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Mach's selbstMicroneedling: Erfahrungen und Anwendung

Die Beauty-Methode Microneedling aktiviert durch kleine Einstiche in die Haut die Erneuerung dieser und soll so ein verjüngtes gut gepflegtes Hautbild bringen. Lange schon kann man das Microneedling mit Tools auch zuhause selbst anwenden – wobei auf die Hygiene und die richtig eingestellten Nadeln zu achten ist.  

Microneedling: Tool in einer Hand fotografiert

Microneedling: Das Wichtigste in Kürze

  • Microneedling ist eine Methode, um die natürliche Hauterneuerung zu aktivieren.
  • Man kann Microneedling auch selbst zuhause durchführen.
  • Bei der Heimanwendung ist Hygiene das A und O.
  • Produkte vor und nach dem Gebrauch desinfizieren.
  • Im Gesicht sollte man keine Nadeln über 0,5 mm verwenden.
  • Für den Körper eigenen sich Nadeln von 1 mm bis 1.5 mm.
  • Es sind circa 6-8 Behandlungen nötig, um Verbesserungen des Hautbildes zu sehen.

Microneedling oder nur Needling ist eine effektive Methode, die natürliche Hauterneuerung zu aktivieren. Bereits ein minimaler, oberflächlicher Verletzungsreiz reicht aus, um eine Vielzahl von Reaktionen in der Haut auszulösen. Während der Behandlung wird die Haut mit mikrofeinen Nadelspitzen perforiert. Diese Punktionen aktivieren die Hautzellen zur Hauterneuerung und regen so die Kollagensynthese an.

Was bringt Microneedling für die Haut?

Durch das Needling, also die feine Perforation der Haut, können Wirkstoffe tiefer in die Hautschicht eindringen. So kann man sagen, dass das Microneedling für eine gesteigerte Aufnahmefähigkeit von beispielsweise verjüngenden Wirkstoffen sorgt. 

Die Behandlungstherapie kann nicht nur im Gesicht zur allgemeinen Hautverjüngung und oder auch zur gezielten Reduktion von Linien, Fältchen, Narben, erweiterten Poren und Unregelmässigkeiten wie Pigmentstörungen durchgeführt werden, sondern eignet sich auch bei grossflächigeren Problemzonen am Körper.

Verwendet man vor oder nach dem Microneedling aufbauende Präparate, verstärkt man die Wirkung noch zusätzlich, da mit den zahlreich gesetzten Mikrokanälen in der Haut die Aufnahme von kosmetischen Präparaten gefördert wird.

Microneedling zuhause: Erfahrung und richtige Anwendung 

Um das Microneedling zuhause selbst durchzuführen, haben sich zwei Möglichkeiten bewährt: Der Microneedling Dermaroller sowie der Pen. Bei beiden Anwendungen gilt es einiges zu beachten – hier ein Überblick:

Unterschied Microneedling Dermaroller vs. Microneedling Pen

Microneedling mit dem Dermaroller

Der Dermaroller ist eine Walze, die mit feinen Nadeln einer bestimmten Länge bestückt ist. Je nach Anwendungsort (Gesicht oder Körper) sollte man sich verschiedene Dermaroller mit verschiedenen Nadellängen anschaffen.

Die Behandlung mit dem Dermaroller ist eine «kostengünstige» Methode, jedoch muss bei der Verwendung strikt auf die Hygiene geachtet werden. Gewisse Dermatologen empfehlen gar, lieber günstigere Dermaroller zu kaufen und diese nach einmaligem Gebrauch zu entsorgen, um keine Probleme zu bekommen.

Im Gegensatz zum Microneedling Pen stechen die feinen Nadeln teilweise in einem schrägen Winkel ein. Deshalb, und wenn man beim Rollern zudem zu übereifrig vorgeht, kann diese Methode bei unsachgemässem Gebrauch zu feinen Rissen, «Schürfwunden» und feinen Vernarbungen führen.

Beim Heimgebrauch sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, nicht zu oft und nicht zu tief zu rollern.

Microneedling Pen (Stift) mit sterilen Nadelaufsätzen zum Einmal-Gebrauch

Für eine gezielte Anwendung auf kleineren Flächen hat sich der so genannte Microneedling Pen bewährt.

Mit den sterilen, austauschbaren Einweg-Nadelaufsätzen werden auf der Haut pro cm2 tausende mikrofeine Kanäle gestochen. Die Geschwindigkeit und die Stechtiefe lassen sich individuell einstellen. Somit kann die «Intensität der Behandlung» auf das jeweilige Behandlungs-Areal eingestellt werden.

