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Hungern mit HormonenWas du über die hCG-Diät wissen solltest

Hollywood hungert sich angeblich mit Hormontropfen und 500 Kalorien am Tag schlank – und wir machen es nach. Das ist schliesslich effektiv. Aber ist es auch gesund? Die hCG-Diät im Check.

HCG Diät: Alles was du wissen musst

Zwei Grissini, 200 g mageres Kalbfleisch mit Spinat. Danach ein Kaffee mit einem Esslöffel Milch und zwei Handvoll Erdbeeren. Das ist fein, gesund und macht satt. Wenn es aber alles ist, was du über drei Mahlzeiten verteilt essen darfst, werden wohl die ersten stutzen. Dann hast du bestimmt noch nie etwas von der hCG-Diät gehört?

Die hCG-Diät schreibt für 21 Tage eine tägliche Kalorienmenge von maximal 500 vor – statt der üblichen rund 2000 Kalorien, die eine Frau durchschnittlich benötigt. Zudem sind während der hCG-Diät Fett, Öl und Zucker sowie Fertiggerichte absolut tabu. Kohlenhydrate kriegst du auch nicht viele serviert.

Welchen Einfluss hat die hCG-Diät auf den Gewichtsverlauf?

Manche berichten von 8 Kilo in 6 Wochen, manche von 21 Kilo in 21 Tagen. Die Fantasie der Diätindustrie ist grenzenlos, wenn es darum geht, mit verlorenem Gewicht zu prahlen. Als Kronzeugen müssen dafür die Hollywoodstars herhalten. Mit der der hCG-Diät nehmen sie angeblich für ihre Filmrollen ab und flutschen in das Red-Carpet-Kleid.

Wie nimmt man mit der hCG-Diät ab?

Wenn du Anne Hild, der Autorin des Diät-Bestsellers «Die hCG-Diät: Das geheime Wissen der Reichen, Schönen & Prominenten» glauben willst, ganz einfach: «Mit der hCG Tropfen-Diät schmilzt das überflüssige Fett einfach weg, ganz ohne den lästigen Jo-Jo-Effekt oder negative Nebenwirkungen. Und während des Schlankwerdens sind Sie auch noch richtig gut drauf». Aber wir glauben das nicht – und du solltest es auch nicht tun. Aus gutem Grund.

Was ist der Unterschied zwischen hCG-Spritzen und hCG-Tropfen?

Die Abkürzung hCG steht für „Human Chorionic Gonadotropin“ und damit für ein menschliches Hormon, das vermehrt während der Schwangerschaft im weiblichen Körper produziert wird. hCG sorgt während einer Schwangerschaft dafür, dass Ungeborene auch bei einer Mangelversorgung genügend Nährstoffe bekommen. Dafür mobilisiert hCG vor allem den Abbau von Fettreserven.

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hCG-Tropfen und hCG-Spritzen. Bild: GRAZVYDAS/iStock

HCG-Spritzen unterscheiden sich in ihrer Wirkung nicht von den hCG-Tropfen. Da das tägliche Spritzen für viele unangenehm ist, wird oft auf die Tropfen zurückgegriffen. hCG-Tropfen und hCG-Spritzen gibt es im Internet zu kaufen, von einer Selbstbehandlung mit Spritzen raten Ärzte jedoch ab.

Warum sind hCG-Tropfen nicht empfehlenswert?

Es ist bis heute nicht gesichert, wie hCG bei nichtschwangeren Personen wirkt und ob sie überhaupt eine signifikante Wirkung haben. Wissenschaftlich anerkannte Studien, die das belegen, gibt es nicht. Ebenso wenig, wie eine vernünftige Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen von hCG. Deshalb ist die Injektion von hCG bei Übergewicht von der Arzneimittelbehörde auch gar nicht zugelassen.

Was du im Internet legal bekommst, sind in der Regel homöopathische Tropfen mit einer so geringen Wirkstoffkonzentration, dass sie nicht unter das Arzneimittelgesetz fallen.

