nicht, nur auf Hormone oder Operation zu setzen. Hilfreich können Schmerzmedizin, Beckenbodenphysiotherapie, Bewegung, Entspannungsverfahren, psychologische Unterstützung, TENS oder eine gezielte Schlaf- und Stressregulation sein. Auch Ernährung kann unterstützend sein – nicht als Wundermittel, sondern als Teil eines alltagstauglichen Gesamtkonzepts.

Kinderwunschbehandlung

Wenn du schwanger werden möchtest, wird die Behandlung anders geplant. Dann geht es um Fragen wie: Wie alt bist du? Wie lange besteht der Kinderwunsch? Gibt es Endometriome, Verwachsungen oder Hinweise auf eine Eileiterproblematik? Je nach Situation kann eine Operation sinnvoll sein, manchmal aber auch eine direkte Kinderwunschbehandlung. Wenn du dich mit Kinderwunsch und fruchtbare Tage beschäftigst, ersetzt das keine Abklärung, kann dir aber helfen, den eigenen Zyklus besser einzuordnen.

Unterstützende Methoden

Wärme, Bewegung, Yoga, Physiotherapie, Akupunktur, Entspannungsverfahren oder Ernährungsberatung können manche Frauen spürbar entlasten. Sie sind aber kein Ersatz für medizinische Abklärung und notwendige Behandlung bei starken Schmerzen, Organbefall oder Kinderwunschproblemen. Homöopathie gilt nicht als evidenzbasierte Standardbehandlung der Endometriose.

Endometriose und Psyche: Warum Belastung kein Nebenthema ist

Schmerzen beeinflussen Arbeit, Sex, Beziehung und Selbstbild

Endometriose ist nicht nur ein gynäkologischer Befund. Sie beeinflusst oft auch Arbeitsfähigkeit, Planbarkeit, Intimität, Partnerschaft und das Gefühl, dem eigenen Körper vertrauen zu können. Viele Frauen fehlen an einzelnen Tagen regelmässig bei der Arbeit oder verschieben private Termine aus Angst vor Schmerzen.

Wenn du jahrelang gehört hast, es sei normal

Viele Betroffene erleben eine lange Phase des Zweifelns: «Vielleicht bin ich empfindlich.» «Vielleicht ist das eben meine Periode.» Wenn Beschwerden jahrelang normalisiert werden, kann das sehr verunsichernd sein. Umso wichtiger ist eine klare Sprache im Termin: Beschreibe, was die Schmerzen konkret mit deinem Alltag machen.

Unterstützung suchen ist Teil der Behandlung

Psychotherapie, Schmerztherapie, Selbsthilfegruppen, spezialisierte Pflegefachpersonen wie eine Endometriose Nurse oder Gespräche mit Partner:in und Arbeitgeber können Teil einer guten Versorgung sein. Hilfe zu suchen bedeutet nicht, dass die Beschwerden «psychisch» sind – sondern dass du der Komplexität der Erkrankung ernsthaft begegnest.

Wann solltest du Endometriose abklären lassen?

Abklären, wenn …

  • Regelschmerzen dich regelmässig aus dem Alltag nehmen
  • Schmerzmittel kaum helfen
  • Schmerzen über Jahre zunehmen
  • Schmerzen beim Sex auftreten
  • Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen auftreten
  • du chronische Unterbauchschmerzen hast
  • Verdauungs- oder Blasenprobleme zyklisch auftreten
  • starke Erschöpfung zusammen mit Schmerzen auftritt
  • ein unerfüllter Kinderwunsch besteht

Sofort abklären bei

  • plötzlich sehr starken einseitigen Unterbauchschmerzen
  • Fieber
  • starker Blutung
  • Kreislaufproblemen oder Ohnmacht
  • Blut im Urin oder Stuhl
  • Schwangerschaftsverdacht plus Schmerzen
  • akuten Darm- oder Blasenproblemen

Was du zum Termin mitnehmen solltest

  • ein Schmerztagebuch über zwei bis drei Zyklen
  • Schmerzskala und Schmerzorte
  • Informationen zur Blutungsstärke
  • Medikamente und Dosierungen
  • Fehlzeiten bei Arbeit, Schule oder Studium
  • Beschwerden beim Sex, Stuhlgang oder Wasserlassen
  • Angaben zu Verdauung, Blase, Energie und Fatigue
  • frühere Befunde und Untersuchungen
  • eine Fragenliste

Diese Sätze können im Termin helfen

  • «Meine Schmerzen hindern mich regelmässig an Alltag, Arbeit oder Studium.»
  • «Ich habe Schmerzen beim Stuhlgang, Wasserlassen oder Sex.»
  • «Schmerzmittel helfen nicht ausreichend.»
  • «Ich möchte abklären, ob Endometriose oder Adenomyose möglich ist.»
  • «Kann ich an ein spezialisiertes Endometriosezentrum überwiesen werden?»
  • «Welche Diagnostik ist in meinem Fall sinnvoll: Ultraschall, MRI oder Laparoskopie?»
  • «Was ist der Plan, wenn der Ultraschall unauffällig ist?»