Will man bestimmte Regionen im Gesicht oder kleinere Probleme wie Narben oder lokal begrenzte Pigmentstörungen verbessern, ist der Microneedling Pen dem Dermaroller punkto Präzision, Hygiene und Sicherheit beim Heimgebrauch überlegen.

Microneedling Anwendung: Wie führe ich ein Microneedling aus?

So funktioniert Microneedling mit dem Dermaroller:

Der Dermaroller eignet sich für die Gesichtsbehandlung, noch besser aber für grössere Körperpartien.

Beim Rollen ist es hilfreich, seine Körperpartie in verschiedene Bereiche einzuteilen. Rolle nun 6 bis 10 Mal von oben nach unten und 6 bis 10 Mal von links nach rechts. Anschließend diagonal von links oben nach rechts unten und nochmals von rechts oben nach links unten. Zwischen jeder Bahn nimmst du den Dermaroller komplett von der Haut und setzt ihn wieder erneut an. 

Vorsicht bei der Stirn, den Wangen und Kieferknochen – also immer dort, wo ein Knochen darunter ist, denn dort hat es weniger Unterhautfettgewebe und es kann schneller zu Blutungen und Schmerzen beim Rollern führen. Darum unbedingt vorsichtig und mit weniger Druck darüber rollern.

So funktioniert Microneedling mit dem Needling Pen

Du kannst zwischen zwei Behandlungs-Techniken wählen:

Needling Pen Gleitmethode

Hierbei wird der Needling-Stift im 90 Grad-Winkel während der Behandlung gleichmässig über die Haut geführt. Mit dieser Methode gleitet man 2 bis 3 mal über die jeweilige «Spur». Wichtig ist hierbei, dass die «Spuren» dicht aneinandergesetzt werden, so dass sich keine Unterbrechungen zwischen den einzelnen Linien ergeben.

Zuerst werden senkrechte vertikale Linien gesetzt und danach waagrechte horizontale Linien (Schachbrettmuster).

Needling Pen Punktuelle Methode

Hierbei wird der Needling-Stift im 90 Grad-Winkel punktuell 5 Sekunden aufgesetzt. Punkt für Punkt wird somit eine Falte oder auch Narbe aufgearbeitet.

Auch Beauty-Experte Rolf Stehr, Autor dieses Artikels, vertreibt ein Nano- und Microneedling Gerät für zuhause. Du findest es in seinem Onlineshop

Wie oft sollte ich ein Microneedling zu Hause machen?

Needling-Behandlungen können als einzelne Behandlung zur Aktivierung der Hautfunktionen durchgeführt werden. Je nach Behandlungsziel werden in der Regel Behandlungstherapien mit 6 bis 10 Behandlungen durchgeführt. Nach der Behandlungskur können die Zeitabstände länger gewählt werden, um das Ergebnis aufrecht zu erhalten.

Der jeweilige Zeitabstand zwischen den Behandlungen ist abhängig vom Behandlungsziel und der eingesetzten Stechtiefe.

Welche Nadeltiefe sollte ich beim Microneedling verwenden?

Beim Microneedling wird mit verschiedenen Stechtiefen gearbeitet. Hier ist es wichtig, zwischen den Bereichen Gesicht und Körper zu unterscheiden.

Microneedling Nadeltiefe Gesicht

Die Stechtiefe im Gesicht wird, je nach Anbieter, zwischen 0.25 bis 3.0 mm eingestellt.

Behandlungen über 0.5 mm zählen bereits zur medizinischen Applikation und sollten nur von ausgebildeten Fachpersonal durchgeführt werden. Auch bei der Heimanwendung sollte man besser unter der 0.5 mm-Tiefe bleiben.

Behandlungen mit 0.25 mm können ein- bis zweimal die Woche durchgeführt werden. Bei einer Stechtiefe von 0.5mm sollte der Behandlungsabstand zwischen 10 und 14 Tagen liegen.

Microneedling Nadeltiefe Körper

Für die übrigen Körperpartien wie Arme, Bauch oder Beine kann man durchaus bis auf eine Tiefe von 1mm oder 1.5mm gehen. In diesem Fall genügt dann aber eine Behandlung pro Monat.

Welche Hygienemassnahmen muss ich beachten?

Du solltest deine Hände vor der Behandlung unbedingt desinfizieren. Hierbei ist es wichtig, dass circa 3 ml Handdesinfektionsmittel pro Anwendung verwendet werden.

Verwendest du einen Dermaroller, solltest du auch diesen unbedingt vor und nach jedem Gebrauch mit einem Instrumente-Sterilizationsmittel (z.B. Intrusol) desinfizieren.

Microneedling: Hygiene Gesicht

Deine Gesichtshaut sollte komplett gereinigt sein. Es dürfen keine Reste von Make-up oder sonstige Verschmutzungen auf der Haut zurückbleiben. Dafür eignen sich besonders Reinigungen auf Gelbasis mit oder ohne Fruchtsäure-Anteile.

