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Ölige SacheÖlziehen: Was die ayurvedische Heilkunst bewirkt

Die ayurvedische Mundhygiene ist voll im Trend. Ölziehen soll gegen Zahnfleischblutungen und Mundgeruch helfen sowie Karies bekämpfen und Zahnbelag verringern. Manche behaupten sogar, dass Ölziehen gegen Beschwerden wie Migräne und PMS helfen könne. Was du über das entgiftende Mundhygiene-Ritual wissen solltest und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du das Ölziehen am Morgen selber machst.

Kokosöl eignet sich fürs Ölziehen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Ölziehen hat seinen Ursprung in der indischen Heilkunst. Heute gehört Ölziehen am Morgen auch in vielen Badezimmern weltweit zum morgendlichen Mundhygiene-Ritual. Mehr
  • Tägliches Ölziehen kann deine Zähne und dein Zahnfleisch stärken, Mundgeruch beseitigen, Mundtrockenheit bekämpfen, rissige Lippen pflegen und Zahnfleischblutungen vorbeugen. Mehr
  • Verwende beim Ölziehen ein kaltgepresstes Pflanzenöl deiner Wahl. Diese Öle eignen sich dafür.
  • Ziehe das Öl nach dem Aufstehen für 15 bis 20 Minuten durch deinen Mundraum und putze deine Zähne danach wie gewohnt. Zur Anleitung

Nach dem Aufstehen wirkt sich das morgendliche Ritual des Ölziehens vor dem Frühstück positiv auf die Zahngesundheit aus. In Indien schwört man auf das ayurvedische Ritual und auch Studien belegen, 15 Minuten Ölziehen kann einiges bewirken.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist Ölziehen?

Beim Ölziehen handelt es sich um ein ayurvedisches Ritual der Mundpflege. Ayurveda ist die traditionelle indische Heilkunst. In der Charaka Samhita, der Literatur des Ayurveda, werden etliche Krankheiten aufgeführt, die durch das Ölziehen geheilt werden sollen. Darunter beispielsweise Hormonstörungen, Migräne, Diabetes und Asthma.

Ölziehen soll folgenden Beschwerden vorbeugen

Die Wirkung des Ölziehens ist nach wie vor umstritten, es gibt aber indische Wissenschaftler:innen, die von der ayurvedischen Heilkunst überzeugt sind. Sie verteidigten das Ölziehen 2011 im Indian Journal of Dental Research. Eine Liste mit Beschwerden, auf die sich Ölziehen positiv auswirken könnte:

Was das Ölziehen bewirkt

Ölziehen ist gut für die Mundhygiene. In einer Studie aus dem Jahr 2014 wurden die Methode des Ölziehens mit Sesamöl und die Methode der Mundspülung mit Chlorhexidin verglichen. Das Ergebnis: Beide Methoden verbesserten sichtbar die Mundgesundheit und reduzierten Zahnbelag.

Was passiert beim Ölziehen?

Beim Ölziehen, also beim Gurgeln mit Öl, entsteht eine sogenannte «Verseifung» des Öls im Mund. Das Öl reinigt und desinfiziert den Mund. Dank der Konsistenz kommt die Flüssigkeit in alle Lücken. Auch bekämpft das Öl Bakterien im Mund, die für Mundgeruch oder Krankheiten zuständig sind. Durch das Ölziehen wird die Durchblutung in der Mundhöhle gefördert, was die Selbstheilungskraft des Körpers fördert.

Welches Öl eignet sich fürs Ölziehen?

Fürs Ölziehen eignet sich prinzipiell jedes kaltgepresste Pflanzenöl. Folgende Öle kannst du problemlos für dein Morgenritual benutzen:

  • Sesamöl
  • Kokosöl
  • Sonnenblumenöl
  • Olivenöl
  • Leinöl

Ölziehen: So geht's

1 Zunge reinigen: Als erstes solltest du nach dem Aufstehen den Zungenbelag entfernen, zum Beispiel mit einem Zungenschaber. Mundgeruch wird dadurch vorab beseitigt und dein Geschmackssinn ist wieder fein.