Wo findest du Hilfe in der Schweiz?

Wenn der Verdacht auf Endometriose besteht, ist Erfahrung entscheidend. Eine erste Anlaufstelle kann deine Gynäkologin oder dein Gynäkologe sein. Bei komplexen Beschwerden, Verdacht auf Darm- oder Blasenbeteiligung, unklarem Ultraschall, wiederkehrenden Schmerzen trotz Behandlung oder Kinderwunsch kann ein spezialisiertes Endometriosezentrum sinnvoll sein.

Praktische Anlaufstellen in der Schweiz sind unter anderem Endometriose-Sprechstunden an grösseren Spitälern, zertifizierte Endometriosezentren, Endometriose Nurses und Selbsthilfeangebote wie Endo-Help Schweiz. Ein Zentrum ist besonders dann sinnvoll, wenn du den Eindruck hast, dass deine Beschwerden mehr betreffen als «nur» die Periode.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Endometriose

Was sind typische Endometriose-Symptome?

Typisch sind starke Regelschmerzen, chronische Unterbauchschmerzen, Schmerzen beim Sex, Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen, Verdauungsbeschwerden, Rücken- oder Beinschmerzen, Erschöpfung und unerfüllter Kinderwunsch. Die Symptome können aber sehr unterschiedlich sein.

Kann man Endometriose im Ultraschall sehen?

Manche Formen ja. Endometriome am Eierstock oder tief infiltrierende Endometriose können bei erfahrenen Untersuchenden im Ultraschall sichtbar sein. Kleine oberflächliche Bauchfellherde sind im Ultraschall oder MRI oft nicht erkennbar.

Brauche ich immer eine Bauchspiegelung?

Nicht immer sofort. Eine Laparoskopie kann Endometriose sichtbar machen und Herde entfernen, aber die Entscheidung hängt von Symptomen, Bildgebung, Kinderwunsch, Verdacht auf Organbefall und bisheriger Behandlung ab.

Ist Endometriose heilbar?

Endometriose gilt derzeit nicht als heilbar, aber als behandelbar. Beschwerden können durch Schmerzmittel, hormonelle Therapien, Operationen und multimodale Konzepte oft deutlich verbessert werden.

Kann ich trotz Endometriose schwanger werden?

Ja. Eine Schwangerschaft ist grundsätzlich möglich. Manche Frauen werden ohne Behandlung schwanger, andere benötigen eine Operation oder reproduktionsmedizinische Unterstützung. Welche Strategie sinnvoll ist, hängt von Befund, Alter und weiteren Faktoren ab.

Was hilft gegen Endometriose-Schmerzen?

Je nach Situation kommen entzündungshemmende Schmerzmittel, hormonelle Therapien, Operation, Beckenbodenphysiotherapie, Schmerztherapie und unterstützende Methoden infrage. Bei chronischen Schmerzen sollte ein multimodaler Ansatz geprüft werden.

Wo finde ich Hilfe in der Schweiz?

Sinnvolle Anlaufstellen sind Gynäkolog:innen mit Endometriose-Erfahrung, zertifizierte Endometriosezentren, Endometriose-Sprechstunden, Endometriose Nurses und Selbsthilfeangebote wie Endo-Help Schweiz.

Was du dir merken kannst

Endometriose ist häufig, aber häufig auch übersehen. Wenn deine Beschwerden dich regelmässig ausbremsen, ist das kein Zeichen von Schwäche und nichts, was du einfach wegstecken musst. Eine gute Abklärung bedeutet heute nicht automatisch sofort eine Operation. Sie beginnt damit, dass deine Symptome ernst genommen werden – und genau das darfst du einfordern.

Wenn du neben Endometriose auch andere Ursachen für Beschwerden einordnen willst, können je nach Symptom auch Themen wie starke Regelschmerzen, Bauchschmerzen vor der Periode, Blähbauch vor der Periode, PCOS als andere Ursache für Zyklusstörungen oder wenn die Periode ausbleibt relevant sein.

Quellen

Mehr dazu
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