Ernährungsplan-Beispiel der hCG-Diät

hCG-Diät: Frühstück

  • Tee oder Kaffee
  • Zucker ist verboten
  • max. 1 EL Milch innerhalb von 24h
  • Ein paar hCG-Tropfen

hCG-Diät: Zmittag

  • 100 g Kalbfleisch, Rindfleisch, Hühnerbrust, frischer weisser Fisch, Hummer, Krabben oder Garnelen
  • Eine Sorte Gemüse: Spinat, Mangold, Chicoree, grüner Salat, Tomaten, Sellerie, Fenchel, Zwiebeln, Radieschen, Gurken, Spargel oder Kohl.
  • Ein Grissini oder ein Stück Zwieback
  • Einen Apfel, eine Orange, eine Handvoll Erdbeeren oder eine halbe Grapefruit

hCG-Diät: Abendessen

  • Du darfst dasselbe essen, wie zum Zmittag.

hCG-Diät: Einschränkungen

  • Alle Lebensmittel müssen immer ohne Öl und Fett zubereitet werden.
  • Zucker und Milchprodukte sind tabu.
  • Kohlenhydrate gibt's über die zwei Grissinis pro Tag.
  • Zweimal Sport in der Woche gehören zu den hCG-Diät-Pflichten.

Wie sieht der Ablauf der hCG-Diät aus?

Eine hCG-Diät empfiehlt sich, über mindestens drei Wochen zu halten. Während dieser Zeit wird zum einen die Kalorienzufuhr streng reduziert und zusätzlich das Schwangerschaftshormon entweder gespritzt oder als Tropfen eingenommen.

Auch Alkohol, Zucker, Fette und verarbeitete Lebensmittel sind in dieser Phase tabu. Daneben wird eine sportliche Aktivität zwei mal in der Woche empfohlen. Auf die hCG-Diät golft die Stabilisierungsphase. 

Wie sieht die Stabilisierungsphase der hCG-Diät aus?

Sogar die Erfinder der hCG-Diät wissen, dass ein Körper diese Crash-Diät nicht lange durchhalten kann. Deshalb folgt auf die 500 Kalorien am Tag die sogenannte Stabilisierungsphase.

Das musst du während der Stabilisierungsphase beachten:

  • Konsumiere Kalorien entsprechend des individuellen Bedarfs und Gewichts.
  • Ernähren dich ausgewogen mit viel frischem Gemüse und Früchten.
  • Verzichte auf Fertigprodukte und Süssgetränke und damit auf künstlich zugesetzten Zucker und zugesetztes Fett.
  • Treibe zwei- bis dreimal Sport pro Woche.

Was sind die Nebenwirkungen einer hCG-Diät?

Der Ernährungsplan der hCG-Diät (siehe Box) ist in den ersten 21 Tagen radikal und nichts, was man unter einer gesunden Ernährung versteht. Selbstverständlich: Wer viermal weniger ist, als sein Körper braucht und sich dazu noch bewegt, nimmt ab. Mit oder ohne hCG-Topfen. Die Nebenwirkungen: Schwindel, Müdigkeit oder Depression.

Grundfunktionen des Körpers wie der Gehirnstoffwechsel und die Organaktivität sind unterversorgt und können langfristig schaden nehmen. Dazu kommt: Der Jojo-Effekt freut sich, dass du es ihm so einfach machst. Führt man dem Körper nach der hCG-Diät wieder normale Nahrungsmengen zu, versucht er, die vergangenen Defizite zu kompensieren und sich ausreichende Reserven für eine erneute Hunger-Periode anzufuttern.

Was sind die Kosten einer hCG-Diät?

Der Preis für die Kur mit ein paar Injektionen liegt bei ungefähr 1000 Franken. Deutlich günstiger ist die Diät, wenn du sie mit den homöopathischen hCG-Tropfen durchführst. Die Kosten liegen hier bei ungefähr 130 Franken, inklusive Beratung und Ernährungsplan.

Wir finden: Ernähre dich gesund und ausgewogen, bewege dich und iss nicht mehr, als dein Körper verbraucht.

Titelbild: Demaerre/iStock

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