Im Anschluss ein mildes, enzymatisches Peeling wie z.B. meine Rolf Stehr Enzymatic Detox Mask unmittelbar vor dem Needling bereitet die Haut optimal auf die Behandlung und die Pflegeprodukte vor.

Microneedling: Hygiene restliche Körperpartien

Auch beim Körper gilt es, alle Partien gut zu reinigen und mit einem sanften Peeling von Hautschuppen und Cremeresten zu befreien.

Microneedling: Welche Produkte darf ich in die Haut stechen?

Allgemein gilt, dass Lipide, also Fette, die Haut nicht penetrieren können. Sie liegen lediglich auf der Haut auf, um die Geschmeidigkeit zu fördern und die Hydrolipidbarriere (Schutzschicht) aufrecht zu erhalten. Daher sollten keine Öle, wie z.B. Ölseren, in die Haut gestochen werden.

Vor dem Needling kannst du grundsätzlich feuchtigkeitsbasierende Ampullen und oder Gele auf die Haut auftragen. Jedoch lässt sich dies nicht pauschal sagen, da es im Einzelfall auf die Inhaltsstoffe der Produkte ankommt.

Sowohl im Bereich der Naturkosmetik als auch in der biotechnologischen Kosmetik können Produkte Inhaltsstoffe enthalten, die nicht zum Einsatz für ein Needling geeignet sind. Deshalb rate ich dir, dich am besten durch Fachpersonen beraten zu lassen.

Wichtig ist, dass du unmittelbar nach einer Microneedling-Behandlung keine stark fett- oder ölhaltigen Produkte auf die Haut gibst, sondern für das Gesicht leichte Gelmasken und oder sogenannte Patch Masken (Gesichtsmasken zum Auflegen) verwendest.

Für den Körper kann man eine leichte Feuchtigkeitscreme benutzen.

Kann Microneedling schaden? 

Wie bei vielen anderen Beauty-Methoden auch, muss eine richtige Handhabung gegeben sein, um der Haut nicht zu schaden. Es darf niemals zu viel Druck angewendet werden – sonst kann es zu Wunden, Ekzemen oder gar Narben kommen. Eine richtige Anwendung stellt kein Problem dar. 

Wann darf ich kein Mirconeedling durchführen?

In folgenden Fällen sollte kein Micro-Needling durchgeführt werden:

  • Bei Blutgerinnungsstörungen / Hämophilie
  • Bei der Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten (z.Bspl. Aspirin Cardio, Marcumar u.a)
  • Bei Diabetes mellitus
  • Bei akutem Herpes oder Gürtelrose
  • Bei frischen Narben & offenen Wunden im Behandlungsbereich
  • Bei der Neigung zu Keloiden
  • Bei akutem Sonnenbrand
  • Bei Hautpilzen & -ekzemen
  • Bei einer Psoriasis oder Neurodermitis
  • Bei einer aktiven Akne
  • Bei Hautkrebs und deren Vorstufen
  • nicht über Warzen & prominente Muttermale (erhabene Nävis)

Mit welchen Begleit- oder Nebenerscheinungen muss ich rechnen?

Je nach Hauttyp entstehen unmittelbar nach der Behandlung Rötungen und leichte Schwellungen. Weiterhin kann ein leichtes Brennen und «Sonnenbrand-Gefühl» entstehen und die Haut zeigt sich vorübergehend etwas empfindlicher. Diese Erscheinungen klingen nach einigen Stunden und in einzelnen Fällen innerhalb der ersten Tage wieder ab.

Während der Abheilungsphase entsteht je nach Stechtiefe eine microfeine Verkrustung der Hautpartien. Diese darf auf keinen Fall eigenmächtig entfernt oder abgekratzt werden.

Während der ersten 3 Tage nach dem Needling sollte die Haut zudem vor Sonnenstrahlen und Solarium geschützt werden. Auch das Verwenden eines sogenannten «Selbstbräuners» könnte das Ergebnis auf unschöne Weise beeinflussen.

Microneedling: Vorsicht bei Herpes

Träger/innen des Herpes Simplex-Virus müssen nach einem Needling, unter ungünstigen Umständen, mit einem Ausbruch rechnen. Dieses Virus kann alleine durch die Hautreizung mittels der Nadeln aktiviert werden. Bei einem Ausbruch des Herpes Simplex-Virus sollte zur Nachbehandlung ein dafür geeignetes Produkt eingesetzt werden.

Die weiterführende Needling-Behandlung darf in diesem Fall erst wieder stattfinden, wenn der Herpes-Ausbruch komplett auskuriert und abgeheilt ist.

Titelbild: Getty Images

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