2 Wähle ein kaltgepresstes Pflanzenöl: Traditionell verwendet man in der ayurvedischen Heilkunst Sesamöl, aber auch Kokosöl oder Leinöl wirken entgiftend. Wer den Ölgeschmack nicht besonders gern hat, kann Olivenöl oder Sonnenblumenöl zum Ölziehen verwenden.

3Öl durch den Mund ziehen: Nimm einen Esslöffel Öl in den Mund und spüle es für 15 bis 20 Minuten in deinem Mund hin und her. Das Öl sollte ständig in Bewegung bleiben. Du kannst es von einer Backenseite zur nächsten «ziehen». 15 bis 20 Minuten sind eine lange Zeit, die du dafür verwenden kannst, um dein Frühstück zu richten oder dein Bett zu machen. Vergiss dabei die Zahnzwischenräume nicht. Wer Mühe damit hat, kann mit 5 Minuten anfangen und sich im Laufe der Zeit steigern.

4Ausspucken: Das Öl bloss nicht schlucken, denn im Öl befinden sich nach dem Ölziehen die Giftstoffe aus deinem Mund. Wenn das Öl dünnflüssiger und weiss ist, kannst du es in ein Taschentuch spucken.

Wichtig: Das Öl sollte nicht ins Waschbecken gespuckt werden, da sich die Ölreste an den Rohren ablagern können. Ausserdem verbindet Öl sich nicht mit Wasser und kann die Kanalisation verstopfen. Spucke deshalb das Speichel-Öl-Gemisch in ein Küchentuch und entsorge es im Abfallkübel.

5 Ausspülen: Spüle danach deinen Mundraum mit warmem Wasser aus und putze dir wie gewohnt die Zähne.

Warum du fürs Ölziehen einen nüchternen Magen brauchst

Da sich über Nacht die meisten Giftstoffe in unserem Mund ansammeln, solltest du noch vor deinem ersten Schluck Wasser Öl durch deinen Mundraum ziehen. Erst nach dem Zähneputzen kannst du Wasser trinken und frühstücken.

Vorteile des Ölziehens

Das Ölziehen hat ähnliche Wirkungen auf deine Mundhygiene wie Mundspülungen. Allerdings ist in den Mundspülungen häufig Chlorhexidin enthalten, was schädlich sein kann und möglicherweise deine Zähne braun verfärbt. Öl hingegen ist ein natürliches Mittel, um die Zähne zu reinigen und Zahnkrankheiten zu reduzieren. Im Gegensatz zu Chlorhexidin soll es gar für weissere Zähne sorgen. Die Nützlichkeit von Ölziehen wird von verschiedenen Quellen bestritten, teils ist auch von Placebo die Rede, aber negative Nebenwirkungen hat es keine.

Wie gesund ist Ölziehen wirklich?

Weil sich Gift durch die Blutgefässe im Mund auf den ganzen Körper ausbreiten kann, soll Ölziehen einen Detox-Effekt haben und den Körper auf natürliche Weise entgiften. Das soll laut ayurvedischer Heilkunde auch Darm-Problemen entgegenwirken, weil sich diese angeblich oft auf eine gestörte Mundflora zurückverfolgen lassen.

Warum Ölziehen einen Versuch wert ist

Ölziehen ist kein Wundermittel, aber viele glauben an die präventive Wirkung und daran, dass es zu einer gesunden körperlichen Balance beiträgt. Auch wenn der Geschmack von reinem Öl allein gewöhnungsbedürftig erscheint und die wissenschaftliche Basis etwas wackelt, schadet Ölziehen sicherlich nicht – es lohnt sich also, für ein paar Wochen das morgendliche Ritual etwas zu erweitern und der Gesundheit damit hoffentlich etwas zuliebe zu tun. Einen Versuch ist es zumindest wert.

Titelbild: Getty Images

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