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Queere IkoneMeine Fans geben mir Serotonin

Marie Ulven, bekannt als «girl in red», erobert mit ihrer Musik die Welt. Für die Gen Z ist die 22-Jährige eine Ikone. Ein Jahr lange arbeitete sie an ihrem Debütalbum «if i could make it go quiet», das im April 2021 erschienen ist. Wir haben uns mit ihr über das letzte Jahr, Konzerte und ihr Leben unterhalten.

Marie Ulven, bekannt als girl in red, im Portrait.

Das Wichtigste in Kürze: girl in red

  • Marie Ulven oder auch girl in red ist vor allem für den Song «we fell in love in october» bekannt, der auf TikTok viral ging
  • Jetzt kommt ihr Debütalbum «if i could make it go quiet» heraus
  • Der Song «Serotonin» wurde von FINNEAS (Bruder von Billie Eilish) mitproduziert
  • Girl in red setzt sich mit Themen auseinander, die Vielen nur allzu bekannt sind: wie etwa mit unerwiderter Liebe und die Frustration darüber
  • 2022 geht sie auf Tour und wird auch in Zürich auftreten

Sie ist die queere Ikone, die die Indie-Welt gebraucht hat. Girl in red singt, was viele junge Leute denken – ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Ihre Offenheit ist einer der Gründe, weshalb die Gen Z Marie Ulven so liebt.

Ihr Song «i wanna be your girlfriend» wurde in der New York Times unter den besten Songs des Jahres 2018 gelistet – nun veröffentlicht sie ihr Debütalbum. Die Norwegerin gewährt uns im Interview Einblicke in ihr Leben und in den Schaffensprozess ihres Albums «if i could make it go quiet».

Du und dein Song «we fell in love in october» wurdet durch TikTok weltbekannt. Wie fühlte sich das an? 

Damals war ich noch nicht auf TikTok und hab verpasst, dass mein Song viral ging, was ich natürlich cool finde. Heute liebe ich TikTok, es ist mit Abstand meine Lieblingsapp.

Der Satz «Do you listen to girl in red» wird genutzt, um jemanden nach seiner oder ihrer Sexualität zu fragen. Hast du je damit gerechnet, so einen Einfluss zu haben?

Nein, überhaupt nicht! Ich finde das grossartig und ich bin wirklich froh, dass die Menschen den Satz in eine Art sozialen Code verwandelt haben. Das befürworte ich total.

Wie gehst du mit der Verantwortung als queere Ikone um?

Ich habe nicht wirklich das Gefühl, eine grosse Verantwortung zu tragen. Ich bin erst 22 Jahre alt – keine Ahnung was in meinem Leben abgeht. Ich versuche einfach herauszufinden, wo ich stehe.

Vielen meiner Fans geht es ähnlich. Ich finde, wir sollten alle gemeinsam herausfinden, was wir eigentlich wollen und wer wir sind. Das ist der bessere Ansatz, als darauf zu warten, dass ich etwas vermassle oder meine Vorbildfunktion vernachlässige.

Kürzlich hast du in deiner Insta-Story einen alten Tagebucheintrag gepostet. Es ging um deine erste Liebe. Hast du ihr das je gesagt?

Als ich diese Zeilen schrieb, war ich 16 Jahre alt. Ja, ich habe ihr meine Liebe gestanden und sie wurde tatsächlich meine erste feste Freundin! Zu der Instagram-Story habe ich sehr viel positives Feedback bekommen, meine Follower konnten das genau nachempfinden.

Was war während der Corona Pandemie die grösste Herausforderung für dich?

Dieses Album zu produzieren. Es war anstrengend, ein sehr langer Prozess und grosser Druck lastete auf meinen Schultern. Ich glaube ich habe zwölf Monate daran gearbeitet. Und während der Pandemie auf mich achtzugeben war herausfordernd. 

Deinen Song Serotonin hat FINNEAS mitproduziert. Wie war das?

Mit FINNEAS zu arbeiten war wirklich cool – ich bin ein grosser Fan seiner Musik. Der Song war aber ehrlich gesagt eine ziemlich schwierige Nummer. Es gab etwa 13 verschiedene Versionen, dadurch lange gedauert, die richtige zu finden. FINNEAS war Teil dieses Prozesses. Wir kommunizierten über Zoom, da man bekanntlich nicht reisen darf und gingen den Song immer wieder durch – mit dem Ergebnis bin ich zufrieden.

Du sprichst mit deinen Liedern geradeheraus aus, was du denkst. Wie bist du so mutig geworden?

Ich glaube, so bin ich einfach. In meinem Leben habe ich viele Liebeslieder gehört, mit denen ich einfach nichts anfangen konnte. Ich selbst spreche lieber aus, was ich denke.

Was wünschst du dir für deine nächste Tour?

Dass jeder seinen Verstand verliert, sobald wir die Show beginnen. Mein grösster Wunsch ist es, dass alle komplett durchdrehen. Das wird Spass machen!

Was vermisst du auf der Bühne am meisten?

Ich vermisse meine Fans. Sie geben mir einfach fucking Serotonin. Sobald ich auf der Bühne stehe und all die aufgeregten Menschen sehe, ist das einfach das schönste Gefühl. Ich denke dann: Wow, das ist mein Leben. Und dieser Moment auf der Bühne ist einfach ganz besonders.

Titelbild von Jonathan Kise, zVg Radicalis

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